Bischofskonferenz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Bischofskonferenz ist eine Versammlung von Bischöfen.

Katholische Kirche[Bearbeiten]

Innerhalb der römisch-katholischen Kirche bezeichnet eine Bischofskonferenz in vielen Ländern ein nach dem kirchlichen Recht dieser Kirche (can. 447–459 CIC) vorgesehenes, zentrales Koordinierungsorgan der Diözesen (Bistümer).

„Das Päpstliche Jahrbuch des Jahres 2007 zählt in aller Welt 113 Bischofskonferenzen, wozu noch 18 Bischofssynoden der katholischen Ostkirchen hinzukommen. Es gibt auch 14 Internationale Vereinigungen von Bischofskonferenzen, die zunächst einmal auf die Kontinente bezogen sind.“[1]

In manchen Ländern vertreten die Bischofskonferenzen aber die gesamte Katholische Kirche, also die lateinische und die rom-unierten Kirchen gemeinsam.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bischofskonferenz geht auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, als in mitteleuropäischen Ländern unregelmäßige Versammlungen von Bischöfen einer Region aufkamen. Zweck war die gegenseitige Beratung und Abstimmung des kirchenpolitischen Vorgehens[2]. Der Codex Iuris Canonici (CIC) von 1917 institutionalisierte die Bischofskonferenz als eine nichtständige beratende Versammlung von Bischöfen einer Kirchenprovinz. Diese Form der Bischofskonferenz konnte sich jedoch nicht durchsetzen[3]. Die gewohnheitsrechtlich verfassten Bischofskonferenzen blieben bestehen. In Deutschland waren dies die Fuldaer- und die Freisinger Bischofskonferenz. Über rechtliche Kompetenzen verfügten diese Konferenzen nicht.

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden den Bischofskonferenzen durch Regelungen in der Liturgiekonstitution erstmals einige Kompetenzen übertragen. Im Dekret Christus Dominus wurden die Bischofskonferenzen schließlich als hierarchische Instanz in das Verfassungsgefüge der Kirche eingebaut[4]. Dies stellte den Abschluss einer Entwicklung dar, der immer durch die Befürchtung gehemmt war, dass durch die Etablierung von Bischofskonferenzen letztlich die Verantwortung des einzelnen Ortsbischofs geschwächt und das Entstehen von Nationalkirchen gefördert werden könnte. Diese Befürchtungen sind bis heute nicht überwunden, obwohl der CIC von 1983 die Rolle der Bischofskonferenzen im Kirchenrecht bestätigte. So gibt es bis heute starke zentralistische Bestrebungen vor allem in der römischen Kurie, die neben der Universalität der Kirche, verbunden mit der Oberkompetenz des Papstes, allerdings auch die Verantwortung des einzelnen Ortsbischofs betonen.

Rechtsstellung[Bearbeiten]

Die Bischofskonferenz ist eine ständige Einrichtung einer Nation oder eines bestimmten Gebietes, in der die Bischöfe gewisse Aufgaben gemeinsam ausüben (can. 447 CIC). Der Begriff der Nation ist dabei in Bezug auf ein bestimmtes Staatsgebiet zu sehen.[5]

Die Bischofskonferenz ist ein Kollegiatorgan, in dem die Bischöfe ihren rechtsverbindlichen Willen durch kollegiale Beschlussfassung ausdrücken. Im Gegensatz zu den Konzilien wie etwa die Ökumenischen Konzilien oder dem Plenarkonzil ist sie nach heutigem Recht eine ständige Einrichtung.

Ausserdem sind die nationalen Bischofskonferenzen dort, wo es keine Entsprechung der innerkirchlichen Gliederung und den Staaten gibt, die Vertretung gegenüber dem Staat. In Österreich beispielsweise vertritt die Österreichische Bischofskonferenz (gegründet 1849) als Körperschaft des öffentlichen Rechts die Katholische Kirche in Österreich als die gesetzlich anerkannte Kirche (Konkordat von 1933).

