Wachswalze

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Edison-Hartgusswalze aus Wachs, ca. 1904
Parlograph mit passenden Wachswalzen als Speichermedium im Elektromuseum in Frastanz (Vorarlberg).

Die Wachswalze, auch Wachszylinder genannt, ist ein altes Medium zur Tonaufzeichnung. Im Jahr 1888 von Thomas Alva Edison für seinen Phonographen entwickelt, konnten auf ihr bereits mehrere Minuten Ton aufgespielt werden. Durch die Entwicklung der Schellackplatte wurde die Wachswalze immer weiter zurückgedrängt, bis ihre Produktion 1929 eingestellt wurde.

Format[Bearbeiten]

Die Edison-Walzen, benannt nach ihrem Erfinder Thomas Alva Edison, sind im Standardformat etwa 10,5 cm lang und messen etwa 5,1 cm im Durchmesser. Sie haben eine Materialstärke von etwa 5 mm und sind hohl. Das Innere einer Edison-Walze ist konisch geformt, damit diese auf den Träger geschoben werden kann, ohne nachher zu verrutschen. Es gibt hiervon viele Abweichungen und Sonderformate anderer Hersteller wie die Walzen von Columbia oder Pathé. Hergestellt wurden die Walzen zunächst aus einem bräunlichen Wachs, dessen Bestandteile sich immer wieder leicht unterschieden. Es wurden hierfür verschiedene Wachssorten oder auch Harze sowie Natronseife verwendet. Für das eigene Format von Henri Lioret wurde bereits in den 1890er Jahren auch erstmals Zelluloid benutzt.

Technik[Bearbeiten]

Die Aufnahme erfolgt über einen Trichter, der den Schall auf eine Membran leitet. Diese ist mit einem scharfkantigen Stift ausgerüstet, der die Schallschwingungen als abwechselnd flachere und tiefere Rille in das Wachs der rotierenden Walze graviert (Tiefenschrift). Zur Wiedergabe wird die sich mit gleicher Geschwindigkeit drehende Wachswalze mit einem abgerundeten Diamanten oder Glasball abgetastet. Dieser leitet die Schwingungen über ein Hebelsystem an eine Membran aus Glas, Glimmer, Kupfer oder Aluminium, die sich entsprechend bewegt und dadurch den Schall reproduziert. Über einen Trichter wird dieser dann verstärkt und wieder an die Umgebung geleitet. Je nachdem, ob Sprache oder Musik aufgezeichnet wurde, lag die Umdrehungszahl pro Minute zwischen 80 und 144/rpm. Sie wurde oft auch willkürlich variiert (z. B. 136/rpm). Erst ab 1902 gab es eine einheitliche Drehzahl für Walzen (160/rpm), die auch weitgehend eingehalten wurde.

Die die Membran enthaltende Schalldose wird bei Edison-Geräten immer über eine mechanische Vorrichtung (Spindel) voranbewegt, um der Rille zu folgen. Dies ist bei Geräten, die auch zur Aufnahme dienen sollen, zwingend erforderlich, denn sie müssen die Rille in diesem Fall ja erst bilden. Andere Hersteller, insbesondere auch in Deutschland, bauten dagegen Phonographen, bei denen wie bei einem Grammophon die Rille selbst den Vortrieb der Schalldose übernimmt. Diese waren billiger herzustellen, aber nur für die Wiedergabe geeignet.

Entwicklung[Bearbeiten]

Mitte 1886 wurde die erste Wachswalze mit einem Diktiersystem von Chichester A. Bell und Charles Sumner Tainter (1854–1940) vorgestellt. Diese hatte noch ein völlig anderes Format und bestand aus einem mit Wachs überzogenen Pappkern. Die von Bell und Tainter wenig später gegründete Firma Columbia vertrieb ihre eigenen Phonographen unter dem Namen Graphophone.

Im Jahr 1888 übernahm Edison die Idee, Wachs als Aufnahmemedium zu nutzen, und stellte sein eigenes Format vor, das sich als Standard durchsetzen konnte. Eine Kooperation mit Bell und Tainter hatte er kurz vorher energisch abgelehnt. Die Edison-Walzen bestanden vollständig aus Wachs und besaßen keinen Pappkern. Im Jahr 1902 stellte Edison die schwarze Wachswalze (Gold Moulded Record) vor. Diese Walzen waren herstellungsbedingt wesentlich härter und hatten einen klareren und lauteren Klang als ihre Vorgänger. Sie bestanden ebenfalls aus einer Mischung aus Wachs und Seife. Durch den erhöhten Härtegrad konnte man die Walzen mit einem höheren Auflagegewicht (12 g) abspielen, was zu einer lauteren Wiedergabe führte. Jedoch waren diese sogenannten Hartguss-, auch Goldguss-Walzen genannt, noch zerbrechlicher als ihre Vorgänger. Die Rillendichte betrug 100 tpi (tracks per inch), was bei einer Umdrehungszahl von 160/rpm zu einer Spielzeit von etwa 2½ Minuten führte. Im Jahr 1908 wurden die ersten Wachswalzen mit vierminütiger Spielzeit hergestellt. Dieses wurde möglich, da die Rillen hier doppelt so eng beisammen lagen. Diese Wachswalzen und die 2-minütige Variante wurden von Edison bis 1912 produziert, die britische Firma Clarion stellte 2-minütige Wachswalzen noch bis in die 1920er Jahre her. Die ab 1908 hergestellten Diktierphonographen nutzten eine Rillendichte von 150 tpi, womit die Verwendung von vorbespielten Musikwalzen ausgeschlossen war.

Ende[Bearbeiten]

Nach der Entwicklung der haltbareren und weniger Platz erfordernden Schellackplatte des deutschstämmigen amerikanischen Erfinders Emil Berliner hatte die Wachswalze keine Zukunft mehr, obgleich der Phonograph noch bis in die 1950er Jahre als Diktiergerät in den Büros zum Einsatz kam. Der Hauptvorteil der Schallplatte bestand in der einfachen Reproduzierbarkeit und der ab 1904 verwendeten zweiten Seite. Im Sommer 1929 lieferte Thomas Alva Edison die letzten der seit 1912 aus Zelluloid gefertigten Walzen, der sogenannten Blue Amberols, aus.

Edison hatte ab 1912 mit einem eigenen Schallplattenformat (Diamond Disc) aufgewartet und in den 1920er Jahren sogar Schallplatten mit einer Spieldauer von bis zu 24 Minuten bei einer Umdrehungszahl von 80/rpm produziert. Edison widerstrebte die elektrische Aufnahme, da er aufgrund einer Hörschwäche keinerlei Vorteile gegenüber der akustischen Aufnahme mit einem Trichter wahrnehmen konnte. Zuletzt wurden sogar normale Schellackplatten und Koffergrammophone von Edison angeboten. Im Jahr 1929 versuchte sein Sohn, Charles Edison, die Edison Phonograph Company mit der Produktion von Radios zu retten, was nicht gelang. Im selben Jahr stellte die Edison Phonograph Company ihr Geschäft mit Tonträgern und Geräten vollständig ein.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wachswalzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien