Technisches Tauchen

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Ein technischer Taucher mit Sidemount-Konfiguration macht sich bereit für einen Tauchgang.

Unter technischem Tauchen (auch Technical Diving, TecDiving, Tek-Tauchen, Tec-Tauchen o. Ä.) werden verschiedene Formen des fortgeschrittenen Sporttauchens zusammengefasst, bei denen zusätzliche oder spezielle Tauchausrüstung eingesetzt wird. Die Übergänge vom nicht-technischem zum technischen Tauchen sind fließend und hängen unter anderem von der festlegenden Tauchorganisation ab. Die verwendeten Techniken stammen unter anderem aus dem Berufstauchen und Forschungstauchen.

Definitionen[Bearbeiten]

Ursprünglich und namensgebend bezeichnete Technisches Tauchen das Tauchen mit einem oder mehreren technischen Gasen anstelle von Druckluft als Atemgas. Ein technisches Gas ist hier ein verfahrenstechnisch gewonnenes Gas mit definierten Reinheitsanforderungen, was für die grundsätzliche gesundheitliche Eignung als Atemgas erforderlich ist. Heute gibt es unterschiedliche, abweichende Definitionen des Technischen Tauchens, die meist von den verschiedenen Tauchverbänden spezifiziert wurden.

Zum einen wird heute oft das Tauchen mit relativ einfach zu handhabenden Gasen wie Nitrox nicht mehr dem Technischen Tauchen zugerechnet. Zum anderen wird zum Teil das Tauchen mit Druckluft dann als Technisches Tauchen angesehen, wenn gegnüber dem einfachen Nullzeit-Tauchen mit Druckluft im offenen Wasser deutlich erhöhte Anforderungen an Technik und/oder Taucher bestehen, etwa das Betauchen tieferer Höhlen oder das geplante Überschreiten der Nullzeit mit entsprechenden Dekrompressionsphasen unter Wasser.

PADI[Bearbeiten]

Professional Association of Diving Instructors (PADI) listet unter anderem Enriched Air Diver Course (Nitrox), Ice Diver (nicht in offenem Wasser), Sidemount Diver Course (auch mehrere Flaschen aber ohne Nullzeit-Überschreitung) und Rebreather Diver (dynamisch geregelter Sauerstoff-Anteil des Atemgases) nicht unter den Technical Courses. Kurse für das Tauchen mit mehreren Druckluft- oder Nitrox-Flaschen für tiefere Tauchgänge ab 40 Metern und über die Nullzeit hinaus (Tech 40, Tech 45 und Tech 50) werden dagegen unter den Technical Courses geführt. Das Technische Tauchen wird hier im Allgemeinen mit Tauchtechniken zum geplanten Überschreiten der Nullzeit definiert. Eine explizite Definition des Technischen Tauchens findet sich bei PADI nicht.

Geräte[Bearbeiten]

Im Allgemeinen bringt das Tauchen in größeren Tiefen vier Problematiken des menschlichen Organismus mit sich, denen nur mit technischen Gasen und dazugehörigen technischen Geräten begegnet werden kann:

  • Mit den zunehmenden Drücken in größeren Tiefen nimmt das menschliche Blut einen höheren Anteil an Stickstoff auf, sofern dieser im Atemgas vorhanden ist. Ein höherer Anteil führt hier auch zur schnelleren Aufnahme. Mit zunehmendem Anteil von Stickstoff im Blut ergibt sich ein zunehmender Tiefenrausch, der das Urteilsvermögen und die Reaktionsfähigkeit vermindert, bei höherer Konzentration vergleichbar mit einem starken Alkoholrausch.
  • Ein erhöhter Anteil von leichten Gasen wie Stickstoff oder Helium im Blut, der durch längeres Einatmen dieser Gase unter größeren Drücken (in entsprechenden Tiefen) zustandekommt, führt bei geringeren Drücken in geringeren Tiefen zur Verflüchtigung, also Gasblasen, im Blut. Dies bewirkt eine Schädigung des Blutkreislaufsystems (Dekompressionskrankheit), die im Extremfall unmittelbar tödlich sein kann.
  • Ab einem Partialdruck von 1,6 Bar wirkt Sauerstoff toxisch auf das menschliche Nervensystem. Mit Luft (21 % Sauerstoff) als Atemgas tritt dies ab 1,6/0,21 = 7,6 Bar ein, was einer Tauchtiefe von 66 Metern entspricht.
  • Unterhalb des atmosphärischen Partialdrucks von Sauerstoff (0,21 Bar) nimmt die Aufnahme in der menschlichen Lunge stark ab, was ab 0,13 Bar zur Erstickung führen kann, und schon a 0,18 Bar zu Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit führt.

Grundsätzlich wird die normale Tauchausrüstung für tiefe und längerdauernde Tauchgänge benötigt. Diese wird aber erweitert und teilweise verändert:

Es werden zum Teil spezielle Gasgemische verwendet, zum Beispiel werden mehrere Atemgemische wie Trimix, Nitrox, Heliox und Hydreliox eingesetzt oder verschiedene Gasgemische für unterschiedliche Phasen des Tauchgangs werden benutzt, wie Travel Mix, Bottom Gas (verminderter Sauerstoffanteil zur Vermeidung toxischen Partialdrucks in großen Tiefen) und Deko Gas (verminderter Stickstoffanteil zur Verkürzung der Dekompressionszeit in geringen Tiefen, z.B. Nitrox50 für 15 bis 18 m). Zu beachten ist hierbei, dass die Gemische, insbesondere das Bottom Gas (für den tiefsten Teil des Tauchganges), aufgrund ihres geringen Sauerstoffanteiles, teilweise an der Oberfläche nicht mehr gefahrlos geatmet werden können (ca. 16 % Sauerstoff).

Zudem kann bei den Atemgeräten zwischen Kreislauftauchgeräten – sogenannten Rebreathern – und einer Mischgasausrüstung aus Atemregler und Tauchcomputer (spezielle Mischgascomputer) ausgewählt werden. Auch selbstgebaute bzw. umgebaute Atemmasken werden verwendet und einfache Einrichtungen für die nasse Dekompression ebenso.

Oftmals werden zusätzliche Flaschen (Stages) mit verschiedenen Gasgemischen verwendet, z. B. beim Höhlentauchen.

Beim historischen Tauchen werden Helmtauchgeräte und Schlauchgeräte verwendet. Ein Spezialzubehör sind auch nasse, seltener trockene Unterwasserfahrzeuge (z. B. Tauchscooter, Aquascooter oder Tauchschlitten). Bei speziellen Tauchgängen werden beispielsweise auch Führungsleinen – im Höhlentauchen und Wracktauchen sowie als Sicherungsleinen beim Eistauchen – verwendet. Für den Unterwassereinsatz kommen selbstverständlich in einigen Fällen auch Vermessungsausrüstung oder Suchleinen vor.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  • Einige Tauchziele bzw. Tauchgebiete wie das Ertauchen von großen Tiefen, von Höhlen oder Wracks sind aufgrund des erhöhten Schwierigkeitsgrades und des Reiz des Besonderen beliebte Gebiete des Technical Diving.
  • Die erhöhten Risiken mancher Tauchgänge werden durch Wissen, Erfahrung, Training, Vorbereitung und Ausrüstung möglichst minimiert. Mehr als beim Sporttauchen achtet man auf die Redundanz der lebenswichtigen Ausrüstungsteile, d. h. die meisten Ausrüstungsgegenstände (Tauchausrüstung) sind zweifach (bzw. mehrfach) vorhanden und geprüft.