Thailändischer Mondkalender

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Der traditionelle thailändische Mondkalender (Thai: ปฏิทินจันทรคติPatitin Chantarakati, von Patitin (ปฏิทิน) für „Kalender“ und Chantra (จันทรา) für „Mond“, in etwa also „an den Mond angelehnter Kalender“) ist ein Lunisolarkalender, der in Siam (heute: Thailand) bis 1888 der offizielle Kalender war. Die buddhistischen Feiertage in Thailand werden allerdings noch heute anhand dieses „Mondkalenders“ bestimmt.

Aufbau des Kalenders[Bearbeiten]

Die Monate[Bearbeiten]

Der Monatsanfang fiel immer auf den Neumond. Die Monate hatten eine Länge von abwechselnd 29 und 30 Tagen, lediglich der siebte Monat hatte durch einen Schalttag eine variable Länge. Etwa alle drei Jahre wurde der achte Monat als Schaltmonat verdoppelt, um den Mondkalender wieder mit dem Sonnenjahr zu synchronisieren.

Jeder Monat wird in zwei Teile geteilt, der zunehmende Mond (ขึ้น = kuen) bis zum Vollmond dauert immer 15 Tage, der abnehmende Mond (แรม = raem) die restlichen 14 oder 15 Tage bis Neumond. Der 8., 15., 23. und letzte Tag des Monats heißt Wan Phra und ist ein heiliger Tag für die Buddhisten. Der 15. Tag (Vollmond) heißt Wan Phen, der letzte Tag (Neumond) Wan Dub. Alle anderen Tage sind einfach nur nummeriert. (siehe auch Wochentage in Thailand)

Die Monate wurden durch einfaches Nummerieren benannt, wobei der erste Monat Ende November bis Anfang Dezember begann. Die nördlichen Thai-Königreiche benutzten leicht andere Nummerierungen – ein Monat n in Lan Na war der Monat n-2 in Sukhothai, und n-1 im Shan-Königreich von Keng Tung.

Das Jahr[Bearbeiten]

Von den durch Schaltmonat und Schalttag vier möglichen Jahreslängen kamen nur drei tatsächlich vor. Ein Jahr mit Schaltmonat und Schalttag gab es nicht. Im Einzelnen:

  • Prokatimas (ปกติมาส), das normale Jahr mit 354 Tagen
  • Athikamas (อธิกมาส), das Jahr mit einem Schaltmonat, 384 Tage
  • Athikawara (อธิกวาร), das Jahr mit einem Schalttag, 355 Tage

Die Regeln zur Berechnung der jeweiligen Jahreslänge stammen vom hinduistischen Lunisolarkalender. Die Jahre mit Schaltmonat folgen grob dem Metonischen Zyklus, welcher aber nicht die zugrundeliegende Regel darstellt.

Das Neujahrsfest Songkran hatte im Mondkalender kein festes Datum, sondern fand ursprünglich zur Frühlingstagundnachtgleiche statt, ist dann aber wegen der Vernachlässigung der Präzession auf den 13. bis 15. April festgelegt worden. Da der Jahreswechsel früher nicht an einem festen Termin stattfand, konnte es vorkommen, dass in Athikamas manche Tage im Jahr doppelt, in anderen Jahren manche Tage jedoch gar nicht vorkamen. Der 1. Monat des Thailändischer Kalenders ist also nicht mit dem Beginn eines neuen Jahres gleichzusetzen.

Vergleich mit anderen Ländern[Bearbeiten]

In den benachbarten Königreichen Laos, Kambodscha und Birma wurden sehr ähnliche Kalender verwendet. So ist der wesentliche Unterschied zwischen dem kambodschanischen und dem thailändischen Mondkalender nur die Benennung der Monate – im Kambodscha hatten sie Namen, während sie in Siam nur nummeriert wurden. Der traditionelle birmanische Kalender unterscheidet sich etwas mehr – in diesem gibt es die Jahreslängen von 354, 384 und 385 Tagen, und somit gilt eine andere Schaltregel.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John C. Eade: The calendrical systems of mainland south-east asia. Brill, Leiden 1995, ISBN 90-04-10437-2.
  • John C. Eade: Southeast Asian Ephemeris : solar and planetary positions A.D. 638-2000. (Studies on Southeast Asia ; 5). Ithaca, N.Y., USA 1989. (Online in der Google-Buchsuche; letzter Zugriff am 21. März 2010)