Urdu

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Urdu (اردو)

Gesprochen in

Pakistan, Indien
Sprecher 58 Millionen Muttersprachler,
150–200 Millionen gesamt
(geschätzt)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Pakistan, Indien (Delhi, Jammu und Kashmir, Uttar Pradesh, Bihar und Telangana)
Sprachcodes
ISO 639-1:

ur

ISO 639-2:

urd

ISO 639-3:

urd

Gebiete, in denen Urdu (häufig neben anderen Sprachen) einen offiziellen Status als Amtssprache hat: Pakistan, sowie die indischen Bundesstaaten Jammu und Kashmir, Uttar Pradesh, Bihar, Telangana und das indische Unionsterritorium Delhi
Übrige indische Bundesstaaten, in denen vereinzelt Urdu gesprochen wird, aber keinen Status als Amtssprache genießt.

Urdu (perso-arabisch: اردو, DMG urdū; kurz für زبان اردو معلہ, DMG zabān-i urdū-yi muʿalla, „Sprache des gebildeten Hofes“) ist eine indoarische Sprache und gehört zum indoiranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie.

Urdu ist Nationalsprache sowie Amtssprache in Pakistan und einigen indischen Bundesstaaten mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil. Zwar sprechen es in Pakistan nur zehn Millionen Menschen als Muttersprache, doch daneben dient Urdu in zunehmendem Maße als Verkehrssprache zwischen den einzelnen Regionalsprachen. In Indien ist es eine der 22 offiziell anerkannten Nationalsprachen und wird vor allem in den Regionen Andhra Pradesh, Delhi, Uttar Pradesh, Uttarakhand gesprochen. Weltweit gibt es etwa 58 Millionen muttersprachliche Urdu-Sprecher, mit Zweitsprachlern erhöht sich die Zahl auf 150 bis 200 Millionen.

Der Begriff „Urdu“ leitet sich vom türkischen „Ordu“ („Armee“) ab.[1]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu entstand als Bildungssprache zur Zeit des Sultanats von Delhi und des Mogulreichs auf dem südasiatischen Subkontinent (Pakistan, Indien) als perso-arabischer Schriftstil der Standardsprache des Hindi-Urdu-Dialektkontinuums. Schwerpunkt der Entwicklung war die Herrschaft Akbars (1556–1605), in dessen riesigen Wanderhöfen und -feldlagern (bis zu 70 km Umfang) sich ein Vielvölkergemisch aus Persern (Persisch, in der Mogulzeit 300 Jahre lang Amtssprache in Nordindien), Nordindern (Panjabi, Hindi), Mongolen (Mongolisch), Türken (Türkisch) etc. bewegte.

Politische Folgen der Einführung als Amtssprache in Pakistan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entscheidung der pakistanischen Regierung, Urdu als alleinige Amtssprache zu verwenden, führte zu Widerstand im damaligen „Ostpakistan“ (dem heutigen Bangladesch), wo fast ausschließlich Bengalisch gesprochen wurde bzw. wird. Am 21. Februar 1952 forderte eine Anti-Urdu-Demonstration in Dhaka mehrere Menschenleben, als die Polizei in die Menge feuerte.[2]

Verhältnis zwischen Urdu und Hindi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu und Hindi sind Soziolekte bzw. Situolekte (formelle oder informelle Ausdrucksweise) ein und derselben Sprache, des Hindustani, das sich in Nordindien seit dem 13. Jahrhundert in einem Jahrhunderte dauernden komplexen Prozess aus Elementen einheimischer Prakritsprachen sowie einem persischen, zum Teil auch arabischen und tschagataisch-türkischen Superstrat entwickelt hat.

Seit dem 19. Jahrhundert setzte ein sekundärer Differenzierungsprozess ein, in dessen Verlauf die gesellschaftlichen Eliten situationsbezogen auf Sanskrit bzw. Persisch-Vokabeln zurückgriffen. Infolge der staatlichen Teilung Britisch-Indiens in Indien und Pakistan (1947) setzte sich diese Differenzierung in verstärkter Form fort, sodass Urdu und Hindi aus ethno-politischer Sicht als unabhängige Ausbausprachen anzusehen sind.

Traditionell gilt Urdu als die „gehobenere“ der beiden Sprachen und wird auch als „Sprache der Dichtkunst“ bezeichnet. (Zu den Unterschieden zwischen Hindi und Urdu siehe Hindustani.) Bei Unterhaltungen des täglichen Lebens verursachen die Unterschiede auch heute keine bedeutsamen Verständigungsprobleme, nicht zuletzt deshalb, weil auch Hindisprecher im Alltagsgebrauch häufig Wörter persischen oder arabischen Ursprungs den aus dem Sanskrit übernommenen Neologismen vorziehen.

Vokabular[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu enthält einen großen Anteil an Lehnwörtern aus dem Persischen, Arabischen und Portugiesischen. Im Laufe der Zeit hat Urdu weiterhin Lehnwörter aus dem Türkischen und Englischen aufgenommen.

Alphabet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urdu verwendet eine Variante des persischen Alphabets, das wiederum eine Variante des arabischen Alphabets ist.

Alphabet Name Deutsches Äquivalent Aussprache in IPA Transliteration
nach RAK
ا ālif a [ə, ɑ] ā
ب be b [b] b
پ pe p [p] p
ت te t (plosiver Dental) [t̪] t
ٹ ṭe t (retroflex) [ʈ]
ث se scharfes s [s]
ج jīm dsch [dʒ] ǧ
چ ce tsch [tʃ] č
ح baṛī he h [h]
خ xe ch in Bach [x]
د dāl d (plosiver Dental) [d̪] d
ڈ ḍāl d (retroflex) [ɖ]
ذ zāl weiches s [z]
ر re Zungen-R [r] r
ڑ aṛe Zungen-R (retroflex) [ɽ] ŕ
ز ze weiches s [z] z
ژ zhe weiches sch [ʒ] ž
س sīn scharfes s [s] s
ش schīn sch [ʃ] š
ص suād scharfes s [s]
ض zuād weiches s [z]
ط toe t [t]
ظ zoe weiches s [z]
ع ‘ain e [ɑ], [ʔ], [ə], [-] ʿ
غ ghain Zäpfchen-R [ɣ] ġ
ف fe f [f] f
ق qāf k, q [q] q
ک kāf k [k] k
گ gāf g [g] g
ل lām l [l] l
م mīm m [m] m
ن nūn n [n] n
ں nūn guna nasal [̃] ŋ
و vā'o w, v, Vokale [v], [u], [ʊ], [o], [ow] w
ہ ,ﮩ ,ﮨ choṭī he h [h], [-] Wortende: [ɑ] h
ھ do cashmī he Behauchung von Konsonanten [ʰ], [ʱ]
ء hamzah Stimmabsatz [ʔ], [-] ʾ
ی choṭī ye j, Vokale e, i [j], [i], [e], [ɛ] y
ے baṛī ye Vokal e [eː] y

Sprachbeispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1:

تمام انسان آزاد اور حقوق و عزت کے اعتبار سے برابر پیدا ہوۓ ہیں۔ انہیں ضمیر اور عقل ودیعت ہوئی ہے۔ اسلیۓ انہیں ایک دوسرے کے ساتھ بھائی چارے کا سلوک کرنا چاہیۓ۔
Tamām insān āzād aur ḥuqūq-o ʿizzat ke ėʿtibār se barābar paidā hū'e haiṅ. Inheṅ żamīr aur ʿaql vadīʿat hū'ī hai. Isli'e inheṅ ek dūsre ke sāth bhā'ī čāre kā sulūk karnā čāhi'e.
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Austin (1. September 2008): One thousand languages. Living, endangered, and lost. University of California Press, ISBN 978-0-520-25560-9, S. 120 ff.
  2. 21. Februar, Tag der Muttersprache: Tote und Verletzte vor 50 Jahren in Ost-Bengalen auf .uebersetzerportal.ch vom 21. Februar 2002.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Urdu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien