Benutzer:Brainswiffer

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Das Wunder von Wikipedia ist, wie aus Gezänk Wissen entsteht[1]

Für eine neutrale Wikipedia, trocknet den Honeypot aus!

Was ist eigentlich ein Brainswiffer?
Eine der schönsten animierten GIFs, Danke WiMu
Löschgeier Gyps wikipedianensis germanicus regularis vulgaris, das Maskottchen der Radikal-Exklusionisten
Orientierung suchende Wikipedianer in einem bedeutenden WP-Gremium

Wer sich mit mir schreibt, sollte wissen...

Wikipedia ist "Ringen um die enzyklopädierelevante Wahrheit". Es muss stimmen, wichtig genug und dabei vollständig und repräsentativ dargestellt sein. Inklusionismus und Exklusionismus sind die beiden Pole, die hier miteinander ringen. Wir haben genug "Papier" für alles Sinnvolle (die revolutionäre Alleinstellung gegenüber jeder Papier-Enzyklopädie, wir können umfassender und aktueller sein) - nicht jeder Plops sollte hier aber rein. Sonst wären wir ein Gedankenklo, Karriereportal, Branchenverzeichnis, Telefonbuch, Firmenwiki und Poesiealbum, wo relevante Information im Rauschen der Entropie untergeht oder ganz einfach Nicht-Verlässliches bis zu Unsinn die Glaubwürdigkeit der Informationen einschränkt. Deshalb setzen sich Konkurrenz-Projekte, die auf Relevanzkriterien verzichten wollen, auch nicht durch. Kein ernsthafter Autor ist gewillt, seine Werke in einem Zettelkasten unter bedeutungslosen oder gar unsinnigen Einträgen wiederzufinden - was, wie sich zeigt, schnell geschieht, wenn anderswo auf die Relevanzprüfung verzichtet wird.

Das Inklusionismus-Exklusionismus-Spannungsfeld und die manchmal mühsamen Diskussionen dazu sind für die Weiterentwicklung von Wikipedia notwendig. Das soll man bei allem Frust nicht vergessen - nur diejenigen, die sich dort selber nicht weiterentwickeln, nerven wirklich. Dabei gibt es allerdings Reserven und sich wiederholende Konflikte, die auch lähmen können:

  • Neulinge mit wenig Erfahrung schreiben in guter Absicht etwas über sich oder ihr Umfeld, was den mittlerweile schwierigen Darstellungsanforderungen hier noch nicht genügt - wo etwa Quellen oder externe Referenzen fehlen. Hier wird oft mit der Löschkeule zu schnell zugeschlagen und Bösartigkeit unterstellt -was sich im Umgangston niederschlägt. Einige Benutzer haben sich leider darauf spezialisiert und sind sogar überzeugt, Wikipedia einen guten Dienst zu erweisen. Dabei ist es eigentlich gut, wenn jemand zuerst über etwas schreibt, was er kennt. Frage hier: Wie nimmt man die Neulinge so in Schutz, dass sie motiviert bleiben und die Löschteufel mehr mit Augenmass (AGF) herangehen. Nicht jeder Neuling braucht und will sofort einen Mentor.
  • Dabei ist Abgrenzung notwendig zum reinen Selbstdarsteller, der nur sich oder seine Werke oder (noch nicht anerkannten) Theorien oder seine Kleinfirma an passender oder unpassender Stelle platziert, dabei manchmal nur im Werbestil schreibt (oder schreiben kann). Je dominanter Wikipedia wird, umso mehr versprechen sich die Leute von einer Präsenz hier und umso heftiger ringen sie darum. Die Grenzen sind fliessend und eigentlich erst über die Zeit und Reaktion auf geduldige(re) Ansprache feststellbar. Hier gibt es Unbelehrbare, die dann meist frustriert gehen, wenn sie ihren Willen nicht bekommen, manche begreifen es dann doch und werden gute Autoren.
  • Erschwerend ist, dass manche Neulinge sich nicht wirklich informieren, was eine Enzyklopädie ist, welche Regeln wir haben und wie man solche Artikel schreibt. Besonders im Leben "gestandene" Persönlichkeiten wollen dann manchmal gleich noch die Wikipedia "revolutionieren" und die Regeln so ändern, dass ihr Werk wichtig für eine Aufnahme ist. Das trifft z.B. für Erstveröffentlichungen und neue Theorien ohne ausreichende Rezeption oder Produkte zu und schliesst neue Medien (Blogs, Webseiten, YouTube-Kanäle) ein. Hier ist Wikipedia zugegeben etwas konservativ und verlangt die "enzyklopädische Relevanz", die nachzuweisen ist. Es gibt gute Dinge und Leute, ohne dass sie in Wikipedia aufgenommen werden! Daraus entwickeln sich die meisten Löschdiskussionen, wo die Inklusionisten und Exklusionisten manchmal heftig aneinandergeraten.
  • Und wir wollen auch keine BolscheWikipedia werden, wo Informationen aus einer ideologischen Sicht gefiltert hier nur aufgenommen werden und das gescheiterte Projekt "Erziehung durch Selektion von Wissen und Schönsprech" auflebt. Nur Paranoia? Nicht wirklich! :-). Der sogenannte Honeypot gehört ausgetrocknet. Parteiische Autoren bei solchen Themen sind mindestens ebenso destruktiv wie "kommerzielle Schreiberlinge", die ihre Firmen (etwas zu) gut darstellen bis gross-schwindeln, Wikipedia nur für Werbung und Marketing missbrauchen wollen. "Honeypotologie" - ernst und auch etwas unernster ist ein Schwerpunkt.
  • Eine gewisse Wirtschaftsfeindlichkeit der Wikipedia ist allerdings auch vorhanden. Nur die grossen Unternehmen haben eine Chance auf Aufnahme, der Rest hängt sehr vom Ermessen ab. Wenn Wikipedia zunehmend gesellschaftliche Relevanz gewinnt, besteht hier die Gefahr, dass wir die mittleren Unternehmen auch wettbewerbsrechtlich benachteiligen und am Grösserwerden (in bescheidenem Mass) durch Ignorieren hindern. Hier wird sogar etwas zu Recht argumentiert, dass jeder drittklassige Fussballspieler, Rapper oder Pornostar einfacher Aufnahme findet, als ein wichtiger Arbeitgeber einer Stadt.

Es dauert, bis man ein Gefühl dafür entwickelt, wie das hier läuft, und auch weiß, wann man wie mit welchem "Widerstand" hier umgehen muss (manches muss man sehr ernst nehmen, manches nicht - weil auch Unsinn von jeder beliebigen Person mit dem Brustton größter Offizialität vorgebracht werden kann). Mancher Autor ging, weil er es nicht schaffte, seine Ansprüche mit der Realität in Einklang zu bringen. Manchen geht Selbstverwirklichung über kollektive Wissenserarbeitung. Um manche ist es nicht schade. Manche sind auch mit einer anderen Identität wiedergekommen - mit der Erfahrung dann erfolgreicher geworden. Denn natürlich wirkt der "Meuteneffekt" der Regulars effektiv gegen alle, die sich hier quer legen.

Wikipedistik ist notwendig und das mache ich auch

Wikipedia ist eins der grössten sozialen Experimente, an denen ich je teilgenommen habe. Das Geheimnis, wieso tausende Autoren Millionen von Artikeln ohne Entlohnung schreiben, muss gut erforscht werden, um dies auch zukünftig so zu erhalten. Viele Systeme sind an ihrer zunehmenden Grösse oder Komplexität gescheitert. Man muss das Wesen der Motivation zur Mitarbeit analysieren und vor allem diese bewahren. Beim Wort "Experiment" haben einige Bauchschmerzen. Was ich meine und mache, ist "teilnehmende Beobachtung". Sprich ich arbeite "richtig" mit - beobachte dabei aber mich und andere und variere dabei teilweise systematisch meinen Stil. "Laborratten" sind wir also alle, mich eingeschlossen. ;-) Ich werde die Ergebnisse verallgemeinert zusammenschreiben - das ist aber Arbeit, die mittlerweile begonnen wurde. Und dazu braucht es erst einmal ausreichend eigene Erfahrungen. WP kann nicht mit "Augen zu" einfach so weitermachen. Man darf nicht nur klagen, warum die Autoren weglaufen, warum kein Geeigneter mehr Admin sein will etc. Zuerst kommt immer die Diagnostik, dann die Therapie - die aber nur wirkt, wenn die Diagnostik stimmt.

