Stachanow-Bewegung

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Alexej Stachanow

Die Stachanow-Bewegung (russisch Стахановское движение) war eine sowjetische Kampagne zur Steigerung der Arbeitsproduktivität in den Betrieben, benannt nach Alexei Grigorjewitsch Stachanow, der am 31. August 1935 in einer Kohlengrube im Donezbecken in einer Schicht 102 Tonnen Kohle förderte und damit die gültige Arbeitsnorm um 1457 % übererfüllte („Planübererfüllung“)[1]. Er wurde als ein „Held der Arbeit“ bezeichnet.

Daraufhin veranstaltete die Sowjetunion eine Rekordkampagne zur Steigerung der Arbeitsleistungen. Belohnt wurden Arbeiter mit Vergünstigungen wie bessere Wohnung oder Nahrung. Aus Protest gegenüber den folgenden Erhöhungen von Arbeitsnormen schlossen sich immer mehr Arbeiter der Stachanow-Bewegung an, allerdings nicht im ursprünglich gemeinten Sinne, sondern um die Bewegung zu einer Massenbewegung werden zu lassen.

50 Jahre Stachanow-Bewegung (sowjetische Briefmarke, 1985)

Durch die Entwicklung zur Massenbewegung wurde die Stachanow-Bewegung banalisiert und die Privilegien für Arbeiter, die weitere Normen übererfüllten, entwertet (für so viele Anhänger der Bewegung waren einfach keine Vergünstigungen vorhanden). Dennoch blieben die Normerhöhungen nicht ohne Folge: die Qualität der Produktion sank, der Anteil des Ausschusses nahm zu und die Werkzeuge sowie die Produktionsstätten wurden nur unzureichend gewartet.

Zu Anfang richtete sich die Bewegung nicht nur an Arbeiter, sondern auch an die Betriebsleitungen. Die Freiwilligkeit an der Teilnahme verkam jedoch schon recht bald zu einem Schlagwort der Propaganda.

Die Hennecke-Bewegung (nach Adolf Hennecke) in der DDR hatte die Stachanow-Bewegung zum Vorbild.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ermanskij, A. O.: Stachanovskoe dviženie i stachanovskie methody. Moskva: 1940. S. 25 (zitiert nach: Maier, Robert: Die Stachanov-Bewegung 1935-1938 : Der Stachanovismus als tragendes und verschärfendes Moment der Stalinisierung der sowjetischen Gesellschaft. Stuttgart: Franz Steiner, 1990. - ISBN 3-515-05440-5. S. 63)
    Nach den Angaben Maiers auf der gleichen Seite betrug die durchschnittliche Produktivität im Ruhrgebiet rund 17 Tonnen pro Schicht.