Feminismus

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Feier zum Internationalen Frauentag, Nicaragua, 1988

Feminismus (abgeleitet von französisch féminisme) bezeichnet sowohl eine akademische als auch eine politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie das Ende aller Formen von Sexismus eintritt.[1] Daneben verweist Feminismus aber auf eine politische Theorie, die nicht nur einzelne Anliegen im Blick hat, sondern die Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse verfolgt; sie strebt einen grundlegenden Wandel der sozialen und symbolischen Ordnung an (auch in den vertrautesten und intimsten Geschlechterverhältnissen) und erlaubt gleichzeitig Deutungen und Argumente zu deren Kritik.[2]

Der Feminismus entstand mit den Emanzipationsbestrebungen von Frauen im Zuge der Aufklärung in Europa sowie im Zusammenhang allgemeiner Bürgerrechts- und Freiheitsbewegungen weltweit und kontrastierte den Anspruch der Gleichheit aller Menschen mit den Alltagserfahrungen von Frauen. Auf dieser Basis forderte er, die Gleichheit von Frauen und Männern nicht nur zu postulieren, sondern ihr auch rechtlich und politisch Rechnung zu tragen.[3] Zu diesem Zweck setzten sich Feministinnen und Feministen mit den philosophischen Begründungen für eine Ungleichbehandlung auseinander und entwickelten verschiedene feministische Theorien und Denkansätze als kritische Kultur- und Gesellschaftsanalysen. Ein einheitlicher Feminismus, dessen Definition weltweite Gültigkeit besäße, gilt heutzutage nicht als erstrebenswertes Ziel, da Frauen aus unterschiedlichen Kulturen und gesellschaftlichen Verhältnissen stammen, die sie stärker prägen können als das Geschlecht.

Begriff[Bearbeiten]

Der Ursprung des Begriffs ist unbekannt. Frühere Historiker schrieben seine Erfindung dem Sozialphilosophen Charles Fourier (1772–1837) zu. Er hatte erstmals den Grad der Befreiung der Frau als Maßstab für die gesellschaftliche Entwicklung angegeben und formuliert: „Der soziale Fortschritt […] erfolgt aufgrund der Fortschritte in der Befreiung der Frau.“[4] Da es vor 1870 keine Spuren des Begriffs gibt, kann Fourier ihn nicht geprägt haben. Darauf weist die Historikerin Karen Offen hin.[5]

Im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts traten die Begriffe féministe und féminisme zuerst in Erscheinung als Synonyme für Frauenemanzipation und für Bewegungen und Personen, die die Rechte der Frauen proklamierten. Die erste Frauenrechtlerin, die den Begriff als Selbstbeschreibung gebrauchte, war 1882 die Französin Hubertine Auclert.[5] Auf dem Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen im September 1896 in Belin, den u.a. Lina Morgenstern, Minna Cauer und Hedwig Dohm mitorganisiert hatten, debattierten 1700 Teilnehmerinnen aus Europa und den USA über den Stand der Frauenfragen. Die französische Delegierte Eugénie Potonié-Pierre informierte die Presse über den Begriff Feminismus und was er bedeutet. Von da an fand er zunehmend internationale Verbreitung.[6]

Im Deutschland des Kaiserreichs wurde „Feminismus“ kaum benutzt, mit Ausnahme von der feministischen Vordenkerin Hedwig Dohm und dem radikalen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung um Minna Cauer, Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann und Käthe Schirmacher. Von der Mehrheit der deutschen Frauenbewegung wurde er jedoch abgelehnt, zum einen aus Abgrenzung gegenüber Frankreich, zum anderen weil der Begriff schon früh von den Gegnern des Feminismus zur Abwertung der Emanzipationsbewegung besetzt war.[7] (Siehe: Antifeminismus)

Die erste Nennung des Begriffs in Großbritannien ist für die Jahre 1894/95 belegt. Seit 1910 ist er in den USA gebräuchlich. In den 1920er Jahren fand er auch Eingang in die japanische und arabische Sprache.[5]

In Deutschland war bis Mitte des 20. Jahrhunderts der Begriff „Frauenemanzipation“ weitaus geläufiger als Feminismus. Erst mit der Zweiten Frauenbewegung seit den 1970er Jahren verbreitete sich der Begriff als positive Selbstbeschreibung für Angehörige der Bewegung.[7]

Übersicht[Bearbeiten]

Feminismus tritt für eine Gesellschaftsstruktur ein, in der die Unterdrückung von Frauen, die er als gesellschaftliche Norm analysiert hat, beseitigt ist und die Geschlechterverhältnisse durch Ebenbürtigkeit geprägt sind. Für die Historikerin Karen Offen umfasst ein solches Verständnis von Feminismus auch Männer, deren „Selbstverständnis nicht auf der Herrschaft über Frauen beruht.“[8] Der Feminismus sieht die in der bisherigen Geschichte vorherrschenden Gesellschaftsordnungen als androzentrisch an und interpretiert diesen Umstand als strukturelle patriarchale Herrschaft. Auf dieser Grundlage haben sich Strömungen und Ausprägungen entwickelt, die einander teilweise ergänzen, aber auch widersprechen.

Feministische Wissenschaftskritik und feministische Forschung machen es sich zur Aufgabe, bisherige Ausblendungen der weiblichen Geschichte und der Leistungen von Frauen sichtbar und Feminismus für alle Wissenschaftsgebiete fruchtbar zu machen. Bis heute hat sich keine einheitliche feministische Theorie herausgebildet, und es ist umstritten, ob dies möglich ist.

Über feministische Forschung schrieb die Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Christina Thürmer-Rohr:

„Feministische Forschung füllt keine Lücke, sie ist keine bislang noch fehlende Zutat zu den geläufigen Forschungsgegenständen in Form des un- oder falschbeackerten Gegenstandes Frau. Sie liegt quer zu allen diesen 'Gegenständen'. Sie ist Querdenken, Gegenfragen, Widerspruch, Einspruch.“

Christina Thürmer-Rohr, 1987[9]

Die politische und soziale Bewegung des Feminismus geriet immer wieder in Krisen. Dem Rückzug ins Private folgte bei einigen Feministinnen die Hinwendung zum Esoterischen, zu einer „neuen Weiblichkeit“, was heute teilweise als eigene Richtung des Feminismus interpretiert, teilweise als Weiterentwicklung des traditionellen Differenzfeminismus angesehen wird, aber auch als Entpolitisierung kritisiert wird.

Erfolge des Feminismus lassen sich vor allem in den Bereichen politische und rechtliche Gleichstellung, wie der Einführung des Frauenwahlrechts, der Bildung, sexuellen Selbstbestimmung, der Menschenrechte für Frauen und der Emanzipation von Frauen und Mädchen von vorgeschriebenen Lebensläufen und Rollenbildern.[10] Die Anliegen des Feminismus fasste Johanna Dohnal, die erste Frauenministerin Österreichs, folgendermaßen zusammen:

„Die Vision des Feminismus ist nicht eine ‚weibliche Zukunft‘. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“

Johanna Dohnal, 2004[11]

Im Zuge anderer Gleichstellungsbewegungen wie etwa der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung oder den Unabhängigkeitsbestrebungen in den Kolonialgebieten setzte sich der Feminismus später auch mit der Frage auseinander, welche philosophischen und Konsequenzen die Unterschiede zwischen den Erfahrungen von Frauen aus verschiedenen sozialen Schichten, mit unterschiedlicher Hautfarbe oder mit westlicher und nichtwestlicher Herkunft haben. Dieser ersten Kritik an einer universellen Erfahrung und einem gemeinsamen Interesse aller Frauen folgten später Strömungen, die sich vor allem der Hinterfragung von Geschlechtskategorien widmeten: Die philosophische und politische Auseinandersetzung hatte deren Dynamik und Formbarkeit offengelegt, was einige Feministinnen und Feministen zum Anlass nahmen, ihre grundsätzliche Berechtigung zu diskutieren. Dennoch bleiben die Bezugnahme auf das weibliche Geschlecht und das Ziel gerechter Teilhabe bis heute wichtige Ressourcen feministischer Argumentation und Politik.

Themen des Feminismus[Bearbeiten]

Unter dem Begriff Feminismus werden zahlreiche, teilweise auch gegenläufige Strömungen zusammengefasst. Die zentralen Debatten des Feminismus unterliegen einem Wandel. Ab den 1960er Jahren wurden unter anderem folgende Themen aufgegriffen, für einige hatten bereits die feministischen Pionierinnen Ende des 19. Jahrhunderts gekämpft:

Zur Geschichte des Feminismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Frauenbewegung

Anfänge[Bearbeiten]

Hedwig Dohm, um 1870

Frühe Ideen des europäischen Feminismus finden sich in den Schriften von Marie Le Jars de Gournay, die schon im 17. Jahrhundert die Menschenrechte proklamierte. Aber auch die Schriften von Christine de Pizan, Olympe de Gouges, Mary Wollstonecraft, Hedwig Dohm gelten als typische frühe Werke der europäischen feministischen Philosophie.

