Apollontempel am Hundstalsee

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Apollontempel am Hundstalsee
Der Apollontempel am Hundstalsee (Österreich) am 8. Mai 2008. Es ist Frühling, doch auf 2289 m über dem Meer herrscht noch tiefster Winter.
Die vereiste Kuppel von innen des Apollontempels am Hundstalsee (Österreich), aufgenommen am 8. Mai 2008. Es ist Frühling, doch auf 2289 m über dem Meer herrscht noch tiefster Winter und Eiseskälte.
Seitenansicht des Apollontempels am Hundstalsee (Österreich) auf 2289 m über dem Meer
Apollontempel am Hundstalsee, Blick von der Kuppel auf den Steg und Säulengang
Apollontempel am Hundstalsee, Säulengang
Blick vom Vorberg auf den Apollontempel am Hundstalsee (Österreich) im Juli 2008.

Der Apollontempel am Hundstalsee ist ein Kunstwerk, das die Verbindung NaturMensch, Kunst – Mensch, sowie Kunst und Natur darstellen soll. Dieses Kunstwerk besteht ausschließlich aus Steinen der Umgebung des Hundstaler Sees auf 2289 Metern Seehöhe, die ohne jegliche Bindemittel übereinandergeschlichtet wurden.[1]

Konstruktion und Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Apollontempel ist ein reines Trockenmauerwerk, das aus Natursteinen der Umgebung, ohne Zuhilfenahme von Mörtel oder anderen Bindemitteln, errichtet wurde. Die Konstruktionstechnik der Kuppel erinnert an eine Borie. Rohe Steine werden bündig aufeinandergelegt.

Der Innendurchmesser dieses Tempels beträgt 3,5 Meter. Auf der Spitze der Kuppel wurde ein Thron errichtet. Die Kuppel erreicht außen eine Höhe von 4,5 Metern, während der linke und rechte Turm jeweils 6 Meter in die Höhe ragen. Von der äußeren linken Turmseite bis zur äußeren rechten Turmseite erstreckt sich eine Tempelbreite von 8 Metern. An der Front befindet sich ein Treppenportal, dessen Durchgang eine Höhe von 1,3 Meter und eine Breite von 0,9 Meter misst und an einen Steg anschließt, der in den Hundstalsee mündet. Der Tempel wird an der Rückseite von einer Lawinenmauer geschützt. Das Gesamtgewicht des Apollontempels soll geschätzte 350 Tonnen betragen.

Bauzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des langen Anmarsches, der teils schwierigen Witterungsbedingungen und des Umstands, dass nur an ca. 30 bis 40 Tagen im Jahr gebaut werden konnte, dauerte die Fertigstellung des Tempels 20 Jahre.

  • Baubeginn: August 1986
  • Fertigstellung: August 2006
  • Eröffnung: September 2007

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Künstler Robert Tribus und Heinz Triendl folgten der Frage, was sie schaffen könnten, das der Nachwelt auch erhalten bliebe. – Etwas aus Steinen. Dabei dachten sie als Allererstes an Land Art im Gebirge. Robert Tribus, ein Kenner der griechischen Mythologie, sowie Heinz Triendl, der einen mystischen Ort, den Hundstalsee, kannte, beschlossen, zu Ehren Apollons, dem Gott der Künste, einen Tempel zu errichten. Er müsste so archaisch wie möglich sein, also ohne technische Hilfsmittel und ohne Mörtel und dergleichen (Siehe Konstruktion und Daten). Heinz Triendl skizzierte den ersten Plan, und nach einiger Zeit folgten maßstabgetreue Skizzen des Tempels, die auch für die Baubehörden benötigt wurden. Etwa ein Jahr vor Baubeginn errichtete das Duo auf derselben Stelle, an der sich der Tempel nun befindet, ein Schneemodell mit etwa drei Metern Höhe.

Am 8. August 1986 gingen sie zum Hundstalsee im Roßkogelgebiet nahe der Gemeinde Oberperfuss in Tirol auf 2289 m Seehöhe, zogen mit einer Wäscheleine einen Radius und begannen zu bauen. Ca. einen Monat später wurde eine Anzeige wegen Schwarzbaus erstattet und verfügt, dieses Bauwerk wieder abzutragen und das Gelände in den Urzustand zu bringen. 1988 wurde eine Bauverhandlung vor Ort anberaumt und eine Ausnahmebewilligung des Tiroler Natur- und Umweltschutzes für fünf Jahre erteilt. Während der zwanzigjährigen Bauzeit des Tempels wurden weitere zahlreiche Abbruchbescheide von Seiten der österreichischen Bundesregierung/Bundesforste gefordert (1988, 1992, 1996, 1998 und 2002).

