Bahadur Shah II.

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Bahadur Shah II. (um 1850)
Das Foto von Robert Christopher Tytler zeigt Bahadur Shah II. im Alter von 82 Jahren kurz vor seiner Verurteilung in Delhi 1858. Es ist möglicherweise die einzige Fotografie, die je von einem Mogulkaiser gemacht wurde.

Mirza Abu Zafar Siraj-ud-din Muhammad, als Herrscher Bahadur Shah II. oder unter seinem Dichternamen Bahadur Shah Zafar (* 24. Oktober 1775 in Delhi; † 7. November 1862 in Rangun) war der letzte, nur noch nominell regierende Großmogul, und kurzfristig Kaiser von Indien. Bahadur Shah II. gilt als berühmter Sufi-Dichter in der Sprache Urdu.

Regierungszeit als Großmogul[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahadur Shah war der Sohn von Akbar Shah II. und seiner Frau Lalbai. Nach dem Tod seines Vaters am 28. September 1838 wurde er Großmogul.

Das Mogulreich, dem einst ein Konglomerat aus Reichsprovinzen, untergeordneten Fürstenstaaten und halbautonomen Städten und Dörfern zugeordnet war, hatte seinen beherrschenden Einfluss auf den indischen Subkontinent bereits im 18. Jahrhundert verloren. Nach wie vor galt jedoch der im Roten Fort in Delhi residierende Großmogul sowohl der indischen Bevölkerung als auch den indischen Provinzen und Staaten als nomineller Souverän. Dementsprechend hatte die Britische Ostindien-Kompanie sich noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf offiziellen Papieren und Münzen als Vasall des Großmoguls bezeichnet und dem in Delhi ansässigen Vertreter der Kompanie die strikte Anweisung gegeben, dem Mogul mit dem Respekt zu begegnen, der dem obersten Herrscher von Hindustan zustand.[1] Bereits ab den 1830er Jahren begann sich die britische Politik in diesem Punkt zu ändern. Bis 1857 demonstrierten eine Reihe von Maßnahmen und Ereignissen dem Großmogul und seinem Hofstaat, welche Bedeutungslosigkeit ihnen die Briten mittlerweile beimaßen. So überreichte die Britische Ostindien-Kompanie ab 1832 das zeremonielle Geschenk (nazr) nicht mehr, das die Verpflichtungen der Kompanie gegenüber dem Großmogul öffentlich unterstrichen hätte. Hochrangige Vertreter der Kompanie verzichteten auf den Antrittsbesuch beim Großmogul, wenn sie in Delhi weilten.

Auf den Rupien, die die Ostindien-Kompanie herausgab, wurde der Name des Großmoguls entfernt. Ab 1850 war es allen britischen Untertanen untersagt, Titel und Ehrungen seitens des Großmoguls anzunehmen[2]. Der Einflussbereich von Bahadur Shah beschränkte sich auf seinen Palast, das Rote Fort in Delhi. Kein indischer Adliger durfte ihn hier ohne die Erlaubnis von Thomas Metcalfe, dem ranghöchsten Vertreter der Kompanie vor Ort aufsuchen[3]. Metcalfe versuchte auch die Thronfolge zu beeinflussen. Üblich war es, dass der Großmogul unter seinen Söhnen denjenigen bestimmte, der aus seiner Sicht der am meisten geeignete Nachfolger war. Metcalfe versuchte zunächst die Primogenitur durchzusetzen und verweigerte jegliche Anerkennung dem Sohn, den Bahadur Shah Zafar erwählt hatte. Kurz vor Ausbruch des Aufstands von 1857 verfolgte Metcalfe jedoch zunehmend die Politik, mit dem Tod von Bahadur Shah Zafar die Herrschaftslinie erlöschen zu lassen. Diese Politik hatte zur Folge, dass eine Reihe der Würdenträger am Hof des Großmoguls bereit war, die Aufständischen zu unterstützen.

Rolle im Indischen Aufstand von 1857[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahadur Shah Zafar II. war nominell der Anführer des antibritischen Aufstands von 1857. Die Unterstützung der Aufständischen wurde außerdem nicht von allen Angehörigen des Hofes des Großmoguls geteilt. Die britische Seite wurde unter anderem von Zafars Lieblingsfrau Zinat Mahal unterstützt, die damit auch die Hoffnung verbunden haben mag, dass die Briten die Thronfolge ihres Sohnes Jawan Bakht sichern würden. Jawan Bakht übernahm im Gegensatz zu seinem älteren Halbbruder Mirza Mughal während des Aufstands niemals eine aktive Rolle.[4] Im Zuge des Aufstandes wurde Bahadur Shah II. kurzfristig zum Kaiser von Indien proklamiert. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde die Britische Ostindien-Kompanie im Jahr 1858 aufgelöst und Britisch-Indien zu einer formellen Kronkolonie. Bahadur Shah II. wurde im März desselben Jahres im Alter von 82 Jahren von einem Kriegsgericht der Mitschuld an der Revolte schuldig gesprochen, abgesetzt und nach Rangun im britisch besetzten Teil Birmas verbannt, wo er am 7. November 1862 starb.

