Baukindergeld

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Das Baukindergeld wurde 2018 in Deutschland als staatliche Förderung des Immobilienerwerbs für Familien mit Kindern in Form eines Geldzuschusses eingeführt.

Der Deutsche Bundestag traf dazu am 5. Juli 2018 einen entsprechenden Gesetzesbeschluss (Haushaltsgesetz 2018). Es trat mit der Verkündung im Bundesgesetzblatt rückwirkend zum 1. Januar 2018 in Kraft.

Das Baukindergeld soll nach der Ende 2005 abgeschafften Eigenheimzulage die Eigentumsbildung im Immobiliensektor für Familien mit Kindern erleichtern.

Bayern stockt das Baukindergeld um jährlich 300 Euro auf.[1]

Die Förderung im Einzelnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kauf oder Bau einer selbstgenutzten Immobilie im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 (Datum Kaufvertrag bzw. Baugenehmigung)
  • Antragstellung nach dem Einzug (spätestens nach 6 Monaten, ursprünglich 3 Monate bis zum 16. Mai 2019[2], letztmöglich am 31. Dezember 2023)
  • Jährlicher Zuschuss von 1.200 Euro für Familien pro Kind über einen Zeitraum von 10 Jahren
  • Einkommensgrenze: Haushaltseinkommen bei einer Familie mit einem Kind von maximal 90.000 Euro pro Jahr[3] und zusätzlich 15.000 Euro für jedes weitere Kind
  • Als Kinder im Sinne der Regelung gelten Kinder unter 18 Jahren, für die Kindergeldanspruch besteht und die ihren Hauptwohnsitz im Haushalt haben
  • Für Haus oder Wohnung
  • Kein Wohneigentum im Zeitpunkt der baurechtlichen Genehmigung bzw. des notariellen Kaufvertrags
  • Für Neubau oder Bestandsimmobilie – nicht für Sanierung, Anbau oder Umbau[4]
  • Keine Wohnflächenbegrenzung
  • Bundesweit
  • Keine Rückzahlung des Zuschusses[5]

Beantragung des Baukindergeldes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Förderung untersteht der Verantwortung des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI).

Für die Auszahlung ist die KfW zuständig.[6]

Kontroversen und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vielfach wird kritisiert, das Baukindergeld sei sozial unausgewogen. Es erreiche nicht die tatsächlich bedürftigen,[7] fördere vor allem die Mittelschicht und verfehle damit seinen Zweck,[8], gehe vor allem an jene Familien, die es eigentlich nicht nötig hätten,[9] gerade einkommensschwachen Haushalten[10] und bringe einkommensschwache Familien nicht weiter.[11]

Weitere Kritikpunkte, unter dem Gesichtspunkt der Wirkung des Baukindergeldes auf den Immobilienmarkt sind:

  • "erhebliche Mitnahmeeffekte", also Preissteigerungen durch die Einpreisung der Förderung in Immobilienpreise, ähnlich wie bei der Eigenheimzulage.[12]
  • keine differenzierte Förderung strukturschwacher Regionen[8]
  • Bevorzugung von Neubauten, ohne Aktivierung von Bestandsimmobilien, unabhängig von der örtlich gewachsenen Struktur und demografischen Lage[12][8][13]

Der Zuschuss fungiert als eine Art „Bleibeprämie für das Land“, wo er aufgrund vergleichsweise niedriger Immobilienpreise stärker ins Gewicht falle. Gleichzeitig gebe es auf dem Land jedoch genügend Häuser und Wohnungen, zusätzliche Eigenheime werden dort nicht gebraucht. Das Baukindergeld laufe Gefahr, zusätzlichen Leerstand zu erzeugen. Das Baukindergeld sei eine „abgespeckte Neuauflage“ der Ende 2005 abgeschafften Eigenheimzulage „mit ähnlichen Mängeln“, so Der Spiegel.[14]

Presse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerische Landesbodenkreditanstalt: Baukindergeld plus. 18. September 2018, abgerufen am 18. September 2018 (deutsch).
  2. https://www.test.de/Baukindergeld-So-viel-bekommen-Immobilienkaeufer-dazu-5332964-0/
  3. https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/F%C3%B6rderprogramme-(Inlandsf%C3%B6rderung)/PDF-Dokumente/6000004381_M_424_Baukindergeld.pdf
  4. FAQ zu Baukindergeld und speziellen Bauvorhaben, Familienkonstellationen oder Eigentumsverhältnissen - www.fragenzumbaukindergeld.de, abgerufen am 27. Oktober 2018.
  5. finanz.management: Baukindergeld – Zuschuss vom Staat. finanz.management, 7. Juli 2018, abgerufen am 11. Juli 2018.
  6. Baukindergeld: Mit Zuschuss ins Eigenheim | Aktuelle Info In: kfw.de, abgerufen am 13. Juli 2018.
  7. https://www.sovd-mv.de/index.php?id=1005303
  8. a b c IW-Studie: Baukindergeld wirkt kontraproduktiv. In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 3. Oktober 2018]).
  9. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/baukindergeld-125.html
  10. https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oecd-kritik-deutsche-baukindergeld-schadet-aermeren-haushalten-a-1239633.html
  11. https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article175134932/Baukindergeld-Oekonomen-ueben-heftige-Kritik-an-neuer-Regelung.html
  12. a b Jan Hildebrand: „Erhebliche Mitnahmeeffekte“: Bundesrechnungshof kritisiert Baukindergeld scharf. Hrsg.: Handelsblatt. (handelsblatt.com [abgerufen am 3. Oktober 2018]).
  13. Baukindergeld: Wer es bekommt und warum es kritisiert wird - dhz.net. (deutsche-handwerks-zeitung.de [abgerufen am 3. Oktober 2018]).
  14. Ann-Kathrin Jeske: Prämie fürs Land. In: Der Spiegel. Nr. 27, 2018, S. 36 (online30. Juni 2018).