Arteria choroidea anterior

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Die Arteria choroidea anterior (AChA) ist eine paarig angelegte Schlagader. Es handelt sich meist um einen Gefäßast der linken beziehungsweise der rechten Arteria carotis interna. Sehr selten, in weniger als 1 Prozent der Fälle,[1] entspringt die Arteria choroidea anterior auch aus dem M1-Segment der mittleren Hirnarterie (Arteria cerebri media) oder aus der Arteria communicans posterior.[2]

Versorgungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgebend ist der Plexus choroideus im Seitenventrikel, den die Arterie mit Blut versorgt. Darüber hinaus versorgt die Arterie die hintere Hälfte des hinteren Schenkels der inneren Kapsel (Capsula interna) einschließlich der Seh- und Hörstrahlung, mediale Anteile des Globus pallidus, den Tractus opticus, den Schwanz des Nucleus caudatus (Cauda nuclei caudati), den im Temporallappen gelegenen Uncus, posteriomediale Anteile des Mandelkerns (Corpus amygdaloideum), den vorderen Hippocampus, den Gyrus dentatus, die äußere Hälfte des Corpus geniculatum laterale und das mittlere Drittel der Großhirnschenkel (Crura cerebri). Umstritten ist, ob die Arteria choroidea anterior auch an der Versorgung des Thalamus beteiligt ist.[2]

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Verschluss der Arteria choroidea anterior verursacht einen ischämischen Schlaganfall. Es handelt sich meist um lakunäre Hirninfarkte aufgrund von mikroangiopathischen Veränderungen der Arterie. Andere mögliche Ursachen sind arterio-arterielle Embolien aus der Arteria carotis interna und kardiale Embolien.[2] Das Syndrom, das durch Verschlüsse der Arteria choridea anterior verursacht wird, ist variabel und kann auch asymptomatisch sein. Typisch sind eine motorische und/oder sensible Halbseitensymptomatik auf der Gegenseite der Läsion und eine homonyme Hemianopsie (halbseitiger Gesichtsfeldausfall, bei dem auf beiden Augen der Gesichtsfelddefekt auf der gleichen Seite ist) ebenfalls zur Gegenseite.[2][3] Darüber hinaus kann es zu Sprachstörungen (Aphasie) und kognitiven Störungen kommen.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. Bernd Ringelstein, Darius G. Nabavi: Der ischämische Schlaganfall. Eine praxisorientierte Darstellung von Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. W. Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-17018-853-2, S. 73.
  2. a b c d Robert Levy, Charles Duyckaerts, Jean-Jacques Hauw: Massive infarcts involving the territory of the anterior choroidal artery and cardioembolism. In: Stroke. Bd. 26, Nr. 4, April 1995, S. 609–613, PMID 7709407, doi:10.1161/01.STR.26.4.609.
  3. Mathias Bähr, Michael Frotscher: Duus' Neurologisch-topische Diagnostik. Anatomie, Funktion, Klinik. 8., komplett überarbeitete Auflage. Georg Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-535808-9, S. 466.
  4. Claudio L. Bassetti, Dirk M. Hermann: Klinische Symptome und Syndrome in der vaskulären Neurologie. In: Dirk M. Hermann, Thorsten Steiner, Hans-Christoph Diener (Hrsg.): Vaskuläre Neurologie. Zerebrale Ischämien, Hämorrhagien, Gefäßmissbildungen, Vaskulitiden und vaskuläre Demenz. Thieme, Stuttgart u. a. 2010, ISBN 978-3-13-146111-7, S. 20–21.