Archiv für Sozialgeschichte

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Archiv für Sozialgeschichte
Beschreibung Fachzeitschrift
Fachgebiet Geschichte
Sprache Deutsch
Verlag Verlag J.H.W. Dietz (Deutschland)
Erstausgabe 1961
Erscheinungsweise einmal jährlich
Herausgeber Beatrix Bouvier, Anja Kruke, Friedrich Lenger, Ute Planert, Dietmar Süß, Meik Woyke (Schriftleitung), Benjamin Ziemann
Weblink www.fes.de/afs
ISSN 0066-6506


Das Archiv für Sozialgeschichte (AfS) ist eine seit 1961 erscheinende geschichtswissenschaftliche Fachzeitschrift. Anfangs konzentrierte sie sich auf die deutsche Arbeiterbewegung. Heute versteht sich die Zeitschrift der neueren Gesellschaftsgeschichte Deutschlands, Europas und Nordamerikas verpflichtet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Archiv für Sozialgeschichte (AfS) ist eine seit 1961 erscheinende geschichtswissenschaftliche Fachzeitschrift. Sie wird von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegeben und im Verlag J.H.W. Dietz Nachf. veröffentlicht. An der Herausgabe beteiligt war zwischen 1974 und 2004 auch das Institut für Sozialgeschichte Braunschweig-Bonn.

Anfangs konzentrierte sich das AfS auf die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Heute ist die Zeitschrift der neueren Gesellschaftsgeschichte Deutschlands, Europas und Nordamerikas verpflichtet und behandelt sozialgeschichtliche Themen, die oftmals einen aktuellen gesellschaftspolitischen Bezug haben. Sie greift zudem immer wieder Trends und Entwicklungen der Geschichtswissenschaft auf, beispielsweise die Oral History oder die Mikrogeschichte.

Die Jahresbände des Archivs für Sozialgeschichte sind bis auf die jeweils letzten drei Jahrgänge online im Volltext zugänglich. Auch der umfangreiche Rezensionsteil der Zeitschrift wurde komplett retrodigitalisiert.

Anfangsjahre[Bearbeiten]

Ende der 1950er-Jahre entwickelte Georg Eckert die Idee einer geschichtswissenschaftlichen Zeitschrift, die sich mit der deutschen Arbeiterbewegung befassen sollte. Durch die Einschränkung der Wissenschaft unter dem NS-Regime und während des Zweiten Weltkriegs war die deutsche Forschungslandschaft geschwächt worden und es mangelte an Fachzeitschriften. Die 1911 gegründete Zeitschrift Archiv für Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung beziehungsweise ihr ab 1932 erscheinender Nachfolger Zeitschrift für Sozialforschung, der bis 1941 herauskam, dienten Eckert dabei als Vorbild. Er wollte mit der Geschichte der Arbeiterbewegung zur Demokratisierung beitragen und insbesondere junge Wissenschaftler zu mündigen Bürgern erziehen. Als weiteres Kernthema plante er, die unterschiedlichen Auswirkungen der Industriellen Revolution zu behandeln. Doch auch andere in Deutschland weitgehend unerforschte Bereiche, wie die Arbeiterbewegung außerhalb Europas, wollte Eckert in seiner Zeitschrift aufgreifen und damit neue Ansätze für die Geschichtswissenschaft liefern. Außerdem sah er vor, nicht nur wissenschaftliche Artikel, sondern auch amtliche, organisationsgeschichtliche und biografische Dokumente zu veröffentlichen, um so der Fachwelt nach und nach Zugang zu ansonsten aufgrund von Kriegsschäden nur schwer zugänglichen Quellen zu verschaffen.

Auf der Suche nach einem Kooperationspartner wandte sich Eckert an die Friedrich-Ebert-Stiftung. Die in der Tradition der sozialdemokratischen Bewegung stehende politische Stiftung erschien ihm als die passende Institution für eine Zeitschrift über die Arbeiterbewegung. Zudem pflegte Eckert enge persönliche Kontakte zu Günter Grunwald, dem damaligen Geschäftsführer der FES. Auch für ihn versprach die als Jahrbuch konzipierte Fachzeitschrift lohnende Auswirkungen: Grunwald wollte verhindern, dass die Geschichte der Arbeiterbewegung durch die Regierung und die thematisch einschlägigen Forschungsinstitute der DDR allein in marxistischen Zusammenhängen gedeutet wurde, es ging also vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs auch um Deutungshoheit.

1961 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift als "Jahrbuch" - so der Untertitel -, herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Nach wenigen Jahren wurde das Archiv für Sozialgeschichte bereits in der Fachwelt aufgrund seiner vielfältigen Darstellungen und wissenschaftlichen Ansätze gelobt. Bis dato wurden in der Geschichtswissenschaft meist klassisch Politikgeschichte betrieben. Die neue Zeitschrift setzte dagegen einen Impuls, neue Forschungsfelder und Themenkomplexe zu betrachten, was dankbar aufgenommen wurde.

Struktur seit 1970[Bearbeiten]

Im Jahr 1970 wurde die Redaktion vergrößert. Hinzu kamen Kurt Klotzbach und Dieter Dowe. Danach erweiterte sich auch die inhaltliche Ausrichtung. Seither beschäftigte sich das Jahrbuch mit der sozialen Emanzipationsbewegung seit dem Beginn der industriellen Entwicklung. Wichtiger als früher wurden sozial- und strukturgeschichtliche Ansätze und Themen. Dabei dominierte zunächst die Zeit des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Die einzelnen Jahresbände stehen seither unter einem Oberthema und fassen entsprechende Beiträge zusammen.

Von großer Bedeutung ist der breit angelegte Rezensionsteil. Dieser berücksichtigt alle Bereiche der Sozialgeschichte. Die Rezensionen behandeln Einzelwerke, es gibt aber auch Sammelrezensionen und Forschungsberichte.

Jeder Band hat etwa 800 Seiten, davon entfällt etwa die Hälfte auf den umfangreichen Rezensionsteil. Dieser wird seit dem Jahr 2000 online veröffentlicht. Umfangreiche Bibliographien oder Quellensammlungen gibt es in den Jahresbänden nicht mehr. Stattdessen gibt es seit 1974 Beihefte. Einige davon erreichen selbst einen Umfang von etwa 1000 Seiten. Dort erscheinen Quelleneditionen mit Dokumenten zur Geschichte der Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung sowie zur Zeitgeschichte. Auch von den Beiheften erscheint meist ein Band im Jahr.

Seit den 1990er-Jahren trat immer mehr die Zeit nach 1945 in den Vordergrund, wobei je nach Rahmenthema auch die Entwicklung bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt wird. Dabei wird die Sozialgeschichte in Deutschland bereits seit den 1970er-Jahren stark in die internationale Entwicklung eingebettet.

Methodisch hat die AfS versucht für verschiedene theoretische Ansätze offen zu sein. Dennoch waren lange Zeit Ansätze der politischen Gesellschaftsgeschichte, wie sie etwa die Bielefelder Schule vertrat, stark vertreten. Kritisiert wurde jedoch die teilweise nicht ausreichende Berücksichtigung der politischen Dimension. Später schlugen sich auch geschichtswissenschaftliche Tendenzen wie die Alltagsgeschichte, Oral History oder der linguistic turn in der Zeitschrift nieder.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]