Olympe de Gouges, 18. Jahrhundert

Der Feminismus als Theorie und Weltanschauung entstand erstmals im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, als im Gefolge der bürgerlichen Revolutionen Verfassungen mit Grundrechtskatalogen verabschiedet wurden. Allerdings waren Frauen als Träger dieser Grundrechte nur eingeschränkt vorgesehen. Dagegen protestierte in Frankreich Olympe de Gouges.[12] So stellte sie 1791 den 17 Artikeln der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die sich nur auf Männer bezogen, in 17 Artikeln ihre Frauenrechte gegenüber, die den berühmten Satz enthielten:

„Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermaßen das Recht haben, die [Redner-]Tribüne zu besteigen [...]“

Olympe de Gouges

Politische Mitwirkungsrechte, die in der Revolution zunächst erkämpft oder eingeräumt wurden, wurden bald wieder eingeschränkt.[13] Olympe de Gouges wurde 1793, nachdem sie Robespierre öffentlich angegriffen und eine Abstimmung über die Staatsform gefordert hatte, auf Veranlassung des Revolutionstribunals hingerichtet.[14] 1792 veröffentlichte die englische Schriftstellerin Mary Wollstonecraft ihr Werk Vindication of the Rights of Woman (Die Verteidigung der Frauenrechte), in dem sie die Lage der Frauen als gefangen in einem Netz falscher Erwartungen analysierte. Sie plädierte dafür, dass Frauen sich ausbilden können, um sich selbst zu erhalten. Frauen könnten z.B. genauso Ärzte sein wie Männer. Basis der Ehe sollte Freundschaft, nicht die körperliche Anziehung sein. Ihr Ziel war die Erlangung der vollen Bürgerrechte für alle Frauen.[15]

Erste Welle[Bearbeiten]

Britische Suffragette

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in vielen Ländern Europas, den USA und in Australien die erste Welle des Feminismus und der Frauenbewegung.[16] Die britische Frauenrechtlerin Josephine Butler engagierte sich seit 1869 gegen die Contagious Diseases Acts (Gesetze zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten), bei denen Prostituierte staatlich überwacht wurden, die Freier aber nicht kontrolliert wurden. Allein die Frauen, nicht aber ihre männlichen Kunden waren folglich für die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten verantwortlich. Nicht nur in Großbritannien, sondern auch in anderen Ländern wurde eine derartige Doppelmoral bekämpft. Die Abolitionismus-Bewegung hinterfragte international breitenwirksam soziale und sexuelle Konventionen, die zuvor niemals öffentlich diskutiert wurden.[17]

Hubertine Auclert entwickelte in der von ihr herausgegebenen Zeitschrift La Citoyenne 1882 den Begriff Feminismus als politische Leitidee gegen den nach ihrer Ansicht damals in der französischen Gesellschaft vorherrschenden Maskulinismus. 1892 fand in Frankreich ein Kongress statt, der das Wort Feminismus im Titel führte, und 1896 berichtete Eugénie Potonié-Pierre auf dem Internationalen Frauenkongress in Berlin, dass sich in der französischen Presse der Begriff durchgesetzt habe. In den nächsten Jahren breitete sich der Begriff auch international aus; dabei wurde er teilweise synonym mit Frauenbewegung benutzt,[18] auch von ihren „antifeministischen“ Gegnern.

Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin forderte 1910 auf dem II. Kongress der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen: „Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“. Ein Jahr später gingen erstmals Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz auf die Straße. Ihre zentrale Forderung: Einführung des Frauenwahlrechts und Teilhabe an der politischen Macht. Außer in Finnland durften zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen, sondern erst nach dem Ersten Weltkrieg. [19] Die Vertreterinnen der Ersten Frauenbewegung strebten eine politische Gleichstellung mit den Männern an sowie ein Ende der zivilrechtlichen Mündelschaft unter Vater oder Ehemann, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Zugang für Frauen zur Universität und zu allen Berufen und Ämtern.[20]

Fast zeitgleich wurde 1911 der Begriff Androzentrismus von Charlotte Perkins Gilman in ihrem Buch „The Man-Made World or Our Androcentric Culture“ entwickelt. Es wurde dort als eine spezifische Form von Sexismus kritisiert, in der das Weibliche als „das Andere“, „das von der Norm abweichende“ gefasst wird.

Die erste Welle des Feminismus ebbte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ab. Grundlegende Forderungen wie das Frauenwahlrecht waren in einigen Ländern erfüllt. Als Folge der Einführung des Frauenwahlrechts beschäftigten sich die weiblichen Abgeordneten nicht nur mit der weiteren Durchsetzung des Zugangs zu bisherigen Männerberufen, wie dem Richteramt, sondern auch mit der Sozialgesetzgebung und einem angemesseneren Umgang mit Prostitution und Asozialität.[21] In der Weltwirtschaftskrise ab 1929 verschärfte sich die Konkurrenz um Arbeitsplätze, Frauen wurden in der Regel als erste entlassen. Nun wirkten zahlreiche Faktoren zusammen, die den Frauen wieder ihren traditionellen Platz zuwiesen.

Den Forderungen nach Frauenstudium wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern stattgegeben, allerdings studierten zunächst nur sehr wenige Frauen, wie Rosa Luxemburg. Die erste ordentliche Professorin in Deutschland war Margarete von Wrangell; die zweite Mathilde Vaerting, sie wurde 1933 von den Nationalsozialisten vom Hochschuldienst ausgeschlossen ebenso wie unter anderen Marie Baum und Gerta von Ubisch. Als erste Physikerin in Deutschland wurde Lise Meitner 1926 die erste Professorin an der Berliner Humboldt-Universität. Wie viele andere jüdische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch musste sie emigrieren und konnte ihre wissenschaftliche Arbeit in Berlin nicht fortsetzen. Sie floh 1938 nach Schweden.

Der deutsche Nationalsozialismus beschränkte die Möglichkeiten der Frauen zum Studium; die nationalsozialistischen, insbesondere die rassenpolitischen Gesetze führten in der Zeit von 1933 bis 1945 zu einem einschneidenden Bruch in den universitären Beschäftigungs- und Karrieremöglichkeiten von Frauen.

Frauenorganisationen wurden aufgelöst oder gleichgeschaltet. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann, Pionierinnen der ersten Frauenbewegung und Gegnerinnen des Nazi-Regimes, mussten ab 1933 im Schweizer Exil leben; Alice Salomon wurde 1939 ins Exil gezwungen.

Nach zwei Weltkriegen war die Wiederherstellung rigider Geschlechterrollen sowie das Leitbild von Ehe und Kernfamilie als dominante Lebensform wichtiger Bestandteil einer angeblichen „Normalisierung“ der Lebensverhältnisse. Obwohl Frauen in der Kriegs- und Nachkriegszeit auf sich allein gestellt das Leben unter schwierigsten Bedingungen gemeistert hatten, beinhaltete das die klare Anweisung, in Heim und Familie als wahren Ort weiblicher Bestimmung zurückzukehren. In allen westlichen Industrienationen, die am Zweiten Weltkrieg beteiligt waren, fand in der Nachkriegszeit eine Restrukturierung traditioneller Geschlechterverhältnisse statt.[22]

Zweite Welle[Bearbeiten]

„Die feministische Bewegung begann in den sechziger/siebziger Jahren mit der These, daß Frauen – jenseits der Biologie – etwas gemeinsam haben, nämlich eine gewaltsame Schädigungs- und Ausschluß-Geschichte, die sie in die Randständigkeit gedrängt, als minderwertige Menschen definiert, von der öffentlichen Teilhabe ausgeschlossen und der alltäglichen Gewalt ausgeliefert hat.“

Christina Thürmer-Rohr, 1997[23]

Der Formierung der Frauenbewegungen in Westdeutschland und anderen europäischen Ländern ging die amerikanische Frauenbewegung, das Women’s Liberation Movement (Women’s Lib), voraus. Als sich in der Bundesrepublik zögernd die ersten autonomen Frauengruppen konstituierten, hatte sich in den Vereinigten Staaten bereits ein breites Netz von Frauenorganisationen und Frauengruppen entfaltet. Die erste neue feministische Gruppierung war die im Juni 1966 gegründete National Organization for Women (NOW).[24]

Um die Bedeutung des feministischen Aufbruchs seit den 1960er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland nachvollziehen zu können, muss man sich die Bedingungen für Frauen vergegenwärtigen. Mitte der sechziger Jahre waren Mädchen, vor allem aus Arbeiter- und Landfamilien, an weiterführenden Schulen deutlich untervertreten, und es studierten wesentlich mehr Männer als Frauen.[25] An den Hochschulen gab es kaum weibliche Wissenschaftler und Hochschullehrer. Frauen waren auch in der politischen Repräsentation kaum vertreten, obwohl die Aufnahme der Gleichberechtigung ins Grundgesetz wesentlich das Verdienst von Politikerinnen wie Elisabeth Selbert war. Nur jede dritte Frau war erwerbstätig, die Verteilung der Berufe folgte weitgehend den geschlechtsspezifisch stereotypen Zuschreibungen, wie den sogenannten Leichtlohngruppen und „Frauenberufen“. Die allgemeine rechtliche Situation von Frauen entsprach nicht derjenigen der Männer. So konnte der Ehemann als gesetzlich definierter „Haushaltsvorstand“ verbindliche Entscheidungen alleine treffen. Bis 1962 durften Frauen ohne Zustimmung des Mannes kein eigenes Bankkonto eröffnen und darüber verfügen. Noch bis 1977 schrieb das Bürgerliche Gesetzbuch vor, dass eine Frau die Erlaubnis ihres Ehemanns für die eigene Berufstätigkeit brauchte. Auch wenn er es erlaubte, verwaltete er ihren Lohn. Im Scheidungsrecht galt das Schuldprinzip, so dass Hausfrauen, die „schuldig“ geschieden wurden, oftmals ohne jegliche finanzielle Unterstützung dastanden. Vergewaltigung in der Ehe hieß noch „eheliche Pflicht“, Abtreibung war verboten, und die Kinderbetreuung war überwiegend Aufgabe der Frauen.[26]

Die Zweite Frauenbewegung in Westdeutschland nahm ihren Anfang mit einem Tomatenwurf. Helke Sander hatte in einem Vortrag am 13. September 1968 auf der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) den SDS-Männern vorgeworfen, in ihrer Gesellschaftskritik nicht weit genug zu gehen, weil sie die Diskriminierung der Frauen ignorierten. Der SDS selbst sei das Spiegelbild einer männlich geprägten Gesellschaftsstruktur. Da die Genossen nicht bereit waren, diese Rede zu diskutieren, und zur Tagesordnung übergehen wollten, warf Sigrid Rüger Tomaten in Richtung des Vorstandstisches und traf Hans-Jürgen Krahl.[27][28] Noch am selben Tag gründeten Frauen in den verschiedenen Landesverbänden des SDS „Weiberräte“. Bald darauf spalteten sich Frauengruppen vom SDS ab, und es entstand eine autonome Frauenbewegung mit neuen Organisationsformen wie den Frauenzentren. Damit begann ein Sturm auf die vielfältigen Formen institutionalisierter Ungleichheit: „Arbeitsteilung, Rollenzuschreibungen, Repräsentationsmuster, Gesetze, Theorie- und Interpretationsmonopole, Sexualpolitik und Heterosexismus. Diese Dimensionen der Ungleichheit wurden in der Frauenbewegung ganz unterschiedlich thematisiert – und zwar autonom oder institutionell; provokativ oder vermittelnd; radikal oder gemäßigt.“ Für die aktive Gleichberechtigung der Frauen mussten neue politische Modelle erst „erfunden“ werden. Das Neue an der zweiten Frauenbewegung war der Umfang, in dem sie Alltägliches in Frage stellte.[29] Eine Parole lautete "Das Persönliche ist politisch" (Helke Sander).