Errichtung, Veränderung, Aufhebung[Bearbeiten]

Für die Errichtung, Veränderung oder Aufhebung einer Bischofskonferenz ist der Apostolische Stuhl zuständig (can 449 §§ 1, 2 CIC). Die Bischofskonferenz kann dadurch juristische Person und kann somit auch Vermögensträgerin sein.

Da dies nach der früheren Rechtslage nicht gegeben war, existiert in Deutschland bis heute der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), der als Vermögensträger der Bischofskonferenz fungiert.

Satzungshoheit[Bearbeiten]

Die Bischofskonferenz besitzt autonomes Satzungsrecht. Sie gibt sich nach Maßgabe des can. 451 CIC selbst ein Statut, das zur Gültigkeit der Genehmigung des Apostolischen Stuhls bedarf. Stimmrecht in Fragen der Statuten haben allein die Diözesanbischöfe, die ihnen rechtlich Gleichgestellten (etwa Apostolische Administratoren, Vikare) sowie die Bischofskoadjutoren, can. 454 § 2 CIC.

Mitgliedschaft und Stimmrecht[Bearbeiten]

Zur Bischofskonferenz gehören nach can. 450 CIC alle Diözesanbischöfe, alle ihnen rechtlich Gleichgestellten, alle Bischofskoadjutoren und Auxiliarbischöfe des Konferenzgebiets sowie Titularbischöfe mit besonderem päpstlichen Auftrag. Nicht zur Bischofskonferenz gehören der Gesandte des Papstes (etwa der Apostolische Nuntius) und sonstige Titularbischöfe, zu denen auch die emeritierten Bischöfe zählen.[6]

Die Diözesanbischöfe, ihnen rechtlich Gleichgestellte und Bischofskoadjutoren haben von Rechts wegen entscheidendes Stimmrecht (can. 454 § 1 CIC). Auxiliarbischöfe und Titularbischöfe mit päpstlichem Auftrag haben beratendes oder entscheidendes Stimmrecht nach Maßgabe der Statuten (can. 454 § 2 CIC). In Deutschland besitzen die Auxiliarbischöfe und Titularbischöfe mit päpstlichem Auftrag entscheidendes Stimmrecht, wobei den Diözesanbischöfen, Koadjutoren und Diözesanadministratoren eine Sperrminorität zukommt.

Organe[Bearbeiten]

Die Organe der Bischofskonferenz sind:

  • der Vorsitzende (can. 452 CIC), der nicht Auxiliarbischof sein darf[7]. Seine Kompetenzen beziehen sich nur auf das Kollegiatorgan als solches, er ist nicht Oberbischof des Gebiets, auf das sich die Bischofskonferenz erstreckt,
  • der Stellvertreter, der ebenfalls nicht Auxiliarbischof sein darf,
  • die Vollversammlung, durch die die Bischofskonferenz ihre Kompetenzen wahrnimmt (can. 453 CIC),
  • der Ständige Rat unter Leitung des Vorsitzenden (can. 457 CIC), der die Vollversammlungen vor- und nachbereitet, dem aber auch andere Kompetenzen zugewiesen werden können,
  • das Generalsekretariat (can. 458 CIC), das pflichtmäßig einzurichten ist und von einem Generalsekretär geleitet wird, der nicht Mitglied der Bischofskonferenz sein muss. Es hat sich mit den Akten der Bischofskonferenz zu befassen. Vollversammlung, Ständiger Rat und Vorsitzender sind ihm weisungsbefugt,
  • die Kommissionen nach Maßgabe der jeweiligen Statuten der Konferenz.

Kompetenzen[Bearbeiten]

Rechtsetzungskompetenz[Bearbeiten]

Die Bischofskonferenz hat nur dort Rechtsetzungsbefugnisse, wo sie ihr durch Gesetz oder Anordnung des Apostolischen Stuhls ausdrücklich zugewiesen werden (can 455 CIC). Dies bestimmte schon das Dokument Christus Dominus (Nr. 38, 4). Darin unterscheidet sie sich von den Partikularkonzilien, deren normative Kompetenzen nur vom übergeordneten Recht begrenzt werden.[8]

Lehrautorität[Bearbeiten]

Gemäß can. 753 CIC besitzt die Bischofskonferenz Lehrautorität im Konferenzgebiet. Das bedeutet, dass die Bischofskonferenz direkt Künderin und Lehrerin des Glaubens für die ihrer Sorge anvertrauten Gläubigen ist[9]. Ein Hirtenwort der Bischofskonferenz besitzt daher von sich aus Autorität und bedarf nicht mehr der autoritativen Verkündigung durch jeden einzelnen Ortsbischof.

Bischofskonferenzen außerhalb der katholischen Kirche[Bearbeiten]

Lambeth-Konferenz[Bearbeiten]

Die Lambeth-Konferenz ist die etwa alle 10 Jahre stattfindende internationale Bischofskonferenz der Anglikanischen Gemeinschaft. Sie wurde erstmals 1867 einberufen und tagt unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Canterbury, seit März 2013 ist dies Erzbischof Justin Welby.[10] An der im Jahr 2008 für drei Wochen anberaumte Sitzung nahmen etwa 650 anglikanische Bischöfe aus 38 Kirchenprovinzen teil.[11] Die Beschlüsse der Bischofskonferenz wirken nicht von selbst in den einzelnen Ortskirchen, sondern müssen von diesen in das jeweilige Kirchenrecht übertragen werden.[12]

Orthodoxe Bischofskonferenz in Österreich[Bearbeiten]

Die Orthodoxe Bischofskonferenz in Österreich ist seit der Konstituierung im Jahr 2010 das höchste Gremium der Orthodoxie im Land. Die Konferenz vertritt die Orthodoxie gegenüber der Republik Österreich und deren Behörden. Die Bischofskonferenz umfasst sieben Bischöfe, die dem Ökumenischen Patriarchat und den Patriarchen von Antiochien, Moskau, Serbien, Rumänien, Bulgarien und Georgien zugeordnet sind. Somit nehmen alle in Österreich vorkommenden orthodoxen Kirchen an der Konferenz teil. Der Amtssitz befindet sich in Wien, den Vorsitz führt der jeweilige Vertreter des Patriarchen von Konstantinopel. Auf Metropolit Michael Staikos folgte ab März 2012 Metropolit Arsenios Kardamakis als Vorsitzender.[13]

Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland[Bearbeiten]

Die 2010 gegründete Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland gehören 19 Mitglieder an. Als Präsident fungiert der Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche, die ist derzeit Metropolit Augoustinos Lambardakis. Das Sekretariat ist in Dortmund ansässig. Der Bischofskonferenz gehören unter anderem Bischöfe der russischen, rumänischen, serbischen, georgischen, ukrainischen, griechischen und altorientalischen Tradition an.[14]

Bischofskonferenz der VELKD[Bearbeiten]

Die Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands tagt unter dem Leitenden Bischof der VELKD, seit 2011 ist dies Bischof Gerhard Ulrich. Alle Bischöfe der Gliederkirchen sind Mitglieder der Konferenz. Sechs ständige Gäste, unter anderem der evangelische Bischof von Österreich, nehmen ohne Stimmrecht an den Versammlungen teil.[15] Aus Mitgliedern der Bischofskonferenz und der Generalsynode bildet sich wieder die Kirchenleitung. Kirchengesetze kommen ebenfalls durch Beschluss der Generalsynode und der Bischofskonferenz zustande.[16]

Internationale Altkatholische Bischofskonferenz[Bearbeiten]

Die Internationale Altkatholische Bischofskonferenz umfasst die Bischöfe der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen. Als Präsident fungiert ex officio der Erzbischof von Utrecht, seit März 2000 wird diese Funktion durch Erzbischof Joris Vercammen wahrgenommen.[17] Das Erzbistum Utrecht ist seit 1723 von Rom getrennt.[18] Das Sekretariat der Bischofskonferenz ist in Utrecht ansässig, die Vollversammlungen finden jährlich an wechselnden Orten statt, so etwa 2012 in Österreich, im katholischen Benediktiner-Stift Melk oder 2014 in der altkatholischen St. Gertrudis-Kathedrale in Utrecht. Die Anglikanische Gemeinschaft ist durch ständige Beobachter vertreten.[19] Die Bischofskonferenz vertritt die autonomen altkatholischen Ortskirchen auf internationaler Ebene. Die altkatholischen Mitglieder der Internationalen Römisch-Katholisch - Altkatholischen Dialogkommission werden ebenfalls durch die Bischofskonferenz nominiert,[20] die Berufung auf katholischer Seite erfolgt durch den Päpstlichen Einheitsrat Walter Kardinal Kasper (bis 2010) und Kurt Kardinal Koch.[21]

Liste von Bischofskonferenzen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aymans, Mörsdorf: Kanonisches Recht. Band 2: Verfassungs- und Vereinigungsrecht. 13. völlig neu bearbeitete Auflage. Schöningh, Paderborn 1997, ISBN 3-506-70482-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bischofskonferenz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Kardinal Lehmann, Vom Dienst am Ganzen, 11. Februar 2008
  2. Aymans – Mörsdorf, Kanonisches Recht II, S. 277
  3. Aymans – Mörsdorf, Kanonisches Recht II, S. 277
  4. Aymans – Mörsdorf, Kanonisches Recht II, S. 277
  5. Aymans – Mörsdorf, Kanonisches Recht II, S. 279
  6. Aymans – Mörsdorf, Kanonisches Recht II, S. 283
  7. Aymans – Mörsdorf, Kanonisches Recht II, S. 285
  8. Aymans – Mörsdorf, Kanonisches Recht II, S. 287
  9. Aymans – Mörsdorf, Kanonisches Recht II, S. 295
  10. Kirchenzeitung, Lexikon: Anglikanische Kirche Homepage der Diözese Linz, abgerufen am 26. Juni 2014
  11. Kirchenzeitung, Lambeth-Konferenz Homepage der Diözese Linz, abgerufen am 26 Juni 2014
  12. Christopher Hill: Lambeth-Konferenz. In: Wolfgang Thönissen (Hrsg.): Lexikon der Ökumene und Konfessionskunde. Im Auftrag des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik. Herder. Freiburg im Breisgau. 2007. ISBN 978-3-451-29500-3. S. 751-752.
  13. Orthodoxe Bischofskonferenz in Österreich Homepage der Orthodoxen Kirche in Österreich, abgerufen am 26. Juni 2014
  14. Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland Homepage kath.net, abgerufen am 26. Juni 2014
  15. Bischofskonferenz der VELKD Homepage der VELKD, abgerufen am 26. Juni 2014
  16. Burckhard Neumann: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands. In: Wolfgang Thönissen (Hrsg.): Lexikon der Ökumene und Konfessionskunde. Im Auftrag des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik. Herder. Freiburg im Breisgau. 2007. ISBN 978-3-451-29500-3. S. 1407-1409.
  17. Peter Neuner: Altkatholische Kirche. In: Wolfgang Thönissen (Hrsg.): Lexikon der Ökumene und Konfessionskunde. Im Auftrag des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik. Herder. Freiburg im Breisgau. 2007. ISBN 978-3-451-29500-3. S. 31-34.
  18. Georg Hintzen: Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen. In: Wolfgang Thönissen (Hrsg.): Lexikon der Ökumene und Konfessionskunde. Im Auftrag des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik. Herder. Freiburg im Breisgau. 2007. ISBN 978-3-451-29500-3. S. 1401-1402.
  19. Internationale Altkatholische Bischofskonferenz Homepage der Utrechter Union, abgerufen am 26. Juni 2014
  20.  Kirche und Kirchengemeinschaft. Bericht der Internationalen Römisch-Katholisch - Altkatholischen Dialogkommission. Bonifatius Lembeck, Paderborn Frankfurt/Main 2009, ISBN 978-3-89710-456-3, S. 50.
  21. Römisch-Katholisch - Altkatholische Dialogkommission tagte im Dezember 2012 in Paderborn Homepage des Erzbistums Paderborn, abgerufen am 27. April 2014