Khajuraho

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Khajuraho
Khajuraho (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Madhya Pradesh
Distrikt: Chhatarpur
Lage: 24° 51′ N, 79° 56′ O24.8579.933333333333Koordinaten: 24° 51′ N, 79° 56′ O
Einwohner: 19.282 (2001[1])

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Khajuraho (Hindi: खजुराहो Khajurāho [kʰʌdʒʊˈrɑːhoː]) ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh mit rund 20.000 Einwohnern. Bekannt ist sie für den Tempelbezirk von Khajuraho. Die Gruppe der Tempel mit erotischen Darstellungen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und macht aus dem ansonsten eher unbedeutenden Ort Khajuraho ein beliebtes Touristenziel.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Khajuraho, ursprünglich "Kharjuravāhaka", ist möglicherweise abgeleitet von den Sanskrit-Wörtern kharjura ('Palme') und vāhaka ('Träger').

Geografie[Bearbeiten]

Khajuraho liegt im Distrikt Chhatarpur im Norden Madhya Pradeshs unweit der Grenze zum Nachbarbundesstaat Uttar Pradesh. Der nächstgrößere Ort ist die Distrikthauptstadt Chhatarpur etwa 35 Kilometer westlich, Delhi liegt rund 620 Kilometer nordwestlich.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Khajuraho liegt abseits der Hauptverkehrsrouten. Es bestehen zahlreiche Busverbindungen in die nahegelegenen Städte Satna (117 Kilometer südöstlich) und Jhansi (172 Kilometer nordwestlich), die aber wegen der schlechten Straßenbedingungen viel Zeit in Anspruch nehmen. Seit ca. 2010 ist Khajuraho auch an das Bahnnetz angeschlossen. Weitere nahegelegene Bahnhöfe befinden sich in Mahoba (64 km) und Harpalpur (94 km), bessere Bahnverbindungen bestehen aber über Jhansi und Satna, die an den stärker frequentierten Hauptstrecken liegen.

Weiterhin verfügt Khajuraho trotz seiner bescheidenen Größe über einen eigenen Flughafen (IATA-Code: HJR). Dieser ist drei Kilometer südlich des Ortes gelegen. Es bestehen Verbindungen nach Delhi, Agra, Varanasi und Kathmandu.

Geschichte[Bearbeiten]

Khajuraho war vom 9. bis zum 16. Jahrhundert die kulturelle Hauptstadt des Chandella-Reiches. Politisch und militärisch regierten die Chandellas von der Festung Kalinjar aus, die jedoch − im Unterschied zu Khajuraho − in der Zeit der islamischen Eroberungen mehrfach belagert und zerstört wurde. Doch mit dem Niedergang der Chandellas im 12. Jahrhundert verlor auch Khajuraho an Bedeutung. Aufgrund seiner abgelegenen Lage blieben der Ort und seine Tempel jedoch von zerstörerischen Übergriffen verschont. Im 18. und 19. Jahrhundert hatte das Dorf Khajuraho nur noch etwa 300 Einwohner.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Am Ortsrand und in der ländlich geprägten Umgebung von Khajuraho stehen noch viele einfache, aber von ihren Bewohnern liebevoll gepflegte Lehmhäuser.

Lehmhäuser[Bearbeiten]

Am Ortsrand sowie in der ländlichen Umgebung von Khajuraho stehen noch viel einfache Lehmhäuser, deren Bewohner nach den Prinzipien der Selbstversorgung und Selbstverantwortung leben. Die allermeisten der heute noch existierenden Häuser wurden zumeist erst im 20. Jahrhundert erbaut und haben schon Ziegeldächer anstelle der früheren Schilfeindeckung. Insgesamt jedoch orientieren sie sich in hohem Maße an der Tradition: Erdgeschoss mit offenem Dachstuhl sowie einem großen fensterlosen und nicht durch Wände getrennten Raum. Belichtung und Belüftung des Hauses erfolgte ausschließlich über die Tür; Fensteröffnungen waren äußerst selten und zeigten den Wohlstand des Eigentümers an. Der äußere Türbereich wurde früher noch mit geometrischen oder kurvilinearen Motiven bemalt, die allesamt eine apotropäische (Unheil abwehrende) Bedeutung hatten. Die Zubereitung des Essens erfolgte oft − wegen der Rauchentwicklung und der Brandgefahr − nicht im Innern des Hauses, sondern im Hofbereich über einem mit Reisig und getrockneten Kuhfladen betriebenen offenen Feuer; mittlerweile haben die meisten Familien jedoch einen Gas- bzw. Kerosinkocher.

Tempel[Bearbeiten]

Der Großteil der imposanten Tempel im Tempelbezirk von Khajuraho wurde von den Herrschern der Chandella-Dynastie zwischen 950 und 1120 unserer Zeitrechnung erbaut. Sie sind heute eine der bedeutendsten Touristenattraktionen Indiens. Die frühen Tempel Khajurahos (Lalguan-Mahadeva-Tempel, Brahma-Tempel) sind zwar aus Stein errichtet, haben aber − wie die Lehmhäuser − glatte und ungegliederte Außenwände, nur einen Eingang und keine Fenster. Diese einfachen Tempel der Frühzeit entwickelten sich im Laufe von Jahrhunderten zu immer komplexeren Strukturen mit hohen Shikhara-Türmen (Lakshmana-Tempel, Kandariya-Mahadeva-Tempel).

Tanzfestival[Bearbeiten]

Das alljährlich im Februar oder März stattfindende einwöchige Tanzfest zieht viele namhafte Tänzer aus ganz Indien an. Doch auch außerhalb der Festivalzeit bieten Theater abendliche Tanz-Aufführungen. Hierbei werden Tänze aus den verschiedenen Bundesstaaten dargeboten und der Zuschauer gleichsam auf eine tänzerische Reise durch Indien entführt.

Panna Nationalpark[Bearbeiten]

In der Nähe von Khajuraho (ca. 45 Autominuten entfernt) liegt der Panna-Nationalpark mit dem sogenannten Panna Tiger Reserve, in dem viele vom Aussterben bedrohte Tierarten leben − neben anderen das akut vom Aussterben bedrohte Gangesgavial. Zudem ist das Reservat Lebensraum für über 200 verschiedene Vogelarten. Aber auch viele Säugetiere und Reptilien haben hier eine Heimat. Leider sind die Bestände der indischen Tiger (2003: noch ca. 40 Exemplare) durch Wilderer in den letzten Jahren stark zurückgegangen und gelten seit Juni 2009 auch offiziell als im Schutzgebiet ausgerottet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Khajuraho – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien