„Mull (Humusform)“ – Versionsunterschied

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== Wortherkunft ==
== Wortherkunft ==
''Mull'' kommt aus [[mittelniederdeutsch]] ''mul'', „lockerer Humusboden“ (vergl. [[Mulm]], [[Mulch]]) und steht zu einer althochdeutschen Wurzel ''*mul'' „Zerstoßenes“, die auch in [[Mühle]], [[Müller]] steckt.<ref name="Grimm-Mull">Eintrag [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GM08001 Mull, Müll, n. staub, zerfallende erde, unrat.] In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: ''[[Deutsches Wörterbuch]]''. Leipzig 1854-1960 (germazope.uni-trier.de)</ref> Erhalten hat sich das Wort außer im Fachausdruck in der volkstümlichen Bezeichnung ''Mulle'' für [[Maulwürfe]] und den Namen für andere ähnlich im Boden lebenden Arten; siehe [[Mull]] (Begriffsklärung).
''Mull'' kommt aus [[mittelniederdeutsch]] ''mul'', „lockerer Humusboden“ (vergl. [[Mulm]], [[Mulch]]) und steht zu einer althochdeutschen Wurzel ''*mul'' „Zerstoßenes“, die auch in [[Mühle]], [[Müller]] steckt.<ref name="Grimm-Mull">Eintrag [http://www.woerterbuchnetz.de/DWB/wbgui_py?lemid=GM08001 Mull, Müll, n. staub, zerfallende erde, unrat.] In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: ''[[Deutsches Wörterbuch]]''. Leipzig 1854-1960 (dwb.uni-trier.de)</ref> Erhalten hat sich das Wort außer im Fachausdruck in der volkstümlichen Bezeichnung ''Mulle'' für [[Maulwürfe]] und den Namen für andere ähnlich im Boden lebenden Arten; siehe [[Mull]] (Begriffsklärung).


''Molte'', auch ''Molde'' steht zum wohl wurzelverwandten althochdeutschen ''molta'' „Zerriebenes“, [[mittelhochdeutsch]] ''molte'' und heißt in Dialekten „weiche lockere lose bröckelnde leicht auseinander fallende Erde“, „abgefallenes Laub“, „Streu im Walde“ und ähnliches<ref name="Grimm-Molde">Eintrag [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GM06650 Molde, f. staub, erde.] In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: ''[[Deutsches Wörterbuch]]''. Leipzig 1854-1960 (germazope.uni-trier.de)</ref>. In der Hochsprache findet es sich nur in der [[Moltebeere]] (Torfbeere, ''Rubus chamaemorus'').
''Molte'', auch ''Molde'' steht zum wohl wurzelverwandten althochdeutschen ''molta'' „Zerriebenes“, [[mittelhochdeutsch]] ''molte'' und heißt in Dialekten „weiche lockere lose bröckelnde leicht auseinander fallende Erde“, „abgefallenes Laub“, „Streu im Walde“ und ähnliches<ref name="Grimm-Molde">Eintrag [http://www.woerterbuchnetz.de/DWB/wbgui_py?lemid=GM06650 Molde, f. staub, erde.] In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: ''[[Deutsches Wörterbuch]]''. Leipzig 1854-1960 (dwb.uni-trier.de)</ref>. In der Hochsprache findet es sich nur in der [[Moltebeere]] (Torfbeere, ''Rubus chamaemorus'').


== Merkmale ==
== Merkmale ==

Version vom 3. März 2011, 15:48 Uhr

Der Mull, altertümlich Molte, ist die günstigste Humusform und Kennzeichen nährstoffreicher, biotisch aktiver Böden. Das C/N-Verhältnis ist 10-15 : 1.

Wortherkunft

Mull kommt aus mittelniederdeutsch mul, „lockerer Humusboden“ (vergl. Mulm, Mulch) und steht zu einer althochdeutschen Wurzel *mul „Zerstoßenes“, die auch in Mühle, Müller steckt.[1] Erhalten hat sich das Wort außer im Fachausdruck in der volkstümlichen Bezeichnung Mulle für Maulwürfe und den Namen für andere ähnlich im Boden lebenden Arten; siehe Mull (Begriffsklärung).

Molte, auch Molde steht zum wohl wurzelverwandten althochdeutschen molta „Zerriebenes“, mittelhochdeutsch molte und heißt in Dialekten „weiche lockere lose bröckelnde leicht auseinander fallende Erde“, „abgefallenes Laub“, „Streu im Walde“ und ähnliches[2]. In der Hochsprache findet es sich nur in der Moltebeere (Torfbeere, Rubus chamaemorus).

Merkmale

Mull ist die – aus Sicht der Pflanzenernährung – günstigste Humusform. Als leicht abbaubarer Vegetationsrückstand bietet er günstige Lebensbedingungen für Bodentiere, Pflanzen und Pilze (das Edaphon). Man bezeichnet ihn als biotisch aktiv, weil er einer vielfältige Bodenfauna und Bodenflora Nahrung und Lebensraum bietet. Voraussetzung für die Entstehung der Humusform sind gut zersetzbare und eiweißhaltige Substanzen, gute Wasser- und Luftversorgung sowie ein neutraler pH-Wert (um pH 7). Weiterhin ist die artenreiche "Mikroorganismenwelt" zuständig für die Ca-Humate. Wichtig für den Mull sind Erdfresser (z.B. Regenwürmer), da diese stabile Verbindungen zwischen den Tonmineralien und den Humusstoffen (Tonhumuskomplexe) bilden.

Mull zeichnet sich durch seinen Nährstoffreichtum aus und ist mäßig sauer bis neutral

Aufgrund der günstigen Lebensbedingungen ist die Wühlaktivität hoch und die Vermischung der Bodenschichten stark. Der Mull besitzt ein enges C/N-Verhältnis, was zur Folge hat, dass die Zersetzung schnell stattfindet.

Die Horizontabfolge des Mulls

(L bzw. Ol) - Oh - Ah

  • Ganz oben: ein nicht sehr mächtiger L-Horizont aus unzersetztem Ausgangsmaterial, auch Streu genannt
  • Darunter: ein ebenfalls nicht sehr mächtiger Oh-Horizont (ein Horizont mit humifizierter, also zersetzter organischer Substanz)
  • Darunter: ein mächtiger Ah-Horizont (der oberste Mineralboden-Horizont, mit Huminstoffen angereichert)

Siehe auch Bodenhorizonte – zu den einzelnen Horizontbezeichnungen

Vorkommen

Vorkommen dieser günstigen terrestrischen Humusform sind Steppengebiete, Grünland und krautreiche Laubwälder.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Eintrag Mull, Müll, n. staub, zerfallende erde, unrat. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854-1960 (dwb.uni-trier.de)
  2. Eintrag Molde, f. staub, erde. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854-1960 (dwb.uni-trier.de)