TEEB-Studie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) ist ein großes internationales Forschungsvorhaben, das einen Überblick über bestehende Ansätze zur ökonomischen Bewertung von biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen aufzeigt. Die Leitung lag bei dem Londoner Deutsche-Bank-Manager Pavan Sukhdev. Erklärtes Ziel der Studie war es, den ökonomischen Wert der Dienstleistungen von Ökosystemen und der Biodiversität erfassbar zu machen, um diese effektiver vor Zerstörung und Raubbau zu schützen.

Das TEEB-Projekt ist in 5 Phasen geplant:

  1. Synthese der vorhandenen theoretischen Grundlagen aus Ökologie und Ökonomie
  2. Formulierung von praxisrelevanten Empfehlungen für die Politik auf dem nationalen und internationalen Level
  3. Praxisrelevante Empfehlungen für lokale und regionale Entscheidungsträger
  4. Praxisrelevante Empfehlungen für Unternehmen und andere Wirtschaftsakteure
  5. Alltagsrelevante Empfehlungen für Konsumenten und Bürger

TEEB wird auch als Versuch gewertet, an den Erfolg des Stern-Reports von 2006 anzuknüpfen, der mit einer Prognose der ökonomischen Folgen der globalen Erwärmung einen Schub in der Klimadebatte und der Klimapolitik auslöste.

Beirat[Bearbeiten]

Im wissenschaftlichen Beirat des TEEB-Projekts sitzen der ehemalige UNEP-Chef Achim Steiner, die Ökonomen Nicholas Stern (Autor des Stern-Reports), Edward Barbier, Joan Martínez-Alier und Karl-Göran Mäler, der ehemalige tschechische Umweltminister Ladislav Miko, die ehemalige Direktorin der Europäischen Umweltagentur Jacqueline McGlade sowie die Chefin der internationalen Naturschutz-Organisation WWF, Yolanda Kakabadse[1].

Ergebnisse der 1. Phase[Bearbeiten]

Die erste Phase des TEEB-Projekts war als Synthese des aktuellen Standes der wissenschaftlichen Debatte um die ökonomische Bewertung von Ökosystemen und Biodiversität gedacht. Als Ergebnis wurden in der ersten Veröffentlichung des Projekts, The Economics of Ecosystems and Biodiversity: Ecological and Economic Foundations, folgende Empfehlungen gegeben:

  • Die Grundlage der Bewertung von Ökosystemen solle der Begriff der Ökosystemdienstleistungen darstellen, der eine Übersetzung ökologischer Konzepte in die Sprache der Ökonomie ermöglicht.
  • Die Bewertung von Ökosystemen sei notwendig, um eine weitere Zerstörung der Biosphäre zu verhindern, die aus den wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschheit resultiert.
  • Obwohl die Umwelt- und Ressourcenökonomie sich mit der Thematik schon lange befassen, bestehen weiterhin wichtige methodologische Probleme, insbesondere bezüglich der Diskontierung, der Bewertungsmethoden, der Kategorie der kulturellen Werte und der Behandlung von Unsicherheit.
  • Die Involvierung von Stakeholdern in Bewertungsprozesse sei unverzichtbar.
  • Obwohl die genaue Rolle der Biodiversität in der Funktionsweise von Ökosystemen noch nicht richtig verstanden wurde, sei es anzunehmen, dass ihr Einfluss auf die Stabilität und Erträge an Umweltgütern groß ist.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten]

Der BUND befürchtet in einer Stellungnahme, dass durch die "Privatisierung" des Biodiversitätsschutzes sich staatliche Akteure aus ihrer politischen und finanziellen Verantwortung ziehen und marktwirtschaftliche Kriterien über die Schutzwürdigkeit von Natur entscheiden. "Stand innerhalb der internationalen Schutzbemühungen der UNO-Biodiversitätskonvention (CBD) bisher die Generierung finanzieller Ressourcen durch fondsgestützte, staatliche Mittel für Schutzgebiete im Fokus der internationalen Aktivitäten, so verfolgt TEEB eine Finanzierung durch Marktmechanismen."[2] Er sieht vor allem zwei Schwachpunkte und Risiken:

Das Konzept der „Dienstleistungen der Natur“ greife zu kurz, da zum einen vorrangig der funktionale Aspekt, der Natur als „Dienstleisterin“ der menschlichen Gesellschaft betont würde. Jedoch würden unter diesem Blickwinkel wichtige Aspekte der Natur entweder vernachlässigt oder sogar als ‚nutzlos‘ für den Menschen (und deshalb als nicht weiter schützenswert) eingestuft. Zum anderen sei aus Sicht des Naturschutzes und der biologischen Vielfalt eine Ausweitung begrenzter Schutzgebiets-Konzepte überfällig. Vielmehr sei ein „Naturschutz in der Fläche“ das Gebot der Stunde.

Der NABU-Präsident Olaf Tschimpke befürwortet grundsätzlich die In-Wert-Setzung von Ökosystemen: „Die Gratis-Dienstleistungen der Natur müssen sich endlich als Faktor in ökonomische Bilanzen wiederfinden. Die Erde darf nicht länger ein frei verfügbares Rohstofflager für die Konzerne dieser Welt sein“.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.teebweb.org/AboutTEEB/AdvisoryBoard/tabid/1003/Default.aspx
  2. http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/biologische_vielfalt/20100730_biologische_vielfalt_kurzfassung_teeb.pdf Positionspapier des BUND Zur internationalen Diskussion um eine Ökonomie der Ökosysteme und der Biologischen Vielfalt – TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity)
  3. http://www.nabu.de/presse/pressemitteilungen/index.php?show=1795&db=presseservice