Tampondruck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schaubild zum Tampondruck, mit Klischee (1), Tampon (2), Messer (3), Rakel (4), Druckfarbe (5) und Druckobjekt (6).

Der Tampondruck ist ein indirektes Tiefdruckverfahren, bei dem die Druckfarbe durch einen elastischen Tampon aus Silikonkautschuk von der Druckform auf den Bedruckstoff übertragen wird. Das Tampondruckverfahren ist das wichtigste Verfahren zum Bedrucken von Kunststoffkörpern und ist damit unter anderem in der Werbemittelbranche von großer Bedeutung. Es ging aus dem Decalcierverfahren hervor, als 1968 der Graveurmeister Wilfried Philipp die wenig standfesten Gelatinetampons dieses Verfahrens durch solche aus Silikonkautschuk ersetzte.

Druckverfahren[Bearbeiten]

Das Druckbild, das übertragen werden soll, wird mit einem Positiv-Film (Offsetfilm) auf ein Klischee belichtet. Dieses Klischee wird dann ausgewaschen; das belichtete Druckbild bleibt vertieft auf der Oberfläche des Klischees zurück. Man unterscheidet Stahlklischees und Kunststoffklischees. Bei Stahlklischees wird das Druckbild in die Stahloberfläche geätzt. Stahlklischees finden bei wiederkehrenden Druckbildern mit sehr hohen Stückzahlen Verwendung.

Der Werbeartikeldrucker verwendet überwiegend Kunststoffklischees, da er diese selbst belichten und auswaschen kann. Kunststoffklischees besitzen auf der Oberfläche eine lichtempfindliche Schicht, auf die das Druckbild belichtet wird. Läuft der mechanische Vorgang des Druckes ab, wird die Druckfarbe mit Hilfe einer Rakel aus Metall oder Kunststoff (in früheren Jahren Rolle oder Bürste) über das Klischee geschwemmt. Bei einer Rückwärtsbewegung zieht ein Messer die Farbe wieder ab und lässt sie in der Vertiefung zurück. Anschließend setzt der Tampon auf diese Druckform auf, hebt unter Mitnahme von Druckfarbe wieder ab und fährt zum Bedruckstoff. Dort senkt sich der Tampon, passt sich der Form an und hinterlässt die Farbe (das Druckbild) auf dem Druckgut.

Der Vorteil dieser Druckübertragung besteht in der Verformbarkeit des Tampons, durch den das Bedrucken von gewölbten Flächen (konvex, konkav oder unregelmäßig) möglich wird. Der Tampon nimmt aufgrund seiner Elastizität die Form des zu bedruckenden Körpers an und kann so ideal das Motiv auf den Bedruckstoff übertragen. Das Druckbild wird auf den Druckkörper übertragen. Die Farbübertragung auf den Bedruckstoff liegt auf Grund des Silikonöls im Tampon bei annähernd 100 %.

Anwendung[Bearbeiten]

Gewölbte Flächen wie zum Beispiel Keyboard-Tasten werden meist mit Tampondruck beschriftet

Der Tampondruck kann auf Grund seiner Anpassungsfähigkeit beim Druck auf relativ komplex geformte Oberflächen eingesetzt werden. Anwendungsbereiche sind zum Beispiel das Bedrucken von Spritzen, Spielzeugen, CDs, Geschirr, Schraubverschlüssen, Feuerzeugen, Blechdosen und Münzen. Auch im Automotive-Bereich werden viele Teile im Tampondruck dekoriert, wie zum Beispiel die Blinker- oder Scheibenwischerhebel.

In der Werbemittelbranche und bei der Modelleisenbahn wird diese Drucktechnik besonders oft angewandt, da viele Werbeartikel und Schienenfahrzeugmodelle keine ebene Oberfläche aufweisen.

Maschinentechnik[Bearbeiten]

Der mechanische Aufbau des Farbgebersystems unterscheidet drei Grundtypen:

Offenes Farbsystem
ab ca. 1971, die Farbe liegt in einem offenen Farbbecken, wird durch den Farbspachtel über das Druckklischee gestrichen, und die überschüssige Farbe wird durch das Rakelmesser abgerakelt. Ein Vorteil dieses Systems ist bei großen Druckflächen gegeben. Bei kleinen Druckflächen gilt dieses Farbgebersystem als überholt.
Geschlossenes Farbsystem
ab ca. 1983, Farbe liegt in einem hermetisch geschlossenen Farbtopf, der zugleich, durch einen umlaufenden Rakelring aus Hartmetall oder Keramik, das Rakelelement beinhaltet und die überschüssige Farbe abrakelt.
Der Rakelring ist zugleich das Dichtelement. Damit nicht unerwünscht Farbe austritt, wird der Topf gegen das Klischee gepresst. Bei manchen Maschinen erfolgt dies durch Magnete, bei anderen durch einstellbare Federvorspannung oder durch pneumatische Anpressung.
Rotationstampondruck
ab ca. 1981, zur Bedruckung runder Teile oder für kontinuierlichen Druck. Sowohl Tampon als auch Klischee sind als Walzen ausgebildet und erlauben dadurch einen kontinuierlichen Bewegungsablauf. Die Farbe liegt in einem offenen Farbbecken. Anwendung z. B. in Anlagen zum Bedrucken von Flaschenverschlüssen oder Kunststoffprofilen.

Bei manchen Tampondruckmaschinen erfolgen die Bewegungen pneumatisch, bei anderen, vor allem schnellen Maschinen elektromechanisch über Kurvenscheiben. Die neueste Generation von Tampondruckmaschinen wird mittels Linear-Motoren angetrieben, was einen programmierbaren Arbeitsablauf gewährleistet. Über eine automatisierte Teileerkennung können verschiedenste Druckbilder abgegeben werden, ohne dass dafür das Klischee gewechselt werden muss.

Hochwertige Maschinen besitzen meistens eine automatische Vorrichtung zur Reinigung des Tampons (Tamponreinigung, Restfarbenabholung) und eine automatische Farbverdünnung. Maschinen zur Integration in Automationen sind zweckmäßig mit SPS-Steuerungen und passenden Schnittstellen ausgerüstet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Bührer: Fachbuch für den Tampondruck, 2. Auflage, Der Siebdruck, Lübeck 1990, ISBN 3-925402-22-5.
  • Siegfried Meyer: Tampondruck: Verfahren und Möglichkeiten. Der Siebdruck, Lübeck 1994, ISBN 3-925402-67-5.
  • Hans Jürgen Scheper: Prüfungswissen Drucktechnik. Beruf und Schule, Itzehoe 2005, ISBN 3-88013-623-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tampondruck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien