Vielsamiger Gänsefuß

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Vielsamiger Gänsefuß
Blütenstand eines Vielsamigen Gänsefußes

Blütenstand eines Vielsamigen Gänsefußes

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Atripliceae
Gattung: Lipandra
Art: Vielsamiger Gänsefuß
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lipandra
Moq.
Wissenschaftlicher Name der Art
Lipandra polysperma
(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch
Chenopodium polyspermum Sturm28.jpg
Chenopodium polyspermum 2005.08.21 15.19.27-p8210052.jpg

Der Vielsamige Gänsefuß (Lipandra polysperma, Syn. Chenopodium polyspermum) ist die einzige Pflanzenart in der Gattung Lipandra aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Er ist in Europa, Westasien und Nordamerika weit verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Es handelt sich um einjährige krautige Pflanzen, deren Stängel zwischen 15 und 60 cm lang werden. Sie können sowohl aufrecht wie niederliegend wachsen und sind meist stark verzweigt. Die Pflanzen sind weder behaart noch mehlig bestäubt und fast geruchlos.

Fruchtstand

Die deutlich gestielten, eiförmig-elliptischen und vorne abgerundeten Laubblätter des Vielsamigen Gänsefußes sind im Gegensatz zu denen der meisten anderen Gänsefuß-Arten vollkommen ganzrandig und haben eine frisch grüne bis gelblichgrüne Farbe. Der Blattrand ist, wie auch der vierkantige Stängel, oft rötlich überlaufen. Die untersten Blätter sind gegenständig, die oberen dann wechselständig.

Die ebenfalls grünlichen bis rötlichen Blüten, die zwischen Juli und September erscheinen, sind in endständigen und blattachselständigen ährenähnlichen Blütenständen angeordnet, die wiederum aus kugeligen Teilblütenständen bestehen. Die Blüten sind zwittrig oder rein weiblich. Die Blütenhülle besteht aus (vier bis) fünf hautrandigen und ungekielten Perigonblättern, die fast bis zum Grund getrennt sind. In zwittrigen Blüten sind ein bis drei (bis fünf) Staubblätter vorhanden. Der Fruchtknoten trägt zwei Narben.

Die rötlichbraunen bis dunkelbraunen Nussfrüchte sind etwa 1 mm breit, und im offen stehenden, zur Fruchtzeit unveränderten Perigon sichtbar. Die Fruchthülle ist häutig. Der Same steht horizontal, ist rundlich bis flach-kugelförmig und besitzt eine wellig gestreifte Samenschale.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[2]

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten]

Der Vielsamige Gänsefuß kommt in Europa und den gemäßigten Gebieten Westasiens vor. In verschiedene Gebiete Nordamerikas wurde er eingeschleppt, ist dort somit ein Neophyt.

Er wächst an nährstoffreichen, nicht zu trockenen Stellen, beispielsweise an Ufern von langsam fließenden oder stehenden eutrophen Gewässern. Dort ist er eine der Charakterarten der Pflanzengesellschaften: Knöterich-Uferflur-Gesellschaften (Polygono-Chenopodietalia) und der Zweizahn-Teichufer-Gesellschaften (Bidention tripartitae).

Außerdem findet man ihn zum Beispiel auf nicht zu trockenen Äckern, an frischen Ruderalstellen oder als „Unkraut“ in Gärten.

Systematik[Bearbeiten]

Der Vielsamige Gänsefuß gehört zur Tribus Atripliceae innerhalb der Unterfamilie Chenopodioideae.[1]

Die Erstbeschreibung als Chenopodium polyspermum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.[3] Nach molekulargenetischen Untersuchungen trennten Fuentes-Bazan et al. (2012) die Art von der Gattung Chenopodium ab. Der gültige Name auf Gattungsebene ist Lipandra, welche von Alfred Moquin-Tandon 1840 in Chenopodearum monographica enumeratio (S. 19) beschrieben wurde.[1]

Synonyme der Gattung Lipandra Moq. sind Oligandra Less. 1835 (non Less. 1832), Gandriloa Steud. (nom. illeg.), Oliganthera Endl. (nom. illeg.), Chenopodium [ohne Rang] Polysperma Standl. sowie Chenopodium subsect. Polysperma (Standl.) Kowal ex Mosyakin & Clemants.[1]

Synonyme von Lipandra polysperma (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch, die auf demselben Typusexemplar beruhen, sind Chenopodium polyspermum L., Atriplex polysperma (L.) Crantz und Vulvaria polysperma (L.) Bubani. Auf anderen Typusexemplaren beruhen die Synonyme Anserina betifolia Montandon, Chenopodium acutifolium Sm., Chenopodium acutifolium Kit. (nom illegit.), Chenopodium angustifolium Gilib., Chenopodium bisaeriale Menyh., Chenopodium marginatum Spreng. ex Hornem., Chenopodium polispermum Neck., Chenopodium polyspermum var. acutifolium (Sm.) Gaudin, Chenopodium polyspermum var. spicatum A.Gray, Lipandra atriplicoides (Less.) Moq. und Oligandra atriplicoides Less.[4]

Verwendung[Bearbeiten]

Die Samen des Vielsamigen Gänsefußes wurden früher als Lockmittel beim Fischfang verwendet. Daher wird er auch manchmal Fisch-Gänsefuß oder Fischmelde genannt.

Quellen[Bearbeiten]

  •  Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 13. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen, Volk und Wissen, Berlin 1987, ISBN 3-06-012539-2.
  •  Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender Länder. Ein Buch zum Bestimmen der wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. Begründet von Otto Schmeil, Jost Fitschen. 93. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2006, ISBN 3-494-01413-2.
  • Siegfried Danert: Urania Pflanzenreich. Die große farbige Enzyklopädie: Blütenpflanzen 1. Urania, Leipzig 1993, ISBN 3-332-00496-4.
  • Dietmar Brandes: Bidentetea-Gesellschaften. Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.
  • J. Gasquez (Hrsg.), J.-P. Lonchamp: HYpermédia pour la Protection des Plantes - Adventices - Chenopodium polyspermum. 2000, Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.
  • Botanik im Bild / Flora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol: Chenopodium polyspermum. 2011, Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.
  • Joachim Schmitz: Schmitzens Botanikseite. Rheinische Pflanzengesellschaften. Donau-Knöterich-Uferflur, Chenopodio-Polygonetum bittringeri <sic!>. 2004, Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.
  • Unites States Department for Agriculture (Hrsg.): Plants Profile: Chenopodium polyspermum L. var. obtusifolium Gaudich. USDA Internet-Publikation, Zugriff am 6. Dezember 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Susy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila, Thomas Borsch: A novel phylogeny-based generic classification for Chenopodium sensu lato, and a tribal rearrangement of Chenopodioideae (Chenopodiaceae). In: Willdenowia 42, 2012, S. 14. online.
  2. Chromosomenzahl bei Tropicos
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 220, Digitalisat
  4. Eintrag bei The Plant List, abgerufen 26. Januar 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vielsamiger Gänsefuß (Lipandra polysperma) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien