Stromleitungskreuzung der Straße von Messina

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Ehemaliger Strommast bei Torre Faro auf sizilianischer Seite

Die Stromleitungskreuzung der Straße von Messina dient zur Anbindung des Stromnetzes von Sizilien an das des italienischen Festlandes. Sie existiert seit 1955 und war bis 1994 als Freileitungskreuzung realisiert, deren Masten heute noch stehen.

Freileitungskreuzung[Bearbeiten]

Kreuzungsmasten[Bearbeiten]

1955 wurden zur Realisierung einer Hochspannungsleitung (bis 1971 mit einer Spannung von 150 kV, ab dann 220 kV) vom kalabrischen Umspannwerk Scilla (Lage38.23666715.741111) zum sizilianischen Umspannwerk Messina-Santo (Lage38.17444415.538056) an der Straße von Messina in Torre Faro (Sizilien) und Cannitello di Villa San Giovanni (Kalabrien) je ein 224 Meter hoher, als freistehender Stahlfachwerkturm ausgeführter Hochspannungsmast errichtet. Jeder dieser Masten steht auf einem kreuzförmigen 8 Meter (26 ft) hohen Fundament, sodass sich eine Gesamthöhe von 232 m ergibt, und trägt in einer Höhe von 212 Metern (696 ft) eine Traverse zur Aufnahme von vier Leiterseilen. Zwei weitere Leiterseile fanden Platz an der V-förmigen Spitze, an der auch die Erdseile montiert waren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Masten wurden die Eckstiele der Masten diagonal zum Verlauf der Leitungsrichtung angeordnet. Diese Anordnung wurde auch später bei der Elbekreuzung 1 in Deutschland übernommen. Die Masten der Freileitungskreuzung der Straße von Messina waren bis zur Fertigstellung der Elbekreuzung 2 die höchsten Freileitungsmasten der Welt.

Die Dauer und Amplitude der Eigenschwingung der Freileitungsmasten von Messina wurde nach ihrer Fertigstellung auf sehr ungewöhnliche Weise ermittelt, in dem drei Raketen mit 9800 Kilonewton Schub an ihrer Spitze gezündet wurden.[1]

Die Freileitungskreuzung ging mit vier Leiterseilen, von denen eines als Reserve diente, als einsystemige 150-kV-Leitung in Betrieb. 1971 wurden zwei weitere Leiterseile installiert und Betriebsspannung auf 220 kV erhöht, wodurch sich eine Übertragungskapazität von 300 MVA ergab.

Als Leiterseile wurden für beide Systeme Einfachseile mit 45 Quadratmillimetern Aluminiumquerschnitt und 305 Quadratmillimetern Stahlquerschnitt, sogenannte AlSt-45/305-Seile, verwendet. Die geringste Höhe der Leiterseile über der Straße von Messina betrug 70 Meter. Um diese bei der Spannweite von 3646 Metern zu erreichen, war eine Zugspannung von 608 N/mm² in den Leiterseilen nötig.

In den 1980er Jahren reichte die Übertragungskapazität dieser Anlage nicht mehr aus. Da es nicht möglich war, die Übertragungskapazität durch Bündelleiter oder durch Seile besserer Leitfähigkeit zu erhöhen, weil Bündelleiter in dem langen Spannfeld stärker zu windinduzierten Schwingungen, die zu Kurzschlüssen führen können, neigen als Einfachleiter und weil Seile besserer Leitfähigkeit nicht die erforderliche Zugspannung aushalten, wurde 1985 durch die Straße von Messina ein 380-kV-Seekabel mit 1000 MW Übertragungskapazität verlegt.

Die Freileitungskreuzung wurde 1993 stillgelegt und ein Jahr später wurden die Leiterseile demontiert.

Nach Demontage der Leiterseile wurden die Masten unter Denkmalschutz gestellt und als meteorologische Messstation, zur Übung von Höhenrettungen und als Antennenträger verwendet.

Seit 2006 ist ein Aufstieg über 1250 Treppenstufen auf den Mast auf der sizilianischen Seite möglich.[2]

Schaltstationen[Bearbeiten]

BW

Im Unterschied zu anderen vergleichbaren Freileitungskreuzungen wurden an beiden Enden des Spannfelds Schaltstationen errichtet, deren Baulichkeiten noch heute vorhanden sind. Die Seile der Freileitungskreuzung wurden - im Unterschied zu praktisch allen anderen Freileitungskreuzungen breiter Wasserstraßen - ähnlich wie die Oberleitung einer Bahn mit einer Spannvorrichtung an einem Ende gespannt. Das starre Ende der Freileitungskreuzung befand sich in der Station bei Cannitello in Kalabrien, die Spannvorrichtung war auf der Station auf Sizilien in einem Gebäude mit zwei Türmen untergebracht, welches heute noch steht.

Zubringerleitung[Bearbeiten]

Die Stromleitung vom Umspannwerk Scilla zur ehemaligen Schaltstation in Cannitello existiert noch immer, ist aber unbenutzt. Die Leitung von der Schaltstation Torre Faro zum Umspannwerk Messina-Santo dürfte inzwischen vollständig demontiert worden sein.

Seekabelquerung[Bearbeiten]

Das 1994 als Ersatz für die Freileitungskreuzung verlegte Seekabel ist Teil der einsystemigen 380-kV-Leitung vom Umspannwerk Rizziconi auf Kalabrien zum Umspannwerk Sorgente. Es hat eine Übertragungskapazität von 1000 MW und beginnt am südlich von Villa San Giovanni auf Kalabrien gelegenen Ende der vom Umspannwerk Rizziconi kommenden Freileitung und erreicht Sizilien im Stadtgebiet von Messina. Dieses durchläuft es als Erdkabel, bevor es im Norden von Messina endet, wo die Freileitung zum Umspannwerk Sorgente beginnt.

Das Kabel besteht aus vier Leitern, wobei der vierte Leiter als Reserve dient.

Geplantes zweites 380-kV-Kabel[Bearbeiten]

Es ist geplant, eine weitere 380-kV-Leitung zwischen Sorgente und Rizziconi zu bauen. Sie soll eine maximale Übertragungskapazität von 2000 MW und eine Länge von 105 Kilometern haben. Die Seekabelsektion dieser Leitung soll 38 Kilometer lang werden.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Turmbauwerke, Bauverlag GmbH, Wiesbaden, 1966
  2. Francesco Pagano: Il Pilone de Torre Faro. 20. August 2007, abgerufen am 25. April 2010 (italienisch).
  3. Green light for the new “Electricity Bridge” across the Strait of Messina

Weblinks[Bearbeiten]

Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing