Anmutung

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Die Anmutung (auch Anmutungsqualität) eines Objektes oder einer Situation ist die schwer zu bestimmende, eher vage Wirkung dieser Erscheinung auf einen Betrachter über einen oder mehrere Wahrnehmungskanäle (visuell, auditiv, haptisch, olfaktorisch). Sie ist von den Eigenschaften des betrachteten Objektes oder den Zügen einer erlebten Situation abhängig, außerdem von der Sozialisation des Betrachters und der Umgebung, in der das Objekt dargestellt ist oder die Situation auftritt.

Ursprünglich bedeutet das Wort aber etwas völlig anderes, nämlich eine Zumutung.[1]

Design und Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei grafischen Benutzerschnittstellen (GUI) von Computern spricht man meist von Look and Feel.

Designer und Künstler übermitteln mit gestalterischen Mitteln Werte und Qualitäten und legen es dabei durchaus auch auf unterschwellige Anmutungen an. Sie sind für die Antizipation von Objekten durch unterschiedliche Betrachter und Zielgruppen speziell geschult.

In der Designpraxis bezeichnet man mit Anmutung die von einem Entwurf geweckten, oft unbewussten Erwartungen. Die spontane Anmutung ist ein wichtiger Indikator für die Übereinstimmung von Intention und Form eines Entwurfs. Im Grafikdesign sollte beispielsweise eine überzeugende Zigarettenpackung nicht wie ein Kosmetikprodukt anmuten, ein Signetentwurf für eine Bank sollte nicht für den einer Fast-Food-Kette gehalten werden können usw.

Vokalqualität und Vokalquantität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in den 1920er Jahren wurde gezeigt, dass hohe, vordere Vokale wie /i/ eher mit kleinen Objekten assoziiert werden und tiefe, hintere Vokale wie /u/ mit großen Objekten.[2] Nicht nur die Vokalqualität (z. B. /i/ versus /u/) scheint eine Rolle bei diesem Effekt zu spielen, sondern auch die Vokalquantität (lange versus kurze Vokale). So tendieren Versuchspersonen dazu, Wörter mit kurzen Vokalen (z. B. „mutto“) mit kurzen Gegenständen zu assoziieren und Wörter mit langen Vokalen (z. B. „muhto“) mit länglichen Gegenständen – obwohl es sich bei der Vokalqualität um eine temporale Eigenschaft handelt und bei der Ausdehnung eines Objekts um eine visuelle.[3]


Maluma und Takete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maluma und Takete

Grundlegende Forschungen zum Nachweis der Anmutungsqualität führte der Psychologe Wolfgang Köhler, einer der Begründer der Gestaltpsychologie, 1929 durch. Köhler stellte Versuchspersonen eine runde und eine eckige Figur vor und bat sie, den Formen das Wort Maluma oder das Wort Takete zuzuordnen. In 90 % der Fälle ordneten die Probanden der runden Form Maluma und der spitzen Form Takete zu.[4]

Hieraus leitete Köhler den Nachweis ab, dass es eine intuitive, gefühlsmäßige Verbindung zwischen Sprache und optischen Darstellungen gibt, also Laute mit der Wahrnehmung von Formen korrespondieren.

Bouba und Kiki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch dieses Bild zeigte, verschiedene Menschen bezeichnen die linke Form mehrheitlich als kiki und die rechte Form als bouba.

2001 replizierten V. S. Ramachandran und Edward Hubbard Köhlers Experiment mit den Nichtworten kiki und bouba und baten US-Amerikaner und indische Tamil-Sprecher, diese den nebenstehenden Umrissen zuzuordnen. In beiden Gruppen ordneten 95 % bis 98 % der kurvigen Form bouba und der gezackten Form kiki zu. Das menschliche Gehirn solle demnach abstrakte Formen und Klänge in konsistenter Art miteinander verbinden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Anmutung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wahrig, Deutsches Wörterbuch, Gütersloh 1974
  2. Sapir, Edward (1929). A study in phonetic symbolism. Journal of Experimental Psychology, 12, 2251-1239.
  3. Bross, Fabian (2018). Cognitive associations between vowel length and object size: A new feature contributing to a bouba/kiki effect. In: Belz, M., Mooshammer, C., Fuchs, S., Jannedy, S., Rasskazova, O. & Zygis, M. (eds.): Proceedings of the Conference on Phonetics & Phonology in German-Speaking Countries. Berlin: Humbold University, 17-20.
  4. Artikel bei oktopus