Tide (Bürger- und Ausbildungskanal)

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Allgemeine Informationen
Empfang analog, terrestrisch, Kabel, Internet
Sendegebiet Hamburg
Eigentümer Tide gGmbH
Geschäftsführer Claudia Willke
Sendestart 1. April 2004
Rechtsform nichtkommerzieller Lokalsender
Liste der Hörfunksender

Tide (eigene Schreibweise TIDE) ist ein Bürger- und Ausbildungskanal aus Hamburg und der Nachfolger des Offenen Kanals, der nach Änderung des Landesmediengesetzes nicht mehr über eine Lizenz verfügte. Der Fernseh- und Hörfunksender wird durch die Tide gGmbH betrieben. Die Tide gGmbH gliedert sich in drei Teile: Tide TV (Fernsehen), Tide 96.0 (Radio) und die Tide Akademie.

Hintergrund[Bearbeiten]

Sowohl TIDE.tv als auch TIDE.radio | TIDE 96.0 sind nichtkommerzielle Lokalsender. Daraus ergibt sich ein strenges Werbeverbot für die ausgestrahlten Formate. Dennoch kann und wird in einigen Sendungen aber Werbung in Form von Sponsoring ausgestrahlt („Diese Sendung wird Ihnen präsentiert von …“).

Träger der gemeinnützigen TIDE GmbH ist die Hamburg Media School, die alleinige Gesellschafterin ist. Die Hamburg Media School erhält daher für ihre Tätigkeiten im Bürgerradio und -TV einen Teil der Rundfunkgebühren Hamburgs.

Eines der zentralen Ziele des Senders ist die medienpädagogische Aus- und Fortbildung von Schüler_innen, Jugendlichen, Studierenden und Bürger_innen. Der Sender ist offen für alle interessierten Menschen in Hamburg, die Lust haben im medialen Bereich zu arbeiten, redaktionelle Konzepte entwickeln und Sendungen im Radio oder Fernsehen produzieren möchten.

Der Radiosender TIDE 96.0 sowie TIDE.tv sind Teil des interdisziplinären Kunst- und Mediencampus Finkenau und fügen sich in die gesamte Universitätsstruktur der Stadt Hamburg ein.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Sender entstand aufgrund des politischen Willens von CDU und FDP nach der Abschaltung des Offenen Kanals im Jahr 2003. Der seit 1988 bestehende Offene Kanal in Hamburg hatte aufgrund einer Änderung des Landesmediengesetz vom 2. Juli 2003 durch den Hamburger Senat seinen Betrieb am 30. Juni 2003 einstellen müssen und wurde aufgelöst.[1][2] Die oppositionelle SPD sprach von einer „staatlichen Sanktion gegen ein öffentliches Rundfunkangebot“[3] und kritisiert überdies, dass sowohl Tide als teilweise auch dessen Träger, die Hamburg Media School, aus Rundfunkgebühren finanziert werden.

Nach einigen Wochen ohne Nutzung der Frequenz 96,0 startete ein Testbetrieb mit einer Schleife von Bürgersendungen, die durch den damals verantwortlichen Chefredakteur Carsten Meincke einzeln abgenommen werden mussten. Diese Sendeschleife wurde mit Sendungen des ehemaligen Offenen Kanals gestaltet, da sich deren Sendungsmacher hierzu bereiterklärten:

  • Urbanissimo (Andre Itjes) - Musik
  • Hitradio RCS (heute: RCS-Show, Christoph Rothe) - Unterhaltung
  • Pink Channel (Pink Channel e.V.) - Magazin für Homosexuelle
  • Radio Triangula (Petra Sorge) - interkulturelles Magazin
  • Crazy Station (Jerome Begro) - Unterhaltung
  • Dance Alarm (Daniel Siemers) - DJ Mixe

Da zu diesem Zeitpunkt keine Leitung zur Zuführung zum Sender und nur ein rudimentäres Studio ohne Computer und ohne Schalldämmung existierten, wurde das Programm teils extern produziert, auf eine MP3-CD gebrannt und direkt in einen Abspieler im Heinrich-Hertz-Turm verbracht. Diese CD lief dann eine Woche als Schleife "im Kreis" und wurde danach mit einer aktualisierten Fassung ersetzt.

Am 1. April 2004 startete der Regelbetrieb und der bis dahin geheimgehaltene Name Tide 96,0 wurde offiziell.

Im Unterschied zu Offenen Kanälen ist Tide (und nicht die Sendenden) rechtlich für das ausgestrahlte Programm alleinverantwortlich und somit prinzipiell auch in der Lage, über die Sendeinhalte zu bestimmen.

Am 1. September 2007 folgte Werner Eggert auf Carsten Meincke als Leiter des Bürger- und Ausbildungskanals (in der Funktion als 1. Geschäftsführer und Chefredakteur). Eggert war Journalist mit internationalem Background in den Bereichen Print, Hörfunk, TV und Neue Medien. Während seiner Zeit als Tide-Geschäftsführer wurden von ihm selbst keine Sendebeiträge oder Publikationen (Leitartikel, redaktionelle Print-/Sendebeiträge, Buchtitel, Essays etc. ...) veröffentlicht. Eggert arbeitete als Medienberater und Trainer im In- und Ausland und war ab 2003 Projektleiter beim Internationalen Institut für Journalismus von InWEnt (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH). Während seiner Zeit als Tide-Geschäftsführer war Eggert auch Vorstandsmitglied des am 2. November 2007 von ihm mitgegründeten Bundesverbandes Bürger- und Ausbildungsmedien (bvbam)[4] und 1. Vorsitzender des Mediennetz Hamburg e.V.[5]

Von Januar bis April 2011 war die Position des Geschäftsführers/Chefredakteurs unbesetzt. Sie wurde vorübergehend/kommissarisch durch den ehemals kaufmänn. Geschäftsführer Lars Krösche (HMS - Hamburg Media School) übernommen. Die vakante Stelle wurde durch eine Findungskommission ab Mai 2011 durch Claudia Willke besetzt. Claudia Willke verfügt über langjährige Dokumentarfilm-Erfahrung für öffentlich-rechtliche Programme sowie frühe Berührpunkten mit Bürgerbeteiligung an Bildmedien.

Der 1. Geschäftsführerin, in persona auch die Funktion des Chefredakteurs, sind jeweils ein Radioleiter (Tide 96.0) und Fernsehleiter (Tide TV) unterstellt. Die Position des Radioleiters wird durch Peter Gehlsdorf seit Bestehen von Tide besetzt. Gehlsdorf ist Mitbegründer (und 1. Vorsitzender) von Pink Channel Hamburg (Radio für Schwule & Lesben)[6]. Gehlsdorf ist seit Oktober 2010 auch Tide-Betriebsratsvorsitzender. Die Leitung von Tide TV hat Kolja Hook seit 2009 inne, der zuvor die Post-Produktion leitete. Das TV-Studio ist Alexander Augustin, dem technischen Leiter von Tide 96,0 und Tide TV, unterstellt.

Am 27. April 2009 feierte Tide sein fünfjähriges Bestehen und zog zeitgleich offiziell in ein neues Studiogebäude ein. Die Produktionsstätte wird von Tide 96.0, Tide TV und den ebenfalls an der Finkenau ansässigen Einrichtungen (Hamburg Media School (HMS), Miami Ad School, Fakultät Design, Medien, Information der Hochschule für angewandte Wissenschaften, Hochschule für bildende Künste und Multimediakontor Hamburg) gemeinsam genutzt.

Tide in Zahlen[Bearbeiten]

Jahresabschlüsse (Aktiva/Passiva) zu den lfd. Geschäftsjahren (vom 1. Januar bis zum 31. Dezember ) - Quelle: gemäß Veröffentlichungspflicht im (elektron.) Bundesanzeiger (eBAnz)

zum 31. Dezember 2005[7]: 331,0 TEUR, davon 164,9 TEUR als Kassenbestand... *) (entnommen dem Jahresabschlussbericht 2006, keine näheren Angaben)

zum 31. Dezember 2006[8]: 247,9 TEUR (Rechnungslegung/Finanzbericht vom 27. Februar 2008) davon 59.313,19 EUR als Kassenbestand... *)

zum 31. Dezember 2007[9]: 285,7 TEUR (Rechnungslegung/Finanzbericht vom 6. Februar 2009) davon 198.414,64 EUR als Kassenbestand... *)

zum 31. Dezember 2008[10]: 635,7 TEUR (Rechnungslegung/Finanzbericht vom 26. Januar 2010) davon 485.694,64 EUR als Kassenbestand... *)

zum 31. Dezember 2009[11]: 661,8 TEUR (Rechnungslegung/Finanzbericht vom 7. Januar 2011) davon 340.405,31 EUR als Kassenbestand... *)

zum 31. Dezember 2010[12]: 702,2 TEUR (Rechnungslegung/Finanzbericht vom 9. Dezember 2011) davon 365.896,17 als Kassenbestand... *)


*) Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks.

Tide Akademie[Bearbeiten]

Als Bürger- und Ausbildungskanal bietet Tide Kurse zur Weiterbildung in Radio, Fernsehen und dem Erstellen und Distribuieren von Online-Inhalten in der Tide Akademie an. Für Schüler wird darüber hinaus in der Ferienzeit die Ferienakademie angeboten, deren Ziel es ist, junge Menschen an die Arbeit mit Medien heranzuführen. Leiter der Tide Akademie ist seit 2009 der Journalist Christian Meyer.

Empfang[Bearbeiten]

Tide 96.0[Bearbeiten]

Tide 96.0 sendet seit August 2007 wochentags nahezu 24 Stunden in Hamburg auf UKW 96,0 MHz (terrestrisch) und UKW 95,45 MHz (Kabel analog) und Kabel digital (DVB-C) und erreicht so rund 2,4 Millionen Zuhörer. Sonntags von 6 bis 24 Uhr sowie dienstags von 0 bis 6 Uhr übernimmt das Hamburger Lokalradio die Frequenz.

Seit dem 1. August 2007 ist Tide 96.0 zudem als Internet-Radio in den technischen Formaten Ogg Vorbis und MP3 zu empfangen. Auf dem Internetstream wird auch in den sendefreien Zeiten Programm ausgestrahlt; zu dieser Zeit laufen Wiederholungen der vergangenen Woche.

Tide TV[Bearbeiten]

Tide TV ist im Hamburger Kabelnetz von Wilhelm.tel und WillyTel analog auf Kanal 34 und im digitalen Kabel (DVB-C) rund um die Uhr empfangbar. Im Netz von Kabel Deutschland ist Tide TV analog auf Kanalplatz 21 zu empfangen. Dort teilt sich der Sender mit den Angeboten von BBC World und Voyages Television den Kanal. Tide TV sendet Sonntag bis Donnerstag von 12 bis 24 Uhr, Freitag und Samstag von 12 bis 2 Uhr nachts.

Ausgewählte Formate wurden darüber hinaus beim Videoportal Sevenload zum Abruf bereitgestellt. Tide TV war seit dem 6. Oktober 2008 auf der Plattform MySpace vertreten, mit letzter Videoeinstellung vom April 2009 wird diese Plattform nicht weiter beworben. Seit Juni 2010 bewirbt u. dokumentiert Tide TV GEMA-freie Sendeformate/-dokus auf zwei Youtube Channels. Seit Oktober 2010 gibt es den offiziellen Tide-Youtube-Channel.[13]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hamburger Morgenpost vom 24. April 2003 Das Ende des Bürger-Radios
  2. Hamburger Morgenpost vom 29. September 2003 SPD ruft nach Rechnungshof
  3. SPD-Landesorganisation Hamburg, Medien in Hamburg: Positionspapier zum Standort der Medienwirtschaft vom 5. März 2005, S. 7
  4. BVBAM: Eckpunkte zur Gründung (2007)
  5. Mediennetz Hamburg e.V.: Wir über uns
  6. Pink Channel Website: Das Pink Channel Team...
  7. Datenbankauszug (PDF) aus dem elektronischen Bundesanzeiger: Jahresabschluss zu dem Geschäftsjahr 2006
  8. Datenbankauszug (PDF) aus dem elektronischen Bundesanzeiger: Jahresabschluss zu dem Geschäftsjahr 2006
  9. Datenbankauszug (PDF) aus dem elektronischen Bundesanzeiger: Jahresabschluss zu dem Geschäftsjahr 2007
  10. Datenbankauszug (PDF) aus dem elektronischen Bundesanzeiger: Jahresabschluss zu dem Geschäftsjahr 2008
  11. Datenbankauszug (PDF) aus dem elektronischen Bundesanzeiger: Jahresabschluss zu dem Geschäftsjahr 2009
  12. Datenbankauszug (PDF) aus dem elektronischen Bundesanzeiger: Jahresabschluss zu dem Geschäftsjahr 2010
  13. Tidenet.de: Tide auf Youtube