Nirgends findet man so bunte Charaktere wie hier. Im RL plätschern sie vorbei, hier bleibt alles geschrieben erhalten und analysierbar. Das fängt mit den Machtstrukturen an und geht - auch bei Jüngeren - durch alle Gebiete der Psychopathologie und Persönlichkeitsstörung. Natürlich gibt es auch Normalos, sicher ganz viele. Eine Aufgabe ist es auch, diese vor den disturbed persons zu schützen (die sich als Regulars meist besonders eng an WP klammern). Die Spezifik des Mediums und das Fehlen der im realen Leben verbindlicheren Rückmeldungen begünstigen, dass diese sich hier ungestörter ausleben können. Auch das ist ein noch zu wenig beachteter Forschungsaspekt. Hat man bestimmte Muster erkannt, kann man aber auch hier einiges durch klare Regeln und vor allem ihre konsequente Anwendung abfangen. Je formaler eine Regel ist, je weniger Ermessen sie hat, umso besser (z.B, Zwang zur Anmeldung bei bestimmten Aktionen oder konsequentes Ahnden von wirklichem Mobbing - sowie des Missbrauchs durch falsche Mobbingvorwürfe).

Ich machte und mache kein Geheimnis daraus, wer ich im RL bin. Für offizielle Dinge habe ich den Benutzer:KDHPSY Dennoch will ich hier als Rolle aktiv sein und weiter auch so wie bisher. Ich habe deshalb lange auf Anonymität Wert gelegt. Es schadet erstens aber nichts, dass man mir zutraut, vom Fach Ahnung zu haben. Zweitens schien es im Fach und ausserhalb ohnehin ein offenes Geheimnis (allein die fast in Arbeit ausartenden Anfragen, wie man mit Wikipedia am besten umgeht). Schliesslich will ich mal erproben, wie das Ankündigen der Wikipedistik wirkt. Es gab ja mal Befunde, dass Fragebogen ehrlicher ausgefüllt werden, wenn man dies vor einem Spiegel tut - dadurch mehr Selbstaufmerksamkeit erzeugt. Oder: Wenn man sagt, man wird fotografiert, lächeln die meisten (oder laufen weg oder verhauen den Fotografen ;-). Und ein paar wikipedistisch spannende Dinge gibt es da auch, die spare ich mir aber für ein Buch auf und werden das dann auch etwas lustiger machen, damit es auch gelesen wird.

Schwerpunkt meiner Artikelarbeit ist Psychologie und wo ich immer besonders den Finger draufhalte Psychologische Diagnostik. Das ist auch wegen der Kompliziertheit der Fachsprache eine gute Trainingswiese, mich klar und verständlich auszudrücken. Psychologie neigt zur Unverständlichkeit - der Reiz ist es, dass psychologische Themen auch "Oma-Tests" zumindest annähernd bestehen.

In der Sache bin ich konsequent und manchmal vielleicht auch herausfordernd, wenn die untengenannten Personengruppen hier unbeirrt und rückmeldunsresistent ihren Sermon veranstalten oder andere Wikipedia "benutzen" wollen. Da braucht es bessere Techniken und Regeln, wie man überhaupt in so einem Fall durchdringt. Wenn Du Dich als Person angegriffen fühlst: Ich kenne Dich nicht. Ich meine immer Deine Argumente, die Du hier schreibst. Also nie WP:PA, sondern AA (Argumente-Angriff) in der Hoffnung, dass Du sie verteidigst. Wenn Du allerdings bashst, provozierst etc.: Dann musst Du damit rechnen, dass ich mindestens gegenzuhalten versuche und erprobe, wie man das in Schriftform wirksam kann. Denn im Normalfall versanden im Konfliktfall viele Dialoge ohne Wirkung, weil sie Monologe bleiben und keiner auf den anderen eingeht. Filibusterei und Rabulistik sind die Schlagworte, die in dem Zusammenhang auftauchen. Bisher hab auch ich dagegen kein Patentrezept, mal geht es gut, mal auch in die Hose des Auseinandergehens im Streit. Ohne eine gewisse Polemik scheint in besonders harten Fällen gar nicht möglich, überhaupt durchzudringen, eine festgefahrene Sache wieder in Bewegung zu bringen oder zu viel Selbstsicherheit bis zur Arroganz infrage zu stellen. Das Bemühen um Vermeidung persönlicher Angriffe ist ehrbar. Wenn die Person das eigentliche Problem ist, muss man aber persönlich argumentieren, ohne natürlich unsachlich oder beleidigend zu werden (die Vandalismusmeldungen sind voller Diskussionen, diesen Unterschied genauer zu bestimmen).

Wer bringt die Wikipedia in Gefahr?

Es sind eigentlich nur drei Benutzergruppen, bei welchen ich Gefährdungspotential sehe. Die ersten beiden können Autoren, insbesondere Neuautoren vergraulen und sorgen regelmässig für schlechte Stimmung. Die dritte Gruppe ist eher leise, gefährdet aber die Inhalte, die Ausgewogenheit der Darstellung. Es ist wichtig, die Wirkmechanismrn weiter aufzuklären und effektivere "Bremsen" für die drei Gruppen zu entwickeln, ohne dass die Auseinandersetzung eskaliert:

  • Radikale Exklusionisten, die beim Papierverständnis der Enzyklopädie festhängen und den Brockhaus kopieren wollen. Die meinen es vermutlich ehrlich, sind aber in ihrer Verfestigung leider meist unerschütterlich und von hohem Sendungsbewusstsein. Problematisch wird es dann, wenn sie Neuautoren vergraulen, weil sie nicht genügend sorgfältig vorgehen und quasi immer reflexhaft sofort losbellen und unlautere Motive unterstellen. Hier sollte man vielleicht einmal eine Galerie der ersten Artikel dieser User anlegen, damit die sich selber erinnern, wie sie angefangen haben.
  • Ideologische Eiferer und Eiferinnen mit einer versteckten Motivation, die Darstellung hier durch Sprachreinigung zu beeinflussen und ihre Richtug zu bevorteilen und Gegenmeinungen zu unterdrücken. Die gibt es im linken und rechten Extremspektrum, Dabei gibt es weniger Intelligente, die eher merkbefreit agieren und sich selber in der Community isolieren. Gefährlicher sind kleine sinistre Gruppen im Honeypot, die sich in Wikipedia machtpolitisch sehr gut auskennen und jede Kritik nicht unbedingt mit Argumenten, sondern formalistisch wegbeissen und bis zur Sperre des Gegners eskalieren. Wenn man sich mit denen anlegt, muss man Zeit und Energie mitbringen und kann während der Zeit nichts anderes tun. Man ist nicht wehrlos, braucht aber auch Verbündete. Denn sie scheint auch sehr viel Zeit zu haben, hier mitzuarbeiten, wo die Kritiker einfach energetisch nicht mithalten können. Besonders mühsam wird es, wenn der Klassenkampf direkt in Wikipedia auf beiden Seiten durch Erfahrene ausgetragen wird und man sich gegenseitig die Darstellungen zerstört. Hier befürchte ich eine Zunahme, die aus dem Leben herüberschwappt. Ich sehe auch nur, dass besonnene Admins konsequent die Regeln anwenden bzw. auf ihre Einhaltung pochen. Die berechtigte Kritik an dieser Gruppe auch bei den Gegnern der Wikipedia sollte nicht übergeneralisieren werden. Gemessen an den täglichen Editzahlen liegen solche Honeypot-Edits im Promillebereich. Für Aussenstehende ist es dennoch schwer, den Grad des Zutreffens der Kritiken bei einem konkreten Auskunftsbegehren einzuschätzen. Wikipedia muss sich in allen Bereichen um eine repräsentative Neutralität bemühen. Auch krude Propaganda wird durch Verschweigen oder abwertende Darstellung (wo ja der Lügenpresse-Vorwurf herkommt) nur interessant und dies trägt lediglich zur Polarisierung und Radikalisierung bei. Wir sind Chronisten der Klassenkämpfe, nicht deren Kampfarena!
  • Selbstdarsteller, die WP missbrauchen, um sich, ihre Werke und Theorien in einem Stadium hier bekanntzumachen, wo sie noch nicht enzyklopädiewürdig sind, noch nicht entsprechend anerkannt oder akzeptiert sind - also einfache Eigenwerbung betreiben. Man sollte denken: löschen und gut ist es. Nein, die Leute, mit denen ich hier zu tun habe, sind mehrheitlich davon überzeugt, dass man ihnen unrecht tut und ihre wahre Bedeutung nicht erkennt (sogar in solchen Fällen, wo das, was sie verkaufen, teilweise aus der Wikipedia stammt und sie dann damit über die Werbung hier mit Wikipedia-Wissen Geld verdienen wollen). Die Frage ist hier, ob die Leute das natürlich auch wissen und WP nur heimlich lachend hinter die Fichte führen wollen - oder ob sie selber die Distanz zu sich und ihrer Bedeutung verloren haben. Wäre das der Fall, müsste WP etwas leisten, was das Leben nicht vermocht hat: zurück zu einer realistischen Selbsteinschätzung zu finden. Das ist nicht ganz ohne, weil das auch fehlverarbeitet werden kann und meist auch wird. Sprich: die Leute bekommen hier vielleicht erstmals wieder eine harte Rückmeldung, wenn sie dem im realen Leben ausweichen oder es sich dort niemand traut oder für nötig hält, die Person zu "erden". Oder sogar niemand vorhanden ist.

