Tierkohle

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Als Tierkohle, lat. carbo animalis, wird Aktivkohle bezeichnet, die aus tierischem Blut (Blutkohle) oder aus Knochen (Knochenkohle) hergestellt wird.

Zur Herstellung von Knochenkohle werden grob gemahlene und entfettete Knochen bei rund 700 °C unter Luftabschluss geglüht. Die organischen Substanzen der Knochen werden dabei zerstört. Dabei entstehen Ammoniak, Teer, verschiedene Gase und Knochenkohle.

Nutzung[Bearbeiten]

Knochenkohle wird wie andere Aktivkohle eingesetzt. Es gibt sowohl Beispiele für heutige als auch für historische Nutzung:

Für die Entfärbung von Zucker werden sehr große Mengen an Kohle für die Filter benötigt, bei manchen Firmen kommt hier Tierkohle zum Einsatz[1] (ein von Louis Constant 1812 patentiertes Verfahren)[2]. Laut Selbstauskunft wird bei den deutschen Zuckerherstellern keine Tierkohle verwendet[3].

Zur Filterung von Aquarienbecken und bei der Raffinierung von Erdöl wird ebenfalls teilweise Tierkohle verwendet

Wird ein Gemisch von Knochenkohle und Zucker (oder Sirup) mit konzentrierter Schwefelsäure erwärmt, so entsteht Knochen- oder Beinschwarz (Kölner Schwarz). Aus diesem wurden früher (etwa bis zum beginnenden 20. Jahrhundert) die schwarze Schuhwichse, der Vorgänger der heutigen Schuhcreme, in Dosen (Hartwachscreme) und Farben für die Malerei hergestellt.

Medizinische Kohle wurde aus Knochenkohle hergestellt, indem man die mineralischen Anteile mit Salzsäure größtenteils herauslöste. Bei der heutigen medizinischen Kohle handelt es sich meist um eine aus Pflanzenmaterial, wie z.B. Holz, hergestellte Aktivkohle. Siehe auch: Holzkohle.

Der Farbname Elfenbeinschwarz oder Beinschwarz bezeichnet einen schwarzes Pigment das ursprünglich aus unter Luftabschluss geglühtem Elfenbein gewonnen wurde.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jeanne Yacoubou, MS: Is Your Sugar Vegan? An Update on Sugar Processing Practices. (PDF) In: The Vegetarian Resource Group (Hrsg.): Vegetarian Journal. 26, Nr. 4, Baltimore, MD, 2007, S. 16–20. Abgerufen am 4. April 2007.
  2. Thomas Edward Thorpe: A dictionary of applied chemistry, volume 1. Longmans, Green and Co., 1912, S. 264.
  3. Anfrage von vegan.de: Zucker: viele weiße Westen
  4. Merck's Warenlexikon, G.A. Gloeckner, Leipzig 1920