Barry Ryan

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Barry Ryan (2015)

Barry Ryan (* 24. Oktober 1948 in Leeds, Yorkshire, England als Barry Sapherson) ist ein britischer Popmusik-Sänger, der ab Mitte der 1960er Jahre gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Paul Ryan, ab 1968 als Solointerpret bis Anfang der 1970er Jahre weltweit Hitparaden-Erfolge feiern konnte. Sein größter Hit ist das von Paul Ryan geschriebene Eloise.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die eineiigen Zwillinge waren Kinder der in den 1950er Jahren recht erfolgreichen Sängerin Marion Ryan und ihres ersten Ehemannes Lloyd Sapherson. Mit 15 Jahren traten sie selbst ins Showgeschäft ein; sie übernahmen von da ab den Mädchen- und Künstlernamen ihrer Mutter – zunächst als ‚The Ryan Twins‘.

Die Ryan-Brüder veröffentlichten in den 1960er Jahren bei Decca Records mehrere erfolgreiche Hit-Singles, darunter Don't Bring Me Your Heartaches (1965), Have Pity On The Boy (1966) und I Love Her (1966), die sich in der britischen Hitparade in den Top 20 platzieren konnten. Ihr von Top-Designern durchgestyltes fotogenes Aussehen, die eingängigen Songs und Barrys unverwechselbare Stimme verschafften ihnen zahlreiche Tourneen, Auftritte in TV-Shows und eine hohe Medienpräsenz in den damaligen Pop-Jugendzeitschriften.

Der Starrummel und der damit verbundene Stress brachten Paul jedoch angeblich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. 1967 begannen die Brüder deshalb, sich auf neue Wege zu konzentrieren. Sie unterschrieben Ende 1967 einen Plattenvertrag beim Label MGM Records. Nach Veröffentlichung von zwei weiteren gemeinsamen Singles (Heartbreaker und Pictures Of Today) verlegte sich Paul auf das Schreiben und Produzieren der Songs, während Barry sie als Interpret vortrug.

Mit der zweiten von MGM Records veröffentlichten Solo-Single Eloise gelang Barry Ryan 1968 ein weltweiter Hit. In sechs Ländern belegte der dramatische, reich orchestrierte Song wochenlang die Nummer 1 der Hitparaden. In Ryans Heimatland Großbritannien kam Eloise auf Platz 2. Die Single verkaufte sich insgesamt über drei Millionen Mal. Die Inspiration zum Schreiben dieses Songs kam Paul Ryan, als er McArthur Park von Jimmy Webb, gesungen von Richard Harris, hörte. Von dieser Aufnahme war er so begeistert, dass er etwas im selben Musikstil schreiben wollte.

Paul Ryan schrieb noch weitere Hits für seinen Bruder, z. B. Love Is Love, The Hunt und Kitsch, die jedoch nicht an den Welterfolg von Eloise anknüpfen konnten. Kitsch beschreibt die Wirkung dieses auch im Englischen gebräuchlichen Wortes: “Kitsch is a beautiful word, it’s a beautiful word, it’s a beautiful lullaby…”

Wie vormals die Beatles und Mary Hopkin sang Ryan auch Lieder in Deutsch, z. B. Zeit macht nur vor dem Teufel halt, das in Deutschland 1972 ein Top-10-Hit wurde.

Im Jahr 1969 erhielt Ryan den Bronzenen und 1970 den Silbernen Bravo Otto der Jugendzeitschrift Bravo. Bei Fotoaufnahmen für die Bravo gab es im Jahr 1969 einen Unfall, bei dem Ryan angeblich schwere Verbrennungen erlitt; es wurde vermutet, dass der Unfall zu Publicity-Zwecken stark dramatisiert wurde.

Nach dem Jahr 1972 blieben weitere Charterfolge aus. Dies sowohl bei den Solo-Veröffentlichungen von Barry Ryan, wie auch bei den in den Jahren 1973 und 1974 gemeinsamen produzierten Singles mit Bruder Paul Ryan. Im Jahr 1976 unternahm Barry Ryan unter dem Pseudonym ‚Matayo‘ mit der gleichnamigen Single einen weiteren, jedoch erfolglosen Versuch, an seine alten Erfolge anzuknüpfen.

Nachdem Barry 1978 geheiratet hatte, zog er sich ins Privatleben zurück. Er verlegte seine künstlerische Tätigkeit fortan vermehrt in die Fotografie. Einzig 1989 veröffentlichte er auf Drängen seines Bruders Paul noch einmal zwei Singles, die jedoch beide floppten. Zu dieser Zeit wurde bei Paul eine Krebserkrankung diagnostiziert, an der er erst 44-jährig am 29. November 1992 verstarb.

