Unterstützungsfeuer

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Unterstützungsfeuer ist ein militärischer Begriff für taktischen Beschuss der gegnerischen Stellungen, wobei es weniger darauf ankommt, den Gegner direkt zu treffen, als ihn in seiner Deckung zu halten. Damit werden gegnerische Operationen unterbunden oder zumindest behindert, und eigene Aktionen wie Angriffe oder Rettung von Verwundeten werden ermöglicht.

Der Begriff „Feuerschutz“ wird in diesem Zusammenhang meist bei Verwendung von Handfeuerwaffen benutzt.

Unterstützungsfeuer kann von Maschinengewehr-Stellungen, Artillerie oder sogar aus der Luft mittels Kampfflugzeugen gegeben werden. Auch ein Beschuss von Kriegsschiffen her ist möglich. Besonders bei Artilleriefeuer sowie Luft- und Seeunterstützung ist es wichtig, dass der Standort (Koordinaten) der zu beschießenden Stellungen genau ermittelt wird, damit das Feuer ins Ziel geht und nicht eigene Stellungen oder Nicht-Kombattanten gefährdet.

In der Bundeswehr wird im infanteristischen Bereich zwischen „Feuerschutz“ und „Deckungsfeuer“ unterschieden. „Feuerschutz“ bedeutet hierbei, dass die feindliche Stellung beobachtet wird (für die Dauer eigener Bewegung) und erst bei beobachteter feindlicher Aktivität gezielt das Feuer eröffnet wird. „Deckungsfeuer“ hingegen bedeutet einen sofortigen, durchgehenden (für die Dauer eigener Bewegung) Beschuss der feindlichen Stellung ohne Bezug auf tatsächliche Feindaktivität, um den Gegner in Deckung zu zwingen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach dem Bau der Berliner Mauer bekamen einige Flüchtende anfangs Feuerschutz von West-Berlin aus, wenn die Flüchtenden von Grenzsoldaten der DDR beschossen wurden.

  • Das erste Mal geschah dies am 4. Oktober 1961.[1] Der beschossene Flüchtling namens Bernd Lünser sprang in höchster Not vom Dach eines fünfstöckigen Hauses in die Tiefe, verfehlte das von der West-Berliner Feuerwehr bereitgehaltene Sprungtuch knapp und starb.
  • Am 17. April 1963 durchbrach der 19-jährige Wolfgang Engels mit einem gestohlenen Schützenpanzerwagen die Mauer. Vieles spricht dafür, dass die Flucht über die Mauer schließlich nur gelingen konnte, weil ein West-Berliner Polizeibeamter Feuerschutz gab.[2]
  • Am 23. Mai 1962 durchschwamm 14-jähriger Schüler den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, um in den Westen zu gelangen. Bis zu acht der DDR-Grenzsoldaten schossen gezielt auf den im Wasser schwimmenden Jungen. Als er daraufhin leblos im Wasser Richtung Westufer trieb, beschossen sie ihn weiter, da sie „nicht feststellen konnten, ob er täuschte“.
Ein Teil der Schüsse des zweiten Beschusses traf West-Berliner Gebiet und bedrohte dort eine aufmerksam gewordene Streife der West-Berliner Polizei; diese erwiderte das Feuer. Der ihnen direkt gegenüber befindliche Soldat Peter Göring wurde von drei Projektilen getroffen; ein Querschläger tötete ihn. Zuvor hatte Göring 44 Schuss abgefeuert.
Der von acht Schüssen getroffene Junge wurde zum Invaliden.[3]
  • Am 13. September 1964 versuchte der 21-jährige Michael Meyer in der Stallschreiberstraße in Berlin-Mitte die Mauer zu überwinden. Nach Warnschüssen schossen DDR-Grenzsoldaten gezielt; Meyer blieb - von fünf Kugeln schwer verletzt - in unmittelbarer Nähe der Mauer liegen. US-Soldaten und West-Berliner Polizisten gaben Feuerschutz[4];
Volksarmisten besetzten Laufgräben im Todesstreifen und zwei ostdeutsche Schützenpanzerwagen fuhren in Position.
Trotzdem gelang es einem Sergeant der US Army, Meyer mit Hilfe von Stricken und einer an die Mauer angelehnten Leiter nach West-Berlin zu ziehen.[5][6]
  • Als am 29. August 1966 Heinz Schmidt den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal durchschwamm, gaben West-Berliner Polizisten keinen Feuerschutz. Schmidt starb, von fünf Kugeln tödlich getroffen. Gegen die Polizisten wurde eine Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gestellt. Bürgermeister und Innensenator Heinrich Albertz nahm sie in Schutz.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Brunner, Chronik der Schweizer Artillerie von 2001 bis 2007 Artikel veröffentlicht in “Sogaflash 2008” Seite 4 Online-PDF
  • Gedanken zum Feuer Nach einem Referat anlässlich des Wiler-Tage 2001 der Gesellschaft der Artillerieoffiziere der Ostschweiz, Seite 3 Online-PDF
  • Harry Horstmann, Der Rote Esel: Handbuch für den militärischen Stabsdienst und Führungsprozess, 2013, ISBN 9783848297610

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Oktober 1961 auf chronik-der-mauer.de
  2. Ich habe gerufen: "Nicht schießen!" - Er schoß aber trotzdem. auf chronik-der-mauer.de
  3. Biografie von Peter Göring auf chronik-der-mauer.de
  4. Überblick 1964 auf chronik-der-mauer.de
  5. spiegel.de / einestages: "Let my people go!"
  6. Martin Luther King / Michael Meyer auf gedenktafeln-in-berlin.de
  7. Biografie von Heinz Schmidt auf chronik-der-mauer.de