Aussteuerung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Aussteuerungsanzeige des Kassettendecks Denon DR-M 11 aus den 1980er Jahren

Aussteuerung wird in der Tontechnik die Einstellung des elektrischen Signalpegels in einem nachrichtentechnischen Übertragungskanal mit festem Dynamikumfang genannt.

Die Grenzen des Dynamikbereichs eines solchen Übertragungskanals sind bei hohem Pegel durch das Auftreten hoher nichtlinearer Verzerrungen gegeben und bei niedrigem Pegel durch den im Kanal selbst vorhandenen Störpegel. Eine technisch optimale Aussteuerung ist also ein Kompromiss zwischen möglichst großem Störpegelabstand und noch akzeptablen nichtlinearen Verzerrungen. Einfacher ausgedrückt darf die Aussteuerung weder zu hoch sein, weil dann die lautesten Töne verzerrt werden, aber auch nicht zu niedrig, weil sonst die leiseren Töne vom Grundrauschen (etwa bei einer Tonbandaufnahme) überdeckt werden.

In der Rundfunk- und Fernsehtechnik wird zur Beschreibung der Höhe der Aussteuerung der Quasi-Spitzenpegel herangezogen. Bezogen wird auf einen betrieblich festgelegten Pegel, der als Vollaussteuerung definiert ist. Dieser Pegelwert soll, in analogen und analog/digital gemischten Signalketten, vom übertragenen Signal möglichst nicht überschritten werden. In digitalen Systemen wird die Aussteuerung zusätzlich mit einem Spitzenpegelmesser kontrolliert. Die maximale Aussteuerung ist hier identisch mit dem größtmöglichen Zahlenwert der übertragenen Datenwörter. Dieser Wert sollte weder bei der A/D-Wandlung noch in folgenden Bearbeitungsschritten überschritten werden (Clipping).

HiFi-Kassettendeck von Technics aus den 1970er Jahren mit VU-Metern

Ein anderer Aspekt ist es, aufeinanderfolgende Programmteile gleichen Quasi-Spitzenpegels aber unterschiedlichen Inhalts (z. B. Musik und Sprache; hier darf die Musik keinesfalls so hoch ausgesteuert werden wie die Sprache, vielmehr ist ein Musikpegel von −6 dB [50 %] gegenüber der voll ausgesteuerten Sprache anzustreben) im Pegel so zu verändern, dass ein ausgewogener Lautheitsverlauf erzielt wird. Dieses steht meistens im Widerspruch zur Forderung nach technisch optimaler Aussteuerung: Da ein Anheben des Pegels zum Lautheitsausgleich wegen der Gefahr der Übersteuerung nicht erlaubt ist, können nur die zu lauten Programmteile durch Untersteuerung (bezogen auf Vollaussteuerung) in Richtung geringere Lautheit angeglichen werden.

Ein dritter Aspekt der Aussteuerung ist die Aufgabe eines Toningenieurs, ein Schallereignis mit großem Dynamikumfang in der Dynamik einzuengen. Der Signalpegel, der von lauten Schallereignissen herrührt, muss dazu durch einen Pegelsteller (Fader) verringert werden, während der Signalpegel besonders leiser Schallereignisse angehoben werden muss, um genügend Abstand zum Störpegel zu erlangen. Es ist dabei aber nicht allein eine Anpassung an den Dynamikumfang des elektrischen Übertragungskanals vorzunehmen, sondern auch die Abhörbedingungen der Hörer zu berücksichtigen, die meistens nur bestimmte maximale Abhörlautstärke einstellen dürfen, insbesondere die Zimmerlautstärke, andererseits aber etwa pianissimo-Passagen von Musikwerken trotz der i. d. R. vorhandenen Umgebungsgeräusche am Abhörplatz erkennen möchten. Zum Teil erfolgt diese Regelung (jedoch nicht immer mit hinreichender Präzision) durch besondere, automatisch arbeitende Geräte im Sendeweg von Rundfunkanstalten („AGC“).

Zur Anzeige der Aussteuerung werden spezielle elektrische Geräte, sogenannte Aussteuerungsmesser, verwendet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Dickreiter, Volker Dittel, Wolfgang Hoeg, Martin Wöhr (Hrsg.), "Handbuch der Tonstudiotechnik", 8., überarbeitete und erweiterte Auflage, 2 Bände, Verlag: Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2014, ISBN 978-3-11-028978-7 oder e-ISBN 978-3-11-031650-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]