Service-Dienste

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Der Service-Dienst (auch 0180-Nummer genannt, wörtlich übersetzt: Dienst-Dienst) ist in der Telekommunikation ein Mehrwertdienst. Früher übernahm bei diesem das angerufene Unternehmen einen Teil des Telefonentgelts, so dass der Kunde beispielsweise statt des teuren Ferngesprächstarifs nur den günstigeren Ortstarif bezahlen musste. Heutzutage sind dessen Kosten in den meisten Tarifen deutlich teurer als normale Ferngespräche, und ein Teil der Entgelte für die Anwahl von 0180-Rufnummern darf an den Betreiber des Dienstes ausgeschüttet werden.[1]

Bis zum 1. März 2010 wurden Service-Dienste als Shared Cost Service bezeichnet.[2]

Allgemeine Informationen und Tarife[Bearbeiten]

In Deutschland wurde die 0180-Rufnummerngasse für Geteilte-Kosten-Dienste geschaffen. Die Gesprächskosten lagen früher unter denen von normalen Rufnummern. Seit der Liberalisierung im deutschen Telefonmarkt sind jedoch die Kosten für Gespräche zu normalen Rufnummern deutlich gefallen, während die Kosten für die 0180-Nummern konstant geblieben sind. Dadurch ist eine Kostenersparnis beim Anruf von 0180-Nummern gegenüber normalen Festnetznummern nicht mehr möglich. 0180er Nummern sind geografisch nicht gebunden.[3]

Es gibt unterschiedliche Klassen von 0180-Nummern, wobei die erste Ziffer nach der 0180 die Kosten für den Anrufer bestimmt: Verbindungen zu 0180-1 … (ursprünglich etwa Kosten eines Ortsgesprächs zur Nebenzeit), 0180-3 … (ursprünglich etwa Kosten eines Regionalgesprächs zur Nebenzeit) und 0180-5 … (ursprünglich etwa Kosten eines Ferngesprächs zur Nebenzeit) werden stets zeitgetaktet (bei den meisten Telefongesellschaften mit Minutentakt) abgerechnet, bei Anrufen zu 0180-2, 0180-4  und 0180-6 aus dem Festnetz fällt stattdessen ein festes Entgelt pro erfolgreicher Verbindung, unabhängig von der Verbindungsdauer an.

Tarife[4]
Rufnummerngasse Kosten
pro Minute
aus dem Festnetz
Kosten
pro Anruf
aus dem Festnetz
Kosten
pro Minute
von einem Mobiltelefon
Anmerkungen
0180-1 3,9 Cent Max. 42 Cent[5]
0180-2 6 Cent
0180-3 9 Cent
0180-4 20 Cent
0180-5 14 Cent
0180-6 20 Cent Max. 60 Cent pro Anruf[6] Ab 2013
0180-7 14 Cent Max. 42 Cent[6] Ab 2013, die ersten 30 Sekunden kostenfrei[6]

In Österreich und in der Schweiz gibt es vergleichbare Dienste. In der Schweiz spricht man von Gebührenteilungsnummern, die eine 084x Vorwahl haben. Für diese 084x Rufnummern gilt ein Höchsttarif von 12 Rappen (CHF) pro Minute.[7] In Österreich gibt es die 0810- und 0820-Nummern, für die eine Entgeltobergrenze von maximal 10 bzw. 20 Cent pro Minute festgelegt wurde.[8]

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

Neben dem klassischen Einsatzfeld als Hotline-Rufnummern werden 0180-Rufnummern auch für das Angebot von anmeldefreiem Callthrough und als individuelle Teilnehmerrufnummern von Unified Messaging-Diensten und VoIP-Anschlüssen verwendet.

Fehlentwicklungen[Bearbeiten]

Aufgrund der Liberalisierung des Telefonmarktes in Deutschland sanken die Gesprächsentgelte für Gespräche zu gewöhnlichen Teilnehmerrufnummern deutlich, während die Entgelte für die 0180-Klassen nicht abgesenkt, sondern von den Telekommunikationsanbietern erhöht wurden.

Daher ist es heutzutage meist deutlich preiswerter, statt einer entsprechenden 0180-Nummer eine normale Festnetznummer anzurufen; selbst Mobilfunkrufnummern sind häufig preiswerter zu erreichen als die von den meisten Anbietern geschalteten 0180-5-Servicenummern. Lediglich die 0180-2-Nummern mit einem festen Verbindungsentgelt pro Anruf sind heute für den Anrufer aus dem Festnetz bei längeren Verbindungen vorteilhaft.

Dieser Effekt wird durch die immer mehr aufkommenden Pauschaltarife weiter verstärkt, denn sowohl von Mobiltelefonen als auch von Festnetzanschlüssen aus können heutzutage bereits viele Kunden Festnetzanschlüsse ohne zusätzliche Kosten anrufen. Besonders eklatant ist die Kostendiskrepanz bei Anrufen aus den Mobilfunknetzen, wozu meistens auch der Heimbereich gehört.[9]

Laut Bundesnetzagentur ist es unzulässig, dass den Diensteanbietern ein Teilbetrag der Telefongebühren ausgezahlt werden. Dennoch wird dies von vielen Telekommunikationsanbietern praktiziert. Diese Auszahlung wird als Werbekostenzuschuss (WKZ) bezeichnet, da viele Anbieter im Gegenzug für die Auszahlung den Nummerneigentümer zur Nennung des Anbieters zusammen mit dem Tarif verpflichten, z. B. „01805 – … (14 Cent/min, Anbieter)“. Der WKZ wird in der Regel nur für 0180-5er Nummern gezahlt und beträgt durchschnittlich 3 ct pro Gesprächsminute für den Serviceanbieter. Bei Hotlinenummern, bei denen kein Telekommunikationsanbieter in der Ansage genannt wird, kann davon ausgegangen werden, dass der Serviceanbieter keine Zahlungen (WKZ) erhält.

Zukunft als Service-Dienst[Bearbeiten]

Im Juli 2007 konstatierte die Bundesnetzagentur in ihrem Amtsblatt offiziell den verbreiteten Werbekostenzuschuss-Missbrauch und leitete aufgrund dessen ein Verfahren ein, mit dem die Zukunft der 0180-Rufnummerngasse, des Prinzips der geteilten Kosten und der Kundenkontaktdienste abgeklärt werden sollte.[10]

Im Mai 2009 wurden durch eine TKG-Änderung die Geteilte-Kosten-Dienste in sogenannte Service-Dienste umgewandelt, womit die heutige 0180er-Bepreisung aus dem Festnetz beibehalten werden können. Lediglich für 0180-Anrufe aus den Mobilfunknetzen wurden ab 2010 Preisobergrenzen etwas unter dem bisher marktüblichen Niveau festgeschrieben.[11]

Eine Änderung wird mit dem neuen Telekommunikationsgesetz vom 27. Oktober 2011 jetzt mit Wirksamkeit zum 1. Juli 2012 umgesetzt. Laut diesem Gesetz sollen Warteschleifen kostenlos werden.[12]

In der ersten Stufe des Gesetzes sollen vorgelagerte Warteschleifen kostenlos werden (voraussichtlich zum 1. August 2012), in der zweiten Stufe, ab voraussichtlich 1. August 2013, sollen auch nachgelagerte Warteschleifen (Weiterverbinden) kostenfrei werden. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es für die zweite Stufe keine technische Lösung, welche eine rechtskonforme Umsetzung dieses Gesetzes über alle Netze hinweg sicherstellen kann.[13] Wenn eine technische Lösung gefunden wird (z. B. durch Signalisierung der Warteschleife über den ISDN-D-Kanal oder aus VoIP-basierten Telefonanlagen, offline-billing), werden die Kosten für das Kostenfreistellen der Warteschleife den Serviceanbietern in Rechnung gestellt. Viele Serviceanbieter wie z. B. gesetzliche Krankenkassen oder die Bundesagentur für Arbeit planen daher die generelle Abschaltung der 0180er Servicerufnummern oder haben sie bereits abgeschafft und durch Ortsrufnummern oder kostenfreie 0800-Nummern ersetzt[14].

Alternativen[Bearbeiten]

Ersatzrufnummern[Bearbeiten]

Gespräche zu 0180-Nummern werden vom intelligenten Netz auf ganz normale Telefonnummern umgeleitet. Das lässt sich nutzen, um die meist teueren 0180-Rufnummern zu umgehen. Im Internet befinden sich Seiten, die Ersatznummern für eine Reihe von 0180-Servicenummern auflisten, wobei diese z. T. selbst vom Anbieter publiziert werden, z. B. für Anrufe aus dem Ausland.[15]

032-Rufnummern[Bearbeiten]

Unternehmen, die in erster Linie an einer nicht-geografischen Rufnummer mit kostengünstigem ortsunabhängigem Routing interessiert sind, steht als verbraucherfreundliche Alternative die Nutzung von 032-Rufnummern zur Verfügung, die aus dem Festnetz in der Regel wesentlich kostengünstiger durch die Verbraucher zu erreichen sind als 0180-Rufnummern.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neue Preisregeln für 0180-Rufnummern, vom 1. März 2010 13:00, auf heise online
  2. Bundesnetzagentur weist auf Änderungen bei (0)180er Rufnummern hin, Bonn, 1. März 2010, Bundesnetzagentur
  3. Info und Vorteile 0180x Nummern
  4. (0)180 Service-Dienste-Rufnummern Service-Dienste-Rufnummern dürfen ausschließlich für die Erbringung von Service-Diensten genutzt werden.
  5. Pressemitteilung vom 1. März 2010. Bundesnetzagentur, abgerufen am 29. November 2013 (PDF; 131 KB).
  6. a b c Pressemitteilung vom 12. November 2012. Bundesnetzagentur, abgerufen am 29. November 2013 (PDF; 827 KB).
  7. Das Bakom über 084x Nummern, Bundesamt für Kommunikation
  8. Die RTR über 0810/0820 Nummern, Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH
  9. teltarif.de: Sonderrufnummern aus dem Mobilfunknetz
  10. heise.de: 0180 auf dem Prüfstand
  11. Bundesrat 361/09: Gesetz zur Umwandlung der Geteilte-Kosten-Dienste in Service-Dienste, umwelt-online.de
  12. Die Regierung informiert über Telekomgesetz, bundesregierung.de
  13. Kostenlose Warteschleife kann zur Kostenfalle werden, vom 23. November 2011, teltarif.de
  14. http://www.arbeitsagentur.de/nn_27036/zentraler-Content/Pressemeldungen/2013/Presse-13-032.html Umstellung der Bundesagentur für Arbeit von 0180-1 Nummern auf kostenlose 0800-Nummern
  15. Liste von Telefonnummern, die sich hinter 0180-Nummern verbergen, 0180-Telefonbuch - www.0180.info - teltarif.de

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]