Beamtenfriedhof

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Überwucherte Grabmale auf dem Beamtenfriedhof

Der Beamtenfriedhof (eigentl. Anstaltsfriedhof des Preußischen Mustergefängnis Moabit) in der Lehrter Straße 5 B–D befindet sich in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs im Ortsteil Moabit des Bezirks Mitte und diente als Begräbnisstätte für die Vollzugsbeamten des angrenzenden Zellengefängnisses Lehrter Straße. Ihm nahezu quadratisch gespiegelt, lag der Gefangenenfriedhof auf dem sogenannten Anstaltsgartenland, dessen Reste heute unter einer Kleingartenkolonie liegen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem heute fast unbebauten Gelände wurde das Zellengefängnis Lehrter Straße unter der technischen Leitung von Adolf Hermann Lohse nach Plänen von Carl Ferdinand Busse zwischen 1842 und 1849 errichtet. Vorausgegangen war eine Gefängnisreform Friedrich Wilhelm IV. kurz nach seiner Thronbesteigung.

Lageplan von 1896

Als dieser in der Kabinettsorder vom 26. März 1842 den Bau billigte, war neben einem zentralen Überwachungsturm, fünf sternförmig angeordneten Zellentrakten, einer Kirche und Wohnungen für die Vollzugsbeamten auch ein Anstaltsfriedhof, bestehend aus zwei separaten Arealen, geplant. Der Friedhof entstand zwischen 1842 und 1845 außerhalb der Gefängnismauern innerhalb des ca. 10.000 m² [1] großen Anstaltsgartens nördlich des Gefängnisses. Der durch ein Achsenkreuz geteilte Friedhof ist von der Lehrter Straße aus gesehen in einen Gefangenenfriedhof und einen dahinter liegenden Beamtenfriedhof für die Vollzugsbeamten und deren Familienangehörige gegliedert.

Bekannte Gefangene waren unter anderen Wilhelm Voigt von 1866 bis 1869, Max Hödel, der 1878 wegen eines Attentats auf Kaiser Wilhelm I. hingerichtet wurde, Georg Ledebour und Karl Radek wegen ihrer Teilnahme am Spartakusaufstand sowie Klaus Bonhoeffer. Die letzte Hinrichtung fand offiziell erst 1949 statt (Berthold Wehmeyer).[2]

Nach den Abrissarbeiten des Zellengefängnisses in den Jahren 1957/58 waren nur noch Teile der Ringmauer, drei Beamtenwohnhäuser und der Anstaltsfriedhof erhalten, der daraufhin entwidmet wurde. Eine Differenzierung zwischen Beamten und Gefangenen hatte sogar noch im damaligen West-Berlin eine Rolle gespielt: Während der Begräbnisplatz für die Gefangenen den Kleingärten zugeordnet und damit eingeebnet wurde, blieb der Teil für die Vollzugsbeamten innerhalb der Kleingärten als eingezäunter Bereich erhalten.

Alter schmiedeeiserner Zaun mit neuem Klinkersockel

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der inzwischen in die Berliner Gartendenkmalliste aufgenommene Friedhofsteil für Beamte, der nur durch einen alten, schlichten, schmiedeeisernem Zaun über einem neuen gelben Klinkersockel eingefriedet ist, ist heutzutage zwar als kleine Nekropole erkennbar, jedoch völlig verwildert.

Nichts erinnert mehr an die Verstorbenen. Ein älterer Baumbestand aus Ahornbäumen, Eschen und Linden ist auf dem Friedhofsareal frei angeordnet, die mit Efeu bewachsenen Grabfelder weisen nur noch wenige Grabsteine auf. Zu den erhaltenen gehört u. a. das Grab von Ernst Vetter mit der Inschrift:

Hier/ ruhet in Gott/ mein lieber Mann/ und guter Vater,/ der Kgl.Strafanstalt-/ Aufseher/ Ernst Vetter/ * 28.2.1858, † 3.4.1918

sowie von Luise Post

HIER RUHT IN GOTT// UNSERE GELIEBTE MUTTER/ FRAU LUISE POST/ GEB. WIEHEN/ GEB. IN HITTENBERGEN 10.OKT.1849/ GEST. IN BERLIN 20.FEBR.1912

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Haspel, Klaus von Krosigk: Gartendenkmale in Berlin .Michael Imhof Verlag, Petersberg 2008. ISBN 978-3-86568-293-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beamtenfriedhof – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.gartenverband-wedding.de/lehrter_strasse.html
  2. http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonntag;art2566,2218571

Koordinaten: 52° 31′ 42″ N, 13° 21′ 55″ O