Urdu

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
Urdu (اردو)

Gesprochen in

Pakistan, Indien, Afghanistan, Bangladesch
Sprecher 58 Millionen Muttersprachler,
150–300 Millionen gesamt
(geschätzt)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Pakistan, Indien (Delhi, Jammu und Kashmir, Uttar Pradesh, Bihar und Telangana)
Sprachcodes
ISO 639-1:

ur

ISO 639-2:

urd

ISO 639-3:

urd

Gebiete, in denen Urdu (häufig neben anderen Sprachen) einen offiziellen Status als Amtssprache hat: Pakistan, sowie die indischen Bundesstaaten Jammu und Kashmir, Uttar Pradesh, Bihar, Telangana und das indische Unionsterritorium Delhi
Übrige indische Bundesstaaten, in denen vereinzelt Urdu gesprochen wird, aber keinen Status als Amtssprache genießt.

Urdu (perso-arabisch: اردو, DMG urdū; kurz für زبان اردو معلہ, DMG zabān-i urdū-yi muʿalla, deutsch ‚Sprache des gebildeten Hofes‘) ist eine indoarische Sprache und gehört zum indoiranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu ist Nationalsprache sowie Amtssprache in Pakistan und einigen indischen Bundesstaaten mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil. In Afghanistan spricht der Großteil der Bevölkerung aufgrund der großen Beliebtheit von indischen und pakistanischen Filmen Urdu, außerdem sind mehrere Millionen Kriegsflüchtlinge, die jahrelang in Pakistan gelebt und dort Urdu gelernt hatten, in ihre afghanische Heimat zurückgekehrt. Urdu wird auch in Afghanistan in Gedichten verwendet und in afghanischen Schulen als Fremdsprache unterrichtet. In Bangladesch, damals Ost-Pakistan war Urdu die Amtssprache neben Bengali. Da die Bevölkerung sich mit Urdu als Sprache nicht identifizieren wollte, siegte der „Anti-Urdu-Protest“ in Dhaka. Urdu wird als Schulfach in Bangladesch angeboten. Zwar sprechen es in Pakistan nur zehn Millionen Menschen als Muttersprache, doch daneben dient Urdu neben Englisch in zunehmendem Maße als Verkehrssprache zwischen den einzelnen Regionalsprachen. In Indien ist es eine der 22 offiziell anerkannten Nationalsprachen und wird vor allem in den Regionen Andhra Pradesh, Delhi, Uttar Pradesh, Uttarakhand gesprochen. Weltweit gibt es etwa 58 Millionen muttersprachliche Urdu-Sprecher, mit Zweitsprachlern erhöht sich die Zahl auf 150 bis 200 Millionen.

Der Begriff „Urdu“ ist turksprachiger Herkunft und verwandt mit türkisch „Ordu“ („Armee“).[1]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu entstand als Bildungssprache zur Zeit des Sultanats von Delhi und des Mogulreichs auf dem südasiatischen Subkontinent (Pakistan, Indien) als perso-arabischer Schriftstil der Standardsprache des Hindi-Urdu-Dialektkontinuums. Schwerpunkt der Entwicklung war die Herrschaft Akbars (1556–1605), in dessen riesigen Wanderhöfen und -feldlagern (bis zu 70 km Umfang) sich ein Vielvölkergemisch aus Persern (Persisch, in der Mogulzeit 300 Jahre lang Amtssprache in Nordindien), Nordindern (Panjabi, Hindi), Mongolen (Mongolisch), Türken (Türkisch) etc. bewegte.

Politische Folgen der Einführung als Amtssprache in Pakistan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entscheidung der pakistanischen Regierung, Urdu als alleinige Amtssprache zu verwenden, führte zu Widerstand im damaligen „Ostpakistan“ (dem heutigen Bangladesch), wo fast ausschließlich Bengalisch gesprochen wurde bzw. wird, und zum Entstehen der oppositionellen Bengalischen Sprachbewegung. Am 21. Februar 1952 forderte eine Anti-Urdu-Demonstration in Dhaka mehrere Menschenleben, als die Polizei in die Menge feuerte. Der 21. Februar wurde später durch die UNESCO zum Internationalen Tag der Muttersprache erklärt.[2]

Verhältnis zwischen Urdu und Hindi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu und Hindi sind Soziolekte bzw. Situolekte (formelle oder informelle Ausdrucksweise) ein und derselben Sprache, des Hindustani, das sich in Nordindien seit dem 13. Jahrhundert in einem Jahrhunderte dauernden komplexen Prozess aus Elementen einheimischer Prakritsprachen sowie einem persischen, zum Teil auch arabischen und tschagataisch-türkischen Superstrat entwickelt hat.

Seit dem 19. Jahrhundert setzte ein sekundärer Differenzierungsprozess ein, in dessen Verlauf die gesellschaftlichen Eliten situationsbezogen auf Sanskrit bzw. Persisch-Vokabeln zurückgriffen. Infolge der staatlichen Teilung Britisch-Indiens in Indien und Pakistan (1947) setzte sich diese Differenzierung in verstärkter Form fort, sodass Urdu und Hindi aus ethno-politischer Sicht als unabhängige Ausbausprachen anzusehen sind.

Traditionell gilt Urdu als die „gehobenere“ der beiden Sprachen und wird auch als „Sprache der Dichtkunst“ bezeichnet. (Zu den Unterschieden zwischen Hindi und Urdu siehe Hindustani.) Bei Unterhaltungen des täglichen Lebens verursachen die Unterschiede auch heute keine bedeutsamen Verständigungsprobleme, nicht zuletzt deshalb, weil auch Hindisprecher im Alltagsgebrauch häufig Wörter persischen oder arabischen Ursprungs den aus dem Sanskrit übernommenen Neologismen vorziehen.

Vokabular[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu enthält einen großen Anteil an Lehnwörtern aus dem Persischen, Arabischen und Portugiesischen. Im Laufe der Zeit hat Urdu weiterhin Lehnwörter aus dem Türkischen und Englischen aufgenommen.

Alphabet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu verwendet eine Variante des persischen Alphabets, das wiederum eine Variante des arabischen Alphabets ist. Für die Transliteration sind zwei Systeme gängig, je nachdem, ob ein Orientalist die Umschrift des arabischen Alphabets nach DIN 31635 darauf anwendet oder ein Indologe die Laute indischer Sprachen nach der ihm gewohnten Norm ISO 15919 damit beschreibt.

Alphabet Name Deutsches Äquivalent Aussprache in IPA Orientalistische
Transliteration
nach DIN 31635
Indologische
Transliteration
nach ISO 15919
ا ālif a, am Wortanfang auch i und u [ə, ɑ] ā ā, am Wortanfang: a, i, u
(je nach Aussprache)
ب be b [b] b b
پ pe p [p] p p
ت te t (plosiver Dental) [t̪] t t
ٹ ṭe t (retroflex) [ʈ]
ث se scharfes s [s]
ج jīm dsch [dʒ] ǧ j
چ ce tsch [tʃ] č c
ح baṛī he h [h] h
خ xe ch in Bach [x] x, kh
د dāl d (plosiver Dental) [d̪] d d
ڈ ḍāl d (retroflex) [ɖ]
ذ zāl weiches s [z]
ر re Zungen-R [r] r r
ڑ aṛe Zungen-R (retroflex) [ɽ] ŕ
ز ze weiches s [z] z z
ژ zhe weiches sch [ʒ] ž ż
س sīn scharfes s [s] s s
ش schīn sch [ʃ] š ś
ص suād scharfes s [s] s
ض zuād weiches s [z] z
ط toe t [t]
ظ zoe weiches s [z]
ع ‘ain e [ɑ], [ʔ], [ə], [-] ʿ ʿ
غ ghain Zäpfchen-R [ɣ] ġ ġ
ف fe f [f] f f
ق qāf k, q [q] q q
ک kāf k [k] k k
گ gāf g [g] g g
ل lām l [l] l l
م mīm m [m] m m
ن nūn n [n] n n
ں nūn ġunna Nasalierung [ ̃ ] ̃ (Tilde über dem nasalen Vokal)
و vā'o w, v, Vokale [v], [u], [ʊ], [o], [ow] w v, o, ū, au (je nach Aussprache)
ہ ,ﮩ ,ﮨ choṭī he h [h], [-] Wortende: [ɑ] h h, am Wortende: a
ھ do cashmī he Behauchung

von Konsonanten

[ʰ], [ʱ] h h
ء hamzah Stimmabsatz;
trennt zwei Vokale
voneinander,
sonst stumm
[ʔ], [-] ʾ ʾ
ی choṭī ye j, Vokale e, i [j], [i], [e], [ɛ] y y, ī (je nach Aussprache)
ے baṛī ye Vokal e, ä [eː], [æ] y e, ai (je nach Aussprache)

Sprachbeispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1:

تمام انسان آزاد اور حقوق و عزت کے اعتبار سے برابر پیدا ہوۓ ہیں۔ انہیں ضمیر اور عقل ودیعت ہوئی ہے۔ اسلیۓ انہیں ایک دوسرے کے ساتھ بھائی چارے کا سلوک کرنا چاہیۓ۔
Tamām insān āzād aur ḥuqūq-o ʿizzat ke ėʿtibār se barābar paidā hū'e haiṅ. Inheṅ żamīr aur ʿaql vadīʿat hū'ī hai. Isli'e inheṅ ek dūsre ke sāth bhā'ī čāre kā sulūk karnā čāhi'e.
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Austin (1. September 2008): One thousand languages. Living, endangered, and lost. University of California Press, ISBN 978-0-520-25560-9, S. 120 ff.
  2. 21. Februar, Tag der Muttersprache: Tote und Verletzte vor 50 Jahren in Ost-Bengalen auf .uebersetzerportal.ch vom 21. Februar 2002.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Urdu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien