Bückeberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Bückeberg im Landkreis Schaumburg. Für den Bückeberg im Landkreis Hameln-Pyrmont, siehe Bückeberg (Hagenohsen). Einen Bückeberg gibt es auch noch auf dem Gebiet der Stadt Eschwege und bei Gernrode am Harz.
Bückeberg / Bückeberge
Lage des Bückebergs in Deutschland

Lage des Bückebergs in Deutschland

Höchster Gipfel Diebische Ecke (375 m ü. NHN)
Lage zwischen Bad Eilsen und Bad Nenndorf; Landkreis Schaumburg; Niedersachsen (Deutschland)
Niedersächsisches Bergland Calenberger Bergland
Koordinaten 52° 16′ N, 9° 13′ OKoordinaten: 52° 16′ N, 9° 13′ O
Gestein Kalkstein, Sandstein, Schieferton, Steinkohle
f1
p5

Der Bückeberg (auch die Bückeberge genannt) zwischen Bad Eilsen und Bad Nenndorf im niedersächsischen Landkreis Schaumburg ist ein bis 375 m ü. NHN[1] Höhenzug des Calenberger Berglands, einem Teil des Weserberglands.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bückeberg liegt im Norden des Naturparks Weserbergland Schaumburg-Hameln zwischen den Höhenzügen Harrl im Westen und Deister im Osten. Er befindet sich zwischen den Ortschaften Stadthagen im Norden, Bad Nenndorf im Nordosten, Lauenau im Osten, Rehren im Süden, Bad Eilsen im Südwesten und Bückeburg (etwas entfernt) und Obernkirchen im Westen.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bückeberg bildet (zusammen mit dem Höhenzug Harrl) in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Weser-Leine-Bergland (Nr. 37), in der Haupteinheit Calenberger Bergland (378) und in der Untereinheit Bückebergland (378.0) den Naturraum Bückeberge (mit Harrl) (378.00).

Die Landschaft vom Hauptteil des Bückebergs fällt nach Nordosten über Südosten bis Südwesten in die Naturräume Rodenberge (378.01), Reinsdorfer Hügelland (378.04) und Kathrinhagener Hochbecken (378.03) ab sowie beim Harrl nach Süden und Westen in den Naturraum Kleinenbremener Becken (378.02). Nach Norden fällt sie vom Hauptteil in die Untereinheit Stadthagener Lößhang (522.3) ab und vom Harrl in die Untereinheit Bückeburger Lößhügelland (522.1), die beide in der Haupteinheitengruppe Niedersächsische Börden (52) zur Haupteinheit Bückebergvorland (522) gehören.[2]

Topographie und Ausdehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physische Karte des Bückebergs (Bückeberge)

Der von Südwesten nach Nordosten verlaufende etwa 20 km lange Kamm, der auf 200 m bis etwa 375 m Höhe liegt, hat nur wenige Erhebungen, wie den Bückeberg (ca. 375 m), östlich der Einmündung des Wegs Eulenburg, und den Großen Karl (301,7 m) bei Reinsdorf. Hier knickt der Verlauf nach Norden ab und endet mit den Vorbergen Münchhausener Berg und Heisterberg bei Beckedorf. Während am flachen Nordhang bereits die Norddeutsche Tiefebene beginnt, liegt am eher steilen Südhang das Auetal, durch das die Bundesautobahn 2 verläuft.

Berge und Erhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Bergen und Erhebungen des Bückebergs gehören − sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN):

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den zahlreichen den Bückeberg entwässernden Bächen, von denen einige nur in der kalten Jahreszeit Wasser führen und von der Bückeburger Aue und der Rodenberger Aue aufgenommen werden, gehören:

  • Hühnerbach
  • Kalterbach
  • Krebshäger Bach
  • Flothbach
  • Bornau
  • Vornhäger Bach
  • Hessbach
  • Flahbach
  • Salzbach
  • Riesbach
  • Tiefersicksbeeke

Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Ortschaften im und am Bückeberg gehören:

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kamm des Bückebergs besteht aus festem, hellem Sandstein, dem Obernkirchener Sandstein. Er gehört zu den besten Sandsteinen Europas. Wegen seiner Verschiffung auf der Weser bis nach Bremen ist er wegen des Umschlagortes Bremen unter dem Namen Bremer Sandstein international bekannt. Der westliche Bückeberg enthält Schieferton und Steinkohle, die hier früher auch abgebaut wurde. Im südöstlichen Bereich liegen Jura-Kalke mit Salzeinlagerungen. Hier entstehen die Solequellen bei Soldorf, die in Bad Nenndorf für Bäder genutzt werden.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bückeberg trägt Buchen-Fichtenmischwald, in dem es viele andere Baumarten gibt wie Douglasie, Birke, Ahorn und Hainbuche. Darüber hinaus findet man noch zahlreiche Pflanzenarten wie Märzenbecher, Seidelbast, Besenginster und verschiedene Farne und Pilze.

Der Bückeberg beherbergt Rehwild, Europäische Mufflons und Schwarzwild. Selten zeigen sich Schleiereule, Turmfalke, Gabelweihe, Uhu, Baummarder und Steinmarder.

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den im Westen befindlichen Heeßer Bergen, dem vom Steinberg in Richtung Westen und Südwesten abfallenden Bückeberghang, liegt das Naturschutzgebiet (NSG) Teufelsbad (CDDA-Nr. 82697; 1975 ausgewiesen; 60 ha groß) mit dortigem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Teufelsbad (FFH-Nr. 3720-331; 66 ha). Zwischen Borsteler Hude und der Borsteler Siedlung Rolfshagen befindet sich das NSG Alte Tongrube Borstel (CDDA-Nr. 81268; 1983; 5 ha). Bei Liekwegen liegt das NSG Alter Steinbruch Liekwegen (CDDA-Nr. 555514022; 2010; 22 ha). Auf dem Hauptteil des Höhenzugs befindet sich das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Bückeberge (CDDA-Nr. 320154; 1985; 49,72 km²) und auf dem Harrl das LSG Harrl (CDDA-Nr. 321393; 1974; 3,80 km²). Zwischen beiden LSGs erstreckt sich bei Bad Eilsen in Nord-Süd-Richtung das LSG Auetal (CDDA-Nr. 319699; 1992; 9,9972 km²).[4]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ressourcen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Forstwirtschaft nimmt der Gesteinsabbau im Bereich des Bückebergs eine wichtige Stellung ein. Dortiger Obernkirchener Sandstein wurde für viele bekannte Bauten verwendet, wie dem Kölner Dom, die Rathäuser in Bremen und Antwerpen sowie die Börse im norwegischen Bergen. Über Jahrhunderte wurde im Bückeberg auch Kohle abgebaut.

Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer 361,3 m hohen Erhebung des Bückebergs liegt das Gelände einer ehemaligen Flugabwehr-Raketenstation der NATO. Es befindet sich nordwestlich oberhalb des Auetaler Ortsteils Altenhagen und südsüdöstlich oberhalb des Stadthagener Ortsteils Hörkamp im Grenzbereich zur Gemeinde Apelern, von deren Gebiet sich ein langgestreckter Zipfel südwestwärts von Reinsdorf zum einstigen Militärgelände zieht; vorbei führt der Kammweg. Das nach dem Truppenabzug niederländischer Soldaten verwahrloste Gelände ist weiträumig umzäunt und wird heute fast nur noch vom auf dem nahen Heeresflugplatz Bückeburg ansässigen Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum der Bundeswehr für Start- und Landeübungen von Hubschraubern benutzt.

Freizeitgestaltung und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt auf dem Bückeberg, neben vielen Wirtschaftswegen ohne Beschilderung, einige Wanderwege. Dazu gehören der Bückeberge Weg (Porta WestfalicaBückeburgHarrlBad Eilsen–Bückeberg–Beckedorf-Bad Nenndorf) und der Dachtelfeldweg (Stadthagen–Bückeberg–SüntelHessisch OldendorfRumbecker HöhenBösingfeld); vielerorts bieten sich Ausblicke, unter anderem in das Norddeutsche Tiefland. Auf dem Höhenzug befindet sich im Gemeindegebiet von Obernkirchen das Jugend-, Bildungs- und Freizeit-Centrum (JBFC), das Ende der 1970er Jahre aus einer Umwidmung der ehemaligen Steinhauer-Siedlung der Obernkirchener Sandsteinbrüche hervorgegangen ist. Auf den Sportanlagen des JBFC finden alljährlich das Jahn-Bergturnfest und das inzwischen eingegliederte Schaumburger Kinder- und Jugendturnfest statt. Das Bergturnfest hieß in seiner Anfangszeit ab 1935 Jahn-Erinnerungsturnen und löste den Lauf um den Bückeberg ab, der bis 1934 durchgeführt wurde. Der von 1935 bis Ende der 1970er Jahre genutzte Turnplatz in der Nähe des Jahn-Turmes existiert heute nicht mehr.[5] Im September 1989 fand im Bückeberg die Orientierungslaufmeisterschaft des damaligen Wehrbereichskommandos II der Bundeswehr statt.

Waldgaststätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Waldgaststätten im und am Bückeberg gehörten:

  • Gasthaus Walter, auf dem Bückeberg-Hochlagen nahe Obernkirchen beim Jugend-, Bildungs- und Freizeit-Centrum (JBFC) (von 1870 bis 1996 im Eigentum der Familie Walter; geschlossen)
  • Süße Mutter, am Nordwestrand von Auetal-Rolfshagen (am Abzweig der K 65 von der L 442; geschlossen seit 31. Dezember 2013)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fossilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Steinbrüchen des Bückebergs fand man zahlreiche Spuren von Dinosauriern. Im September 2008 wurde der Öffentlichkeit eine „Weltsensation“ der Paläontologie vorgestellt. In einem Steinbruch wurden Dinosaurierspuren unter anderem von Raptoren gefunden, die von großer wissenschaftlicher Bedeutung sind. Fünf Trittsiegel des Iguanodon sind heute in Bad Nenndorf neben dem Schlösschen zu besichtigen. Aber auch in Bückeburg, Obernkirchen und anderen Orten sind solche Siegel zu bewundern.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Hühnerbach bei Obernkirchen liegen die Reste einer alten Sachsenfestung, der Bückeburg (nicht verwechseln mit der Bückeburg im gleichnamigen Ort) mit ihren Wallanlagen. Auf dem Heisterberg bei Beckedorf befand sich das Heisterschlösschen, eine Ringwallanlage mit 65 m Durchmesser aus dem 10. Jahrhundert.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände des Jugend-, Bildungs- und Freizeit-Centrums (JBFC) befinden sich zwei Gedenkstätten. Auf der Jahn-Wiese steht als Reminiszenz an das Lebenswerk von Friedrich Ludwig Jahn das Jahn-Denkmal. Neben der Mehrzweckhalle des JBFC Bückeberg wurde ein Gedenkstein für den Begründer des Jahn-Bergturnfestes, Ernst Stahlhut, gesetzt. Namentlich erinnern auch die Jahn-Wiese und der Jahn-Turm an den "Turnvater".

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einigen Karten findet sich die Bezeichnung Bückeberge. In der niederdeutschen Sprache ist es nicht unüblich, solch eine Bezeichnung als Singular zu gebrauchen („Wir gehen zum Bückeberge“). In der NS-Zeit hat es Versuche gegeben, den Schaumburger Bückeberg in Bückeburger Wald oder auch in die Bückeberge umzubenennen, um ihn vom Bückeberg bei Hagenohsen zu unterscheiden, wo das Reichserntedankfest gefeiert wurde. Vereinzelt findet sich der Plural allerdings auch schon vor 1933 in Karten. In amtlichen Karten wird der Plural erstmals 1961 benutzt. Das Landesvermessungsamt Niedersachsen (LGN) hat 2005 verbindlich die Bezeichnung Bückeberg für den Höhenzug in seiner ganzen Ausdehnung festgelegt, so dass nun auch offiziell wieder die jahrhundertelang gebräuchliche Bezeichnung in die Karten übernommen wird. Der Bückeberg liegt im alten germanischen Bukkigau (von germ. BukkiBuche“), ist also der „Berg im Bukki“ oder „Buchenberg“.

Mythen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In alten Volkssagen wird vom sogenannten „Böxenwolf“ berichtet, eine Art Werwolf, der in der Nacht einsame Wanderer im Bückeberg, aber auch zwischen den umliegenden Dörfern anfällt, ihnen auf den Rücken springt und erst nach einer ganzen Weile wieder abspringt.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Andreas Friedrich: Gestaltete Naturdenkmale Niedersachsens, Landbuch-Verlag, Hannover, 1982, ISBN 3-7842-0256-X

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Topographische Karte: Diebische Ecke und Heisterberg (DTK 25; für Berghöhen siehe starke Kartevergrößerung), auf natur-erleben.niedersachsen.de
  2. Sofie Meisel: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 85 Minden. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1959. → Online-Karte (PDF; 4,5 MB)
  3. Name Diebische Ecke laut unbekannter Quelle
  4. a b c d e f Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  5. Jahn-Bergturnfest Bückeberg – Historie, auf jahn-bergturnfest.de
  6. Als der Böxenwolf sein Unwesen trieb (PDF-Datei; 31 kB), aus Schaumburger Nachrichten (sn-online.de), vom 8. November 2010, S. 24