1971 formierte sich im Protest gegen das Verbot der Abtreibung im § 218 eine Bewegung, die weit über die feministischen Diskussionsgruppen hinausging. Die Selbstbestimmung über die weibliche Sexualität wurde zum zentralen Thema. In der Folge bildeten sich die in der Bundesrepublik Deutschland grundlegenden intellektuellen Strömungen heraus: sozialistischer Feminismus, radikaler Gleichheitsfeminismus, radikaler Differenzfeminismus sowie der lesbische separatistische Feminismus. Das europäische Emanzipationsdenken, aber auch Impulse aus anderen westeuropäischen Ländern, vor allem Frankreich, aus den USA und der so genannten Dritten Welt beeinflussten diese Strömungen.[30]

Dritte Welle[Bearbeiten]

Während in Deutschland seit 1989 vom Ende des zweiten Feminismus gesprochen wurde, sind lokal und global neue feministische Initiativen entstanden, die als Dritte Welle des Feminismus bezeichnet werden. Ihr Ausgangspunkt waren die von den Vereinten Nationen seit 1975 veranstalteten Weltfrauenkonferenzen, die für Feministinnen der Dritten Welt eine Plattform für die internationale Vernetzung bildeten.[31] Zu den feministischen Denkerinnen, die sich in den Fragen einer transnationalen Politik engagieren, gehören die Philosophinnen Martha C. Nussbaum und Gayatri Chakravorty Spivak.[32]

Von verschiedenen Autoren wird auch der Ökofeminismus als Dritte Welle des Feminismus betrachtet.[33]

In den 1990er Jahren entstand in den USA die Riot-Grrrl-Bewegung aus einem Punk-Kontext. Elemente der Riot-Grrrl-Bewegung wurden auch in Deutschland aufgegriffen und wandelten sich in die dritte Welle des Feminismus.[34] Einflussreiche Autorinnen und Aktivistinnen sind Jennifer Baumgardner, Kathleen Hanna und Amy Richards. Die jungen Feministinnen der dritten Welle arbeiten vor allem mit dem Internet und zielorientiert in Projekten und Netzwerken mit feministischer Ausrichtung, z. B. in der 1992 in den USA gegründeten Third Wave Foundation.[35] Im deutschsprachigen Raum entstanden Internetprojekte wie Mädchenmannschaft und Missy Magazine, eine Bewegung, die unter dem Begriff Netzfeminismus gefasst wird.[36][37]

Andere Gruppen artikulieren sich seit Mitte 2000 in direkten Aktionen mit künstlerischen und parodistischen Mitteln. Dazu gehören die Slutwalks, One Billion Rising und Femen. Darin zeige sich, so Sabine Hark, „ein entschiedenes ›Nein‹ […] zu Sexismen jeglicher Art“ und eine Anknüpfung an die Protestformen des Feminismus der 1970er Jahre.[38][39]

Schlüsselwerke[Bearbeiten]

Das andere Geschlecht

Lange vor Aufbruch der Neuen Frauenbewegung hatte Simone de Beauvoir 1949 in ihrem viel beachteten Werk Das andere Geschlecht die weibliche Lebenssituation ausführlich analysiert. De Beauvoirs Ausgangsfragen sind: Was ist eine Frau? Warum ist die Frau das Andere? Der philosophische Hintergrund ihrer Untersuchung ist der Existenzialismus; er fülle die Lücke, die der sozialistische Ansatz zurücklasse, um die Situation der Frau zu verstehen. Die Verschiedenheit der Geschlechter, die gleichzeitig als Rechtfertigung der Unterdrückung der Frau dient, ist nach de Beauvoir nicht natur-, sondern kulturbedingt. Die Konstruktion der Frau als das andere Geschlecht lasse sich nur aus den jeweils herrschenden Moralvorstellungen, Normen und Sitten einer Kultur erklären. Beauvoir ruft in ihrem Buch die Frauen dazu auf, sich nicht mit ihrem Status als Ergänzung des Mannes zufriedenzugeben und ihre Gleichstellung in der Gesellschaft in jeder Hinsicht zu beanspruchen. Sie setzte sich für eine Entmystifizierung der Mutterschaft und das Recht auf Abtreibung ein. Das andere Geschlecht gilt als Standardwerk und Ausgangspunkt der feministischen Philosophie.[40]

Betty Friedan, 1960

Ein Buch der US-Amerikanerin Betty Friedan markierte den Neubeginn den Zweiten Frauenbewegungen international: 1963 erschien The Feminine Mystique in New York (deutsch: Der Weiblichkeitswahn, 1984). Darin entwarf sie eine kritische Analyse der amerikanischen Gesellschaft. Sie zeigte, dass Werbung, Massenmedien und andere Ideologie vermittelnde Institutionen die Vorstellung von einem erfüllten Daseins als Hausfrau und Mutter hervorbrachten, und belegte anhand zahlreicher Interviews, wie wenig diese Ideologie der tatsächlichen Erfahrung von Frauen entsprach. Sie sah in der Reduktion der Frauen auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter die Ursache für die Unzufriedenheit und Unausgefülltheit vieler Mittelschichtfrauen. Friedan propagierte stattdessen, dass sich eine Frau nur verwirklichen könne, wenn sie auch ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtige. Den zentralen Schlüssel zur Selbstbefreiung sah sie in der Berufstätigkeit der Frauen, wobei dies Ehe und Mutterschaft nicht ausschließt.[41][42]

„Wie für einen Mann führt auch für eine Frau der einzige Weg zu sich selbst über schöpferische Arbeit.“

Betty Friedan[43]

Kate Millett prägte mit ihrem Werk Sexual politics (1969, dt. Sexus und Herrschaft, 1970) entscheidend den Diskurs des radikalen Feminismus in den 1970er und 1980er Jahren. Zum ersten Mal wird darin das Verhältnis von Mann und Frau als Herrschaftsverhältnis begriffen und unter dieser Perspektive analysiert. Kate Millett betrachtet das Patriarchat als das grundlegende Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnis, da es in nahezu allen Gesellschaftsformationen als Konstante vorkommt, auch in sozialistischen. Es steht demnach über dem Klassenwiderspruch. Obwohl Millett sich auch als Sozialistin bezeichnete, forderte sie, das Patriarchat unmittelbar und sofort zu bekämpfen, ohne auf eine sozialistische Revolution zu warten, die nicht auf der Tagesordnung stehe. In diesem Kampf stehen sich Männer und Frauen unversöhnlich gegenüber. In anderen Teilen ihres Buches analysiert sie die anthropologischen und religiösen Mythen, die die Unterdrückung der Frauen rechtfertigen. Des Weiteren kritisiert sie Schriftsteller wie D. H. Lawrence, Henry Miller und Norman Mailer, denen sie vorwirft, mit ihrer patriarchalen Erotik zur Erniedrigung und Unterwerfung der Frauen beizutragen. Damit sprach sie ein weiteres wichtiges Thema des Feminismus in den 70er Jahren an, nämlich seine Stellung zu Sexualität und Pornographie.[44]

Strömungen innerhalb des Feminismus[Bearbeiten]

Feminismus wird in der internationalen Forschung als analytischer Begriff für politische Theorien verwandt, die die Aufhebung von Geschlechterhierarchien oder Geschlechterdifferenzen im Blick haben. Es gibt keine einheitliche feministische Theorie, sondern viele verschiedene Ansätze und Strömungen. Die unstrittige Kernfrage aller feministischen Strömungen ist die Ungleichheit auf den Feldern der politischen, ökonomischen und intellektuellen Teilhabe sowie die Kritik der Gewalt. Ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt führen zu können, betrachten die Theoretikerinnen des Feminismus von Mary Wollstonecraft bis Martha Nussbaum als Bedingung der Möglichkeit von Freiheit und Gleichheit für Frauen.[45]

Die Philosophin Herta Nagl-Docekal fasst die Entwicklung des europäischen, feministischen Denkens in drei Stufen zusammen: am Anfang stand die Emanzipation der Frauen, die sich an der Gleichheit der Geschlechter orientierte; auf der zweiten Stufe folgte die Wahrnehmung der Andersheit des Weiblichen im positiven Sinne, das dem Männlichen mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen ist (Differenzdenken); im Anschluss daran stände das Ziel der Veränderung der Gesellschaft unter dem Gesichtspunkt der Gleichberechtigung beider Geschlechter an.[46]

Radikalfeminismus[Bearbeiten]

Der europäischen feministischen Bewegung ging die amerikanische voraus. Eine der ersten Organisationen, in der sich Frauen und Männer in der Tradition der Reformpolitik der ersten Frauenbewegung zusammenschlossen, war die 1966 unter anderen von Betty Friedan gegründete National Organization for Women (NOW).[47] Demgegenüber entstand in den 1960er Jahren ein radikaler Feminismus (radical feminism), deren Vertreterinnen aus der studentischen Neuen Linken und der Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) kamen. Sie sahen sich in diesen Bewegungen trotz der vorherrschenden Gleichheitsrhetorik ebenso diskrimiert wie in der übrigen Gesellschaft und begannen autonome Frauengruppen in den großen Städten zu gründen, darunter die New York Radical Women, die Gruppe Women's Liberation in Berkeley und das Kollektiv Bread and Roses in Boston, das sich als antikapitalistisch und antirassistisch verstand.[48] Die New York Radical Women entwickelten die analytische Methode Consciousness-raising, mit der Frauen die politischen Aspekte in ihrem persönlichen Leben erforschten. Ein Slogan der Bewegung lautete Sisterhood is powerful.[49] Eine der wichtigsten Initiatorinnen und Theoretikerinnen des radical feminism war Shulamith Firestone. Sie postulierte, dass am Ende der feministischen Revolution „nicht einfach die Beseitigung männlicher Privilegien, sondern der Geschlechterunterschiede“ stehen müsse.[50] Weitere einflussreiche Theoretikerinen des Radikalfeminismus sind Catharine MacKinnon und Mary Daly.[51]

Gleichheitsfeminismus[Bearbeiten]

Simone de Beauvoir (rechts) und Jean-Paul Sartre, 1920

Gleichheit und Differenz sind zentrale Kategorien im feministischen Diskurs. Gleichheitsfeministische Theorien sind in erster Linie herrschaftskritisch. Sie analysieren die gesellschaftliche Wirklichkeit der Geschlechter und untersuchen die gesellschaftlichen Konstruktionsweisen von Gleichheit und Ungleichheit. Im Gleichheitsfeminismus (auch Egalitätsfeminismus oder Sozialer Feminismus) gehen die Vertreterinnen von einer grundsätzlichen Gleichheit der Geschlechter aus und begründen die zwischen den Geschlechtern existierenden Unterschiede hauptsächlich mit gesellschaftlichen Machtstrukturen und Sozialisation der Menschen. Diese Idee war erstmals von Simone de Beauvoir in das Das andere Geschlecht (1949) aufgeworfen worden, demnach die Frau als „das Andere“ und soziales Konstrukt der Männer betrachtet wird.

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“

Simone de Beauvoir

Nach dieser Theorie gibt es kein „typisch männlich“ und „typisch weiblich“, sondern nur durch geschlechtsspezifische Sozialisation und Aufgabenteilung begründete Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Ziel dieses feministischen Emanzipationskampfes ist die Aufhebung sämtlicher geschlechtsspezifischer gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten und Unterschiede, um so den Menschen zu ermöglichen, nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben, statt nach gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen. Bekannte Vertreterinnen des Gleichheitsfeminismus sind unter anderen Elisabeth Badinter und im deutschsprachigen Raum Alice Schwarzer.

Radikalisiert wurde dieser Gedanke durch einen Teil der um die französische Zeitschrift Nouvelles Questions Féministes (NQF)[52] gruppierten Feministinnen. Während für de Beauvoir Anatomie letztlich als gegeben und Teil der Situation galt, interpretierten sie das biologische Geschlecht selbst als Konstrukt mit dem Zweck, die Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen zu markieren.

Differenzfeminismus[Bearbeiten]

Im Differenzfeminismus oder kulturellem Feminismus ist die Verschiedenheit der Geschlechter die bestimmende Kategorie. Dabei reicht das Spektrum von denjenigen, die eine grundsätzliche wesensmäßige Verschiedenheit der Geschlechter annehmen, die meist aus der Tatsache der biologischen Differenz (Sex) oder der durch Kultur und gesellschaftliche Prozesse gewordenen Differenz hergeleitet wird, bis hin zu Positionen, die die Frage nach der wesensmäßigen Bedingtheit der Geschlechter für irrelevant halten und die faktische Differenz, die sich im Alltagsleben zeigt, zum Ausgangspunkt für Theorien und politisches Handeln machen.

Frühe Theoretikerinnen des Differenzfeminismus (um 1900) wie Jane Addams und Charlotte Perkins Gilman argumentierten, dass in der Politik und zur Beilegung von Konflikten in der Gesellschaft die Tugenden der Frauen benötigt werden. Zum Beispiel führt die Annahme „Frauen sind einfühlsamer und sanfter als Männer“ zu dem Rückschluss, dass es bei einer Weltherrschaft der eher pazifistisch eingestellten Frauen weniger Kriege gäbe und dass Frauen eine bessere Kindererziehung gewährleisteten. Eine klassische Vertreterin des feministischen Pazifismus war Bertha von Suttner.

Zu den bedeutenden feministischen Differenzdenkerinnen der Gegenwart gehören die französische Psychoanalytikerin und Kulturtheoretikerin Luce Irigaray, deren Ausgangspunkt die Theorien von Freud und Lacan sind, und die Schriftstellerin Hélène Cixous. Ihr Ziel ist das Besondere sichtbar zu machen, das die Frau von dem Mann unterscheidet. Sie fordern eine Revolution der symbolischen Ordnung des Patriarchats, mit der die Unterschiede zwischen den Geschlechtern neu bewertet werden. Eine neue symbolische Ordnung, die über die Mutter und andere Frauen definiert wird, postulieren auch die italienischen Philosophinnen um Luisa Muraro, die sich zu der Gruppe Diotima zusammengeschlossen haben.[53] In Deutschland wird dieser Ansatz zum Beispiel von Antje Schrupp vertreten.

Die Unterschiede zwischen Gleichheitsfeminismus (sozialer Feminismus) und Differenzfeminismus (kultureller Feminismus) in der zweiten Frauenbewegung in Frankreich und Deutschland fasst die Historikerin Kristina Schulz folgendermaßen zusammen: „Plädierte man ... auf Seiten des kulturellen Feminismus für eine Gesellschaft, die das "Andere" anerkannte, zielte der soziale Feminismus auf die Überwindung des „Anderen“. Strebten Vertreterinnen des kulturellen Feminismus an, Geschlechterhierarchien aufzuheben, setzten sich soziale Feministinnen für die Überwindung von Geschlechterdifferenzen ein.“[54]

In der neueren feministischen Theoriedebatte, v. a. in Frankreich, wird das vermeintliche Gegensatzpaar „Gleichheits- und Differenzfeminismus“ als Erfindung oder Konstruktion diskutiert, z. B. von Françoise Collin und Geneviève Fraisse. Die starke Polarisierung führen sie auf die Zugehörigkeit der Vertreterinnen zu bestimmten Disziplinen zurück. So fehle den Egalitätsfeministinnen eine Theorie des Subjekts, den Differenzfeministinnen eine Gesellschaftstheorie.[55][56]

Gynozentrischer Feminismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gynozentrismus

Der Begriff wurde von der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Iris Marion Young geprägt (Humanism, Gynocentrism and Feminist Politics, 1985). Young unterscheidet in der Geschichte des Feminismus den humanistischen Feminismus, der alle liberalen, sozialistischen und radikalen Strömungen einschließt und im 19. Jahrhundert wie in der Zweiten Welle des Feminismus in den 1970er Jahren verbreitet war, von einem gynozentrischen Feminismus.[57] Dieser kritisiere die fehlende Würdigung der weiblichen Subjektivität, die sich in Abwertung weiblicher Körper, Moral und Sprache ausdrücke und in dem universellen, vermeintlich geschlechteneutralen Individualitätsmodells des Humanismus festgeschrieben sei. Auf dem Hintergrund dieser Kritik wolle der gynozentrische Feminismus eine Philosophie der weiblichen Erfahrung begründen.[58] Einen gynozentrischen Ansatz entwickelte laut Young zum Beispiel die amerikanische Psychologin Carol Gilligan (In a Different Voice, deutsch: Die andere Stimme, 1982), demnach die Frau aufgrund der Erfahrung des Mutterseins eine andere Moral verkörpere als der Mann. Aus dieser Grundannahme entwickelte sie ihre „Philosophie der Fürsorge“: der männlichen Ethik der Gerechtigkeit stellt sie die weibliche Ethtik der Fürsorge gegenüber. Gilligan durchbrach damit die bis dahin dominierende feministische Diskurstradition, nach der die Festlegung auf Fürsorge als ein Medium der Frauenunterdrückung galt.

Elisabeth Badinter kritisierte diesen Ansatz als neuen Biologismus und bezeichnete ihn als naturalistischen Feminismus. Über die differenzierten Ansichten von Gilligan gehe die französische Psychoanalytikerin Antoinette Fouque, die in den 1970er Jahren die Frauengruppe Psychanalyse & Politique gegründet hatte und die Differenztheorie für die klassische Psychoanalyse fruchtbar gemacht hatte (Il y a deux sexe, 1995), hinaus, wenn sie behauptete, Frauen seien Männern aufgrund der Fähigkeit zur Schwangerschaft moralisch überlegen.[59]

Spiritueller Feminismus[Bearbeiten]

In den Jahren ab 1970 entstanden zahlreiche vom Feminismus und mitunter auch Matriarchatsideen geprägte spirituelle, esoterische oder neuheidnische Richtungen, die die „Große Göttin“ in ihren drei Formen als Mädchen, Mutter und Weise Alte verehren. Einige Autorinnen interpretieren dies als gynozentrischen Ansatz.[60] Die historische Hexenverfolgung wird unter dem Aspekt gedeutet, dass sie allen Frauen galt. Die Hexenverfolgung habe die in der Hand von Frauen befindliche Frauenheilkunde zerstört. Je nach Strömung werden Hexen auch als letzte Anhängerinnen einer Religion der Großen Göttin verstanden. Die gleichzeitige Selbstidentifikation als Hexe oder Magierin steht im Zusammenhang mit dem Versuch, sich dieses Wissen wieder anzueignen. Einflussreiche Vertreterinnen des spirituellen Feminismus sind die US-Amerikanerin Starhawk (The Spiral Dance. A Rebirth of the Ancient Religion of the Goddess, 1979) und in Deutschland Luisa Francia. Starhawks Vorstellungen beeinflussten die Ritualpraxis des spirituellen Feminismus in Deutschland.[61]

Die von Starhawk und anderen geprägte Reclaiming-Tradition, ein 1970 in Kalifornien entstandenes Netzwerk, in dem Frauen und Männer daran arbeiten, Spiritualität mit politischer Verantwortung zu verbinden, ist im amerikanischen Goddess-Movement (deutsch: Göttin-Bewegung) sowie im Wiccatum begründet und integriert ökofeministische Vorstellungen.[62]

Psychoanalytisch orientierter Feminismus[Bearbeiten]

In einem der Klassiker der feministischen Literatur, der 1969 erschienenen Sexual Politics, untersucht und kritisiert Kate Millett unter anderem Sigmund Freuds Theorien zum Wesen der Frau. Sie formuliert dort die „Theorie der Sexualpolitik“, die dem gängigen Politikverständnis eine Politik der ersten Person gegenüberstellt.

