Synagoge Köln

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Synagoge in Köln, Roonstraße

Die Kölner Synagoge befindet sich im Stadtteil Neustadt-Süd an der Roonstraße gegenüber dem Rathenauplatz. Sie ist das Zentrum der Synagogen-Gemeinde Köln. Internationale Beachtung fand die Synagoge beim Besuch des Papstes Benedikt XVI. während des Weltjugendtages im August 2005. Er besuchte als erstes katholisches Oberhaupt ein jüdisches Gotteshaus in Deutschland.

Geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Nachdem die im maurischen Stil erbaute, 1861 eingeweihte Synagoge Glockengasse keinen ausreichenden Platz für die gewachsene Gemeinde bot, wurde für die liberaleren Mitglieder an der Roonstraße 1895–99 von den Kölner Architekten Emil Schreiterer und Bernhard Below (Architekturbüro Schreiterer & Below) ein Neubau in neuromanischer Form errichtet. Der U-förmige Gebäudekomplex mit Tuffsteinverkleidung weist im Zentrum einen kuppelüberwölbten Zentralraum auf kreuzförmigem Grundriss mit Vorhalle auf, der von viergeschossigen Begleitbauten flankiert wird. Der Grundstein wurde am 23. Oktober 1895 gelegt, Einweihung war am 22. März 1899. Am 9. November 1938 wurden in der Reichspogromnacht alle sieben Synagogen in Köln von den Nationalsozialisten zerstört beziehungsweise verwüstet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau durch Luftangriffe beschädigt. Nach dem Krieg setzte sich Konrad Adenauer dafür ein, dass die Synagoge wieder hergerichtet wurde. Wiedereröffnet wurde die im Äußeren mit geringen Veränderungen wiederhergestellte und im Inneren vereinfachte Synagoge (zum Teil mit Bleiverglasung von der Kunstglaserei Lammers & Warzager) nach zweijähriger Bauzeit unter der Leitung des Architekten Helmut Goldschmidt am 20. September 1959. Die Hauptfront wird ausgezeichnet durch eine dreibogige Portalanlage (ehemaliger Haupteingang) sowie einer großen Giebelfassade mit mittig angeordneter Fensterrosette, der ehemalige zentrale Synagogensaal ist am Außenbau durch einen Kubus mit Rundbogenfenstern, Pyramidendach und schlanken Ecktürmchen in Anlehnung an byzantinische Vorbilder erkennbar.[1]

Die Synagoge heute[Bearbeiten]

Blick auf den Toraschrein und die Bima

Die Synagoge dient als Versammlungs- und Gotteshaus. Das Gebäude verfügt über ein koscheres Restaurant, eine Bibliothek, ein Museum, ein Jugendzentrum und einen Festsaal. Weitere soziale Einrichtungen wurden in das jüdische Wohlfahrtszentrum mit Alten- und Pflegeheim, dem ehemaligen Gebäude des „Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache“, in der Ottostraße/Nußbaumerstraße im Stadtteil Neuehrenfeld ausgelagert. Der Gebetsraum bietet Platz für 800 Männer- und 600 Frauensitze. In der Gedenkhalle erinnert eine Gedenktafel mit den Worten „Der du diese Halle betrittst - verweile in stillem Gedenken an die über Sechsmillionen unschuldig gemordeten Schwestern und Brüder“ an die Ermordung der Juden durch das NS-Regime (auch 'Shoah' genannt). An der Außenfassade im Mittelteil befindet sich über den drei Fensterbögen die Inschrift:

„Nicht durch Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen.“

Secharja IV, 6.

Die während der Novemberpogrome 1938 ("Reichskristallnacht") durch den katholischen Priester Gustav Meinertz gerettete Torarolle der Synagoge in der Glockengasse wurde bis 2007 in einer Vitrine im Eingangsbereich ausgestellt. Nach einer Restaurierung, deren Kosten in Höhe von 12.000 Euro das Erzbistum Köln übernahm, kann die 1902 gefertigte Tora nun wieder in der Liturgie benutzt werden.[2]

Orthodox geführte Einheitsgemeinde[Bearbeiten]

In der Synagoge Roonstraße wurde bis zur Schoah der jüdisch-liberale Ritus (mit Orgel und Chor und Trennung zwischen Männern und Frauen) befolgt. Die Synagoge gehörte wie alle anderen Synagogen (bis auf die Austrittsgemeinde Adass Jeschurun) zur jüdischen Einheitsgemeinde. Nach dem Krieg wurde der orthodoxe Ritus übernommen.

Liberale Gemeinde[Bearbeiten]

Seit 1996 gibt es in Köln eine kleine liberale Gemeinde mit rund 100 Mitgliedern, die Jüdische Liberale Gemeinde Köln Gescher Lamassoret (hebr. für Brücke zur Tradition). Sie ist der Union progressiver Juden in Deutschland angeschlossen und der Synagogengemeinde zu Köln nur durch einige Doppelmitgliedschaften verbunden. Der kleine Synagogenraum befindet sich im Souterrain der evangelischen Kreuz-Kapelle in Köln-Riehl.

Literatur zur Baugeschichte[Bearbeiten]

  • Sabine Simon: Schreiterer & Below - Ein Kölner Architekturbüro zwischen Historismus und Moderne. G. Mainz, Aachen 1999, ISBN 3896534750, S. 120–130.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen I, Deutscher Kunstverlag 2005, S. 753-754.
  2. Radio Vatikan: Kölner Synagoge erhält Thora zurück 10. November 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Synagoge Roonstraße – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

50.9319444444446.9363888888889Koordinaten: 50° 55′ 55″ N, 6° 56′ 11″ O