Snider-Enfield Rifle

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Snider-Enfield Rifle
RI9232Lsnider.jpg
Allgemeine Information
Zivile Bezeichnung: Snider-Enfield
Entwickler/Hersteller: Royal Small Arms Factory
Entwicklungsjahr: 1860
Herstellerland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Produktionszeit: 1863 bis 1875
Modellvarianten: Kurzgewehr für Sergeants bzw. für die Marine, Artillerie-Karabiner sowie Kavallerie-Karabiner
Waffenkategorie: Hinterlader
Ausstattung
Gesamtlänge: 1250 mm
Gewicht: (ungeladen) 3,8 kg
Technische Daten
Kaliber: .577 Snider
Kadenz: 7 Schuss/min
Anzahl Züge: 3-5
Drall: 1:78"= 1:198 cm, 1:48"=1:119 cm
Ladeprinzip: Einzellader
Listen zum Thema

Das Snider-Enfield ist ein englisches Hinterladergewehr des 19. Jahrhunderts.

Für die Konversion der englischen Infanteriegewehre vom Typ Enfield Rifled Musket 1853 machte der Amerikaner Jacob Snider dem britischen Board of Ordnance (BO) Pläne, die vorsahen, die Vorderlader in einschüssige Hinterlader umzubauen. Dazu wurde ein Teil des Laufes im Bereich vor der Schwanzschraube aufgefräst und ein Kammerverschluss eingefügt ähnlich der französischen Art à la Tabatiere.

Später folgten Versionen für die kürzeren Sergeant-Gewehre und Karabiner.

Das vorhandene Kaliber. 577 der Enfield Rifled Musket (manche Gewehre bekamen allerdings einen neuen Lauf aus Stahl) wurde beibehalten, allerdings konstruierte Colonel Boxer eine Patrone mit Zentralfeuerzündung.

Funktion[Bearbeiten]

offener Snider-Enfield Verschluss

Der Verschlussblock ist an einer an der rechten Waffenseite befindlichen, parallel zur Laufachse befindlichen Achse drehbar gelagert und auf der Achse zudem verschiebbar. Um die Waffe zu laden, wird der Hahn in die Ruhrast gelegt. Dann wird der Verschlussblock nach rechts geschwenkt; eine Patrone wird in die Mulde (die ursprünglich Teil des Laufes war) gelegt und mit dem Daumen nach vorn in das Patronenlager geschoben. Der Verschluss wird wieder zurückgeschwenkt und liegt jetzt zwischen der Patrone und der Schwanzschraube. Vor dem Schießen wird der Hahn vollständig gespannt. Wird der Abzug gezogen, wird der Hahn freigegeben und schnellt nach vorn, wo er auf den federnd gelagerten Schlagbolzen trifft und dessen Spitze in das Zündhütchen der Patrone treibt. Zum Entladen wird der Hahn wieder in die Ruhrast gebracht und der Verschluss nach rechts geschwenkt. Eine Nase vorn am Verschluss greift dabei hinter den Rand der Patronenhülse. Wird der Verschluss entlang seiner Achse nach hinten gezogen, zieht die Nase die Hülse aus dem Patronenlager; mit einer Drehung der Waffe um die Längsachse wird die Hülse aus der Waffe geschüttelt.

Wirkung[Bearbeiten]

Bei den Schießversuchen durch das Board of Ordnance durchschlugen die Snider-Geschosse auf 30 yards 11 halbzöllige Bretter. Die Konstruktion von Westley-Richards ("Monkey Tail") durchschlug zwar 16 Bretter, war aber nicht ganz gasdicht und nicht so funktionssicher wie das Snider-System.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heino Hintermeier, Aus Vorderladern werden leistungsfähige Hinterlader, in: DWJ (früher: Deutsches Waffenjournal) 7/2002 S.64-73
  • Charles J. Purdon: Jacob Snider's action & E. M. Boxer's cartridge. The Snider-Enfield rifle. Museum Restoration Service, Bloomfield 1990, ISBN 0-919316-24-7, (Historical Arms 24).
  • Jan Boger: Schwarzpulver-Digest. Das Handbuch für den Vorderlader-Schützen. Waffen, Munition, Zubehör. 2. Auflage. Motorbuchverlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-613-01056-9.
  • W.Greener, Modern Breechloading Systems, London 1871
  • Henry Darapsky, Die Umänderung des englischen Enfield-Gewehres in ein Hinterladungs-Gewehr, in: Polytechnisches Journal 1866, Band 182, Nr. LXXIX, S. 283–285
  • H. von Löbell, Des Zündnadelgewehrs Geschichte und Konkurrenten, Berlin 1867
  • Henry Darapsky, Das Snider-Enfield-Gewehr und seine momentanen Mißerfolge, in: Polytechnisches Journal 1867, Band 184, Nr. XXIX, S. 126–129