Anna Heringer

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Anna Heringer (* 13. Oktober 1977 in Rosenheim) ist eine deutsche Architektin, die als eine Vorreiterin des Nachhaltigen Bauens gilt. Sie realisierte weltweit Projekte mit lokalen Handwerkern unter Berücksichtigung traditioneller Bauformen und Baustoffen wie Lehm. Sie hat einen UNESCO-Lehrstuhl inne.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

METI School, Rudrapur (2005)

Anna Heringer wuchs im oberbayerischen Laufen nahe Salzburg auf. Mit neunzehn Jahren unternahm sie einen Auslandsaufenthalt in Bangladesch und arbeitete für eine Nichtregierungsorganisation. 2004 schloss Heringer das Studium der Architektur an der Kunstuniversität Linz ab. Als Abschlussarbeit entwarf sie den zweigeschossigen Neubau der METI Handmade School aus Bambus, Stroh und Lehm im bangladeschischen Dorf Rudrapur bei Dinajpur. Der Entwurf wurde ein Jahr später mit Hilfe lokaler Handwerker realisiert und brachte der Planerin internationale Architekturpreise ein. Angrenzend wurde zudem eine Berufsschule für angehende Elektriker gebaut. Nach dem Studium in Linz folgte ein Dissertationsstudium an der TU München, das sie 2015 mit einer Dissertation zum Thema Neuinterpretation und zeitgenössische Anwendung der antiken Lehmbau-Tradition auf Sardinien abschloss.[1] Seit 2005 betreibt Anna Heringer eine Architektur-Bürogemeinschaft unter eigenem Namen in Laufen (Salzach).[2] Sie realisierte Projekte in Asien, Afrika und Europa.

Heringer hatte Gastprofessuren in Harvard, an der ETH Zürich, der Polytechnischen Universität Madrid, der TU München und der Linzer Universität. Als Honorarprofessorin an der Universität Grenoble hat sie seit 2010 einen UNESCO-Lehrstuhl für „Lehm-Architektur, Baukulturen und nachhaltige Entwicklung“ inne.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typisch für Heringer ist die Berücksichtigung traditioneller Bauformen, die Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung sowie die umweltfreundliche Ausrichtung ihrer Architektur. Im Verzicht auf Beton sieht sie eine Chance für das Klima.[3]

Ausstellungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Werke Heringers wurden unter anderem im MoMA, MAM São Paulo und bei der Architekturbiennale Venedig 2016 und 2018 gezeigt. Des Weiteren ist Heringer der Fachwelt durch den Gewinn des Aga Khan Award for Architecture[4] im Jahr 2007 und des Global Award for Sustainable Architecture im Jahr 2011 bekannt geworden.[5][6]

2020 erhielt sie den zum zweiten Mal vergebenen internationalen „Obel Award“ der dänischen Henrik-Frode-Obel-Stiftung, der „herausragende architektonische Beiträge zur menschlichen Entwicklung“ würdigt. Ausgezeichnet wurde sie für ihr Projekt „Anandaloy“ (übersetzt: „Ort der tiefen Freude“), ein Therapiezentrum für Menschen mit Behinderungen in Bangladesh. Im obersten Stock des Gebäudes befindet sich ein Atelier, in dem Schneiderinnen aus umliegenden Dörfern faire Mode und Kunsthandwerk produzieren. Das Haus wird vollständig mit Solarenergie betrieben.[7]

2022 wurde ihr das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.[8]

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Anna Heringer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gespräch mit Anna Heringer: Von der Schönheit der Nachhaltigkeit, architektur-bauforum.at vom 15. Dezember 2008, abgerufen am 12. März 2018.
  2. Jakob Fessler: Lehm kann die Welt verändern - Anna Heringer, Ö1 ORF.at, 18. November 2018
  3. Moritz Holfelder: Odyssee im Kulturweltraum #6. DIE NEUE STADT: BODEN FÜR ALLE UND VERZICHT AUF BETON, BR, 28. Dezember 2020
  4. derstandard.at vom 14. Mai 2017: Anna Heringer: Die Zukunftsmacherin; abgerufen am 14. Mai 2017
  5. Global Award for Sustainable Architecture. Abgerufen am 3. Juni 2020 (englisch).
  6. Anna Heringer | Architecture: Awards. Abgerufen am 3. Juni 2020.
  7. Matthias Zscheile, Olivera Tornau: Deutsche Architektin erhält Obel Award, ARTE, 30. November 2020
  8. Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit. Bundespräsidialamt, 30. September 2022, abgerufen am 30. September 2022.