Vatermörder
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Als Vatermörder wird ein steifer, vorne offener, hoher Stehkragen des Herrenoberhemdes bezeichnet, der separat auf das kragenlose Hemd geknöpft wird. Die lose nach oben abstehenden spitzen Enden des sog. Vatermörders reichen bis über das Kinn. Eine moderne Variante des Vatermörders ist der sogenannte Kläppchenkragen, dessen vordere Enden umgeknickt sind.
Die Kragenform des Vatermörders entwickelte sich im 19. Jahrhundert und fand ihre größte Verbreitung zur Zeit des Biedermeier und Vormärz (ca. 1815 bis 1848). Er erreichte die größte Kragenhöhe in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. Den heute üblichen umgeschlagenen Hemdkragen gab es seinerzeit bereits, aber seine Verwendung war nur im informellen Rahmen üblich.
In Frankreich, dem Ursprungsland dieser Kragenform, nannte man den Vatermörder-Kragen ursprünglich "parasite" (d. h. "Schmarotzer"), da er auf verschiedene Hemden aufgesetzt werden konnte. Bereits der Name dieses heute kaum mehr verbreiteten Kleidungsstückes deutet an, wie unbequem es war. Es führte mitunter zu Druckstellen und Einschneidungen am Hals. Auch die Hals- und Rückenmuskulatur konnte der Vatermörder-Kragen beeinträchtigen. Durch Druck des Hemdkragens auf den Sinus caroticus kann es zu einem reflektorischen Blutdruckabfall mit einhergehendem Schwindelgefühl bis hin zum Kreislaufkollaps kommen, was die Bezeichnung "Vatermörder" (französisch "parricide") erklärt. Möglicherweise beruht die Bezeichnung "Vatermörder" auch auf einer simplen Verwechslung: Die Deutschen hörten die französische Bezeichnung "parasite", verstanden das ähnlich klingende "parricide" - und übersetzten dieses Wort einfach ins Deutsche.
Vatermörder werden heutzutage fast nur noch bei besonders festlichen Gelegenheiten in Verbindung mit einem Frack oder Smoking getragen.