Mit seinem Hobby, der Fotografie, erarbeitete sich Barry Ryan ab Mitte der 1980er Jahre einen Ruf als Fotograf. Seine Fotos hängen u. a. in der National Portrait Gallery in London und im Museum of Modern Art in New York.

Gelegentlich tritt Barry Ryan noch in Oldie-Shows im Fernsehen auf und präsentiert dort seine größten Hits (insbesondere Eloise). Im Jahr 1999 erschien gemeinsam mit der Formation Klaus & Klaus eine Neueinspielung von Zeit macht nur vor dem Teufel halt.

Eloise wurde 1981 von der Band The Teens und 1985 von der Punkband The Damned gecovert. Ein Remix des Originals kam 1990 in Deutschland noch einmal in den Verkauf.

In England erschien 1995 die CD Eloise, die neben Neuaufnahmen alter Stücke auch sechs von Barry Ryan verfasste neue Titel enthielt. Ähnlich konzipiert war die 2005 erschienene CD Hello…again. Auf ihr war der Anteil neuer Songs aber wesentlich größer und mit Kitsch und Today nur noch zwei Neueinspielungen alter Titel vorhanden. Im Jahr 2014 nahm er zusammen mit dem gleichnamigen australischen Opern-Bariton Barry Ryan und dem Sydney Lyric Orchestra eine neue Version von Eloise auf. 2017 erschien in Frankreich die CD This is now, die überwiegend neues Material enthält. 2018 gab es eine Neuauflage mit drei zusätzlichen Titeln als Download.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[1] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1969 Barry Ryan Singing The Songs Of Paul Ryan
16
(8 Wo.)
300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 1969

Weitere Veröffentlichungen

  • 1969: Barry Ryan
  • 1970: Barry Ryan 3
  • 1971: Red Man
  • 1972: Sanctus, Sanctus Hallelujah
  • 2019: Going Back to 65 (Music of Youth)

Paul und Barry Ryan

  • 1967: Two of a Kind (als The Ryans)
  • 1967: Hey Mr. Ryan
  • 1968: Paul and Barry Ryan

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[1] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1965 Don't Bring Me Your Heartaches
Hey Mr. Ryan
300! 300! 300! 13
(9 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Oktober 1965
(mit Paul Ryan)
1966 Have Pity On The Boy
300! 300! 300! 18
(6 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Januar 1966
(mit Paul Ryan)
I Love Her
300! 300! 300! 17
(8 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Mai 1966
(mit Paul Ryan)
I Love How You Love Me
300! 300! 300! 21
(7 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Juli 1966
(mit Paul Ryan)
Have You Ever Loved Somebody?
300! 300! 300! 49
(1 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: September 1966
(mit Paul Ryan)
Missy Missy
Hey Mr. Ryan
300! 300! 300! 43
(4 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Dezember 1966
(mit Paul Ryan)
1967 Keep It Out Of Sight
300! 300! 300! 30
(6 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Februar 1967
(mit Paul Ryan)
Claire
Hey Mr. Ryan
300! 300! 300! 47
(2 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Juni 1967
(mit Paul Ryan)
1968 Eloise
Barry Ryan Singing The Songs Of Paul Ryan
1
(11 Wo.)
2
(16 Wo.)
1
(11 Wo.)
2
(12 Wo.)
86
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1968
1969 Love Is Love
4
(8 Wo.)
11
(12 Wo.)
6
(7 Wo.)
25
(4 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Februar 1969
The Hunt
Barry Ryan
22
(4 Wo.)
20
(8 Wo.)
300! 34
(5 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: September 1969
Colour Of My Love
Barry Ryan Singing The Songs Of Paul Ryan
23
(2 Wo.)
300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: Oktober 1969
1970 Magical Spiel
22
(3 Wo.)
300! 300! 49
(1 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Februar 1970
Kitsch
Barry Ryan 3
10
(7 Wo.)
300! 300! 37
(6 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Mai 1970
1971 It Is Written
Red Man
50
(1 Wo.)
300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: Mai 1971
Can't Let You Go
Sanctus, Sanctus Hallelujah
300! 300! 300! 32
(5 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: Dezember 1971
1972 Zeit Macht Nur Vor Dem Teufel Halt
8
(17 Wo.)
300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: Januar 1972
Sanctus, Sanctus Hallelujah
Sanctus, Sanctus Hallelujah
42
(1 Wo.)
300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: September 1972

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Barry Ryan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Chartquellen: DE AT CH UK US