Kampfflugzeug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

In der modernen Terminologie bezeichnet Kampfflugzeug jedes militärische Flugzeug, das für Zerstörungszwecke eingesetzt wird. Im deutschen Sprachgebrauch bis 1945 bezog sich der Begriff Kampfflugzeug hingegen ausschließlich auf Bomber.

Eurofighter Typhoon im September 2007
Eine sowjetische Su-27 Flanker und eine US-amerikanische F-16A Fighting Falcon im August 1990
Su-34 der russischen Luftwaffe (2003)
Vergleichsansicht: v.l. F-22 Raptor, F-117 Nighthawk, F-4 Phantom II und F-15 Eagle im Dezember 2007

Definition und Kategorisierung[Bearbeiten]

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert den Begriff „Kampfflugzeug“ im Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) von November 1990 in Artikel II wie folgt: „Kampfflugzeug“ bezeichnet ein Starrflügel- oder Schwenkflügelflugzeug, das für die Bekämpfung von Zielen durch den Einsatz von gelenkten Flugkörpern, ungelenkten Raketen, Bomben, Bordmaschinengewehren, Bordkanonen oder anderen Zerstörungswaffen bewaffnet und ausgerüstet ist, sowie jedes Modell oder jede Version eines solchen Flugzeugs, das andere militärische Aufgaben wie z. B. Aufklärung oder elektronische Kampfführung wahrnimmt. Der Begriff „Kampfflugzeug“ schließt primäre Schulflugzeuge nicht ein.[1]

Kampfflugzeuge können mit einigen Überschneidungen allgemein in drei Hauptkategorien unterteilt werden:

Einsatz[Bearbeiten]

Heute sind viele Kampfflugzeuge nicht mehr eindeutig einer Rolle als Jagdflugzeug, Bomber oder Schlachtflugzeug zuzuordnen. Durch die Auslegung des jeweiligen Typs verbleibt jedoch eine Hauptrolle auch bei verschiedener Beladung - oft an Außenlaststation. Kampfflugzeuge sind typischerweise mit Maschinenkanonen und mit Luft-Boden-Raketen und/oder Luft-Luft-Raketen ausgestattet. Sie verfügen oft über ein Radar, um gegnerische Flugzeuge zu lokalisieren. In zweisitzigen Kampfflugzeugen unterstützt ein Waffensystemoffizier(WSO) den Piloten, welcher für die Bedienung der Waffensysteme zuständig ist.

Technik[Bearbeiten]

Nachbrenner[Bearbeiten]

Der Nachbrenner ermöglicht eine signifikante Steigerung des Triebwerkschubes und damit auch der Fluggeschwindigkeit strahlgetriebener Kampfflugzeuge auf Kosten der Reichweite. Der Nachbrenner benötigt einen zusätzlichen Strömungskanal zwischen Turbine und Triebwerksdüse, vergrößert also die Baulänge des Triebwerks. Der Treibstoff wird direkt in den heißen Gasstrom am Austritt der Turbine eingesprüht und erhöht bei der Verbrennung die Temperatur des Gases und damit auch dessen Geschwindigkeit erheblich. Wegen der größeren Endgeschwindigkeit steigt die Austrittsgeschwindigkeit des Triebwerksstrahles und dazu proportional auch der Triebwerksschub. Für den Nachbrennerbetrieb sind Triebwerksdüsen mit verstellbarem Querschnitt erforderlich.

Da der Treibstoffverbrauch des Nachbrenners um bis zum Faktor 10 über dem normalen Verbrauch des Triebwerks liegt, wird er nur zugeschaltet, wenn kurzfristig mehr Schub benötigt wird. Nachbrenner ermöglicht Kampfflugzeugen, Überschallgeschwindigkeit zu erreichen. Jets der neuesten Generation, z. B. die amerikanischen F-22 Raptor sowie der europäische Eurofighter Typhoon, können die Schallmauer im Horizontalflug auch ohne Nachbrenner mit dem Trockenschub (Maß für den Schub eines Triebwerks ohne zugeschalteten Nachbrenner) ihrer normalen Turbinen-Triebwerke durchbrechen. Diese Fähigkeit nennt man Supercruise.

Kampfflugzeuge sind aufgrund des teilweise fehlenden Mantelstromes ca. 15–20 dB lauter als Zivilflugzeuge.

Schwenkflügel[Bearbeiten]

Eine weitere (auch bei einigen Bombern zu findende) Spezialität sind Schwenkflügel (variable Flügelgeometrie). Durch Veränderung der Flügelpfeilung im Flug erreicht man ein für die jeweilige Geschwindigkeit optimales Flugverhalten: im Langsamflug benötigt man einen möglichst großen Auftriebsbeiwert, um mehr Auftrieb zu erreichen. Bei hohen Geschwindigkeiten werden die Flügel weiter nach hinten geschwenkt und so der Luftwiderstand und die Schockeffekte bei Überschallgeschwindigkeit verringert. Als Nebeneffekt ergibt sich ein geringerer Platzbedarf der Maschinen auf Flugzeugträgern. Siehe: General Dynamics F-111, Mikojan-Gurewitsch MiG-23, Panavia Tornado, Suchoi Su-24, Grumman F-14, Rockwell B-1, Tupolew Tu-22M, Tupolew Tu-160.

Marinekampfflugzeug[Bearbeiten]

Speziell konstruierte Kampfflugzeuge können auf Flugzeugträgern landen und starten: Zum Start werden auf aktuellen Flugzeugträgern die Flugzeuge in einen Schlitten eines Dampfkatapults auf dem Flugdeck eingehakt, ohne welches auf dem kurzen Deck nicht die nötige Abhebe-Geschwindigkeit erreicht werden kann. Lange Jahre wurden die Flugzeuge mittels Stahlseil an den Schlitten befestigt, welche nach dem Start über Bord fielen. Diese Technik wurde bis vor kurzem z. B. noch auf den französischen Flugzeugträgern Foch/Clemenceau eingesetzt, wobei das Stahlseil am Rumpf der Maschine eingehakt wird und nicht am dementsprechend massiveren Bugrad wie bei der US Navy. Darüber hinaus benötigen die Flugzeuge einen Landehaken, der sich bei der Landung in ein Fangseil einhakt.

Senkrechtstarter[Bearbeiten]

Ein AV-8B Harrier II+ des US-Marine Corps bei einer Senkrechtlandung

Der Britische Hawker Siddeley Harrier, die russischen Jakowlew Jak-38 und Jakowlew Jak-141 und die Lockheed Martin F-35B, können senkrecht starten und landen. Von diesen vier Typen steht derzeit nur der Harrier im aktiven Dienst, welcher in naher Zukunft von der F-35B Lightning II abgelöst wird.

Sonderformen[Bearbeiten]

Eine Sonderform von Kampfflugzeugen sind die zur Erdkampfunterstützung eingesetzten Gunships. Dabei handelt es sich um umgebaute Transportflugzeuge mit einer seitlichen Bewaffnung, um Bodenziele aus dem Kreisflug heraus unter Feuer zu nehmen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kampfflugzeug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kampfflugzeug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa. 19. November 1990, S. 5, abgerufen am 24. April 2012.