Stichomantie

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Die Stichomantie oder Bibliomantie ist eine Form der Wahrsagung mittels Texten. Oft werden dafür Werke benutzt, die als heilig oder jedenfalls besonders bedeutend gelten, etwa die Bibel oder das I Ging. Im Iran ist hierfür das Werk des Dichters Hafis sehr populär.

Der Wahrsager formuliert eine Frage, die er nicht selbst beantworten kann. Dann sticht er mit einem spitzen Gegenstand irgendwo intuitiv in eine Buchseite und deutet die Textstelle an dieser Position als Antwort. Er versucht mit dieser Methode etwas über eigene oder „fremde“ Verhaltensweisen, über künftige Bestimmungen und Möglichkeiten zu erfahren.

Die Bibliomantie war bereits in der Antike bekannt. Oft wurden dafür Texte von Homer und Vergil benutzt. Im Lateinischen sprach man von sortes homericae bzw. sortes vergilianae. Mit dem Aufkommen des Christentums wurden diese Weissagungspraktiken als häretisch verdammt, zum Beispiel durch Papst Gregor I. Die Bibliomantie wurde aber weiterhin ausgeübt, allerdings auf Basis der Bibel. Dies ist sowohl für den Kirchenvater Augustinus als auch für Franz von Assisi überliefert.

Neuerlich angeregt u. a. durch Nikolaus Graf von Zinzendorf, war im 19. Jahrhundert die Bibliomantie in allen Schichten verbreitet. Man bezeichnete sie auch als Däumeln, weil die Seiten mit dem Daumen schnell durchgeblättert wurden und man dann eine zufällige Seite aufschlug.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Stichomantie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Bibliomantie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen