Bes (Ägyptische Mythologie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bes in Hieroglyphen
D58 S29 F28

oder
D58 G29 G1 Aa18 Z5

Dendera Bes 01a.JPG
Bes

Bes ist eine Gottheit, die ursprünglich aus dem Sudan stammt und die ab der 12. Dynastie auch im Alten Ägypten verehrt wurde.

Bedeutung[Bearbeiten]

In der ägyptischen Götterwelt gilt Bes als Schutzgott, der seinen Schutz während der Nacht ausübte. Er schützte die ihn verehrenden Personen vor gefährlichen Wüstentieren, die er mit Messern vernichtete. Darunter insbesondere Schlangen, weswegen Bes auch oft als Schlangenwürger oder Schlangenverschlinger dargestellt wurde.[1]

Er wird jedoch ebenfalls als Gott der Zeugung und der Geburt angesehen und seine Abbildungen sind deshalb häufig in Frauengemächern und an den Kopfenden von Betten (insbesondere Hochzeitsbetten) zu finden. Er sollte einerseits böse Geister vom Haus fernhalten und galt damit anderseits aber auch als Beschützer der Schwangeren, Wöchnerinnen und Neugeborenen. Allmählich wuchs er als Schutzgott des Gotteskindes - also der Nachkommen des Königs (Pharao) - empor. So zählte Bes beispielsweise zu den Göttern, die bei der Geburt von Königin Hatschepsut anwesend waren.[1]

Allerdings galt Bes auch als Gott der Launen und Lustbarkeiten und so tanzte er zur Unterhaltung der Götter und spielte auf Harfe, Leier oder Tamburin.

Der junge Horus (Hor-pa-chered) wurde manchmal auch mit dem Gesicht des Bes dargestellt.

Als Partnerin wird Bes häufig Taweret (Thoeris) zur Seite gestellt. Er gilt aber auch als Partner der Beset, einer feuerspeienden Schlange.[1]

Darstellung[Bearbeiten]

Bes gehört zur Gruppe der Zwerggötter, die seit dem Mittleren Reich auftreten und in denen sich tierische und menschliche Züge vereinen. Er wurde mit einem Fratzengesicht, Löwenmähne und in der Missgestalt eines Krüppels dargestellt, oft auch mit hoher Federkrone. Seit dem Neuen Reich trägt er auf dem Rücken Flügel. Seine Darstellung erfolgt meist von vorne, was darauf hindeutet, dass die Ursprünge dieses Gottes nicht ägyptisch sind.[1] Gelegentlich finden sich jedoch auch Abbildungen im Profil.

Kult und Kultorte[Bearbeiten]

Da Bes auch Gott der Launen und Lustbarkeiten war, waren Tanz und Musik wesentliche Bestandteile seines Kultes. In der Spätzeit wurde er in Sakkara, in der griechisch-römischen Zeit in Antinoupolis sowie im Tempel Sethos I. in Abydos verehrt. Als Orakelgottheit fand Bes in Abydos sogar bis zur Zeit Kaiser Konstantins Verehrung.[2] Ferner bezeugen Amulette mit seinen Abbildungen, dass eine weiter verbreitete Verehrung dieses Gottes bis zur römischen Zeit im Mittelmeerraum erfolgte.[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach Bes ist möglicherweise die balearische Insel Ibiza benannt worden.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Ballod: Prolegomena zur Geschichte der zwerghaften Götter in Ägypten. s. n., s. l. 1912 (München, Univ., Diss. vom 18. Juli 1912).
  • Mary Barnett: Götter und Mythen des alten Ägypten. Gondrom, Bindlach 1998, ISBN 3-8112-1646-5.
  • Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-08-6.
  • Rolf Felde: Ägyptische Gottheiten. 2. erweiterte und verbesserte Auflage. R. Felde Eigenverlag, Wiesbaden 1995.
  • Lucia Gahlin: Ägypten. Götter, Mythen, Religionen. Ein faszinierender Führer durch Mythologie und Religion des Alten Ägypten zu den großartigen Tempeln, Grabmälern und Schätzen der ersten Hochkultur der Menschheit. Edition XXL, Fränkisch-Crumbach 2005, ISBN 3-89736-312-7.
  • Veronica Ions: Die Götter und Mythen Ägyptens (= Die großen Religionen der Welt – Götter, Mythen und Legenden). Neuer Kaiser Verlag – Buch und Welt, Klagenfurt 1988.
  • Manfred Lurker: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter. Sonderausgabe, 1. Auflage. Scherz, Bern / München / Wien 1998, ISBN 3-502-16430-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bes – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Veronica Ions: Die großen Religionen der Welt. 1988, S. 108–110.
  2. a b Rolf Felde: Ägyptische Gottheiten. Wiesbaden 1995, S. 12.
  3. Manuel Bendala Galán: Die orientalischen Religionen Hispaniens in vorrömischer und römischer Zeit. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Bd. II.18.1, 1986, S. 365.