Ausbesserungswerk Offenburg

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Das Ausbesserungswerk Offenburg war eine Eisenbahnwerkstatt in Offenburg, die 1906 bis 1909 erbaut wurde und bis 1992 in Betrieb war. Es lag in der Nähe des Güterbahnhofes Offenburg. Es ersetzte die vorhandene Werkstätte von 1884 am Personenbahnhof, für die es keine Erweiterungsmöglichkeiten gab.[1]

Dampflok 44 404 zum Jubiläum 1984

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampflokausbesserung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1932 waren im damaligen Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) 432 Mitarbeiter beschäftigt.[2] Das RAW Karlsruhe-Durlach wurde dem RAW Offenburg als Ausbildungsabteilung unterstellt.[3] Bei der Neubildung des Werkstattbezirkes Stuttgart (GDW) im Jahre 1936 wurde das Ausbesserungswerk Stuttgart unterstellt.[4] In seiner Blütezeit (1952) waren hier 1.372 Arbeiter beschäftigt. Insgesamt wurden bis 1972 über 20.000 Dampflokomotiven ausgebessert, allein im Jahre 1952 waren es 490 Lokomotiven.

Nach Ende der planmäßigen Dampflokunterhaltung wurden zur Jubiläumsfeier 1985 150 Jahre Deutsche Eisenbahnen im Jahr 1984 noch einmal einige Dampflokomotiven wie die 50 622 und der historische „Adler“ des DB Museums aufgearbeitet.[5]

Die Zeit nach der Dampflokausbesserung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es entstand eine Spezialisierung auf den Bau von Schwerlastschienenkränen, Schneeräumfahrzeugen und anderen Bahndienstfahrzeugen, sowie Stahlkonstruktionen für Bahnhöfe. Hierbei entstanden große Bestandteile des Bahnhofs in Mannheim und München.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage- und Gleisplan der Gebäude

Die bekanntesten Gebäude entstanden von 1906 bis 1909. Diese Gebäude wurden im Stil der Gründerzeit errichtet. Beide großen Ausbesserungshallen besaßen Glasdächer, sodass die Gebäude von Tageslicht beleuchtet wurden.[6] Durch Kriegseinwirkungen in beiden Weltkriegen trugen die Gebäude des Aw nicht unerhebliche Schäden davon: So war das Ausbesserungswerk bereits während des Ersten Weltkrieges Ziel von strategischen Bombenangriffen der noch in den Kinderschuhen steckenden Luftwaffen der Entente, insbesondere im Jahr 1918, in dem das Elektrizitätswerk der Bahn einen direkten Treffer davontrug. Während des Zweiten Weltkrieges dann waren die Anlagen mehrfach das Ziel von Luftangriffen, von denen die schwersten am 6. September 1943 und am 27. November 1944 durch die USAAF geführt worden sind.[7]

Hundertjähriges Jubiläum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum hundertjährigen Jubiläum 1984 wurden viele Lokomotiven und Dienstfahrzeuge ausgestellt.

Brandstiftungen und Abriss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits am 11. Juni 2002 kam es auf dem nunmehr größtenteils sich selbst überlassenen Gelände des denkmalgeschützten Ausbesserungswerkes zu einem Brand im ehemaligen Werkstofflager.[8] Ein zweiter Brand am 23. Juni 2002 zerstörte die große Tenderrichthalle. Der Brand, genährt durch dort gelagerte 35.000 Reifen, entwickelte eine solche Hitze, dass die Träger der stählernen Dachkonstruktion der Hitze nicht widerstanden. Das Aw verlor durch den ebenfalls durch Brandstiftung verursachten Brand eines seiner prägenden Gebäude[9]. In der Folge wurden die meisten Gebäude des Ausbesserungswerkes Offenburg bis 2004 fast vollständig abgerissen und die umfangreichen Gleisanlagen entfernt, so dass heute nur noch einzelne Bauten von der einst ausgedehnten Anlage künden.[10]

Heutige Flächennutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fläche wurde zu einem Industrie- und Gewerbegebiet. U.a siedelten sich unmittelbar auf dem Gelände das Briefzentrum 77 der Deutschen Post AG sowie die Firma Burda mit einer neuen Druckerei an, darüber hinaus einige kleinere Firmen, teils noch in den alten Nebengebäuden. Das Gelände unterliegt auch 2018 noch einer kontinuierlichen Fortentwicklung, so unter anderem durch die Ansiedlung der Kronenbrauerei mit dem Brauwerk Baden[11] im Nordbereich des Geländes. Die das ehemalige Aw-Gelände erschließende Straße, die in Nord-Süd-Richtung verläuft, erinnert in ihrer Namensgebung "Beim Alten Ausbesserungswerk" an die einstmals bedeutsame Bahnanlage.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ausbesserungswerk Offenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.bahnstatistik.de/Aw/Aw_O.htm
  2. http://www.hs-merseburg.de/~nosske/EpocheII/dd/e2d_3702.html ausgelesen am 15. August 2013
  3. http://www.bahnstatistik.de/AnschriftAwRaw.htm ausgelesen am 15. August 2013
  4. http://www.bahnstatistik.de/Direktionen/BD_Stuttgart.htm ausgelesen am 15. August 2013
  5. http://www.eaw-offenburg.schiene-regional.de/aw_frs3.htm ausgelesen am 14. August 2013
  6. http://www.eaw-offenburg.schiene-regional.de/aw010705.htm ausgelesen am 31. August 2013
  7. Peter Nath: Luftkriegsoperationen gegen die Stadt Offenburg im Ersten und Zweiten Weltkrieg. In: Die Ortenau. 1990, S. 574–659.
  8. https://www.bo.de/lokales/offenburg/brand-koennte-ein-signal-sein
  9. https://www.bo.de/lokales/offenburg/skandaloes-und-fahrlaessig
  10. https://www.offenburg.de/html/ehemaliges_ausbesserungswerk.html
  11. https://www.bo.de/lokales/offenburg/ab-samstag-fliesst-im-brauwerk-baden-das-bier

Koordinaten: 48° 28′ 55,4″ N, 7° 57′ 11,8″ O