Bahnstrecke Oberröblingen–Allstedt
| Oberröblingen (Helme)–Allstedt | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer: | 6723 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke (DB): | 654 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke: | 159 (1934) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 7,42 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckengeschwindigkeit: | 50 km/h | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Bahnstrecke Oberröblingen–Allstedt war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn im ehemaligen Landkreis Sangerhausen in Sachsen-Anhalt. Die 7,42 km lange Bahn zweigte im Bahnhof Oberröblingen von der Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt ab, und führte von dort über Niederröblingen nach Allstedt. Die 1894 eröffnete Strecke diente neben dem Berufspendlerverkehr zum Mansfelder Revier im Güterverkehr vor allem dem Verkehr zu einer Zuckerfabrik, einem Kalischacht und einem Kupferschieferschacht.
Der Personenverkehr wurde 1973 eingestellt, der Güterverkehr 1994. Heute verläuft auf großen Teilen ein Bahntrassenradweg.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorgeschichte und Bahnbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allstedt hatte als Sommerresidenz des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach zwar eine gewisse Bedeutung,[1.1] es lag aber als Enklave in der preußischen Provinz Sachsen. Somit war für einen Bahnbau ein Staatsvertrag zwischen beiden Ländern nötig. Trotzdem plante man bereits in den 1850er Jahren eine Trassenvariante der Halle-Kasseler Eisenbahn zwischen Halle und Nordhausen, die über Querfurt, Allstedt, Artern und Kelbra unter Umgehung des Hornburger Sattels führen sollte. Erste Vermessungsarbeiten wurden dafür 1852 von der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn-Gesellschaft durchgeführt, man setzte das Projekt aber wegen zu hoher Baukosten nicht um.[2.1] Nachdem 1855 eine Zuckerfabrik in Allstedt gegründet wurde,[3] war ein Eisenbahnanschluss ebenfalls vorteilhaft.
Auch die seit 1872 im Bau befindliche Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn führte nur an Allstedt vorbei. Der Abschnitt von Sangerhausen nach Artern wurde 1879 für den Güterverkehr eröffnet, Personenverkehr fand ab 1880 statt. Immerhin verkehrte nun dreimal täglich eine Pferdepost zwischen Allstedt und Oberröblingen, wo sich die nächstgelegene Bahnstation befand. Im Dezember 1888 wurde ein Staatsvertrag zwischen Preußen und Sachsen-Weimar-Eisenach geschlossen, da Sachsen-Weimar-Eisenach nun die Kosten für den Grunderwerb und zusätzlich 50.000 Mark Zuschuss zu den Baukosten tragen wollte. Die entsprechende Konzession für eine staatliche Nebenbahn wurde am 8. April 1889 erteilt. Die Vorarbeiten für den Bahnbau begannen am 1. Januar 1891, die eigentlichen Bauarbeiten dann im Sommer 1893, nachdem der Grunderwerb abgeschlossen war.[1.2]
Die Trassierung gestaltete sich einfach, es waren lediglich drei größere Bachbrücken notwendig. Zusätzlich musste auch die Chaussee von Nienstedt nach Allstedt verlegt werden. Im Frühjahr 1894 wurden Hochbauten errichtet. Im Spätsommer 1894 war der Oberbau fertig und die Strecke wurde daraufhin am 1. Oktober 1894 feierlich eröffnet.[1.3]
Betrieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zuständig für den Betrieb war die Eisenbahndirektion Erfurt.[1.3] Täglich verkehrten vier Reisezugpaare, dazu kamen weitere reine Güterzüge. Der Verkehr entwickelte sich recht positiv, auch wenn vor allem saisonal auf Zuckerrüben und Brennstoffe begrenzt. Die Zuckerfabrik verarbeitete während der Kampagne täglich mehrere hundert Tonnen Zuckerrüben.[3] Den Personenverkehr dominierte der Berufsverkehr, der in erster Linie aus Berufspendlern zu den Gruben des Mansfelder Reviers bestand.[1.4] Im Sommerfahrplan 1914 verkehrten dann acht Personenzugpaare täglich, die für die knapp 8 km lange Strecke 15 Minuten benötigten.[4]

Ab 1905 wurde ein Kalischacht der Gewerkschaft Thüringen bei Heygendorf geteuft,[5] der einen vom Bahnhof Niederröblingen ausgehenden fast 9 km langen eigenen Gleisanschluss erhielt. Mit der Schließung des Kalischachts Anfang der 1920er Jahre[5] ging der Verkehr wieder zurück. Die Zuckerfabrik wurde 1940 geschlossen,[3] zu diesem Zeitpunkt verkehrten noch sechs Personenzugpaare werktags.[6] Gegen Kriegsende waren es dann nur noch fünf täglich.[7]
Betrieb nach 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nahe der Station Niederröblingen wurde ab 1952 ein Kupferschieferschacht geteuft, die Förderung wurde 1958 aufgenommen.[8][9] Die Schachtanlage erhielt ein Anschlussgleis und sorgte fortan für einen Großteil des Güteraufkommens. So verkehrten fortan mehrfach täglich Ganzzüge mit Erz Richtung Helbra und Eisleben über Sangerhausen.[2.2][10] Der Personenverkehr bestand in den 1960er Jahren wieder aus acht Zugpaaren täglich, da maximal über 4500 Personen[8][9] im Bergwerk beschäftigt waren.[1.4] Zeitweiße verkehrten auch durchgehende Personenzüge zwischen Sangerhausen und Allstedt.[1.5]

Ab Ende der 1960er Jahre wurde der Berufsverkehr allerdings auf den Kraftverkehr verlagert und das Zugangebot nachfolgend stark eingeschränkt. Am 1. September 1973 wurde der Personenverkehr komplett eingestellt. Im Güterverkehr blieb die Strecke aber weiterhin im Betrieb, allerdings wurde der Abschnitt Niederröblingen–Allstedt ab sofort im Vereinfachten Nebenbahnbetrieb weiterbetrieben. Im August 1982 wurde das Streckenstück Niederröblingen–Allstedt dann in einen Streckenrangierbezirk umgewandelt.[1.6]
Schneller Niedergang nach 1990
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit der Wende 1989/90 und den damit verbundenen wirtschaftlichen Veränderungen brach der Güterverkehr vollständig zusammen, da der Kupferschieferabbau im August 1990 beendet wurde.[8][9][11.1] Weitere bedeutende Güterkunden gab es nicht, sodass der zuletzt sporadische Güterverkehr am 31. Dezember 1994 offiziell eingestellt wurde. Am 6. Oktober 1995 wurde die Strecke stillgelegt, allerdings war schon vorher im Ortsbereich von Röblingen das Gleis nach Straßenbauarbeiten unterbrochen worden.[1.7]
Im Oktober 1997 wurde eine Studie vom Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt und dem Wuppertal-Institut für die Bahnstrecken im Süden Sachsen-Anhalts vorgestellt, die eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs empfahl.[12] Es kam allerdings zu keinen weiteren Maßnahmen und um 1999 erfolgte der Gleisabbau.
Im Bahnhofsbereich Oberröblingen existiert von der ehemaligen Bahnstrecke heute nur noch ein kurzes Stück Gleis, das auf Höhe des früheren Bahnsteiges an einem Prellbock endet. Anschließend ist die Trasse mit einem Wohngebiet überbaut. Auf dem Abschnitt zwischen der B 86 in Oberröblingen bis Ortseingang Allstedt entstand ein Radweg, welcher kurz vom ehemaligen Bahnhofsgelände in Niederröblingen mit seinem Anschluss an das ehemalige Kupferbergwerk „Bernhard Koenen I“ unterbrochen wird.
Betriebsstellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bahnhof Oberröblingen (Helme)
Der Bahnhof Oberröblingen (Helme) wurde mit dem Bau der Stichbahn ausgebaut. Dabei kam das neue Bahnsteiggleis der Nebenbahn hinter dem Empfangsgebäude zum Liegen und die Station war fortan ein Keilbahnhof. Für den Güterverkehr war ein Güterschuppen an das Empfangsgebäude angebaut, zudem waren auch zwei Ladestraßen sowie eine kombinierte Kopf- und Seitenladerampe vorhanden.[1.8][1.4]
Heute werden große Teile der Bahnhofsareals von einem privaten Ausbesserungswerk genutzt, dieses besitzt neben mehreren Werkhallen auch sieben Kilometer Abstellgleise nördlich des Bahnhofs.[13]
- Bahnhof Niederröblingen
Der Bahnhof Niederröblingen lag nordwestlich der namensgebenden Ortschaft. Neben dem Anschlussgleis zum Kaliwerk zweigte hier auch das Gleis zum Kupferschieferschacht ab. Beim Bau der Grube in den 1950er Jahren entstand nördlich der bisherigen Gleisanlagen ein fünfgleisige Anschlussbahnhof, von dem das Gleis zum Schacht des Mansfeld-Kombinat in einem engen 180°-Bogen zum Schacht abzweigte. Im eigentlichen Schachtgelände lagen dagegen nur wenige Gleise. Auf der Anschlussbahn kamen mindestens vier verschiedene Rangierlokomotiven vom Typ LKM N4 und LKM V 22 B zum Einsatz, von denen heute noch drei erhalten sind.[14][15][16][17]
Eine Überbauung des ehemaligen Bahnhofs Niederröblingen mit Eigenheimen ist seit den 2010er Jahren geplant.[18][19]
- Bahnhof Allstedt
Der Bahnhof Allstedt wurde am nördlichen Stadtrand erbaut. Er besaß ein aus Ziegelsteinen gemauertes Empfangsgebäude mit angebautem Güterschuppen aus Ziegelfachwerk. Der Güterschuppen wurde später verlängert.[20] An den Güterschuppen war eine Seitenladerampe angebaut, zudem war auf der Seite des Empfangsgebäudes eine Ladestraße vorhanden. Gegenüber befanden sich eine Holzladerampe sowie die kleine Lokstation. Diese bestand aus einem zweigleisigen Lokschuppen sowie den nötigen Behandlungsanlagen und einem Wasserturm. Ebenso war eine Gleiswaage vorhanden.[1.3]
Es bestanden zwei Gleisanschlüsse, einmal zu einem metallverarbeitenden Betrieb an der Bahnhofseinfahrt[21] sowie zu einer Zuckerfabrik. Letzteres führte in Verlängerung des durchgehenden Hauptgleises etwa 400 m quer durch die Stadt.
Sowohl das Empfangsgebäude samt Güterschuppen als auch der Lokschuppen sind noch vorhanden und werden mittlerweile privat genutzt.
Fahrzeugeinsatz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zuständig für den Fahrzeugeinsatz war bis mindestens in den 1950er Jahren die Lokeinsatzstelle Allstedt als Außenstelle des Bahnbetriebswerks Artern. Dieses wurde 1952 wiederum samt der Lokeinsatzstelle Allstedt dem Bahnbetriebswerk Sangerhausen angegliedert.[22][1.9][23.1]
Zunächst kamen ausschließlich preußische Baureihen zum Einsatz. In den 1950er Jahren wurden die Erzzüge mit der Baureihe 56.20–29 bespannt, den restlichen Zugverkehr erledigten unter anderem die Baureihen Baureihe 5.50–6 und Baureihe 55.7–14. Von 1970 bis 1975 wurden Züge teilweise mit Loks der Baureihe 86 bespannt,[24] diese lösten Loks der Baureihe 93.5–12 ab.[25] Seit den 1970er Jahren bis 1981 kamen dann ölgefeuerte Dampflokomotiven der Baureihe 44.0 im Erzverkehr zum Einsatz. Kurzzeitig wurden als Ersatz 1982/83 Loks der Baureihe 52.80 eingesetzt,[26][27] diese waren allerdings mit den Zuglasten überfordert. Nach dem Ende das Dampflokbetriebs wurden dann bis 1990 Diesellokomotiven der Baureihe 118 für die Erzzüge eingesetzt.[11.2][23.2][1.6] Mindestens seit dem Ende der 1970er Jahre wurden die normalen Güterzüge mit Lokomotiven der Baureihe 110 bespannt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Günther Fromm, Michael U. Kratzsch-Leichsenring: Der Bahnknoten Sömmerda und seine Strecken. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 1999, ISBN 3-932554-59-0, S. 125–130.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Günther Fromm, Michael U. Kratzsch-Leichsenring: Der Bahnknoten Sömmerda und seine Strecken. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 1999, ISBN 3-932554-59-0.
- Thomas Fischer, Sebastian Werner: Eisenbahnchronik Mansfelder Land. EK-Verlag, Freiburg 2023, ISBN 978-3-8446-6432-4.
- 1 2 3 www.albert-gieseler.de: Zuckerfabrik Allstedt. Abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ www.deutsches-kursbuch.de: Hendschels Telegraph. 680–684. Mai 1914, abgerufen am 26. April 2026.
- 1 2 www.technikmuseum-online.de: Das Kalibergwerk "Thüringen" bei Heygendorf. 2013, abgerufen am 26. April 2026.
- ↑ www.deutsches-kursbuch.de: Deutsches Kursbuch Sommer 1939. 159d Oberröblingen (Helme)–Allstedt. 1939, abgerufen am 26. April 2026.
- ↑ Deutsche Reichsbahn: Deutsches Kursbuch 1944/45. 185. 185a–d. 1944, abgerufen am 26. April 2026.
- 1 2 3 www.kupferspuren.eu: [078] Schacht Niederröblingen, später Bernard-Koenen-Schacht. Abgerufen am 26. April 2026.
- 1 2 3 www.industriedenkmal.de: Bergwerk Bernhard Koenen. Abgerufen am 26. April 2026.
- ↑ www.eisenbahnwelt.com: Regenfahrt zur Blankenheimer Rampe. Abgerufen am 27. April 2026.
- Gernot Gattermann: Blankenheimer Rampe (= Eisenbahn Journal. Heft 4/1993). Verlag Hermann Merker, 1993, ISSN 0720-051X.
- ↑ Drehscheibe Bahnwelt Aktuell. Eisenbahnkonzept vorgestellt (= ModellEisenBahner. Heft 2). Pietsch + Scholten Verlag, 1998, ISSN 0026-7422, S. 9.
- ↑ Karl-Heinz Klarner: Bahnverkehr bei Sangerhausen: Redler-Service setzt auf Standort Oberröblingen. Mitteldeutsche Zeitung, 4. März 2016, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ www.rangierdiesel.de: LKM 251048. 13. April 2026, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ www.rangierdiesel.de: LKM 251049. 13. April 2026, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ www.rangierdiesel.de: LKM 262011. 13. April 2026, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ www.rangierdiesel.de: LKM 262226. 13. April 2026, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ Grit Pommer: Bauland für Niederröblingen: Allstedt treibt den B-Plan "Am Bahnhof" jetzt voran. Mitteldeutsche Zeitung, 17. Juli 2017, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ Grit Pommer: Wird es in Niederröblingen ein neues Baugebiet für Eigenheime geben? Mitteldeutsche Zeitung, 19. September 2024, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ www.patifakte.de: Allstedt (Helme, Sachsen-Anhalt). Abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ emk-allstedt.com: Historie. Abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ www.bahnstatistik.de: Königliche Eisenbahndirektion zu Erfurt. Abgerufen am 27. April 2026.
- Gernot Gattermann: Das BW Sangerhausen (= Eisenbahn Journal. Heft 9/1994). Verlag Hermann Merker, 1994, ISSN 0720-051X.
- ↑ Der Kontakt (= Modelleisenbahner. Heft 4/1975). transpress VEB Verlag, Berlin 1975, S. 97.
- ↑ Andreas Knipping: Die Baureihe 86. Das Arbeitstier für Nebenstrecken. EK-Verlag, Freiburg 2008, ISBN 978-3-88255-186-0, S. 188.
- ↑ 03 0010 jetzt wieder 031010. Bw Sangerhausen (= Modelleisenbahner. Heft 3/1982). transpress VEB Verlag, Berlin 1982, S. 81.
- ↑ BR 50.3 überwiegend im Güterzugdienst. Bw Sangerhausen (= Modelleisenbahner. Heft 6/1982). transpress VEB Verlag, Berlin 1982, S. 173.
