Zeit-Stiftung

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ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Logo der Zeit-Stiftung
Typ gemeinnützige Stiftung
Gründer Gerd Bucerius
Gründung 1971
Sitz Hamburg
Personen

Vorstandsvorsitzender Michael Göring
Kuratoriumsvorsitzender Manfred Lahnstein

Aktionsraum weltweit
Schwerpunkt Wissenschaft, Kultur und Bildung
Budget 21,9 Mio. € (2013)
Stiftungsvermögen 760 Mio. € (2013)
Freiwillige 0
Angestellte 31
Motto Wissen fördern - Kultur bereichern - Kompetenzen stärken
Website www.zeit-stiftung.de

Die gemeinnützige Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius (Eigenschreibweise „ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius“) wurde 1971 von Gerd Bucerius (1906–1995) errichtet. Die Stiftung trägt den Namen des Stifters, den Titel der von ihm mitgegründeten Wochenzeitung Die Zeit und den Spitznamen Ebelin seiner zweiten Frau Gertrud Ebel (1911–1997).

Der Sitz der Stiftung ist Hamburg. Ihre Förderaktivitäten richten sich auf Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Bildung und Erziehung.

Frühe Förderungen des Stifters[Bearbeiten]

Erste Förderungen in den 1970er Jahren galten jungen Journalisten, die mit dem „Zeit Fellowship“ an der Harvard University in Cambridge in den USA arbeiten konnten. Gerd Bucerius engagierte sich in den 1980er Jahren für den stärkeren Wettbewerb im deutschen Hochschulwesen und unterstützte die private Universität Witten/Herdecke mit erheblichen Mitteln. Für die Stärkung der Hamburger Literaturszene erwarb die Stiftung eine Villa an der Außenalster und stellt der Stadt und dem Literaturhaus-Verein das 1989 eröffnete Literaturhaus Hamburg seitdem mietfrei zur Verfügung. In den 1990er Jahren verstärkte die Stiftung ihre Aktivitäten im Wissenschaftsbereich und legte mit dem „Gerd Bucerius-Juraprogramm“ ein Stipendienprogramm für Nachwuchsjuristen auf. Bis zum Tod von Gerd Bucerius hat die Stiftung 90 Einzelvorhaben mit insgesamt 15 Millionen Euro gefördert. Mit dem Tod des Stifters 1995 und seiner Frau 1997 ging das gesamte Privatvermögen des Ehepaars in die Stiftung über. In den letzten zehn Jahren hat die Stiftung Fördermittel in Höhe von mehr als 153 Millionen Euro aufgewendet. (Stand Ende 2013).

Gremien[Bearbeiten]

Die Organe der Zeit-Stiftung bestehen aus dem Vorstand und dem Kuratorium. Nach dem Tod des Stifters wurde Michael Göring 1997 zum geschäftsführenden Vorstandsmitglied bestellt, seit 2005 ist er Vorstandsvorsitzender. Kuratoriumsvorsitzender ist seit 1995 Manfred Lahnstein.

Leitbild[Bearbeiten]

Als unabhängige gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts versteht sich die Zeit-Stiftung als Teil einer Bürgergesellschaft, sie unterstützt privates und bürgerschaftliches Engagement. Sie möchte verantwortungsbewusst Aufgaben für die Gemeinschaft wahrnehmen und die weitere Entwicklung der Zivilgesellschaft fördern. Gemäß ihrer Satzung konzentriert sich die Stiftung auf Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Bildung und Erziehung. Durch Innovation, Kreativität und Nachhaltigkeit der Förderprojekte will sie Wissen fördern, Kultur bereichern und Kompetenzen stärken.

Förderbedingungen[Bearbeiten]

Die Zeit-Stiftung konzentriert ihre Förderungen auf von ihr selbst initiierte Vorhaben. Darüber hinaus fördert sie Projekte von Antragstellern in Hamburg, in Deutschland und international, sofern die Vorhaben ihrer Satzung und ihrem Förderprofil entsprechen. Im Jahr 2013 standen als Erträge aus dem Stiftungsvermögen insgesamt rund 21,9 Millionen Euro zur Verfügung. Als eine der größten privat errichteten deutschen Stiftungen mit einem Stiftungskapital von 760 Millionen Euro (Ende 2013) gründet die Zeit-Stiftung auch eigene Einrichtungen. Große Teile des Jahresbudgets werden dabei für die selbstständigen Institutionen Bucerius Law School und Bucerius Kunst Forum aufgewandt.

Wissenschaft und Forschung[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde in Hamburg die Bucerius Law School gegründet. Infolge der Ausrichtung auf die Gesellschaftswissenschaften steht das Doktorandenprogramm „Settling Into Motion“ zur Migrationsforschung im Fokus der aktuellen Wissenschaftsförderung. Mit der Metropolenforschung befasst sich die Sommerakademie „History Takes Place“. In Israel engagiert sich die Stiftung für das Bucerius Institute for Research of Contemporary German History and Society an der Universität Haifa. Die „Transatlantic Academy“ in Washington, D.C., von der Zeit-Stiftung und weiteren Förderern etabliert und unterstützt, erarbeitet Lösungskonzepte für aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen. Die Stiftung hat das Deutsche Historische Institut Moskau mit initiiert.

Kunst und Kultur[Bearbeiten]

Seit 2002 besteht das von der ZEIT-Stiftung gegründete Bucerius Kunst Forum am Hamburger Rathausmarkt als Ausstellungshaus für alle Künste. Es zeigt vier Ausstellungen pro Jahr mit jeweils umfassendem Begleitprogramm, zudem bietet es eigene Konzert- und Veranstaltungsreihen. Darüber hinaus fördert die Stiftung die Hamburger Museumslandschaft. So ermöglicht sie zum Beispiel die wissenschaftliche Bestandserschließung des Kupferstichkabinetts der Hamburger Kunsthalle. Mit ihren Denkmalpflege-Aktivitäten in Hamburg und Ostdeutschland bewahrt die Stiftung erhaltenswerte Kulturzeugnisse. Die von ihr geförderten „Hamburger Lessingtage“ am Thalia Theater sollen die bleibende Aktualität einer literarischen Leitfigur der Hansestadt bezeugen. Mit der Unterstützung für die Meisterkurse des Schleswig-Holstein Musik Festival sowie für den „Preisträger in Residence“ der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und die Sommerlichen Musiktage Hitzacker akzentuiert die Stiftung ihr Engagement für das Musikleben Norddeutschlands.

Bildung und Erziehung[Bearbeiten]

Die Zeit-Stiftung fördert im Bereich „Bildung und Erziehung“ unter anderem Studienorientierung für Oberstufenschüler. Dazu bietet sie für Jugendliche mit Migrationshintergrund einen so genannten Schülercampus mit dem Titel „Mehr Migranten werden Lehrer“ an. Das Programm „Bucerius LERN-WERK Lesen“ soll der schulischen Leseförderung in Norddeutschland dienen. Mit einer Initiative namens „.vernetzt# - Wie wollen wir leben?“ und einer Reihe von Diskussionsveranstaltungen möchte die Stiftung „zur Verständigung der Gesellschaft über aktuelle Fragen und Perspektiven beitragen“.

Benutzerfreundliche Bücherstätten werden seit 2000 als Bibliothek des Jahres ausgezeichnet. Im Rahmen ihrer Journalistenprogramme verleiht die Zeit-Stiftung seit 2000 den „Gerd Bucerius-Förderpreis Freie Presse Osteuropas“. Die „Bucerius Summer School on Global Governance“ und das „Asian Forum on Global Governance“ führen alljährlich junge Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Nichtregierungsorganisationen zusammen.

Publikationen[Bearbeiten]

Die eigene Buchreihe „Hamburger Köpfe“ porträtiert prägende Hamburger Persönlichkeiten, wie zuletzt Salomon Heine und Fritz Höger. Darüber hinaus gibt die Stiftung eine Reihe über „Zugewanderte nach Hamburg“ heraus, die das Stadtbild und die Kultur beeinflussten: nach „Italien in Hamburg“, „Russland in Hamburg“, „Portugal in Hamburg“ erschien zuletzt „Skandinavien in Hamburg“ sowie „China in Hamburg“. Beide Buchreihen erscheinen im Ellert & Richter Verlag. Die Bucerius Law School und das Bucerius Kunst Forum haben eigene Publikationsreihen.

Weblinks[Bearbeiten]