Eine Autorin, die mit psychoanalytischen Kategorien nach den Ursachen der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts sucht, ist Juliet Mitchell. Sie entwickelte eine „feministische Interpretation“ der Werke Sigmund Freuds und interpretiert die Psychoanalyse als theoretische Erklärung „der materiellen Realität von Vorstellungen im geschichtlichen Lebenszusammenhang des Menschen“[63] und sieht damit die Freudsche Theorie als psychologisches Fundament des Feminismus.

Sozialistischer Feminismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Marxistischer Feminismus
Clara Zetkin (links) und Rosa Luxemburg (rechts), 1910

Der sozialistische Feminismus geht von einer grundlegenden Gleichheit der Geschlechter aus und ist skeptisch gegenüber Thesen einer natürlichen Geschlechterdifferenz. Er sieht die Frauenunterdrückung durch zwei zusammenwirkende Strukturen verursacht: den Kapitalismus und das Patriarchat. In der zweiten Frauenbewegung organisierte er sich basisdemokratisch und betonte die Emanzipation des Individuums für gesellschaftliche Veränderungen. Er setzt sich vor allem für die gesamtgesellschaftlichen Rechte der Frau ein und sieht diese als Voraussetzung oder Element für die Überwindung des kapitalistischen Systems an. Ebenso stellt er die Frage nach unbezahlter Haus- und Reproduktionsarbeit, gerade in Zusammenhang mit der kapitalistischen Produktion, stellt das eine zentrale Thematik dar. Der sozialistische oder marxistische Feminismus ist oftmals mit der Arbeiterbewegung verbunden.[64]

In der Theoriebildung greift der sozialistische Feminismus auf die marxistische Analyse zurück, allerdings wird unterhalb der Klassenwidersprüche als „Hauptwiderspruch“ der Geschlechtsunterschied angenommen und in eine „materialistische Geschichtsinterpretation“ einbezogen. Die teilweise daraus resultierende Forderung nach Aufhebung der biologischen Unterschiede der Geschlechter wird als „Kybernetischer Feminismus“ (auch: „Kybernetischer Kommunismus“) bezeichnet. Shulamith Firestone und Marge Piercy forderten, dass die Gentechnologie die Fortpflanzung übernehmen solle und so die Frauen von der biologischen Notwendigkeit des Gebärens befreit werden.

Anarchistischer Feminismus[Bearbeiten]

Louise Michel

Die Einflüsse zwischen feministischen Positionen und der Geschichte des Anarchismus sind bislang recht wenig erforscht und beschränken sich auf wenige herausragende Personen. Für die Anfänge des Anarchismus Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts verbinden beispielsweise Virginie Barbet und André Léo anarchistische mit feministischen Positionen.[65] Louise Michel (1830–1905) wurde vor allem durch ihre Tätigkeit während der Pariser Kommune bekannt. In den USA vertrat die Feministin Victoria Woodhull (1838–1927) anarchistische Positionen innerhalb der Ersten Internationale. Als herausragende Figur des amerikanischen Anarchismus gilt Emma Goldman (1869–1940). Sie steht für eine systematische Verbindung von Feminismus und Anarchismus, die auch ihr privates Leben auszeichnete. Persönliche und politische Freiheit für Frauen gehörten für sie zusammen - ein zentraler Gedanke des Feminismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1906 schrieb sie in dem anarchistischen Journal Mother Earth: „Die Emanzipation sollte es der Frau ermöglichen im wahrsten Sinne menschlich zu sein.“ Emma Goldmann setzte auf die „natürlichen Eigenschaften der Frau", auf „grenzenlose Liebe“ und Muttergefühle. Zugleich kämpfte sie für die Revolution wie Clara Zetkin, gehörte jedoch zu den Ersten, die die Russische Revolution kritisierten; sie brandmarkte die Sklaverei und setzte sich für Freiheitsrechte ein.[66] Während Goldman zumindest zeitweise Gewalt als politisches Mittel befürwortete, brachte Clara Gertrud Wichmann (1885–1922) das Prinzip der Gewaltlosigkeit in den politischen Diskurs in Europa ein. Im Spanischen Bürgerkrieg wurde 1936 die feministisch-anarchistische Frauenorganisation Mujeres Libres gegründet. Der Anarchafeminismus ist eine in den 1970er Jahren geprägte Strömung des Radikalfeminismus, die diesen um Elemente anarchistischer Theorie und Praxis erweitert.

Individualfeminismus[Bearbeiten]

In den USA gibt es eine Tradition des unbeschränkten Liberalismus, der bürgerliche Freiheit als den fundamentalen Wert vertritt. Der Individualfeminismus macht dies für Frauen geltend. Er ist unterteilt in die Strömungen klassischer liberaler oder libertärer Feminismus, der die Indidualrechte von Frauen stärken will, und egalitärer liberaler Feminismus, der die Emanzipation der Frau als Individuum anstrebt und die persönliche Autonomie betont.[67]

Theoretische Zusammenhänge gibt es mit dem Anarchismus oder Anarchafeminismus. Eine der bekanntesten Vertreterin ist Wendy McElroy.

Dekonstruktivistischer Feminismus/Postfeminismus[Bearbeiten]

Judith Butler 2007

Judith Butler, Autorin von Das Unbehagen der Geschlechter, und andere Vertreterinnen des feministischen Dekonstruktivismus und des Postfeminismus bauen auf dem de Beauvoirschen Egalitätsfeminismus auf und gehen einen Schritt weiter: Sowohl das biologische Geschlecht (sex) als auch das soziale Geschlecht (gender) seien gesellschaftliche Konstrukte, deshalb müsse das Geschlecht als Klassifikationseinheit abgelehnt werden.

Ins Zentrum dieser Theorie tritt die Differenz unter Menschen, das heißt, angenommene Gemeinsamkeiten und Geschlechtsidentitäten werden „aufgelöst, dekonstruiert“ – die Unterschiede der Menschen eines Geschlechts seien stärker als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass es so viele Identitäten gibt, wie es Menschen gibt. Auch die in den vorherigen Ansätzen angenommene Zweigeschlechtlichkeit wird aus dekonstruktivistischer Sicht bestritten und durch Vielgeschlechtlichkeit ersetzt.

Begriff Staatsfeminismus[Bearbeiten]

„Staatsfeminismus“ ist keine feministische Strömung. In der Politikwissenschaft werden mit diesem Terminus zum einen die Versuche von Staaten bezeichnet, formale Gleichberechtigung von Frauen und Männern mit Reformen von oben durchzusetzen, wie zum Beispiel in der Türkei im Zuge des kemalistischen Modernisierungsprojekts 1923,[68][69] in der DDR oder in Tunesien seit den 1950er Jahren.[70]

Als „Staatsfeminismus“ wird zum anderen die Institutionalisierung von Emanzipationsbestrebungen von Frauen im modernen Staat bezeichnet sowie eine spezifische frauenpolitische Strategie, die mit dem Schlagwort Marsch durch die Institutionen beschrieben wird.[71] Protoypisch dafür stehen die skandinavischen Länder und Australien. Der so genannte Staatsfeminismus in Finnland zum Beispiel, wo unter anderem die innerparteiliche Frauenförderung eine lange Tradition hat, erleichterte effektiv die politische Teilhabe von Frauen.[72] Birgit Sauer kommt in ihrer Studie Engendering Democracy. Staatsfeminismus im Zeitalter der Restrukturierung von Staatlichkeit (2006) zu dem Ergebnis: „[…] Frauen [haben] in den vergangenen dreißig Jahren relativ erfolgreich westliche liberale Demokratien unter einer Frauenperspektive demokratisiert.“ Das zeige sich darin, dass nicht nur der Anteil von Frauen in politischen Entscheidungsgremien erheblich zugenommen habe, sondern auch die „inhaltlich-substantielle Repräsentation entscheidend im Sinne eines frauenfreundlichen Outputs beeinflusst werden konnte“. Diese Entwicklung sei maßgeblich der Einrichtung staatlicher Institutionen wie Frauenministerien, Frauenbüros oder Gleichstellungsbeauftragten zu verdanken, die als Vermittler zwischen Frauengruppen und Frauenbewegungen einerseits und Politik und Verwaltung andererseits tätig seien.

„Der Terminus ‚Staatsfeminismus‘ bezeichnet eben dieses Phänomen […], nämlich die Entstehung von staatlichen Institutionen zur Gleichstellung von Frauen bzw. zur Frauenförderung.[73]

Wirkung[Bearbeiten]

Index für geschlechtsspezifische Ungleichheit 2008

Der Feminismus hat in Europa und in den USA zur Verbesserung der gesellschaftlichen Gleichstellung von Frauen gegenüber Männern beigetragen. Seit dem Aufkommen der ersten feministischen Ideen vor fast zwei Jahrhunderten und der daraus resultierten Frauenbewegung hat sich die Situation der Frauen radikal gewandelt. Vor allem die Einführung des Frauenwahlrechts in den meisten europäischen Ländern Anfang des 20. Jahrhunderts stellte eine Zäsur dar, die die Partizipationsmöglichkeiten von Frauen am politischen und gesellschaftlichen Leben von Frauen erheblich erweiterte. Mit dem Aufbruch starrer Familienstrukturen vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderten sich auch die Leitbilder und Lebensentwürfe vieler junger Frauen, die mit traditioneller Männlichkeit und überkommenen Weiblichkeitsbildern nicht mehr zusammenpassten.[74] Die rechtliche Anerkennung und öffentliche Skandalisierung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen förderte eine breite, geschlechtsübergreifende Sensibilisierung sowohl gegen persönliche Angriffe auf Frauen als auch gegen subtile, in der Gesellschaft verankerte Gewaltverhältnisse. Auf internationaler Ebene haben, ausgehend von den seit 1975 veranstalteten Weltfrauenkonferenzen durch die Vereinten Nationen, zunehmend Frauen auch in der Dritten Welt Plattformen und Initiativen gebildet, die sich mehr und mehr international vernetzten und dazu führten, dass das Thema „Women’s Human Rights“ weltweit Aufmerksamkeit erregt.[75]