Da ich mir immer die "schwereren Fälle" aussuche, bleibt eine gewisse Konflikthäufung dabei nicht aus. Zumindest haben neue Autoren und solche, die mit Mühe und Eifer in umstrittenen Bereichen arbeiten, eine Chance auf meine Hilfe gegen die Fraktion der radikaleren Exklusionisten oder Ideologen. Und es zeigt sich schon, dass man mit Worten nicht ganz so hilflos ist - vor allem, wenn es gelingt, durch überzeugende Argumente Verbündete zu finden. Denn ich glaube, dass die Stärke der Wikipedia die grosse Vielfalt an Individualisten ist, die sich für bestimmte Zwecke verbünden können - trotzdem die gleichen Leute sich bei anderen Themen dann wieder heftigst streiten können. Wenn es so was wie Seilschaften gäbe, dann sind die meisten sehr dynamisch und fluktuierend. Das schliesst nicht aus, dass es in bestimmten Bereichen quasi "Verabredungen zum Missbrauch" geben kann. Nach meinem Eindruck ruft auch das genug gesunde Widerstände hervor und zumindest langfristig reinigt sich Wikipedia da selber. Es wurden schon genug Leute gesperrt, aus Ämtern vertrieben oder zentral verordnete Eingriffe durch die Community abgewehrt. Natürlich findet man in einigen "Vertriebenenvereinen" auch verschwörungstheoretische Ansätze, ein "Ganz Oben" steuert das hier alles. Von Google über diverse Geheimdienste sind mehrere verdächtig. Vielleicht gibt es auch irgendwo Phantasien, dies zu tun. Das wäre dann zumindest extrem schwer und bliebe nicht verborgen, weil man dann eine grosse Menge von Individuen quasi öffentlich sichtbar manipulieren müsste. Unsere zahlreichen eigenen "Kampf-Paranoiker" würden dann Alarm schlagen und so dagegen Sturm laufen, dass dies keine Chance hätte. Irgendjemand aus der "Schwarmintelligenz" hier würde reichen, eine vermutete Manipulation zur Diskussion zu stellen, was andere zur Prüfung animiert und Lawinen ins Rollen bringen kann. Wir sind einfach zu viele und mir fallen da gute Beispiele ein, wo das bereits unter Beweis gestellt wurde.

Das beste Erklärungsmodell scheint nach wie vor das eines selbstorganisierenden Systems. Diese Selbstorganisationsfähigkeit ist das eigentlich Starke, was mich motiviert, hierfür etwas zu tun, denn von selber geschieht dabei natürlich auch nichts.

Wikipedia ist dabei nur ein Abbild der Gesellschaft, wo Stil und Umgangsformen Änderungen unterworfen sind. Auch im realen Leben sind die Auseinandersetzungen heftiger geworden - an einem Samstag hab ich mich in Frankfurt einmal gefühlt, als herrsche Ausnahmezustand. Dabei sei dies nur die normale Demonstrationskultur gewesen. Für viele mag Wikipedia auch wirklich eine Ventilfunktion haben, sich abzureagieren. Schaut man sich die meisten Leute an, die anderswo laut über Mobbing oder ungerechte Behandlung klagen, so gibt es fast immer einen handfesten Konflikt, wurden selber schwere Fehler gemacht, die Ausgangspunkt der Kritik waren. Kommt dann ein sich wechselseitig ignorierender Diskussionsstil hinzu (ich habe den Eindruck, es wird bei Konflikten zu wenig gelesen und zu blind geschrieben), ist eine Eskalation unvermeidlich. Da hilft es auch nicht, irgendwelche Zitate aus dem Zusammenhang zu reissen und in einem der Wikis, die als Vertriebenenverbände der Wikipedia agieren, zu lamentieren. Man hätte den Konflikt in Wikipedia früher analysieren und gezielt moderieren müssen. Da das Arbeit ist, kommt unser Mediationsprojekt zu langsam voran, dort liegt aber die Zukunft. "Früherkennung" und Vorhandensein von Anlaufstellen für Hilfen sind nötig. Frustrierte, Konfliktanheizer, Verschwörungstheoretiker, selbsternannte Wächter und andere externe nichtkonstruktive Kritiker der Wikipedia werden solange wirkungslos bleiben, wie die Dynamik zur Veränderung innerhalb hier ausreicht. Sie sind allenfalls wichtig, um den Zusammenhalt innerhalb zu erhöhen, was man an einigen "stürmischen" Ereignissen sehr gut demonstrieren kann.

Wikipedia ist so schnell nicht zu erschüttern

Berechtigte Kritik kann man auch übergeneralisieren. Daran fühle ich mich erinnert, wenn ich die "Menschenjagd" (das Copyright hat jemand anders, es ist aber ziemlich zutreffend) gegen Wikipedianer anschaue. Die hat es in den Vertriebenenvereinigungen immer gegeben - einige wenige gerechtfertigte Analysen werden mit solchen des Niveaus "Schulklowand" garniert. Man hat dort erkannt, dass eine beabsichtigte Delegitimierung der Wikipedia ziemlich schwer ist und wohl nur über die Menschen überhaupt geht. Zunächst war es besorgniserregend, dass dies durch die Wiederwahl-Pusherei nun auch in die Wikipedia hineingetragen wird. Ich vermute nicht allein, dass es da bestimmte Konzertierungen gibt und manche aktuelle wikipediainterne Aktivitäten eigentlich von aussen mit Schädigungsabsicht geführt werden. Die Resonanz in Wikipedia ist zum Glück gering, was z.B. die bisher ausschliesslich positiven Wiederwahlen zeigen. Man kann also auch da zu Gelassenheit raten und auch dazu, dem weiter in den Wahlen eine klare Abfuhr zu erteilen. Es gilt der Spruch "Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht weiter". Wer anderes erwartet, hat den systemischen Kern der Wikipedia nicht verstanden (oder ist nicht in der Lage dazu). Die intrinsische Motivation, hier mitzuschreiben, sich zu verwirklichen und etwas Bleibendes zu schaffen, kann niemand mehr wirklich zerstören.

Warum tue ich mir manches eigentlich an, werde ich oft gefragt. Auch Proktologen, Müllfahrer oder Tierkadaverbeseitiger tun das nicht nur für Geld, sondern brauchen eine Berufsmotivation. Und ich hab eine Unterform des Helfersyndroms, was ich Robin-Hood-Syndrom nenne ;-) Also nicht nur den Opfern helfen, sondern die Täter einbremsen. Ich glaube daran, dass die Mehrheit noch aus ganz normalen Menschen besteht. Die muss man vor den Schreihälsen und -hälsinnen schützen, die Masse durch Lautstärke vorgaukeln und so manipulieren wollen. Denen darf man nicht die Bühne überlassen - gleich, ob links- oder rechtsextrem oder genderwahnsinnig oder was es sonst noch gibt.

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Einzelnachweise

  1. M. von Rohr: "Im Inneren des Weltwissens" Der Spiegel (online) 19.04.2010
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gez. Wolfgang Rieger (Diskussion) 09:06, 28. Mai 2017 (CEST)