Nachdem mehrere Gerichtsverhandlungen und die daraus resultierenden Abbruchbescheide, sowie zahlreiche Strafzahlungen in beträchtlichen Höhen, die Künstler in ein Eck zu zwängen schienen, verfassten die Erbauer 1990 das so genannte Apollinische Manifest, mit dem sie namhafte Künstler zu einer schriftlichen Solidaritätsbezeugung animieren konnten. Ebenfalls im Jahr 1990 konnten die beiden Künstler die notwendigen Abgeordneten der österreichischen Bundesregierung zu einer parlamentarischen Anfrage an den damaligen Landwirtschaftsminister bewegen, wobei dieser sich 1991 für die Erhaltung dieses Natursteinkunstwerkes öffentlich aussprach, dies jedoch 1992 in einer Gerichtsverhandlung revidierte. Aufgrund dessen riefen die Erbauer im selben Jahr zu einer erneuten Solidaritätskundgebung, diesmal vor dem Goldenen Dachl in Innsbruck, auf, der am Vortag ein neunstündiger Sitzstreik vor dem ORF-Zentrum in Innsbruck vorausgegangen war. Bei einer zweiten Parlamentsanfrage 1992 an denselben Minister sprach sich dieser erneut für eine Erhaltung des Kunstwerkes aus, jedoch mit der Vorgabe, dass eine neuerliche Ausnahmebewilligung des Natur- und Umweltschutzes einzuholen sei. Diese konnte jedoch auf Grund einer Gesetzesänderung nicht mehr erteilt werden, da dafür die Baugenehmigung des Grundeigentümers (Republik Österreich) vonnöten gewesen wäre.

Im Jahr 1997 beschlossen die Künstler, den Innenraum des Tempels mit Steinen aufzufüllen, damit der Begriff Bauwerk umgangen werden konnte, doch das Bauwerk wurde durch die Bundesforste in „eine Anlage mit fragmentarischen Teilen eines Apollontempels“ umdeklariert und somit erneut bewilligungspflichtig gemacht. Im Jahr 2002 wandten sich die Tempelbauer an den neuen Jagdpächter, ebenfalls ein Künstler, der sich positiv dafür aussprach und versicherte, Wege zur Erhaltung dieses Kunstwerkes einzuleiten. Im Jahr 2004 wurde trotz Bauverbotes der Schlussstein an der Kuppel gesetzt, und ein Jahr später beschlossen sie, den verschlossenen Eingang zu öffnen und die Steine aus dem Innenraum zu entfernen, die für einen Steg in den Hundstalersee verwendet wurden. 2005 wurde im Innenraum ein Steinboden gelegt und auf der Kuppel ein Thron gebaut. Im selben Jahr wurden außen vor dem Kunstwerk Bodenplatten gelegt.

Als offizielles Fertigstellungsjahr am Tempel selbst wurde das Jahr 2006 angegeben, die Fertigstellungszeremonie wurde 2007 zelebriert, wobei bis heute immer noch an einem Säulengang zum Tempel gebaut wird. Sieben Steinmänner werden den Weg zum Apollontempel flankieren. Sie symbolisieren die sieben Weisen aus der griechischen Mythologie.

Im Jahr 2009 traten die österreichischen Bundesforste an die Künstler heran, um diesem langjährigen Streit ein Ende zu setzen. Sie erteilten den Erbauern eine Nutzungsgenehmigung auf unbestimmte Zeit, und somit darf dieses Natursteinkunstwerk nach beinah 22-jährigen Auseinandersetzungen auf legale Weise bestehen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tirol-KURIER vom Dezember 1988 schreibt wie folgt: „Wie der Tirol-KURIER berichtete, plant Triendl mit seinen Freunden ein „Natursteindenkmal“, das zu einer stillen Betrachtung verleiten soll. Die Tiroler Naturschutzbehörde hatte keinerlei Einwände. Den Österreichischen Bundesforsten waren die „Aktionen“ in der Bergwelt immer ein Dorn im Auge gewesen: Mehrfach hatten sie die „Einstellung der Bauarbeiten“ gefordert, zumal auch der Jagdpächter „Gefahr der Abwanderung der Gemsen“ gewittert hatte. Der älplerische Apollo-Tempel hat in der Zwischenzeit zu einer Internationalen Aktion geführt: Gegen die Kunstfeindlichkeit und den Abbruch der Arbeiten haben sich mittlerweile hunderte von Personen in einer Unterschriftenaktion ausgesprochen. Auch der Innsbrucker Ex-Minister und Verfassungsrechtler Hans Klecatsky unterstützt die Künstlergruppe: „Im Rahmen des freien Wegerechtes ist das Übereinanderhäufen von Natursteinen aus der Umgebung sicher keine Handlung, die den Besitz der Republik beeinträchtigt.“ Ein entsprechendes Gutachten soll deshalb helfen, die Entscheidung des Bezirksgerichtes anzufechten. Das Landesgericht wird sich nun nicht mehr nur mit Reh und Gams auseinanderzusetzen haben“. Quelle: Tribus Robert – Private Sammlung von Zeitungsartikeln

Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Apollontempel am Hundstalsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geheimnisvolles Tirol – Mystisches, Magisches und Mysteriöses von Siegfried Weger und Reinhard Hölzl; 2007 by Löwenzahnverlag/Innsbruck, ISBN 978-3-7066-2401-5
  • Mythos und Kult in den Alpen von Hans Haid 2002 by Rosenheimer Verlagshaus/Rosenheim, ISBN 3-475-53132-1
  • Tiroler Gaismairkalender 1992 [2]
  • Subkulturzeitschrift „artefact“ Sonderausgabe 2006
  • Literaturzeitschrift „Gegenwart“ Jänner 1991

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kunstkollektiv Oberperfuss/Apollontempel/Geschichte
  2. Austrian Literature Online

Koordinaten: 47° 13′ 19″ N, 11° 8′ 12″ O