Weltflüchtlingstag

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Der Welttag des Migranten und Flüchtlings (auch: Welttag der Migranten und Flüchtlinge; kurz: Weltflüchtlingstag) ist ein jährlich am 19. Januar stattfindender, kirchlicher Gedenktag für Flüchtlinge und Migranten. Er wurde erstmals 1914 von Papst Benedikt XV. mit dem Dekret Ethnografica studia unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges ausgerufen.[1]

Daneben findet seit 2001 am 20. Juni ein von den Vereinten Nationen eingerichteter Weltflüchtlingstag statt. Am gleichen Tag begeht Deutschland ab 2015 jährlich den Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung.

Geschichte der Flüchtlingstage[Bearbeiten]

Bereits vor 2001 hatten viele Länder ihre eigenen nationalen Flüchtlingstage begangen. Die einzelnen Bischofskonferenzen legten zum Teil andere Tage fest, so in Lateinamerika den 12. Oktober, den Tag der Entdeckung Amerikas. Am 4. Dezember 2000 erklärte die UN-Generalversammlung mit der Resolution 55/76 zum bevorstehenden 50. Jahrestag der Gründung des UNHCR den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag.[2][3] Die Wahl fiel auf dieses Datum, da der 20. Juni zuvor in etlichen Ländern bereits Afrika-Flüchtlingstag gewesen war.[4][5]

Jährlich zum Weltflüchtlingstag veröffentlichen die der UNHCR einen Jahresbericht. Diesem zufolge befanden sich Ende 2013 über 51 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter mehr als 33 Millionen Männer, Frauen und Kinder im eigenen Land („Binnenvertriebene“). Die Zahl der Flüchtlinge hatte damit den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Der Anstieg um sechs Millionen Menschen im Vergleich zum Vorjahr wurde hauptsächlich durch den Krieg in Syrien verursacht. Auch in Afrika nahmen Flucht und Vertreibung erheblich zu, vor allem in der Zentralafrikanischen Republik und im Südsudan. Hauptaufnahmeländer für Flüchtlinge sind Pakistan, Iran und Libanon.[6]

Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung[Bearbeiten]

In Erweiterung des Weltflüchtlingstages wird in Deutschland durch Beschluss des Bundeskabinetts vom 27. August 2014 der 20. Juni ab 2015 zum bundesweiten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung.[7][8] Es soll neben den weltweiten Opfern von Flucht und Vertreibung insbesondere an die deutschen Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges erinnert werden. Am 10. Februar 2011 hatte sich die CDU/CSU/FDP-Koalition „nach einer teilweise emotional geführten Debatte“ im Bundestag noch für den 5. August als Gedenktag ausgesprochen.[9] Der Kabinettsbeschluss vom 27. August 2014 wurde vom stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, in der Mitteldeutschen Zeitung kritisiert.[10]

Päpstliche Grußbotschaften zum Welttag des Migranten und Flüchtlings[Bearbeiten]

Unter Papst Johannes Paul II.:[11]

  • 1991: (77) [Titel?], 21. August 1991
  • 1992: (78) [Titel?]
  • 1993: (79) [Titel?], 6. August 1993
  • 1994: (80) [Titel?], 6. August 1993
  • 1995: (81) [Titel?], 10. August 1994
  • 1996: (82) Migranten ohne Aufenthaltsstatus, 25. Juli 1995
  • 1997: (83) [Titel?], Castel Gandolfo, 21. August 1996
  • 1998: (84) [Titel?], 9. November 1997
  • 1999: (85) Pfarrgemeinden Stätten der Seelsorge und Mitverantwortung für Migranten, 2. Februar 1999
  • 2000: (86) Befreiung und Beginn einer neuen Zeit der Brüderlichkeit und Solidarität, 21. November 1999
  • 2001: (87) Seelsorge für die Migranten – Ein Weg zur Erfüllung der Sendung der Kirche in unserer Zeit, 2. Februar 2001
  • 2002: (88) Migration und interreligiöser Dialog, Castel Gandolfo, 25. Juli 2001
  • 2003: (89) Für einen Einsatz zur Überwindung jeder Art von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und übertriebenem Nationalismus, 24. Oktober 2002
  • 2004: (90) Migrationen im Blick auf den Frieden, 15. Dezember 2003
  • 2005: (91) Integration zwischen den Kulturen, 24. November 2004

Unter Papst Benedikt XVI.:[12]

  • 2006: (92) Migration: ein Zeichen der Zeit, 18. Oktober 2006
  • 2007: (93) Die Migrantenfamilie, 18. Oktober 2006
  • 2008: (94) Der junge Migrant, 18. Oktober 2007
  • 2009: (95) Der Heilige Paulus Migrant, Völker-Apostel, 24. August 2008
  • 2010: (96) Die minderjährigen Migranten und Flüchtlinge, 16. Oktober 2009
  • 2011: (97) Eine einzige Menschheitsfamilie, 27. September 2010
  • 2012: (98) Migrationen und Neuevangelisierung, 21. September 2011
  • 2013: (99) Migration – Pilgerweg des Glaubens und der Hoffnung, 12. Oktober 2012

Unter Papst Franziskus:[13]

  • 2014: (100) Migranten und Flüchtlinge: unterwegs zu einer besseren Welt, 5. August 2013

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Papstbotschaft zum Weltflüchtlingstag am Sonntag, Radio Vatikan, 18. Januar 2014, abgerufen am 2. September 2014.
  2. http://www.unhcr.de/unhcr/events/weltfluechtlingstag.html
  3. http://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/weltfluechtlingstag.html
  4. UN.org: World Refugee Day
  5. UNHCR: Special events: World Refugee Day 2007
  6. Über 50 Millionen weltweit auf der Flucht UNHCR, 20. Juni 2014
  7. http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2014/08/gedenktag-fuer-die-opfer-von-flucht-und-vertreibung.html
  8. http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-12/Vertriebene-Gedenktag
  9. http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/33306693_kw06_de_vertriebene/204552
  10. http://www.mz-web.de/politik/linksfraktionsvize-jan-korte-kritik-an-einfuehrung-des-vertriebenen-gedenktages,20642162,28243894.html
  11. Johannes Paul II: Botschaften zum Welttag der Migranten
  12. Benedikt XVI.: Botschaften zum Welttag der Migranten
  13. Franziskus: Botschaften zum Welttag der Migranten