Trotz der Verbesserung vieler objektiver Indikatoren der Lebensqualität von Frauen seit den 1970er Jahren ist in den USA und der EU anhand repräsentativer Umfragen ein Rückgang der subjektiven Zufriedenheit von Frauen im Vergleich zu Männern festzustellen.[76] Dieses Paradox hat trotz zahlreicher Ansätze noch keine befriedigende Erklärung gefunden. So könnte der Feminismus Erwartungen gefördert haben, die (noch) nicht erfüllt wurden. Weiterhin könnte die höhere Arbeitsmarktpartizipation auch negative Auswirkungen mit sich gebracht haben, beispielsweise durch die Schwierigkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, wobei jedoch die Gesamtarbeitszeiten von Frauen und Männern seit 1965 gleichermaßen rückläufig sind. Auch könnte die allgemein gestiegene sexuelle und familiäre Selbstbestimmung bei Männern zu einem größeren Zuwachs an Zufriedenheit geführt haben als bei Frauen.[77]

Mit dem Eintritt in das neue Jahrtausend ist in der öffentlichen Diskussion zunehmend die Frage gestellt worden, ob der Feminismus obsolet sei. Die heutigen Frauen seien in der Lage, „sich mit Energie, Disziplin, Selbstbewusstsein und Mut in einer Gesellschaft wie der unseren durchzusetzen.“[78] Schon in den 1990er Jahren neigten viele junge Frauen dazu, den Feminismus als langweilig und überholt anzusehen. Gleichzeitig aber entstanden vor allem in den nordischen Ländern neue öffentliche, mediengestützte Debatten über Feminismus, Gender und Sexualität. Der Protest richtete sich vor allem gegen das kommerzialisierte, stereotype Bild des idealisierten weiblichen Körpers hauptsächlich in der Modewelt, gegen fortgesetzte Homophobie in der Gesellschaft und gegen ungleiche Bildungschancen.[79] In Deutschland formuliert eine junge Generation von Publizistinnen und Journalistinnen den Anspruch auf einen „neuen“ Feminismus, der sich deutlich vom herkömmlichen politischen Feminismus absetzt.[80]

Inwieweit es sich bei diesen Strömungen tatsächlich um den Beginn eines völlig neuen feministischen Selbstverständnisses handelt oder ob sich der Feminismus der letzten vierzig Jahre lediglich in transformierter Form fortsetzt, darüber herrscht in der derzeitigen wissenschaftlichen Debatte noch weitgehend Uneinigkeit.[81]

Zur Aktualität des Feminismus formulierte Nancy Fraser:

“It will not be time to speak of postfeminism until we can legitimately speak of postpatriarchy.”[82]

Kontroversen[Bearbeiten]

Der Feminismus erfuhr seit seinem Bestehen Kritik von vielerlei Seiten. Da unter dem Ausdruck Feminismus diverse – teils sich widersprechende – Strömungen zusammengefasst werden und im Laufe der Zeit viele Schriften veröffentlicht wurden und viele prominente Vertreter des Feminismus hervortraten, kann meist nur von Kritik an Teilaspekten des Feminismus gesprochen werden.

Von Frauenrechtlerinnen aus Asien, Afrika, Südamerika und aus dem arabischen Raum wird den US-amerikanischen und europäischen feministischen Organisationen immer wieder Eurozentrismus vorgeworfen: auf die spezifischen Bedürfnisse von Frauen aus anderen Kulturräumen, insbesondere aus Entwicklungsländern, werde keine Rücksicht genommen, der eurozentrierte Diskurs monopolisiere die „Frauenrechtsfrage“ für die spezifischen Bedürfnisse der Frauen aus dem europäisch-US-amerikanischen Kulturraum.[83]

Die von vielen Feministinnen, unter anderen auch von Alice Schwarzer, vertretene negative Haltung gegenüber der Pornografie wird zum Teil auch innerhalb der Bewegung kritisiert. So hat sich in den USA als Gegenbewegung der sogenannte sex-positive feminism gebildet, der der Sexualität und auch der Pornografie aufgeschlossener gegenüber tritt und diese als Bereicherung für Frauen und Männer betrachtet.

Antifeminismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Antifeminismus
Gegner des Frauenwahlrechts in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Unter dem Begriff Antifeminismus werden tendenziell alle Denkrichtungen und Bewegungen zusammengefasst, die in Opposition zu „dem Feminismus“ stehen und diesen bekämpfen und kritisieren. Oft geht Antifeminismus auch mit einer generellen Frauenfeindlichkeit einher.

So wurden Feministinnen und Frauenrechtlerinnen – im 19. Jahrhundert abwertend Blaustrümpfe genannt – seit dem Beginn der Frauenbewegung oftmals mangelnde Attraktivität, Unweiblichkeit[84] und ungebührlich dominantes Verhalten vorgeworfen. Die Vorhaltungen kamen hier sowohl von Männern als auch von Frauen, die den Bruch der tradierten Rollenvorstellungen als Problem empfanden, da ihnen die herkömmliche Unterscheidung zwischen den Geschlechtern als unumstößlich erschien. Der Ausbruch aus der Geschlechterrolle wird von Kritikern als Verlust an traditioneller Weiblichkeit bezeichnet. Vor allem in früherer Zeit lehnten große Teile der führenden Gesellschaftsschichten die Gleichberechtigung der Frau grundsätzlich ab. Philosophen, Theologen, Naturwissenschaftler, Mediziner und Kunsthistoriker argumentierten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mit der „natürlichen“ oder „gottgegebenen“ Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Mann und begründeten damit ihre untergeordnete Stellung in der Gesellschaft. Noch bis in die 1920er Jahre hinein wurde von einigen infrage gestellt, ob Frauen überhaupt Menschen seien (beispielsweise Max Funke).

Im Jahre 1900 erschien ein Pamphlet des Nervenarztes Paul Julius Möbius unter dem Titel Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes, worin der Autor versucht, die physiologische Minderwertigkeit von Frauen zu beweisen. Möbius zufolge waren gesunde und fruchtbare Frauen notwendigerweise dumm. Möbius’ Text war ein berühmter antifeministischer Versuch, psychologische und Verhaltensnormen für Frauen zu etablieren.[85]

Ein früher Antifeminist war Ernest Belfort Bax (1854–1926), der u. a. das Frauenwahlrecht infrage stellte.[86]

Seit den 1970er Jahren entstand in einigen westlichen Ländern eine antifeministische Männerrechtsbewegung, von denen sich einige Gruppierungen seit den späten 1980er Jahren selbst als Maskulisten bezeichnen oder in Studien bezeichnet werden und die argumentieren, dass Frauen in modernen Gesellschaften häufig mehr Privilegien genössen als Männer, was sich unter anderem in einer deutlich höheren Lebenserwartung und Bevorzugung z. B. in der Bildungspolitik ausdrücke.[87] Christina Hoff Sommers meint, dass im Feminismus vernachlässigt werde, das Geschlechterverhältnis auszugleichen, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern zu schaffen oder neu entstehende negative Stereotypen zu verhindern.[88]

Susan Faludi zufolge ist die antifeministische Backlash-Bewegung in den USA nicht durch die Errungenschaft der Gleichberechtigung ausgelöst worden, sondern vielmehr durch die bloße Möglichkeit, dass Frauen die Gleichberechtigung erringen könnten. Der Antifeminismus sei ein präventiver Angriff, der Frauen lange vor der Ziellinie aufhalte.[89]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Allgemeine Einführungen[Bearbeiten]

Sammelbände[Bearbeiten]

  • Rita Casale, Barbara Rendtorff (Hrsg.): Was kommt nach der Genderforschung? Zur Zukunft der feministischen Theoriebildung. Transcript Verlag, Bielfeld 2008, ISBN 978-3-89942-748-6.
  • Ann Cahill, Jennifer Hansen (Hrsg.): Continental Feminism Reader. Rowman and Littlefield, Lanham MD 2003.
  • Loraine Code (Hrsg.): Encyclopedia of Feminist Theories. Routledge, New York 2000.
  • Ann Cudd, Robin Andreasen (Hrsg.): Feminist Theory: A Philosophical Anthology. Blackwell, Oxford 2005.
  • Miranda Fricker, Jennifer Hornsby (Hrsg.): The Cambridge Companion to Feminism in Philosophy. Cambridge University Press, Cambridge 2000.
  • Sarah Gamble (Hrsg.): The Routledge Companion to Feminism and Postfeminism. Routledge, New York 2001, ISBN 0-415-24309-2.
  • Alison M. Jaggar, Iris Marion Young (Hrsg.): A Companion to Feminist Philosophy. Blackwell, Oxford 2000.
  • Janet A. Kourany (Hrsg.): Philosophy in a Feminist Voice. Princeton University Press, Princeton NJ 1996.
  • Toril Moi (Hrsg.): French Feminist Thought: A Reader. Blackwell, Oxford 1987.
  • Linda Nicholson (Hrsg.): Feminism/Postmodernism. Routledge, New York 1990.
  • Linda Nicholson (Hrsg.): The Second Wave: A Reader in Feminist Theory. Routledge, New York 1997.
  • María Isabel Peña Aguado, Bettina Schmitz (Hrsg.): Klassikerinnen des modernen Feminismus. ein-FACH-verlag, Aachen 2010, ISBN 978-3-928089-51-7.
  • Luise F. Pusch (Hrsg.): Feminismus. Inspektion der Herrenkultur – Ein Handbuch. Frankfurt am Main 1983. (Edition Suhrkamp 1192.)
  • Alice Schwarzer (Hrsg.): Man wird nicht als Frau geboren. 50 Jahre nach dem „Anderen Geschlecht“ ziehen Schriftstellerinnen und Politikerinnen Bilanz: Wo stehen Frauen heute? Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000, ISBN 3-462-02914-2.

