Tirggel

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Traditionelle Züri-Tirggel
Industrielle Tirggelproduktion

Tirggel oder Züri-Tirggel ist ein Gebäck aus Honig, Mehl und Gewürzen, das in Zürich um Weihnachten und am Sechseläuten gegessen wird. Die Tirggel sind das ganze Jahr überall erhältlich. Sie werden mit starker Oberhitze gebacken (beflammt), so dass sie eine bräunliche Ober- und eine helle Unterseite haben. Die Oberseite zeigt ein geprägtes Bildmotiv, dessen Linien dunkler hervortreten. In der Regel sind Zürcher Sujets dargestellt, beispielsweise das Hans Waldmann-Denkmal vor dem Fraumünster oder die Spanisch-Brötli-Bahn.

Der Tirggel ist eine Delikatesse, deren Ursprünge weit in der Vergangenheit liegen. Die ältesten Backmodelle, die man bei Ausgrabungen in Mesopotamien gefunden hat, gehen bis ins Jahr 2500 v. Chr. zurück. Auch in Ägypten wurden uralte Tirggel-Rezepte gefunden. Die Spuren des Gebäcks führen über Griechenland nach Rom, von wo aus sie sich mit den römischen Eroberungen auch in den Norden der Alpen ausbreiteten.[1] In Zürich wurden sie 1461 erstmals schriftlich erwähnt. Bis 1840 hatten nur Zürcher Stadtbäcker das Recht, Tirggel herzustellen.

Die Formen für das Bild (Model genannt) wurden normalerweise aus Holz geschnitzt. Jeder Hersteller ist stolz auf seine Vielfalt, und es gibt wertvolle Sammlerstücke, die oft Motive aus der Bibel, Wappen oder Szenen aus dem Leben zeigen. Einer der letzten Modelbauer lebt in Appenzell. Einige Formen befinden sich im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich.

Tirggel als langanhaltender Energielieferant wird auch besonders von Ausdauersportlern geschätzt, die schnell und stetig die Kohlenhydratzufuhr sicherstellen möchten.

Tirggelherstellung[Bearbeiten]

Für die Herstellung des Tirggelteigs werden Honig, Mehl, Zucker und evtl. Wasser gemischt und gut geknetet. Je nach Rezept werden zusätzlich Gewürze beigegeben. Der Tirggelteig, der von Hand weiterverarbeitet wird, kann bis zu 30 % Honig beinhalten.[2] Für die maschinelle Verarbeitung kann der Honiggehalt kleiner sein, da eventuell die Maschinen verkleben würden. Der gut geknetete Teig wird auf eine Dicke von 2 mm ausgerollt und anschliessend in das gefettete Model gedrückt. Beim Model handelt es sich um in Holz geschnitztes Negativ. Nach dem Herauslösen aus dem Model bleibt im noch weichen Tirggelteig das geschnitzte Motiv als Positiv zurück. Der Tirggel wird nun bei 400 °C reiner Oberhitze während 90 Sekunden gebacken.[3] Dadurch entsteht die für den Tirggel typische braune Ober- und helle Unterseite.

Nur noch wenige Betriebe stellen Tirggel von Hand in grossen Mengen her. Beim Essen sollte man kleine Stückchen des Tirggels langsam im Mund zergehen lassen, um den Honiggeschmack zur Geltung zu bringen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Alfred Sarasin: Kulinarisches Zürich, Alte und neue Zürcher Kochrezepte. Orell Füssli, Zürich 1974, ISBN 3-280-00745-3, S. 89–93.
  • Annemarie Zogg: Züri-Tirggel. Bräuche, Bilder, Herstellung. Zürcher Kantonalbank, Zürich 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tirggel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Stefanie Pfändler: Wenn es duftet, ist wieder Tirggelzeit, Tages-Anzeiger. 3. Dezember 2008. Abgerufen am 24. Oktober 2012. 
  2. a b Züri Tirggel, SF Tagesschau. 6. Dezember 2008. Abgerufen am 24. Oktober 2012. 
  3. Tirggel-Herstellung. Tirggel-Bäckerei Honegger Wald. Abgerufen am 24. Oktober 2012.