Bernd Hontschik

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Bernd Hontschik (geboren 1952 in Graz) ist ein Chirurg und Autor.

Bernd Hontschik fotografiert von Barbara Klemm (2009)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hontschik besuchte in Frankfurt am Main die Schule, Abitur machte er 1971 auf dem dortigen Goethe-Gymnasium. Er studierte Medizin an der Universität Frankfurt am Main und absolvierte ab 1978 seine Facharztausbildung zum Chirurgen. Er wurde 1987 mit einer Schrift über unnötige Blinddarmoperationen in Frankfurt am Main promoviert. Bis 1991 praktizierte er, zuletzt als Oberarzt, an den Städtischen Kliniken Frankfurt-Höchst und danach bis 2015 in seiner chirurgischen Praxis an der Konstablerwache.

Für seine Dissertation Theorie und Praxis der Appendektomie erhielt Hontschik 1989 den Roemer-Preis des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM). Sie wurde 1994 im Mabuse-Verlag in 2. Auflage veröffentlicht. Diese Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass es eine „chronisch-rezidivierende Appendizitis“ gar nicht gebe. Diese stelle eine vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitete Operationsindikation dar, von der insbesondere eine Vielzahl von Mädchen und jungen Frauen betroffen seien. Die Häufung dieser Diagnose an Montagen und das häufige Drängen der Mütter auf einer Operation (wobei normalerweise Patienten und Angehörige froh seien, wenn ein chirurgischer Eingriff vermieden werden könne) wiesen auf eine verborgene Psychodynamik hin, namentlich auf Konflikte zwischen Eltern und nach Unabhängigkeit strebenden adoleszenten Töchtern, die sich speziell an Wochenenden zuspitzten.

Hontschik hat seither mehrere Bücher zu chirurgischen, sozialmedizinischen und gesundheitspolitischen Themen veröffentlicht.

Er ist Herausgeber der inzwischen 16-bändigen Taschenbuchreihe „medizinHuman“ im Suhrkamp Verlag.

Er schreibt mit Unterbrechungen seit 2007 zweiwöchentlich eine Kolumne in der Frankfurter Rundschau.

Hontschik war von 1998 bis 2013 Vorstandsmitglied der „Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin“.

Bernd Hontschik ist mit der Supervisorin Claudia Hontschik verheiratet, sie haben zwei erwachsene Kinder.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1989 erhielt Hontschik den Hans-Roemer-Preis des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM). Das Kuratorium der Hans-Roemer-Stiftung schreibt jährlich einen Preis für die beste Arbeit aus, welche die Integration psychosomatischer Fragestellungen in die Allgemeinmedizin oder in die klinischen Fächer der Medizin fördert.Bevorzugt werden Arbeiten, in denen der Bezug psychosozialer Faktoren zu somatischen Abläufen empirisch fundiert wird oder solche Arbeiten, die Modelle zur Integration psychosomatischer Versorgung in Klinik, Praxis und Ausbildung erprobt haben.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor:

  • Theorie und Praxis der Appendektomie. Eine historische, psychosoziale und klinische Studie. Pahl-Rugenstein, Köln 1987.
  • mit Hermann Plagemann: Medizinische Begutachtung im Sozialrecht. Deutscher Anwaltverlag, Bonn 1996.
  • Nachwort zu: Max Kirschner: Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit. Erinnerungen aus zwei Welten. Aus dem Amerikanischen von Ebba D. Drolshagen. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004.
  • Körper, Seele, Mensch. Versuch über die Kunst des Heilens. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006.
  • Herzenssachen. So schön kann Medizin sein. Weissbooks.w, Frankfurt am Main 2009.
  • Kurze Geschichte der Appendektomie. Mythen, Fakten, Perspektiven. Marseille, München 2012.
  • Hippokrates for sale. Von der schleichenden Zerstörung des solidarischen Gesundheitswesens. Weissbooks.w, Frankfurt am Main 2014.

Als Herausgeber:

  • mit Thure von Uexküll: Psychosomatik in der Chirurgie. Integrierte Chirurgie – Theorie und Praxis. Schattauer, Stuttgart 1999.
  • Psychosomatisches Kompendium der Chirurgie. Marseille, München 2003.
  • mit Wulf Bertram, Werner Geigges: Auf der Suche nach der verlorenen Kunst des Heilens. Bausteine für die integrierte Medizin. Schattauer, Stuttgart 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]