Klassiker des Feminismus und der feministischen Philosophie (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur- und Ideengeschichte[Bearbeiten]

  • Peggy Antrobus: The Global Women’s Movement – Origins, Issues and Strategies. Zed Books, London 2004.
  • Donna Landry, Gerald McLean: Materialist Feminisms. Blackwell, Cambridge 1993.
  • Gerda Lerner: Die Entstehung des feministischen Bewusstseins. Vom Mittelalter bis zur Ersten Frauenbewegung. Dtv, 1998, ISBN 3-423-30642-4.
  • Sheila Rowbotham: A Century of Women. The History of Women in Britain and the US. Penguin, London 1999.
  • Lieselotte Steinbrügge: Das moralische Geschlecht. Theorien und literarische Entwürfe über die Natur der Frau in der französischen Aufklärung. Beltz, Weinheim/ Basel; 2. Auflage. Metzler, Stuttgart 1992, ISBN 3-476-00834-7.

Politische Theorie[Bearbeiten]

  • Carole Pateman (Hrsg.): Feminist Challenges. Social and Political Theory, Routledge Chapman & Hall 2013, ISBN 978-0-415-63675-9.
  • Marion Löffler: Feministische Staatstheorien. Eine Einführung. Campus Verlag, 2011, ISBN 978-3-593-39530-2.
  • Angela McRobbie: Top Girls. Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16272-0.
  • Gundula Ludwig, Birgit Sauer, Stefanie Wöhl (Hrsg.): Staat und Geschlecht. Grundlagen und aktuelle Herausforderungen feministischer Staatstheorie. Nomos Verlag, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-8329-5034-7.
  • Melanie Groß, Gabriele Winker (Hrsg.): Queer-, feministische Kritiken neoliberaler Verhältnisse. Unrast, Münster 2007, ISBN 978-3-89771-302-4.
  • Seyla Benhabib: Der Streit um Differenz: Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart. Fischer TB 1994, ISBN 3-596-11810-7.

Zeitschriften[Bearbeiten]

USA

Deutschland
Fachzeitschriften

eingestellt: Beiträge zur Feministischen Theorie und Praxis (1978–2008; die älteste und größte Zeitschrift der autonomen Frauenbewegung)

Publikumszeitschriften

eingestellt: Lesbenpresse (1975–1982); COURAGE – berliner frauenzeitung (1976–1984), IHRSINN – Eine radikalfeministische Lesbenzeitschrift, (1990–2004)

Österreich
Fachzeitschrift
Publikumszeitschriften
Schweiz
  • FAMA - Die Feministisch-theologische Zeitschrift (seit 1994), fama.ch

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Feminismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Feminismus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Feminismus – Zitate