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Territorium des Mogulreichs wurde am 2. August 1858 gemeinsam mit allen anderen Territorien unter direkter Kontrolle der Britischen Ostindien-Kompanie mit Wirkung zum 1. November der neu gegründeten Kolonie Britisch-Indien übereignet. Die britische Königin Victoria nahm im Jahr 1876 in Anknüpfung an die Großmogule den Titel einer Kaiserin von Indien an.

Religion und Dichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahadur Shah war Anhänger des Sufismus; er galt als Pir und umgab sich mit einem Kreis von Dichtern.[5]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne von Bahadur Shah – links Mirza Shah Abbas, rechts Jawan Bakht

Bahadur Shah Zafar hatte vier Frauen und zahlreiche Konkubinen. Seine Frauen waren:[6]

  • Begum Ashraf Mahal
  • Begum Akhtar Mahal
  • Begum Zeenat Mahal (auch Zinat Mahal) (1821–1882)
  • Begum Taj Mahal

Er hatte zwanzig Söhne, darunter:

  • Mirza Dara Bakht Miran Shah (1790–1841)
  • Mirza Fath-ul-Mulk Bahadur (auch Mirza Fakhru) (1816–1856)
  • Mirza Mughal (1817–1857)
  • Mirza Khizr Sultan (1834–1857)
  • Mirza Abu Bakr (1837–1857)
  • Mirza Jawan Bakht (1841–1884)
  • Mirza Shah Abbas (1845–1910)

Er hatte zweiunddreißig Töchter, darunter:

  • Rabeya Begum
  • Begum Fatima Sultan
  • Kulsum Zamani Begum

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahadur Shah II. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frederick Sleigh Roberts: Einundvierzig Jahre in Indien. 2 Bände. Siegismund, Berlin 1904, (Digitalisat Bd. 1, Digitalisat Bd. 2).
  • Surendra Nath Sen: Eighteen fifty-seven. With a foreword by Maulana Abul Kalam Azad. Ministry of Information & Broadcasting, Delhi 1957.
  • Ursula Beisinger: Die Ursprünge des Aufstandes von 1857 in Oudh. Frankfurt am Main 1959, (Frankfurt am Main, Universität, Dissertation, vom 16. Dezember 1959).
  • Christopher Hibbert: The great mutiny. India 1857. Reprinted edition. Penguin Books, London u. a. 1988, ISBN 0-14-004752-2.
  • Tapti Roy: The politics of a popular uprising. Bundelkhand in 1857. Oxford Univ. Press, Delhi u. a. 1994, ISBN 0-19-563612-0.
  • P. J. O. Taylor: What really happened during the mutiny. A day-by-day account of the major events of 1857–1859 in India. Oxford University Press, New Delhi u. a. 1999, ISBN 0-19-565113-8.
  • Saul David: The Indian Mutiny. 1857. Penguin Books, London u. a. 2003, ISBN 0-14-100554-8.
  • Mahdi S. Husain: Bahadur Shah Zafar: And the War of 1857 in Delhi. Aakar Books 2006, ISBN 978-8187879916
  • William Dalrymple: The Last Mughal. The Fall of a Dynasty, Delhi, 1857. Bloomsbury, London u. a. 2006, ISBN 0-7475-8639-X.
  • G. S. Cheema: The Forgotten Mughals: A History of the Later Emperors of the House of Babar (1707–1857). Manohar Publ. 2005, ISBN 978-8173046018.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dalrymple, S. 38f.
  2. Dalrymple, S. 39.
  3. Dalrymple, S. 37.
  4. Dalrymple, S. 221f.
  5. Bahadur Zafar, Paul Smith (Übers.): Bahadur Shah Zafar - Sufi Poet & Last Mughal Emperor & his Circle of Poets: Zauq, Ghalib, Momin, Shefta, Dagh. Selected Poems. New Humanity Books, 2017.
  6. Translated extracts from a very good book about Bahadur Shah Zafar. 9. Juli 2007, abgerufen am 3. Januar 2020.
VorgängerAmtNachfolger
Akbar Shah II.Großmogul von Indien
1838–1858
Ende des Mogulreichs
Titel neu geschaffenKaiser von Indien
1857
Victoria