Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft

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AWG-Wohnungen in Brandenburg, 1959
Wohnblock der AWG „Aufbau“ Apolda, errichtet 1955

Eine Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (abgekürzt AWG) war in der DDR der Zusammenschluss von Beschäftigten in Betrieben und Institutionen zu einer sozialistischen Genossenschaft, mit dem Zweck der Errichtung, Erhaltung und Verwaltung von Wohnungen als genossenschaftliches Eigentum. Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften wurden u.a. mit zinslosen Krediten staatlich gefördert. Die Mitglieder erbrachten Arbeitsleistungen und erwarben Genossenschaftsanteile.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genossenschaftsbauten von 1909 in Apolda
Mamos-Modellbausatz um 1970.

Bereits in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bemühten sich Gewerkschafter und Sozialdemokraten um die Verbesserung der Wohnverhältnisse der Arbeiterfamilien. Es bildeten sich in größeren und kleineren Städten des Deutschen Reiches Wohnungsbaugenossenschaften, die durch Anlegen von Spargroschen zahlreicher Mitglieder die Startsumme zum Bau von Arbeiterwohnungen zusammenbrachten. Durch Unterstützung von SPD-Bürgermeistern oder wenigstens starken SPD-Fraktionen in den jeweiligen Stadträten, durch die Aufnahme von Krediten und Gewährung von Subventionen konnten erste Projekte realisiert werden.

Nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Protesten im Juni 1953 wurde auf Beschluss des Ministerrats der DDR vom 10. Dezember 1953 die „Verordnung über die weitere Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter und der Rechte der Gewerkschaften“ über die Zulassung der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften als freiwilliger Zusammenschluss von Arbeitern, Angestellten und Angehörigen der Intelligenz zum genossenschaftlichen Bau und Erhalt von Wohnungen erlassen.[1][2]

Der Staat unterstützte die Genossenschaften durch unentgeltliche Bereitstellung von Bauland, Übernahme der Erschließungsarbeiten und zinslose Kredite in Höhe von bis zu 85 % der Baukosten. Die Verteilung der Wohnungen erfolgte differenziert nach Familiengröße, Reihenfolge des Eintritts, Wohnsituation und persönlichen Erfordernissen der Mitglieder, aber auch nach deren Leistungen am Arbeitsplatz und dessen gesellschaftliche Mitarbeit.[3] Da die AWG zumeist nach Betriebseinheiten organisiert und formiert waren, bestand ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Arbeitsplatz und Erhalt einer Wohnung.

1988 gab es in der DDR etwa eine Million AWG-Wohnungen. 1990 wurden die AWG-Statuten dem Genossenschaftsrecht der Bundesrepublik angepasst, die Genossenschaften blieben erhalten. Die tatsächlich vor 1990 errichteten Gebäude werden seither als Altneubau geführt. Einige in Wikipedia behandelte AWG mit ihrer Geschichte sind Wohnungsbaugenossenschaft „Glück Auf“ Gera, Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“ Strausberg, Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 50 Jahre - Entwicklung zur Wohnungsgenossenschaft Treptow-Süd eG. Prolog. www.wg-treptow-sued.de, 2007, abgerufen am 25. Juni 2016: „Diese Verordnung und die analoge Verordnung des Magistrats von Groß-Berlin vom 6.1.1954 schufen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Bildung von Arbeiter-Wohnungsbaugenossenschaften (AWG) und ihre umfassende staatliche Förderung. Bereits im März und April 1954 folgten weitere Gesetze und Durchführungsbestimmungen, so z. B. die „Verordnung über die Finanzierung des Arbeiterwohnungsbaues“ vom 4. März 1954 und die „Bekanntmachung des Musterstatuts für eine Arbeiter-Wohnungsbaugenossenschaft“.“
  2. InBöter, KUNDENZEITSCHRIFT DER STADTWERKE ROSTOCK AG. 50 Jahre Wohnungsgenossenschaften in Rostock. www.swrag.de, Juni 2004, abgerufen am 20. Juni 2016: „Die Proteste vom Juni 1953 und die allgemeine Unzufriedenheit bewirkten, dass eine gesetzliche Regelung getroffen wurde für den genossenschaftlichen Wohnungsbau auf der Basis von Trägerbetrieben.“
  3. Verordnung über die Wohnungsbaugenossenschaften vom 21. November 1963, GBl. II. 1964, Seite 17