Ölrettich

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Ölrettich
Ölrettich

Ölrettich

Systematik
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Brassiceae
Gattung: Rettiche (Raphanus)
Art: Garten-Rettich (Raphanus sativus)
Varietät: Ölrettich
Wissenschaftlicher Name
Raphanus sativus var. oleiformis

Der Ölrettich ist je nach Autor meist eine Varietät Raphanus sativus var. oleiformis Pers.[1][2][3][4] oder selten eine Unterart Raphanus sativus subsp. oleiferus (Stokes) Metzg. des Garten-Rettichs (Raphanus sativus L.) aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ölrettich erreicht Wuchshöhen von 50 bis 100 cm. Er entwickelt eine kräftige Pfahlwurzel, sortenabhängig wird der Boden zwischen 80 und 150 cm tief durchwurzelt.[5] Er bildet nicht die für die anderen Garten-Rettich-Sorten typischen Knollen. Die Samen sind sehr ölhaltig. Das Tausendkorngewicht der Samen schwankt zwischen 3 und 7 Gramm. Ölrettichsamen keimt bereits bei Bodentemperaturen von 2 bis 3 °C.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ölrettich wurde ursprünglich zur Ölgewinnung gezüchtet. Die ältesten Berichte darüber liefert Plinius der Ältere für Ägypten. Hier sowie in China und Japan wird er auch heute noch zur Ölgewinnung angebaut.[6] In Mitteleuropa und Nordamerika wird Ölrettich hauptsächlich zur Gründüngung als Zwischenfrucht angebaut. Der Ölrettich beschattet aufgrund seiner kräftigen Blattentwicklung den Boden stark, die tiefe Durchwurzelung führt zu einem guten Aufschluss des Bodens. Hiermit tritt zugleich ein guter Schutz vor Erosion ein. Darüber hinaus erfolgt der Anbau von Ölrettich insbesondere in Zuckerrübenfruchtfolgen als Fangpflanze zur Bekämpfung von Bodennematoden, da einige Züchtungen hoch resistent gegenüber der Wurzelgallennematode Meloidogyne hapla sind.[7] Infolge der Resistenz werden die Ölrettichwurzeln zwar von den Nematoden befallen, diese können aber in den Wurzeln nur wenige oder gar keine Zysten bilden. Aufgrund des hohen Gehalts an Bitterstoffen und Senfölen wird Ölrettich von Nutztieren als Grünfuttermittel nur unwillig angenommen, soweit eine Verfütterung gleichwohl erfolgen soll, sollte das Schotenstadium nach der Blüte abgewartet werden, da dann der Bitterstoffgehalt geringer ist.

Ölrettich, als Gründüngung angebaut.

Anbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter mitteleuropäischen Verhältnissen kann die Aussaat von Ölrettich zwischen Februar und Ende August erfolgen. Soweit der Ölrettich als Zwischenfrucht zwecks Gründüngung bzw. zur Nematodenbekämpfung angebaut wird, erfolgt die Aussaat nach der Hauptfrucht des Anbaujahres im Zeitraum Mitte bis Ende August mit einer Saatgutmenge von 20 kg/ha und einer Saattiefe zwischen einem bis zwei Zentimetern. Da Ölrettich bei Frost von rund −10 bis −12 °C abfriert, kann die nachfolgende Hauptfrucht gegebenenfalls im Wege der Direktsaat ohne vorherige Bodenbearbeitung ausgesät werden. Wird Ölrettich zur Ölgewinnung angebaut, können die ölhaltigen Samen im Mähdreschverfahren durch Mähdrescher geerntet werden.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Raphanus sativus var. oleiformis im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. Raphanus sativus bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  3. Eintrag bei Multilingual Multiscript Plant Name Database.
  4. Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender Länder. Ein Buch zum Bestimmen der wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. Begründet von Otto Schmeil, Jost Fitschen. 93. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2006, ISBN 3-494-01413-2.
  5. Website des kanadischen Agrarministerium zur Nutzung von Ölrettich
  6. Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland von der Vorgeschichte bis heute. Theiss, Stuttgart 1995, S. 195f. (Nachdruck ISBN 3-933203-40-6)
  7. Website der Landwirtschaftskammer NRW zur Nematodenbekämpfung, abgerufen am 16. Januar 2011

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus-Ulrich Heyland (Hrsg.): Spezieller Pflanzenbau. 7. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1952 und 1996, ISBN 3-8001-1080-6, S. 93, 300.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ölrettich (Raphanus sativus subsp. oleiferus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien