Benefiziarier

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Die Benefiziarier (auch Beneficiarier; lat. beneficiarius von lat. beneficium, dt. „Vorteil, Wohltat“) dienten entweder in einer Legion als Sekretäre im Stab des Statthalters, oder waren auf Stationen in der Provinz abkommandiert und übten polizeiähnliche Aufgaben aus.

Die Benefiziarier waren, um ihre speziellen Aufgaben ausführen zu können, vom einfachen Dienst (Munera) eines normalen Soldaten befreit.

Sie gehörten zur Charge der Principales, welche unter anderem die Frumentarier und Speculatores mit einschloss.

Die Benefiziarier waren vom jeweiligen Statthalter einer Provinz aus ihren Stammeinheiten abkommandierte Principales (Unteroffiziere), die an den Fernstraßen des Reichs Polizeifunktionen wahrnahmen. Mit gelegentlich zugeordneten einfachen Soldaten und Hilfspersonal waren sie in so genannten Benefiziarierstationen (stationes, Straßenstationen) eingesetzt. Diese befanden sich an Grenzübergängen, Straßenkreuzungen, Flussübergängen und anderen neuralgischen Punkten der Provinzen. In einer Centurie, Kohorte oder Legion übernahmen die Benefiziarier Sekretärs- und Schreiberfunktionen für die Legaten und Tribunen.

An den Außen-, aber auch an wichtigen Binnengrenzen des Reiches kontrollierten die Benefiziarier den Warenverkehr als Aufsichtsbehörde über die eigentlich Verantwortlichen. Des Weiteren sammelten sie Informationen aus der Bevölkerung, von Händlern und von Informanten, die sie bei Relevanz an den Statthalter übermittelten. Um ihre Unabhängigkeit gegenüber den lokalen Dienststellen zu stärken, wurden sie in einem halbjährigen Turnus versetzt. Sie bekamen den anderthalbfachen Sold eines Legionärs. Ihr typisches Kennzeichen war eine spezielle Lanze, die sie mit sich führten, und an der sie von weitem als Benefiziarier zu erkennen waren. Diese sogenannte Signumlanze war das traditionelle Symbol der Macht und der Souveränität des Römischen Imperiums. Der Träger der Lanze war somit im direkten Auftrag seines Statthalters (Legaten) unterwegs und übte sein Amt aus. Zu seinen Aufgaben gehörte mitunter auch die Zurechtweisung und Züchtigung von ungehorsamen Individuen. Bei Bestrafung für kleine Vergehen ging es weniger um Geldbußen, sondern mehr um körperliche Züchtigung und Bloßstellung vor der Bevölkerung. Die Institution des Beneficiariers ist seit vespasianischer Zeit nachweisbar.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benefiziarierstation von Obernburg am Main in den „Mitteilungen der Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte“, Nr. 97 vom 22. Mai 2001, auf den Webseiten der Archäologischen Staatssammlung München.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Beneficiarii. Kolloquium über eine römische Heerescharge. Vom 3. bis 5. Dezember 1990 in Osterburken. Vorträge. In: Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (Hrsg.): Der römische Weihebezirk von Osterburken (= Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg. Bd. 49). Band 2. Theiss, Stuttgart 1994, ISBN 3-8062-1140-X.
  • Joachim Ott: Die Beneficiarier. Untersuchungen zu ihrer Stellung innerhalb der Rangordnung des römischen Heeres und zu ihrer Funktion (= Historia. Einzelschriften. H. 92). Steiner, Stuttgart 1995, ISBN 3-515-06660-8 (Zugleich: Frankfurt am Main, Univ., Diss., 1993).
  • Jocelyne Nelis-Clément: Les beneficiarii. Militaires et administrateurs au service de l'Empire (Ier s. a.C. – VIe s. p.C.) (= Ausonius publications. Études 5). Boccard u. a., Paris u. a. 2000, ISBN 2-910023-21-4 (Zugleich: Fribourg, Univ., Diss., 1990).
  • Michael Alexander Speidel: Sold und Wirtschaftslage der römischen Soldaten. In: Géza Alföldy, Brian Dobson, Werner Eck (Hrsg.): Kaiser, Heer und Gesellschaft in der römischen Kaiserzeit. Gedenkschrift für Eric Birley (= Heidelberger althistorische Beiträge und epigraphische Studien. Bd. 31). Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07654-9, S. 65–96.
  • Gabriele Wesch-Klein: Soziale Aspekte des römischen Heerwesens in der Kaiserzeit (= Heidelberger althistorische Beiträge und epigraphische Studien. Bd. 28). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07300-0 (Zugleich: Heidelberg, Univ., Habil.-Schr., 1995).