Betreuungsgerichtstag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Den Betreuungsgerichtstag e.V. (BGT) haben Vormundschaftsrichter im Jahr 1988 unter dem damaligen Namen Vormundschaftsgerichtstag ins Leben gerufen. Alle an der betreuungsrechtlichen Praxis beteiligten Berufsgruppen sollten damit ein Forum des Erfahrungsaustausches erhalten. Der Verein versteht sich als Fachorganisation, innerhalb derer die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die einheitliche Rechtsanwendung und die berufliche Fortbildung gefördert werden sollen. Er vertritt keine berufsständischen Interessen. Sitz des Vereins ist Bochum. Er hat rund 1.000 Mitglieder, darunter viele Vormundschaftsrichter, Rechtspfleger sowie sonstige im Betreuungswesen tätige Personen. Der BGT ist als gemeinnützig anerkannt.

Zielsetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein fühlt sich den Leitgedanken des Betreuungsrechts verpflichtet: Die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen stärken und deren soziale Situation verbessern. Er veranstaltet alle zwei Jahre eine bundesweite Fachtagung mit rund 400 Teilnehmern, nun ebenfalls Betreuungsgerichtstag genannt. Außerdem finden regelmäßig regionale Betreuungsgerichtstage statt. Der Betreuungsgerichtstag Nord findet alle zwei Jahre in einem der nördlichen Bundesländer statt, der Westdeutsche Betreuungsgerichtstag trifft sich im Frühjahr jeden Jahres in der Ev. Fachhochschule Bochum. Der BGT-Mitte findet in jedem Jahr im Kasseler Rathaus statt, alle zwei Jahre findet ein BGT in Sachsen Anhalt statt. Der Badische BGT und der Württembergische BGT findet wechselweise jedes Jahr in Freiburg oder Esslingen bzw. Ravensburg/Weingarten statt. Der Bayerische BGT wandert durch die Bezirke Bayerns und findet alle ein bis zwei Jahre statt. Der letzte bundesweite (14.) BGT fand 2014 in Erkner/Brandenburg unter der Überschrift „Wunsch und Wille der Betroffenen“ statt. Auf ihm wurde zum zweiten Mal der Förderpreis des Betreuungsgerichtstags im Gedenken an Lothar Kreyssig vergeben. Sein Mut, als Vormundschaftsrichter dem Willkürregime des Nationalsozialismus entgegenzutreten und den Mord an behinderten Menschen zu verhindern, bleibt ein beeindruckendes Vorbild und hatte Margot von Renesse bewogen, ihn als Namensgeber des Förderpreises vorzuschlagen. Preisträger waren 2014: Das Projekt „Ich sorge für mich! – Vollmacht in leichter Sprache“ ist ein Beratungskonzept des Betreuungsvereins von „Leben mit Behinderung“ in Hamburg. Es befähigt behinderte Menschen, ihren Willen bezüglich ihrer rechtlichen Vertretung durch eine Vollmacht auszudrücken. Das Projekt „Verbesserung der sozialen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im System der rechtlichen Betreuung“ ist ein ganzheitliches Konzept des Betreuungsvereins „Migranten in Aktion“ aus Hamburg. Es bezieht das jeweilige Umfeld der assistenzbedürftigen Menschen mit ein, um sie in ihren eigenen Rechten und Chancen für ein selbstbestimmtes Leben zu stärken.

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Betreuungsgerichtstag engagiert sich für die folgenden fachpolitischen Ziele:

  • Aufbau und Förderung von Betreuungsvereinen
  • Auf- und Ausbau von Betreuungsbehörden
  • Ausreichende Finanzierung von Aktivitäten zur Gewinnung und Schulung ehrenamtlicher Betreuer
  • Entwicklung und Sicherung fachlicher Standards für die professionelle Betreuung
  • Angemessene Vergütungen/Aufwandsentschädigungen für Berufsbetreuer
  • Einhaltung von Verfahrensgarantien für die Betroffenen, insbesondere bei Freiheitsentziehungen
  • Entwicklung von Standards für die medizinische und psychosoziale Begutachtung im Betreuungsverfahren
  • Mitwirkung bei der Weiterentwicklung des Betreuungsrechts sowie bei einschlägigen politischen und administrativen Entscheidungen.

Tätigkeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitwirkung am Gesetzgebungsverfahren des Bundes und der Länder zum Betreuungsgesetz durch fachliche Stellungnahmen
  • Planung und Veranstaltung von bundesweiten Betreuungsgerichtstagen,
  • Dokumentation und Verbreitung der Arbeitsergebnisse in der Fachöffentlichkeit Vorbereitung,
  • Mitherausgabe und ständige redaktionelle Beratung einer Fachzeitschrift zur betreuungsrechtlichen Praxis (BtPrax) (in Zusammenarbeit mit dem *Bundesanzeiger Verlag) mit eigenem Vereinsteil
  • Herausgabe von Fachbüchern u.a. mit den Ergebnissen der Betreuungsgerichtstage (Betrifft:Betreuung)
  • Initiierung von Regionalgruppen (z. B. in Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen u.a.)
  • Initiierung von regionalen Fachtagungen und Fortbildungsveranstaltungen (z. B. BGT-Nord, BGT-West, Badischer BGT u.a.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]