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sally Haslanger, Nancy Tuana, Peg O’Connor: Topics in Feminism, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Winter 2012 Edition), Zalta Edward N. (ed.)
  2. Ute Gerhard Frauenbewegung und Feminismus. Eine Geschichte seit 1789. Beck-Verlag, München 2009, S. 6f.
  3. Vergl. Barbara Holland-Cunz: Das Gleichheitsversprechen. Eine politische Ideengeschichte des modernen Feminismus. In: Dies.: Die alte neue Frauenfrage, Edition Suhrkamp 1. Aufl. 2003, ISBN 3-518-12335-1, S. 17f.
  4. Charles Fourier: Die Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen. (1808), Wien und Frankfurt am Main 1966, S. 190.
  5. a b c Karen Offen: European Feminisms, 1700–1950: A Political History. Stanford University Press 2000, ISBN 0-8047-3420-8, S. 19 ff.
  6. Ute Gerhard: Frauenbewegung und Feminismus. Eine Geschichte seit 1798, Verlag C.H. Beck, zweite Auflage München 2012, ISBN 978-3-406-56263-1, S. 67.
  7. a b Christiane Streubel: Radikale Nationalistinnen. Agitation und Programmatik rechter Frauen in der Weimarer Republik. (Dissertation) Campus Verlag (Reihe Geschichte und Geschlechter, Band 55), Frankfurt 2006, ISBN 3-593-38210-5, S. 65 f.
  8. Barbara Thiessen: Feminismus: Differenzen und Kontroversen. In: Kortendiek/Becker (Hrsg.): Handbuch für Frauen- und Geschlechterforschung. VS Verlag, 2010, S. 39.
  9. Christina Thürmer-Rohr: Zur Mittäterschaft von Frauen: Frauen in Gewaltverhältnissen. In: Ilse Lenz (Hrsg.): Die Neue Frauenbewegung in Deutschland – Ausgewählte Quellen. Wiesbaden 2009, 434. Thürmer-Rohr ist Professorin emerita an der TU Berlin.
  10. Barbara Thiessen: Feminismus: Differenzen und Kontroversen. In: Kortendiek/Becker (Hrsg.): Handbuch für Frauen- und Geschlechterforschung. VS Verlag, 2010, S. 42.
  11. Gastvortrag an der Technischen Universität Wien, 22. März 2004.
  12. Gisela Bock: Frauenrechte als Menschenrechte. Olympe de Gouges’ „Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin“, in: in: Themenportal Europäische Geschichte (2009)
  13. Sabine Büttner: Die Französische Revolution - eine Online-Einführung: Hintergründe - Frankreich im 18. Jahrhundert, III. Frauen und Familie Online-Fassung
  14. Stefan W. Römmelt: Kurzbiogramm Olympe de Gouges. In: revolution.historicum.net
  15. Sylvana Tomaselli: Mary Wollstonecraft, The Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2012
  16. Leila J. Rupp: Transnational Women’s Movements, European History Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz), Juni 2011.
  17. vgl. Rene van Swaaningen: Feminismus und Abolitionismus als Kritik der Kriminologie. Kriminologisches Journal 21 (3) (1989), 162-181.
  18. Ute Gerhard: Frauenbewegung und Feminismus: Eine Geschichte seit 1789, S. 8, 67
  19. Das Frauenwahlrecht wurde in Deutschland 1918 eingeführt; in den USA und Großbritannien wurde es den Frauen im gleichen Zeitraum als „Belohnung“ für ihre Kriegsanstrengungen gewährt, in der Sowjetunion 1917 als Folge der sozialistischen Revolution. Andere Länder wie Frankreich und Italien führten das Frauenwahlrecht erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein, in der Schweiz 1971. Vgl. Ute Gerhard, Ulla Wischermann: Unerhört. Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung. Reinbek, 1990, ISBN 3-499-18377-3. Und Jutta Menschik: Feminismus, Köln 1985, S. 21 ff.
  20. Vergleiche die populäre Liedstrophe „Wir armen, armen Mädchen | sind gar so übel dran; | ich wollt, ich wär’ kein Mädchen, | ich wollt, ich wär’ ein Mann!“ In: Albert Lortzing: Der Waffenschmied, Akt 3, Szene 1, von 1846.
  21. Matthias Willing: Frauenbewegung und Bewahrungsgesetz. Weibliche Initiativen zur Zwangsbewahrung »Asozialer« in der Weimarer Republik In: Wolfgang Hardtwig (Hrsg.) Politische Kulturgeschichte der Zwischenkriegszeit 1918-1939. Göttingen 2005, S. 279–306.
  22. Ute Gerhard: 50 Jahre Gleichberechtigung - eine Springprozession - Essay. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 24-25/2008), Bundeszentrale für Politische Bildung 30. Mai 2008
  23. Christina Thürmer-Rohr: Die unheilbare Pluralität der Welt – von Patriachatskritik zur Totalitarismusforschung. Colloquium Psychologie und Postmoderne, 5. Juni 1997, Freie Universität Berlin, [1] (PDF)
  24. Kristina Schulz: Der lange Atem der Provokation. Die Frauenbewegung in der Bundesrepublik und in Frankreich 1968–1976. Campus Verlag, Frankfurt 2002, S. 45.
  25. 1968 betrug der Anteil der Mädchen beim Abitur 39 Prozent; ihr Anteil an wissenschaftlichen Hochschulen in Deutschland betrug 1967 nur 24 Prozent und war damit der niedrigste im Vergleich zu anderen europäischen Staaten. In Frankreich betrug er 42 Prozent. In: Susanne Weitbrecht: Bildung ist Bürgerrecht. Plädoyer für eine aktive Bildung. "100 Jahre Frauenstudium an der Universität Tübingen 1904–2004".
  26. vergl.: Sabine Berghan: Ritt auf der Schnecke. Rechtliche Gleichstellung in der Bundesrepublik Deutschland. Gender Politik Online, Otto-Suhr-Institut, Freie Universität Berlin, 2011
  27. Susanne Hertrampf: Ein Tomatenwurf und seine Folgen. Dossier Frauenbewegung, Bundeszentrale für Politische Bildung 8. September 2009.
  28. Die Rede von Helke Sander für den Aktionsrat zur Befreiung der Frauen auf der 23. Delegiertenkonferenz des SDS (1968). In: Ilse Lenz (Hrsg.): Die Neue Frauenbewegung in Deutschland: Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen, VS Verlag, 2. aktualisierte Auflage. 2011, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 38 f.
  29. Stefanie Ehmsen: Der halbe Weg zur Hälfte des Himmels. Vier Jahrzehnte Neue Frauenbewegung. Blätter für deutsche und internationale Politik, Dossier Feminismus 09/2008.
  30. Ilse Lenz (Hrsg.): Die Neue Frauenbewegung in Deutschland: Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen. VS Verlag, 2. aktualisierte Auflage. 2010, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 12.
  31. Ute Gerhard, ebenda, S. 123.
  32. Ute Gerhard, ebenda, S. 237.
  33. Heather Eaton: Ecofeminism and Globalization. Exploring Culture, Context, and Religion. Rowman & Littlefield Publishers, 2003, ISBN 0-7425-2698-4, S. 5.
  34. Katja Peglow, Jonas Engelmann (Hrsg.): Riot Grrrl Revisited! Die Geschichte einer feministischen Bewegung. Ventil 2011, ISBN 978-3-931555-47-4.
  35. Die Dritte Welle, Taz, 8. März 2007
  36. Niklas Hofman: Neu, jung, selbstbewusst Süddeutsche Zeitung, Online Ausgabe 7. November 2011
  37. Vergl.:Kathrin Ganz: Feministische Netzpolitik. Perspektiven und Handlungsfelder. Im Auftrag des Gunda-Werner-Instituts, Berlin 2013. PDF
  38. Sabine Hark, Feministisches Studien, Einleitung zum Heft 1/ Mai 2013
  39. Barbara Rendtorff: Feminismus als Dissens. In: Feministische Studien, Mai 2013, Vol. 31 Issue 1, S. 160 f.
  40. Ursula I. Meyer: Einführung in die feministische Philosophie. 3. Auflage. Ein-Fach-Verlag, Aachen 2004, ISBN 3-928089-37-4, S. 57 f.
  41. Kristina Schulz: Der lange Atem der Provokation. Die Frauenbewegung in der Bundesrepublik und in Frankreich 1968–1976, Campus Verlag, Frankfurt 2002, S. 45.
  42. vgl. Jutta Menschik: Feminismus. Köln 1985, S. 32 ff.
  43. Betty Friedan: Der Weiblichkeitswahn oder Die Selbstbefreiung der Frau. Ein Emanzipationskonzept. Rowohlt TB, Reinbek 1970, S. 226).
  44. Vgl. Kate Millett: Sexus und Herrschaft. Reinbek bei Hamburg 1985, S. 37 ff. Und Jutta Menschik: Feminismus. Köln 1985, S. 43 ff.
  45. Barbara Holland-Cunz: Die alte neue Frauenfrage. S. 115 und S. 247.
  46. Ursula I. Meyer: Einführung in die feministische Philosophie. 3. Auflage. Ein-Fach-Verlag, Aachen 2004, S. 12.
  47. Vergl: Jo Freeman: Women's Liberation Movement: Its Origin, Structures and Ideals, Department of Political Science University of Chicago 1971, Documents from the Women's Liberation Movement An On-line Archival Collection
  48. Winifred Breines: Learning about Racism: White Socialist Feminism and Bread and Roses. In: The Trouble between Us: An Uneasy History of White and Black Women in the Feminist Movement. Published to Oxford Scholarship Online: September 2007, doi:10.1093/acprof:oso/9780195179040.003.0004
  49. Christina Schulz: Der lange Atem der Provokation. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-593-37110-3, hier die leicht überarbeitete PDF Version, erstellt im September 2012, S. 45 f.
  50. aus: Firestone 1970, zitiert nach der deutschen Übersetzung, Frankfurt 1975, zitiert von Christina Schulz: Der lange Atem der Provokation
  51. Radical Feminism, in: McAfee, Noëlle, "Feminist Political Philosophy", The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Winter 2011 Edition), Edward N. Zalta (ed.), URL = <http://plato.stanford.edu/archives/win2011/entries/feminism-political/>
  52. Die Revue Nouvelles Questions Féministes wurde 1981 von Simone de Beauvoir, Christine Delphy, Claude Hennequin und Emmanuèle de Lesseps gegründet.
  53. Heike Kahlert: Differenz, Genealogie, Affidamento. In: Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. VS Verlag, 2010, S. 94 ff.
  54. Kristina Schulz: Der lange Atem der Provokation. Die Frauenbewegung in der Bundesrepublik und in Frankreich 1968–1976. Campus Verlag 2002, ISBN 3-593-37110-3, leicht überarbeitete PDF Version 2012, S. 203.
  55. Vgl. z. B. Cornelia Möser: French Gender? Die feministischen Gender-Debatten in Frankreich. VDM Verlag Dr. Müller, 2009.
  56. Christina Howells: French Women Philosophers,
  57. Iris M. Young: Humanismus, Gynozentrismus und feministische Politik. In: Herlinde Pauer-Studer, Elisabeth List: Denkverhältnisse - Feminismus und Kritik. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-11407-7, S. 37–65.
  58. Katrin Meyer: Feminismus zwischen Neo- und Posthumanismus. In: Richard Faber (Hrsg.): Streit um den Humanismus. Königshausen & Neumann, 2003, ISBN 3-8260-1952-0, S. 121.
  59. Elisabeth Badinter: Der Konflikt: Die Frau und die Mutter. Beck Verlag, München 2010, ISBN 978-3-406-60801-8, S. 73 f.
  60. beispielsweise Tina Beattie: God’s Mother, Eve’s Advocate: A Gynocentric Refiguration of Marian Symbolism. Centre for Comparative Studies in Religion and Gender, 1999, ISBN 0-86292-488-X, oder Pamela Sue Anderson, Beverley Clack: Feminist Philosophy of Religion: Critical Readings. Routledge, 2004, ISBN 0-415-25750-6.
  61. Meret Fehlmann: Feministische Spiritualität. In: dies.: Die Rede vom Matriarchat. Chronos Verlag, Zürich 2011, ISBN 978-3-0340-1067-2, S. 393f.
  62. Reclaiming. In: Peter B. Clarke: Encyclopedia of New Religious Movements. Routledge 2005, 978-0415453837, S. 522f.
  63. In Juliet Mitchell: Psychoanalyse und Feminismus. Freud, Reich, Laing und die Frauenbewegung. Suhrkamp, 1984, ISBN 3-518-07253-6.
  64. Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. VS Verlag, 2010, S. 33.
  65. Antje Schrupp: Der Einfluss von Frauen auf den frühen Anarchismus
  66. Barbara Holland-Cunz: Die alte neue Frauenfrage. Edition Suhrkamp 2003, ISBN 3-518-12335-1, S. 82f.
  67. Liberal Feminism, Standford Enzyclopedia of Philosophy, 2007
  68. Annika Akdeniz-Taxer: Anfänge der Frauenbewegung, Staatsfeminismus und gesellschaftlicher Konservatismus. In: dies.: Öffentlichkeit, Partizipation, Empowerment. VS Verlag für Sozialwissenschaften 2012, ISBN 978-3-531-17121-0, S. 32 f.
  69. Vergl. Heidi Wedel: Politisch inszenierte Privatheit gegen „Staatsfeminismus“. In: Brigitte Kerchner, Gabriele Wilde (Hrsg.): Staat und Privatheit, Leske + Budrich, 1997, ISBN 3-322-95833-7.
  70. Anne Françoise Weber: Staatsfeminismus und autonome Frauenbewegung in Tunesien. "Wir stören, weil wir nicht nur von den Errungenschaften reden". (Mitteilungen 62). Deutsches Orient-Institut, Hamburg 2001, ISBN 3-89173-064-0.
  71. Vergl. Birgit Sauer: Die Asche des Souveräns. Staat und Demokratie in der Geschlechterdebatte. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-593-36743-2, S. 253 f.
  72. Andrea Fleschenberg, Claudia Derichs: Handbuch Spitzenpolitikerinnen. Verlag VS, 2008, ISBN 978-3-531-16147-1, S. 154.
  73. Birgit Sauer: Engendering Democracy: Staatsfeminismus im Zeitalter der Restrukturierung von Staatlichkeit (abstract, Springer Link). In: Gert Pickel, Susanne Pickel (Hrsg.): Demokratisierung im internationalen Vergleich. Neue Erkenntnisse und Perspektiven. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2006, ISBN 3-531-15113-4, S. 251 f.
  74. Vgl. Ute Gerhard: Frauenbewegung und Feminismus. München 2009, S. 122.
  75. Vgl. Ute Gerhard: Frauenbewegung und Feminismus. München 2009, S. 123.
  76. B. Stevenson, J. Wolfers: The Paradox of Declining Female Happiness. In: American Economic Journal: Economic Policy. Band 1, 2009, Nr. 2, S. 190–225.
  77. Vgl. B. Stevenson, J. Wolfers: The Paradox of Declining Female Happiness. In: American Economic Journal: Economic Policy. Band 1, 2009, Nr. 2, S. 191 ff.
  78. Thea Dorn: Die neue F-Klasse. München 2007, S. 13.
  79. Solveig Bergmann: Der neue Feminismus in den nordischen Ländern: Eine Herausforderung für den Staatsfeminismus. In: Feministische Studien. November 2008, S. 187.
  80. Vgl. Rita Casale: Die Vierzigjährigen entdecken den Feminismus. Anmerkungen zur Epistemologisierung politischer Theorien. In: Feministische Studien. a.a.O., S. 197.
  81. Vgl. Ergebnisse der Konferenz „Brauchen wir einen neuen Feminismus? Zur Standortbestimmung feministischer Theorie und Praxis“ im Februar 2008 am Cornelia Goethe Zentrum, Frankfurt am Main.
  82. Fraser zitiert nach: Barbara Thiessen: Feminismus: Differenzen und Kontroversen. In: Kortendiek/Becker (Hrsg.): Handbuch für Frauen- und Geschlechterforschung. VS Verlag, 2010, S. 42.
  83. Vgl. Kristin Höltke: Genderaspekte ethno-politischer Konflikte. Berlin 2001.
  84. Marianne Thesander: The Feminine Ideal. Reaktion Books, London 1997, S. 104: „The attempts of feminists to redefine their previously restricted role were made to look ridiculous and they were depicted with ‘unattractive’ and ‘unfeminine’ characteristics.“
  85. Michael Hau: The Cult of Health and Beauty in Germany: A Social History, 1890–1930. University of Chicago Press, Chicago 2003, S. 58: „Uncertainty about contemporary gender relations triggered attempts by antifeminists to establish biologically sound psychological and behavioral norms for women. The most famous of these attempts were those by the psychiatrist Paul J. Möbius, whose efforts to prove the physiological inferiority of women were widely publicized shortly after the turn of the century. His best known pamphlet, titled About the Physiological Feeblemindedness of Women was aimed at a popular audience … In fact, for Möbius, healthy and fertile women had to be stupid.“
  86. Gregory Claeys. Imperial sceptics: British Critics of eEmpire, 1850–1920. Cambridge University Press, Cambridge / New York 2010, S. 161: „Bax also remained controversially an anti-feminist and anti-suffragist, …“
  87. Michael Klonovsky: Das privilegierte Geschlecht. In: Focus.de
  88. Christina Hoff Sommers: The War against Boys: How Misguided Feminism Is Harming Our Young Men. Simon & Schuster, 2001, ISBN 0-684-84957-7.
  89. Susan Faludi: Backlash: The Undeclared War against American Women. Crown, New York 1991:

    “The antifeminist backlash has been set off not by women’s achievement of full equality but by the increased possibility that they might win it. It is a preemptive strike that stops women long before they reach the finish line.”

  90. Gender & Society,Sage Journals