Shikhara
Als Shikhara wird ein hochaufragender, meist gekrümmter Tempelturm in Nordindien bezeichnet. In Südindien werden auch abgeflachte bzw. kuppelartige Konstruktionen, die den oberen Abschluss eines Tempelturms bilden, manchmal als Shikhara bezeichnet.
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Etymologie und Symbolik [Bearbeiten]
Shikhara bedeutet wörtlich 'Gipfel' oder 'Bergspitze'. Dies rührt daher, dass man die Tempel als den in Indien Meru genannten Weltenberg oder als Abbild des Himalaya begriff, dem Sitz der indischen Götter. Shikhara und Garbhagriha bilden überdies eine markante senkrechte Linie, die als kosmische Achse oder als Weltachse (axis mundi) aufgefasst wurde.
Andere Namen [Bearbeiten]
In Orissa werden die beinahe senkrecht aufragenden Tempeltürme rekha-deul genannt. Die pyramidenförmigen Tempeltürme Südindiens werden meist vimana genannt; die oft steil und hoch aufragenden Tortürme werden dagegen als gopurams bezeichnet.
Funktion [Bearbeiten]
Shikharas dienen − neben ihrer Funktion als Dach − der 'Überhöhung' des Tempels, genauer des Sanktums (garbhagriha). Darüber hinaus bilden sie in vielen Fällen auch eine weithin sichtbare Landmarke; wohl nicht ohne Grund stehen die Tempel mit den höchsten Shikhara-Türmen in freiem, ebenem Gelände.
Architektur [Bearbeiten]
Die hochaufragenden, leicht konvex gekrümmten, Tempeltürme Nordindiens gleichen optisch am oberen Ende zusammengebundenen Bambus- oder Astkonstruktionen, von denen sich jedoch nichts erhalten hat und über deren Funktion nur spekuliert werden kann. Die steinernen Shikharas sind − im Innern teilweise hohle − Kragsteinkonstruktionen, die jedoch niemals zur Cella (garbhagriha) des Tempels hin geöffnet sind[1]; ihre vertikale Gliederung folgt zumeist der Außenwandgliederung des Tempelbaus.
Die höchsten Shikharas werden meist von kleinen Türmchen (urushringas) begleitet, die in verkleinerter Form den Hauptturm imitieren, ihn aber auch gleichzeitig stabilisieren. Oben schließen die nordindischen Tempeltürme regelmäßig mit einem oder mehreren geriffelten kissen- oder kürbisförmigen Ringsteinen (amalakas) ab, auf welchen (falls erhalten) noch eine krug- oder vasenartige Spitze (kalasha) aufsitzt.
Vor- bzw. Frühformen von Shikhara-Türmen − jedoch ohne Spitze − finden sich in Aihole (6./7. Jahrhundert) und Naresar (7. Jahrhundert). Zu den ältesten Bauten mit vollständigem Shikhara-Turm gehören die Tempel von Mahakuta (7. Jahrhundert). Eine Weiterentwicklung findet vor allem bei den Pratihara-Tempeln des 8. Jahrhunderts statt. Ihren Höhepunkt erleben die Shikharas in den enorm hohen Tempelbauten des 10. bis 12. Jahrhundert in Khajuraho und Bhubaneswar.
Zitat [Bearbeiten]
„Im Oberbau eines Hindu-Tempels, möglicherweise seinem charakteristischsten Merkmal überhaupt, wird die Gleichsetzung von Tempel und Berg augenfällig; der Oberbau selbst wird als 'Bergspitze' oder 'Gipfel' (shikhara) bezeichnet. Die geschwungenen Konturen einiger Tempelaufbauten und ihre gestaffelte Anordnung haben viel dem Wunsch zu verdanken, die visuelle Wirkung einer Bergspitze zu suggerieren.[2]“
Literatur [Bearbeiten]
- George Michell: Der Hindu-Tempel. Baukunst einer Weltreligion. DuMont, Köln 1990, ISBN 3-7701-2770-6, S. 86.
- Andreas Volwahsen, Henri Stierlin (Hrsg.): Indien. Baukunst der Hindus, Buddhisten und Jains. Taschen-Verlag Köln o.J., ISBN 3-8228-9532-6, S.144ff.
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Andreas Volwahsen, Henri Stierlin (Hrsg.): Indien. Baukunst der Hindus, Buddhisten und Jains. Taschen-Verlag Köln o.J., S. 144f ISBN 3-8228-9532-6
- ↑ George Michell: Der Hindu-Tempel. Baukunst einer Weltreligion. DuMont, Köln 1990, S. 86 ISBN 3-7701-2770-6