Au clair de la lune

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Au clair de la lune aus einem französischen Kinderbuch von 1910 (Vieilles Chansons pour les Petits Enfants: Avec Accompagnements, Buchautor: Charles-Marie Widor, Illustrator: Louis Maurice Boutet de Monvel) Play?/i

Au clair de la lune ist der Titel und der Beginn eines französischen Volks- und Kinderliedes aus dem 18. Jahrhundert. Der Autor des Liedtextes ist unbekannt, als Komponist wird in einigen Quellen Jean-Baptiste Lully genannt, was jedoch nicht belegt ist.

Melodie[Bearbeiten]

Partitur von Au clair de la lune.

Die Melodie ist sehr einfach und eingängig und verzichtet wie die meisten Volkslieder auf jede Modulation. Sie besteht aus vier rhythmisch identischen Zweitaktgruppen, deren dritte melodisch variiert ist und zur Dominante führt. Wegen ihrer kleinen Intervalle und des geringen Tonumfangs ist sie einfach zu singen und auf Instrumenten zu spielen und wird daher gelegentlich im Instrumentalunterricht für Kinder verwendet.

Text[Bearbeiten]

Französischer Urtext[Bearbeiten]

Au clair de la lune, mon ami Pierrot
Prête-moi ta plume, pour écrire un mot.
Ma chandelle est morte, je n'ai plus de feu.
Ouvre-moi ta porte, pour l'amour de Dieu.
Au clair de la lune, Pierrot répondit :
« Je n'ai pas de plume, je suis dans mon lit.
Va chez la voisine, je crois qu'elle y est
Car dans sa cuisine, on bat le briquet. »
Au clair de la lune, l'aimable Lubin
Frappe chez la brune, elle répond soudain :
« Qui frappe de la sorte ? », il dit à son tour
« Ouvrez votre porte pour le Dieu d'Amour. »
Au clair de la lune, on n'y voit qu'un peu.
On chercha la plume, on chercha du feu.
En cherchant d'la sorte je n'sais c'qu'on trouva.
Mais je sais qu'la porte sur eux se ferma.

Deutsche Prosaübersetzung[Bearbeiten]

Im Mondschein, mein Freund Pierrot,
Leih mir deine Feder, um ein Wort zu schreiben.
Meine Kerze ist erloschen, ich habe kein Licht mehr;
Öffne mir deine Tür, um der Liebe Gottes willen.
Im Mondlicht antwortete Pierrot:
"Ich habe keine Feder, ich bin in meinem Bett,
Geh zur Nachbarin, ich glaube, sie ist da,
Denn in ihrer Küche macht jemand Feuer."
Im Mondlicht klopft der freundliche Lubin
An die Tür der Brünetten, sie antwortet unvermittelt
"Wer klopft auf diese Weise?" Er sagt seinerseits:
"Öffnen Sie Ihre Tür für den Gott der Liebe."
Im Mondlicht sieht man nur wenig.
Man suchte die Feder, man suchte Feuer,
Bei solch einem Suchen weiß ich nicht, was man fand.
Aber ich weiß, dass sich die Tür hinter ihnen schloss.

Erläuterungen[Bearbeiten]

Es gibt einige Textvarianten des Liedes.

Der Originaltext der zweiten Zeile der ersten Strophe lautete ursprünglich wohl Prête-moi ta lume (lume = lumière), also „Leih mir dein Licht“, statt plume (Schreibfeder), was in dieser Form mehr dem Sinn des gesamten Liedes entspräche.[1]

In der der dritten Strophe findet sich anstatt Lubin auch Arlequin (Harlekin): Au clair de la lune s'en fut Arlequin / Tenter la fortune au logis voisin.[2]

Pierrot ist zum einen das Diminutiv von Pierre (Peter), aber auch eine umgangssprachliche Bezeichnung für den Spatz oder Sperling sowie der Name des Hanswurstes im italienischen Lustspiel.[3]

Pierrot und Harlekin sind Nebenbuhler in Liebesdingen in der italienischen Commedia dell’arte. Ersterer hat stets ein weißgepudertes Gesicht und trägt ein weißes, weites Gewand, letzterer eine Halbmaske und eine vielfarbige, enge Kleidung.

Mit Ausdrücken wie Lubin (moralisch verkommener Mönch),[4] chandelle (Kerze), battre le briquet (das Feuerzeug anzünden/das Feuer entfachen), dieu d'amour (Gott der Liebe/Liebesgott) oder der Metapher der sich schließenden Tür macht die Originalversion des Liedes zahlreiche sexuelle Anspielungen, die nicht unbedingt für ein Kinderlied geeignet scheinen.

Bemerkungen[Bearbeiten]

Muzio Clementi verwendete die Melodie als Thema in seiner "Fantasia con Variazioni über ‚Au clair de la lune'" Op. 48.

Eine von Édouard-Léon Scott de Martinville 1860 mit einem Phonautographen erstellte Aufnahme des Liedes konnte 2008 digital rekonstruiert und wieder hörbar gemacht werden. Diese gilt als älteste Tonaufnahme der Welt, 17 Jahre bevor Thomas Alva Edison das Patent für seinen Phonographen erhielt.[5]

Hörbeispiel[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Veränderung von lume zu plume vgl. Victor Proetz: The astonishment of words. An experiment in the comparison of languages. Austin: University Texas Press, 1971, S. 4; William Rose Benét: The Reader's Encyclopedia. New York: Crowell, 1955, S. 58.
  2. Vgl. Mémoires de l'Académie royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Belgique, Classe des lettres et des sciences morales et politiques 22 (1926), hier S. 53; [Anonym.]: Commentaire sur la chanson Au Clair de la Lune. In: Annulaire agathopédique et saucial. Cycle IV. Brüssel: Labroue, [1849], S. 93-99, hier S. 97.
  3. Vgl. Dictionnaire de l'Académie française. Wörterbuch der Französischen Academie mit deutscher Uebersetzung. Bd. 2. Grimma; Leipzig 1851, S. 504; Carl Wilhelm Theodor Schuster (Bearb.): Neues und vollständiges Wörterbuch der deutschen und französischen Sprache mit Rücksicht auf Begriffsbestimmung, Ursprung und Verwandtschaft der Wörter, unter Beifügung der bezeichnenden Beugefälle der Haupt- sowie der unregelmäßigen Formen aller Zeit-Wörter und mit besonderer Bezugnahme auf die in der Arzneikunde, den Naturwissenschaften, dem Handel u. s. w. üblichen Kunst- und Fach-Ausdrücke. Durchgesehen für das Französische von Adolphe Régnier. Französisch-Deutsch. Paris: Hingray; Leipzig: Weber, 1842, S. 708.
  4. Bei Lubin handelt es sich um einen alten französischen Taufnamen, der auf der germanischen Wurzel leub, liub (= lieb, geliebt) beruht. Der Name wurde populär durch den hl. Lubin (lat. Leobinus), Bischof von Chartres, der um 560 starb. Vgl. GeneaNet. Zur Bedeutung von lubin als scheinheiliger, verkommener Mönch vgl. Charles Esmangart; Éloi Johanneau (Hgg.): Œuvres de François Rabelais. Édition variorum, augmentée de pièces inédites, des songes drolatiques de pantagruel, ouvrage posthume, avec l'explication en regard ; des remarques de Le Duchat, de Bernier, de Le Motteux, de l'abbé de Marsy, de Voltaire, de Ginguené, etc. ; et d'un nouveau commentaire historique et philosophique. Bd. 1. Paris: Dalibon, 1823, S. 25-28, Anm. 46.
  5. Jody Rosen: Researchers Play Tune Recorded Before Edison. In: New York Times (27. März 2008); Forscher präsentieren älteste Tonaufnahme der Welt. In: SpiegelOnline (27. März 2008).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Au clair de la lune – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien