Vorsorgepauschale

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Die Vorsorgepauschale ist ein Betrag, der bei der Berechnung der Lohnsteuer in Deutschland berücksichtigt wird, um Ausgaben des Steuerpflichtigen für soziale Sicherung steuerfrei zu stellen.

Hat ein Steuerpflichtiger Arbeitslohn bezogen, wird für die Vorsorgeaufwendungen eine vom Bruttoeinkommen abhängige Pauschale als Freibetrag vom Einkommen abgezogen.[1] Im Rahmen einer Einkommensteuererklärung kann ein Steuerpflichtiger Aufwendungen nachweisen, die als tatsächlicher Vorsorgeaufwand zu einem höheren Abzug führen. Ein Freibetrag über die Vorsorgepauschale hinaus im Rahmen eines Antrags auf Lohnsteuerermäßigung ist nicht vorgesehen.

Recht bis 2004[Bearbeiten]

Jahr Vorwegabzug
2005 - 2010 3.068 EUR
2011 2.700 EUR
2012 2.400 EUR
2013 2.100 EUR
2014 1.800 EUR
2015 1.500 EUR
2016 1.200 EUR
2017 0.900 EUR
2018 0.600 EUR
2019 0.300 EUR
2020 0.000 EUR
Jahr Korrekturfaktor
2005 20%
2006 24%
2007 28%
2008 32%
2009 36%
2010 40%
2011 44%
2012 48%
2013 52%
2014 56%
2015 60%
2016 64%
2017 68%
2018 72%
2019 76%
2020 80%
2021 84%
2022 88%
2023 92%
2024 96%
2025 100%

Die hier beschriebenen Regelungen wurden bis 2004 automatisch auf alle Steuerpflichtigen angewandt. Im Rahmen der Günstigerprüfung werden im Zeitraum 2005 bis 2019 diese Regelungen weiterhin bei der Berechnung der Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der Einkommensteuer berücksichtigt.

Anwendung in den Jahren 2005 bis 2019[Bearbeiten]

Beispiel 2009[Bearbeiten]

  • Bei Einkommen unter 19.175 EUR (Verheiratete 38.350 EUR) ist zuerst die Differenz zwischen dem Vorwegabzug von 3.068 EUR (Verheiratete 6.136 EUR) und 16 % des Bruttoarbeitslohnes absetzbar. Der Vorwegabzug wird ab 2011 schrittweise gesenkt (siehe Tabelle rechts oben).[2]
  • Von den verbleibenden Vorsorgeaufwendungen sind bis zu 1.334 EUR (Verheiratete 2.668 EUR) absetzbar.
  • Von den verbleibenden Vorsorgeaufwendungen ist die Hälfte absetzbar bis zu einer Höhe von 667 EUR (Verheiratete 1.334 EUR).
  • Bei Einkommen über 19.175 EUR (Verheiratete 38.350 EUR) sind somit maximal Vorsorgeaufwendungen bis zu einer Höhe von 2001 EUR (Verheiratete 4002 EUR) steuerlich absetzbar.
  • Es sind Vorsorgeaufwendungen bis maximal 20 % des Bruttoarbeitslohnes absetzbar.
  • Es ist jedoch mindestens die Vorsorgepauschale abzusetzen: Für rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer berechnet sie sich aus 11 % des Bruttoarbeitslohnes (maximal 1500 EUR) plus 36 % des Rentenversicherungsbeitrages (nur Arbeitnehmeranteil von 9,95 %). Das sind 11 % plus 3,582 %, was zusammen 14,582 % des Bruttoarbeitslohnes entspricht.

Beispiel 2010[Bearbeiten]

Seit 2010 sind Obergrenzen für Vorsorgeaufwendungen abgeschafft. Rentenversicherungsbeiträge sind genau absetzbar wie nach dem Recht von 2004.

Das Recht von 2004 ist günstiger, wenn die Vorsorgepauschale höher ist als die tatsächlichen Vorsorgeaufwendungen. Dies ist der Fall, wenn die Vorsorgeaufwendungen unterhalb von 1500 EUR und unterhalb von 11 % des Bruttoarbeitslohns liegen.

Recht ab 2005[Bearbeiten]

Die Vorsorgepauschale ist die Summe aus

  1. der Hälfte des Beitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung (Pauschale für Altersvorsorgeaufwendungen, entspricht beim sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer genau dem Arbeitnehmeranteil der eingezahlten Rentenversicherungsbeiträge) multipliziert mit dem jährlich ansteigenden Korrekturfaktor (siehe Tabelle rechts unten), und
  2. der Pauschale für sonstige Vorsorgeaufwendungen, je nachdem, was günstiger ist (Günstigerprüfung voraussichtlich nur bis 2019):
    • entweder 12 % des Arbeitslohns, jedoch höchstens 1.900 Euro (beziehungsweise 3.000 Euro in der Steuerklasse 3)
    • oder dem Wert aus einer Vergleichsberechnung, die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge schätzt. Dabei wird bei gesetzlich Krankenversicherten vom sozialversicherungspflichtigen Brutto (begrenzt durch die Beitragsbemessungsgrenze) 7,6 % für die Krankenversicherung und der entsprechende Satz der Pflegeversicherung berücksichtigt (0,975 bis 1,5 %)

Arbeitslohn in diesem Sinne ist der um den Versorgungsfreibetrag und den Altersentlastungsbetrag verminderte Jahresarbeitslohn.

In den Kalenderjahren 2005 bis 2024 ist die Vorsorgepauschale mit der Maßgabe zu ermitteln, dass im Kalenderjahr 2005 der Betrag, der sich nach Nr. 1 ergibt, auf 20 % begrenzt ist. Dieser Vomhundertsatz (Korrekturfaktor) erhöht sich in jedem folgenden Kalenderjahr um je 4 %-Punkte (siehe Tabelle rechts).

Recht ab 2010[Bearbeiten]

Ab 2010 fließt die Vorsorgepauschale nur noch in die Berechnung der Lohnsteuer ein. Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer werden ab 2010 ausschließlich die tatsächlichen Vorsorgeaufwendungen berücksichtigt.

Beispiel für 2014[Bearbeiten]

Monatsbrutto 2.500 Euro, Jahresbrutto 30.000 Euro, Steuerklasse I, Alter 30 Jahre, keine Kinder
1.) Teil-Vorsorgepauschale für Rentenversicherung
    → 30.000 Euro x 0,0945  (50 % des RV-Beitrags von 18,9 %)
      = 2.835 Euro davon 56 % im Jahr 2014 (in jedem weiteren Jahr vier Prozentpunkte mehr)
      = 1.587,60 Euro
2.) Teil-Vorsorgepauschale für Kranken- und Pflegeversicherung
 a) Mindestansatz
    12 % des Arbeitslohns (30.000 Euro x 0,12 = 3.600 Euro)
    jedoch höchstens 1.900 Euro (bei Unverheirateten)
      = 1.900 Euro

 b) Arbeitnehmeranteil bei gesetzlich Versicherten
    für Krankenversicherung 7,9 % (verminderter Beitragssatz Basisversorgung) und 
    für Pflegeversicherung 1,275 % (einschließlich Zuschlag für Kinderlose) 
     = insgesamt 9,175 %
    9,175 % von 30.000 Euro = 2.752,50 Euro
3.) Vergleichsrechnung:
    Da die Vorsorgepauschale aus Nr. 1 + Nr. 2b höher ist als aus Nr. 1 + Nr. 2a
    wird der höhere Betrag angesetzt:
    Die Vorsorgepauschale für 2014 beträgt also im Beispiel 1.587,60 Euro + 2.752,50 Euro
    = 4.341 Euro (aufgerundet).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. § 39b "Einbehaltung der Lohnsteuer", Absatz 2 Nr. 3
  2. Alterseinkünftegesetz vom 5. Juli 2004