ʿAbdul-Baha'

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ʿAbdul-Baha' 1868
ʿAbdul-Baha' in Paris, wo er im Dezember 1911 seine Ansprachen hielt
ʿAbdul-Baha' mit Pilgern auf dem Berg Karmel im November 1919
ʿAbdul-Baha' wurde 1920 zum Ritter des Britischen Empires geschlagen
Die Beisetzung ʿAbdul-Baha's in Haifa am Berg Karmel

ʿAbdul-Baha' (arabisch عبد البهاء, DMG ʿAbd al-Bahāʾ ‚Diener der Herrlichkeit [Gottes]‘, Bahai-Transkription ‘Abdu’l-Bahá, * 23. Mai 1844 in Teheran, Iran; † 28. November 1921 in Haifa, Völkerbundsmandat für Palästina) ist der bekannteste Titel des ältesten Sohnes des Religionsstifters Baha'ullah und Oberhaupts der Religionsgemeinschaft der Bahai von 1892 bis 1921. Sein bürgerlicher Name ist ʿAbbas Effendi (persisch عباس افندی, DMG ʿAbbās Effendī). Den Bahai gilt er als charakterliches Vorbild.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ʿAbdul-Baha' wurde in der Nacht des 23. Mai 1844 in Teheran geboren. Seine Mutter war Baha'ullahs erste Frau Asie Chanum. In seiner Kindheit erlebte er sowohl die Inhaftierungen und Verbannungen (die finale 1852) seines Vaters aufgrund religiöser Verfolgung als auch den Rückzug seines Vaters in die Berge Kurdistans (1854–1856). In enger Beziehung zu seinem Vater stehend arbeitete er bereits in seiner Jugend als dessen Sekretär und Vertreter. Über die Jahre wurden seine Verantwortungen immer umfangreicher.

Seit den späten 1860er Jahren stand er im Kontakt mit islamischen, iranischen und osmanischen Reformern und vertrat sowohl die Religionsgemeinschaft der Baha'i als auch seine Familie gegenüber den osmanischen Beamten.

Im letzten Verbannungsort seines Vaters, in Akkon, erlangte er eine positive Reputation als frommer, wenn auch heterodoxer muslimischer Religionsgelehrter; obgleich es sich bei der Gemeinschaft der Baha'i um eine eigenständige und neue Religionsgemeinschaft handelt. Der Grund dafür liegt wohl in ʿAbdul-Baha's regelmäßigen Besuchen in örtlichen Moscheen, seiner Versorgung von Notleidenden und seinem generellen Bemühen, die Beziehung zur muslimischen Mehrheit so weit wie möglich zu glätten, um eine Verfolgung der Baha'i zu vermeiden.

1873 heiratete er die Witwe Munire Chanum (1847–1938, bürgerlicher Name: Fatime Nahri). Das Paar hatte neun Kinder, von denen vier Töchter das Erwachsenenalter erreichten.

Einen Großteil seines Lebens verbrachte ʿAbdul-Baha' mit seinem Vater und seiner Familie in Gefangenschaft und Verbannung, unter anderem im Gefängnis ʿAkka. Erst im Alter von 64 Jahren erlangte er im Jahr 1908 infolge der jungtürkischen Revolution die Freiheit.[3]

Sein Vater hatte ihn in seinem Buch des Bundes eingesetzt, seine Schriften zu erläutern und die Gemeinde seiner Anhänger zu leiten. Im Jahr 1910 begann ʿAbdul-Baha' eine große Lehrreise, die ihn durch Ägypten, Europa und die Vereinigten Staaten führte, um die Lehren seines Vaters zu verbreiten. ʿAbdul-Baha' weilte vom 1. bis 8. April 1913 in Stuttgart, Esslingen am Neckar und in Bad Mergentheim, und nach seiner Rückkehr von Wien (19. bis 24. April) und Budapest war er noch einmal in Stuttgart (25. April bis 1. Mai).[4]

Die Themen seiner Ansprachen im Westen vor den Mitgliedern der jungen Bahāʾī-Gemeinde und in der Öffentlichkeit drehten sich um Frieden, religiöse Toleranz, soziale Gerechtigkeit, die Rechte der Frau und die Überwindung rassischer Diskriminierung. Viele seiner Ausführungen wurden aufgezeichnet und in Buchform veröffentlicht.[5][6] Während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten traf er mehrere amerikanische Friedensaktivisten. Außerdem hielt er eine Ansprache während der 18. Lake Mohonk Friedenskonferenz. In Wien empfing er unter anderen die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner.[7]

Ende 1913 kehrte er nach Haifa zurück. ʿAbdul-Baha' wurde im Jahr 1920 in Anerkennung seiner humanitären Verdienste während der Kriegsjahre zum Ritter des britischen Empires geschlagen.

Während des Ersten Weltkrieges richtete ʿAbdul-Baha' eine Reihe von Sendschreiben an die Bahai in Nordamerika und übertrug ihnen eine besondere Rolle bei der Ausbreitung des Bahai-Glaubens. Diese Sendschreiben erhielten den Titel Sendschreiben zum Göttlichen Plan.

In seinem Testament ernannte er seinen ältesten Enkel Shoghi Effendi zu seinem Nachfolger als „Hüter des Bahai-Glaubens“.

Der Todestag ʿAbdul-Baha's, der 28. November, gilt als Gedenktag im Bahai-Kalender. Die Beisetzung ʿAbdul-Baha's im Schrein des Bab am Berg Karmel wurde zur bislang volkreichsten Demonstration gemeinsamer Betroffenheit und Trauer sämtlicher Religions- und Bevölkerungsgruppen Palästinas.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch

Englisch

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. M. Balyuzi: ʿAbduʾl-Bahá. Band 1. Bahá'í-Verlag, Hofheim-Langenhain 1983, ISBN 978-3-87037-493-8.
  2. H. M. Balyuzi: ʿAbduʾl-Bahá. Band 2. Baháʾí-Verlag, Hofheim-Langenhain 1984, ISBN 978-3-87037-493-8.
  3. Manfred Hutter: Handbuch Bahāʾī Geschichte – Theologie - Gesellschaftsbezug. W. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-019421-2, S. 48.
  4. Werner Gollmer: Mein Herz ist bei euch ʿAbduʾ l-Bahá in Deutschland. Bahá'í-Verlag, Hofheim-Langenhain 1988, ISBN 978-3-87037-215-6.
  5. ʿAbd-al-Bahāʾ: Ansprachen in Paris. 6. Aufl. Bahá'í-Verlag, Oberkalbach 1973, ISBN 978-3-87037-062-6.
  6. Howard MacNutt (Hrsg.): The promulgation of universal peace. 2nd ed. Baháʼí Pub. Trust, Wilmette, Ill. 1982, ISBN 0-87743-172-8.
  7. Janet A. Khan: A world without war : 'Abdu'l-Bahá and the discourse for global peace. Bahá'í Publishing, Wilmette, Illinois 2020, ISBN 978-1-61851-166-9, S. 86–94.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Abdu’l Baha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien