Unbekanntes Berliner Evangelium

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Das Unbekannte Berliner Evangelium[1] ist ein bruchstückhafter koptischer Text eines sonst nicht belegten Dialogevangeliums. Das Ägyptische Museum Berlin hat 1967 einen durch Brand beschädigten Pergamentkodex erstanden und als Papyrus Berolinensis 22220 katalogisiert. Erst 1991 wurde der Inhalt im Rahmen einer Konservierung erkannt. Das Manuskript stammt vermutlich aus dem 6. Jahrhundert und geht wohl auf ein griechisches Original aus dem 2., vielleicht auch 3. Jahrhundert zurück. Nahe Parallelen zeigen, dass der Autor die kanonischen Evangelien kannte (z.B. Mt 5,13 EU; 26,31 EU; Joh 10,11 EU; 10,30 EU). Er zitiert frei ein Wort aus dem Thomasevangelium: „Wer mir nah ist, ist dem Feuer nah, wer mir fern ist, ist dem Leben fern“. Es finden sich auch Parallelen zu dem Straßburger Koptischen Papyrus.[2]

Das Evangelium besteht aus einem Dialog zwischen dem Erlöser und namentlich genannten Jüngern (Andreas, Johannes). Die Worte „Jesus“, „Christus“ oder „Jünger“ kommen nicht vor. Eine Rahmenerzählung ist möglich, lässt sich aber aufgrund der bruchstückhaften Überlieferung nicht sicher rekonstruieren. Vermutlich finden die Dialoge kurz vor der Kreuzigung statt. Der Inhalt hat gnostische Anklänge, lässt sich aber keiner gnostischen Richtung zuordnen. Erkenntnis führt zur Erlösung, die Jünger sollen sich nicht von der Materie beherrschen lassen. Eine Himmelsreise wird angesprochen. Der Erlöser wird auch im Dialog mit dem Kreuz dargestellt, das wie ein Gefährte wirkt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles W. Hedrick, Paul A. Mirecki: Gospel of the Savior: A New Ancient Gospel. Polebridge Press, Santa Rosa, California 1999, ISBN 0-944344-68-2.
  2. Adolf Jakoby: Ein neues Evangelienfragment. Karl Trübner: Straßburg 1900.

Weblinks[Bearbeiten]